Mando Diao: Good Times

Mando Diao: Good Times

BMG/Warner/ADA

VÖ: 12.05.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Was war das einst für ein Urknall, als Mando Diao aus dem schwedischen Borlänge sich auf den Weg machten Europa und dann die Welt zu erobern. Der Garagenrock traf den Nerv einer ganzen Generation. Überall auf der Welt machten sich Bands auf die 60er in die 00er zu transportieren. Mando Diao waren aber rotziger wie die Kollegen und es gab nicht wenige Stimmen, die in den beiden Frontmännern die Nachfolger der Gallagher-Brüder sahen. Diese Zeiten sind längst vorbei und Mando Diao machten ein paar komische Phasen durch. Mittlerweile hat die Band mit Gustaf Norén sogar einen wichtigen Baustein verloren. Zusammen mit Björn Dixgård bildete er ein kongeniales Duo. Der Rest der Kapelle war eh nur Staffage und verblasste neben den beiden Charismatikern. Nach 19 Jahren hat Sänger und Songwriter Norén die Band 2015 verlassen. Streit gab es wohl nicht. Was der Mann jetzt so macht? Irgendwas mit Naturgeräuschen. Mando Diao standen auf jeden Fall am Scheideweg. Weitermachen? Ende?

 

Man entschied sich, dass die Freundschaft stärker ist und auch durch diese schwere Zeit tragen wird. Mit Jens Siverstedt wurde ein neuer Gitarrist gefunden. Die Wahl fiel auch nicht schwer, da er sowieso ein Freund von Björn ist. Carl-Johan Fogelclou, Patrick Heikinpieti und Daniel Haglund wurden nun auch noch in den Stand von gleichberechtigten Songwritern gehoben und das Ergebnis aus dieser Neuausrichtung liegt nun vor. Der Albumtitel „Good Times“ darf aber sicherlich auch ironisch verstanden werden. Mando Diao gingen seit 2015 durch dunkle Zeiten. Dies lässt sich auch auf das Weltgeschehen übertragen. Es passiert eben viel Scheiße da draußen. Mando Diao schöpften aber auch neue Kraft und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt. Das Band-Album wurde übrigens im Sommerhaus von Jens Siverstedt auf der schwedischen Insel Gotland auf den Weg gebracht. Fünf Freunde, die sich neu gefunden haben.

 

Was bedeutet dies nun alles für „Good Times“? Die gute Nachricht: für den Quatsch des letzten Albums ist hier glücklicherweise kein Platz gewesen. Die schlechte Nachricht: die Songs plätschern bisweilen schon etwas zu seicht aus den Boxen. „Good Times“ ist allerdings kein schlechtes Album. Nein, ganz sicher nicht! Man hört den Songs teilweise aber schon an, dass die Band in dieser neuen Konstellation noch auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht ist. Dixgård muss das ja nun auch alleine schultern und gesanglich fehlt ihm einfach sein bisheriger Sidekick. Beim Songwriting hat man sich auch bei sich selber bedient. Das ist natürlich verständlich, aber ab und an hört sich das eben an, als würde man da die Sicherheitsnummer fahren.

 

Mit dem fragilen „Break Us“ fängt das Album recht ungewöhnlich an. Sanfte Pianoklänge und ein paar Streicher, ansonsten steht die Stimme von Björn im Vordergrund. „All the wars we fought, all the love we lost / It won’t break us” steht dabei aber auch sinnbildlich für Mando Diao im Jahre 2017. Die Ballade eröffnete schon die Promoshows - geschrieben wurde die Nummer übrigens von Siverstedt. Mit „All The Things“ schließt sich ein fast schon typischer Mando Diao Rocksong an. Geht nach vorne. Synthesizer läuten „Good Times“ (den Song) ein. Willkommen auf dem Dancefloor. Das Stück fräst sich schnell in die Gehirnwindungen. Funky ist das und hätte auch auf „Give Me Fire“ eine gute Figur gemacht. „Shake“ bringt noch ein bisschen Pop und Gospel im Sound unter und zielt ebenfalls auf die Beine ab.

 

Entspannter geht es auf „Money“ zu. Die Referenzen an die 70er sind offensichtlich. Disco und so. Macht Spaß, nur der Vocoder-Einsatz stört. Die melancholische Note von „Watch Me Now“ und das verträumte Gitarrensolo holen das Album ein Stückchen runter. Das war auch nötig, denn der Bruch mit „Hit Me With A Bottle“ wäre auch zu groß gewesen. Der Song hat nämlich nur eine Akustikgitarre und den Gesang zu bieten. Mit dem abermals sehr melancholischen Track „Brother“ geht es weiter. Da wird schon die ganze Kitsch- und Pathosschiene aufgefahren. Das Ding hat aber Soul!

 

„Dancing All The Way To Hell“ holt den Dancerock wieder zurück und mit „One Two Three“ geht es abermals zurück in die Disco. „Voices On The Radio“ wäre eigentlich eine recht schöne Popnummer, wenn da nicht wieder dieser furchbare Vocoder aus der Mottenkiste geholt worden wäre. „Without Love“ klingt zum Schluss, als wäre das aus irgendeinem dieser Schmuddelfilme der 70er entnommen worden. Hat was.

 

Fazit: Mando Diao schreiben die eigene Geschichte mit „Good Times“ nun weiter. Es stand zu befürchten, dass das letzte, schreckliche Album das letzte Kapitel gewesen wäre. Zum Glück kommt es nun anders. Es ist ein ordentliches Album und die Band funktioniert definitiv auch ohne Gustaf Norén. Allerdings merkt man hier und da schon, dass die Band noch auf der Suche ist und sich erst komplett neu justieren muss. Der Anfang ist aber gemacht und man darf gespannt sein, wie es weitergehen wird. Auf die Tour darf man sich mit diesen Songs im Gepäck auf jeden Fall wieder freuen!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Mando Diao: Aelita

Mando Diao: Aelita

Universal

VÖ: 02.05.2014

 

Wertung: 5/12

 

Mando Diao legen mit „Aelita“ ein neues Album in die Verkaufstheken der Welt - was übrigens ja noch lange nicht jede Band zustande bringt - und mit dieser Tatsache reißen die guten Nachrichten noch lange nicht ab. Hässlichere Albumcover werden dieses Jahr sicher nicht mehr aufgelegt werden. Auch musikalisch überbringt „Aelita“ nur gute Botschaften. Schlimmeres wird 2014 kaum den Weg in die Gehörgänge finden. Für Mando Diao bedeutet dies auch gleichzeitig, dass die Talsohle erreicht ist, denn die eigene Messlatte liegt ja schon auf dem Boden, in Zukunft wird man wohl kaum dazu übergehen Löcher zu buddeln. Und es wird noch besser: da die Schweden sich nun an den 50ern, 60ern, 70ern und 80ern abgearbeitet haben, wird die nächste Platte dann ein schönes 90er GrungeIndieStoner-Brett werden. Wie gesagt, die guten Nachrichten reißen einfach nicht!

 

Nüchtern betrachtet, ist „Aelita“ durchaus mutig. Mando Diao wandeln keineswegs auf den sicheren Pfaden. Sie hätten es sich ja denkbar einfach machen und an die letzte Erfolgsplatte anknüpfen können. Haben sie aber nicht! Allerdings sollte man die Person, die den Herren einen gebrauchten Synthesizer der russischen Marke Aelita geschenkt hat, schon mal fragen, was sie sich dabei gedacht hat?! Gustaf und Björn haben dieses Relikt in das Soundzentrum dieser Platte gestellt. Damit bewegen sie sich nun in Richtung Disco. Sie sind hiermit näher an ihrem letzten gemeinsamen Projekt Caligola wie an Mando Diao. Ob Mando Diao überhaupt noch eine klassische Band im eigentlichen Sinne ist, sei mal dahingestellt. Die schwedische Ausgabe von Lennon/McCartney dürfte jedenfalls das Heft des Handelns fest in den Händen halten.

 

„Aelita“ ist eine seltsame Angelegenheit. Allerlei Taschenspielertricks führen einen zunächst auf die falsche Fährte, hat man sich aber einmal an den 80ies-lastigen Sound gewöhnt, dann wird leider auch schnell klar, dass das Songwriting auch nicht gerade Bäume ausreißen wird. Dröge schälen sich dann schier endlos erscheinende Nummern wie „If I Don´t Have You“, „Baby“ oder „Make You Mine“ im futuristischen Gewand aus den Boxen. Die gefällige Single „Black Saturday“ - mit Billy Idol-Referenzen - ist da eher die Ausnahme. Vieles auf „Aelita“ reißt ganz locker die sechs Minuten – nur viel zu sagen haben die Schweden da auch nicht. Mit teilweise grausamen Vocoder-Stimmen gehen sie da zu Werke. Gerne darf die Grundstimmung auch etwas düsterer, wie bei „Money Doesn´t Make You A Man“, sein. Dazu werden Klänge gereicht, die sich auch auf dem C64 gut gemacht hätten.

 

Das entspannte „Wet Dreams“ mit seinem sehnsuchtsvollen Unterbau und den schon als klassisch zu bezeichnenden Mando Diao Streichern, sind da eine wohltuende Verschnaufpause, die durchaus an die alte Klasse der Band anknüpfen kann. „Lonely Driver“ ist ein weiterer Song in diese Richtung. Ein netter und chilliger Sommertrack, der mit seiner Lässigkeit vollends überzeugen kann. „Child“ wird alle Depeche Mode Fans glücklich machen – mit Dave Gahan wäre das ein Brett – und „Romeo“ geht dann vollends den Weg in die Elektro-Welt. Die Garage ist endgültig geschlossen!

 

Fazit: Mando Diao sind mutig. Die Schweden versuchen mit „Aelita“ jedenfalls garnicht erst Erwartungen zu erfüllen. Synthesizer sind die neuen Gitarren! Die 80er sind auch bei dieser Band angekommen. Guckt man sich die Geschichte von Mando Diao an, dann war dies wiederum doch zu erwarten, da die Herren sich seit Bestehen der Kapelle durch die einzelnen Musikjahrzehnte wühlen. Vielleicht wird „Aelita“ eines Tages als das große Kunstwerk von Mando Diao gelten, bis dahin ist die Platte aber ein mutiger Griff in die Toilette. Und jetzt freuen wir uns auf das Grungealbum, was auf „Aelita“ konsequenterweise folgen dürfte.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Mando Diao: Infruset

Mando Diao: Infruset

Universal

VÖ: 02.11.2012

 

Wertung: 6,5/12

 

Was machen Mandio Diao nach dem Erfolgsalbum „Give Me Fire“, aus dem mit „Dance With Somebody“ Europas meistgespielter Radiosong des Jahres 2009 hervorging? Daran anknüpfen? Die Sicherheitsnummer fahren? Mando Diao wären ja nicht Mando Diao, wenn nun wieder alles komplett über den Haufen geschmissen würde und ein gänzlich anderes Werk veröffentlicht wird. Man kennt dies ja bereits, denn blickt man auf die komplette Karriere der Schweden zurück, dann wird man immer wieder Musik entdecken, die man eben so nicht erwartet hat und erwarten konnte. So konsequent wie diesmal haben sie die Richtung allerdings noch nie gewechselt.

 

Es wäre ja noch naheliegend, dass das neue Werk irgendwie in die Richtung von Caligola gehen würde, jenem seltsamen Künstlerkollektiv, dem sich Gustaf Norén und Björn Dixgard angeschlossen hatten. Und was ist? Pustekuchen! Abgesehen davon ist ein Großteil der neuen Songs noch davor entstanden. Auslöser der ganzen Geschichte waren die Feierlichkeiten des 100. Todestages des schwedischen Poeten Gustaf Fröding. Norén wurde in diesem Rahmen nämlich gebeten eines der Werke von Fröding zu vertonen. Zusammen mit seinem musikalischen Zwillingsbruder Dixgard machte er sich an die Arbeit und schnell stießen die beiden auf eine Vielzahl von Gedichten und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis dazu die entsprechenden Melodien vertont wurden.

 

„Infruset“ ist nun das Ergebnis daraus und ein echtes Bandalbum geworden. Der Schlagzeuger wurde zwar ausgetauscht, aber letztlich ist das in diesem Kontext dann schon wieder egal! Wer die Geschichte von Mando Diao über die Jahre verfolgt hat, der weiß, dass die Jungs immer sehr heimatverbunden waren und sind und so ist es nur konsequent, dass sie diesmal eine ganze Platte in ihrer schwedischen Muttersprache aufgenommen haben. Eine umgebaute Scheune diente dabei als Aufnahmeort. Die teilweise mehr als 100 Jahre alten Texte von Fröding zielen natürlich mitten in die schwedischen Herzen und sind zudem, so sagt man, oftmals extrem anspruchsvoll. „Infruset“ ist somit ein ambitioniertes Werk, welches natürlich auch scheitern kann. Mandio Diao haben es sich also alles andere als leicht gemacht.

 

Schwedisch dürften nicht unbedingt alle Fans von Mando Diao fließend sprechen, Die Sprachbarriere ist aber gar nicht so sehr ein Hemmnis! Ein weiterer Aspekt macht diese Scheibe aber noch mal ein ganzes Stück unzugänglicher: man hat es hier mit zehn astreinen Balladen zu tun. Natürlich gibt es auch mal ein schönes Streicharrangement und dann gehen die Songs auch gut ins Ohr, oftmals ist dies aber derart sperrig und spröde, dass es unzählige Durchgänge braucht, bis der Zuhörer sich dann auch endlich in dieses Album reingewühlt hat.

 

„Titania“ haftet sogar etwas Mystik und eine ganz besondere Schwere an. Atmosphärisch ist das sicher ein ganz besonderes Stück, aber für nicht Eingeweihte auch nur schwerlich zu verstehen. Wer Hits sucht, ist hier sowieso an der falschen Adresse. Lediglich „En Sångersaga“ lässt etwas von dem aufblitzen, was Mando Diao auch auf dem letzten Album gemacht haben. Die Pianoklänge grooven sich schön ins Ohr, die Streicher sind dezent gesetzt, aber natürlich ist auch dies eine Ballade. Der Beginn erinnert übrigens erschreckend an Zucchero! Vom verspielten und traurigen „Den Självslagne“ hätte man sich noch ein bisschen mehr gewünscht und dann ist die Nummer nach 1:47 auch schon wieder vorbei. Auf „Infruset“ ist eben alles ein bisschen anders. Auch der Namensgeber des Albums, der sich quälend lang dahinzieht. Abgesehen davon nerven die Glöckchen immens. „I Ungdomen“ zeigt ja ansatzweise, wie das mit den schönen und nachhaltigen Balladen wirklich vonstatten geht. „Snigelns Visa“ lässt gar einen Hauch von Folk durch das Album wehen – trotz der Streicherarrangements! „Strövtåg I Hembygden“ entpuppt sich schließlich als Kleinod und daran muss sich der Rest messen lassen. Leider steht dieses Stück alleine auf weiter Flur. Tolle Ballade, tolles Folkstück, tolle Melodie, tolle Arrangements, tolle Instrumentierung, toller Gesang – einfach alles toll! „Men“ nervt nämlich schon wieder mit Gebimmel, „Gråbergssång“ ganz zum Schluss ist immerhin nochmal ein halbwegs versöhnlicher Abschluss.

 

Fazit: „Infruset“ von Mando Diao ist ein mutiges Album. Die Jungs haben sich die Texte von Nationalheld Gustaf Fröding zur Brust genommen und darum zehn Balladen in ihrer schwedischen Muttersprache gebaut. Das Ergebnis ist nicht immer überzeugend und oftmals eine zähflüssige Angelegenheit. Dieses Album hat zweifelsohne tolle Momente, bleibt unter dem Stich aber im Nirgendwo hängen. Weder Fisch noch Fleisch. Vielleicht muss man auch Schwede sein, um das Gesamtkunstwerk zu verstehen und zu genießen. Eines ist aber sicher, bei Mando Diao sollte man immer mit allem rechnen.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Mando Diao: MTV Unplugged – Above And Beyond

Mando Diao: MTV Unplugged – Above And Beyond

Universal

VÖ: 12.11.2010

 

Wertung: 9/12

 

Mando Diao aus Schweden ist in den letzten Jahren zu einer ganz großen Band gereift. In Deutschland haben sie mittlerweile den Status einer Superband inne. Es gab ja auch kein Vorbeikommen an den Jungs. Etwas fragwürdig war dabei ihre Auswahl an TV-Formaten, denen sie ihre Aufwartung machten und einen Besuch abstatteten. Zu Stefan Raab muss man mittlerweile einfach, keine Frage. Zum Berufsjugendlichen von “Wetten, dass…?” hätte aber nicht sein müssen und GZSZ ist dann endgültig jenseits des guten Geschmacks. Mando Diao mögen zwar zu den Lieblingen der Teenies avanciert sein, aber die Jungs aus Borlänge haben ja nun auch einen gewissen Anspruch.

 

Dem durften sie nun mit ihrem Auftritt bei “MTV Unplugged” vollauf gerecht werden. Man mag von dem “ehemaligen” Musiksender halten was man will, aber gerade durch dieses Format ist schon so manche nette Geschichte entstanden. Mando Diao setzen diese Reihe nun sehr würdig fort und haben dort einen tollen Auftritt hingelegt. Und wie es bei “MTV Unplugged” so üblich ist, gibt es auch so manche Überraschung – vornehmlich auf die Ohren.

 

Zunächst wären da natürlich die Gäste. Mit Ray Davies hat sich die Band sicher einen Traum erfüllt. Der Kinksvorstand zählt ja nun bekanntlich zu einem der großen Vorbilder und dementsprechend fällt auch die gemeinsame Version seines Klassikers “Victoria” aus. Juliette Lewis darf bei “High Heels” die Duettpartnerin von Gustaf mimen. Die Auswahl hätte nicht besser ausfallen können, denn diese durchgedrehte – Entschuldigung – Rampensau passt natürlich perfekt zum anrüchigen “High Heels”. Vor zwanzig Jahren hätte dieser Auftritt vermutlich erst nach 23 Uhr gesendet werden dürfen. Übrigens zeichnete Klaus Voormann auf der Bühne live seine Impressionen des Abends. Genau! Es handelt sich um den legendären Klaus Voormann.

 

Ansonsten ist das natürlich mit Hits wie “Longe Before Rock `n` Roll”, “Gloria” (mit der Newcomerin Lana del Rey) oder “Down In The Past” eine sichere Bank. Aber die einzelnen Songs werden nicht nur einfach akustisch runtergeschrubbt, sondern teilweise auch komplett anders arrangiert. “Dance With Somebody” schleppt sich beispielsweise ganz langsam dahin und man kann den Nr. 1 Song in diesem Gewand noch mal ganz neu erleben.

 

Wer schon mal ein Konzert von Mando Diao besucht hat, der weiß, dass die Jungs auch immer einen Akustikblock einbauen. Somit sind sie natürlich bestens für einen “Unplugged” Auftritt gerüstet und gerade die leisen Songs und Balladen wie “Orchasy” oder “Ringing Bells” (nicht auf der Einzel-CD enthalten) passen da natürlich wie die Faust auf das Auge. Aber keine Sorge, Borlänge rockt immer noch wie Hölle. Dazu dann bitte “God Knows” hören! Und dann hätten wir da noch die Songperlen, mit denen Mando Diao zu überraschen wissen. “How We Walk” oder “Hail Your Sunny Days” zählen ja nun nicht gerade zu den bekanntesten Songs von Mando Diao. Ganz kurios wird es mit “No More Tears”. Dieser Song existierte bisher lediglich als Demo Version. Ganz feine Geschichte!

 

Fazit: Mando Diao passen perfekt zu “MTV Unplugged”, das bedarf überhaupt keiner Frage. Die Jungs haben ein sehr stimmiges Set aus Klassikern, Hits, raren Songs, Coverversionen und Heldenverehrung zusammengestellt. Hier wird auch deutlich, dass die Band auch musikalisch etwas drauf hat und Borlänge nicht nur rockt, sondern auch in den stillen Momenten zu überzeugen versteht. War den Fans eh schon bekannt, aber nun weiß es auch der Rest. Endlich mal wieder ein Format, welches Mando Diao auch gerecht wird!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Mando Diao: The Malevolence Of Mando Diao – The EMI B-Sides 2002 – 2007 (2CD + DVD)

Mando Diao: The Malevolence Of Mando Diao – The EMI B-Sides 2002 – 2007 (2CD + DVD)

EMI

VÖ: 09.10.2009

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Mando Diao sind eine der Bands des Jahres, da muss man nach „Give Me Fire“ nicht lange um den heißen Brei reden. Im Grunde sind die Schweden bisher mit all´ ihren Alben in den Jahreswertungen auf den vordersten Plätzen gelandet. Natürlich kann man jetzt die Frage stellen, ob man die vorliegende Sammlung der B-Seiten braucht – zumal die Band ja längst bei einem anderen Label unter Vertrag steht. Logisch, dass der bisherige Partner auf Labelseite sich an den Erfolg hängen möchte. Warum auch nicht? Denn wenn dabei ein so formidables Paket herausspringt kann das nur für alle Seiten gut sein.

 

Hier hat man auch nicht auf die Schnelle etwas lieblos zusammengeschustert, sondern ein wirklich ansehnliches und üppiges Päckchen geschnürt, welches den geneigten Hörer schier in Entzückung versetzten dürfte. Die feine und aufklappbare Digipackaufmachung stellt optisch schon ein kleines Schmankerl dar. Auch das Booklet hält alle benötigten Informationen bereit und somit kann man sehr schön nachvollziehen, woher die enthalten Songs eigentlich stammen und wo diese ursprünglich enthalten und zu finden waren.

 

Inhaltlich gibt es sowieso nicht den leisesten Punkt zur Kritik. Das nenne ich mal üppig! Satte 39 Songs tummeln sich auf den beiden CDs! Alles Füller? Von wegen! Was Mando Diao hier zum Teil nicht auf die regulären Studioalben gepackt haben ist musikalisch in der allerersten Liga anzusiedeln. Die B-Seiten der Singles, EPs, sowie Titel, die nur auf Special Editions zu finden waren und verbraten wurden, entführen den Zuhörer in eine Welt aus Country, Rock, Punk, Soul, Pop und Folk. Irgendwas vergessen? Vermutlich, aber Mando Diao sind eine Band, die sich in keine Schublade stecken lässt und kreuz und quer durch den Musikgarten pflügt. Sie werden dabei aber nicht zum Plagiat, sondern bauen in ihre Songs vielleicht das eine oder andere Zitat ein, bestechen aber mit einem Händchen für Melodien und Harmonien wie es momentan im Musikzirkus nur selten zu finden ist.

Mit großem Interesse wurde sicher der komplett neue Track „The Quarry“ erwartet, welcher abermals gut zu einem Tarantino-Streifen passen würde. Ein weiterer großer Wurf, der sich auch gut auf dem aktuellen Album gemacht hätte. Man könnte bei der Fülle der Songs ja jetzt mit einem hohen Anteil an Ausschussware rechnen. Dem ist aber nicht so! Welche Beweggründe Mando Diao auch immer gehabt haben mögen, die einzelnen Tracks nicht auf die regulären Alben zu nehmen, mangelnde Qualität war es jedenfalls nicht!

 

Frisch aus der Garage hauen die Jungs einem „Son Of Dad“ um die Ohren oder lassen es einem mit den balladesken Momenten von „Duel Of Dynamite“ warm ums Herz werden. Wer es gerne krachig mag, dreht „San Fransisco Bay“ bis zum Anschlag auf und lässt sich wegblasen. Wie vielfältig die Band eigentlich ist, kommt gerade bei dieser Fülle an Songs gut zur Geltung. So wildern sie mal in Psychedelischen-Gefilden wie bei „She´s So“ oder experimentieren wie bei „Chi“ mit Latino-Anleihen. Immer zwingend, immer nachhaltig, immer großartig! Wie die Faust aufs Auge passt da die Beatles Coverversion „A Hard Day´s Night“. Mando Diao überzeugen seit Anbeginn ihrer Karriere ja auch gerade mit den Liveauftritten und auch davon darf man sich hier beeindrucken lassen, denn auch einige Livefassungen sind mit „Paralyzed“, „Sheepdog“ oder „Long Before Rock `n` Roll“ vertreten. Sauber!

 

Einen weiteren Höhepunkt gibt es mit der beigelegten DVD „Live And Unplugged At Svenska Grammafonstudio“. Mando Diao präsentieren sich hier als ernsthafte Musiker, die ganz genau wissen, was sie machen und durch ein formidables Zusammenspiel überzeugen. Einige Liveimpressionen der Plugged-Konzerte verdeutlichen zudem den Unterschied zwischen dieser aufgeräumten Band, die da im Studio agiert. Verschiedene O-Töne der einzelnen Bandmitglieder werden zwischen den Songs eingespielt und gewähren so auch einen Blick auf die (sympathischen) Menschen hinter der Musik. Und wenn die Band dann mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und einem verschmitzten Lächeln zwischen dem Mischpult „Take Me Home Country Roads“ anstimmt, dann weiß man endgültig, was die Stunde geschlagen hat.

 

Fazit: “The Malevolence Of Mando Diao – The EMI B-Sides 2002 – 2007” ist eine Zusammenstellung die von vorne bis hinten absolut Sinn macht! Wer möchte, kann so nun einige Lücken in seiner Mando Diao-Sammlung schließen und staunen, was die Band auch abseits der Alben für großartige Songs aufgenommen hat. Für Fans ist sicher der neue Track „The Quarry“ interessant. Die Aufnahmen der DVD sind dann noch ein zusätzliches Zückerchen, welches für einen kurzweiligen Mando Diao Tag sorgen wird. Die Aufmachung ist auch allererste Sahne. Von wegen B-Seiten! Dies hört sich so negativ an. Das hier ist der verdammte heilige Gral von Mando Diao. Eine wahre Fundgrube tut sich hier auf. Übrigens kann man dieses feine Teil für knapp 20 € erwerben und das ist in Anbetracht der Fülle an erstklassigem Material glatt geschenkt!

 

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Text: Torsten Schlimbach



Mando Diao: Give Me Fire

Mando Diao: Give Me Fire

Universal

VÖ: 13.02.2009

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Mando Diao sind zwar erst vor gut und gerne fünf Jahren auf der musikalischen Landkarte erschienen, haben aber schon derart viele Hits in den Orbit geschossen, dass einem schwindelig werden kann. Die Band selber ist dementsprechend auch mit einem großen Selbstbewusstsein ausgestattet. Völlig in Ordnung so! Wer was auf der Pfanne hat, der darf dies auch gerne kundtun. Natürlich wirft man den Schweden gerne mal vor, dass sie ja nichts Neues machen würden. Erstens sagen sie völlig zurecht, dass es aber eben für Mando Diao neu wäre und zweitens hat Inspiration schon immer dazu geführt etwas Großartiges entstehen zu lassen. Natürlich gibt es auch die Stimmen, die Mando Diao gerne als reine Teenieband abtun.

 

Psst, unter uns: „Give Me Fire“ ist ein verdammt gutes Album und das kann man auch jenseits der Dreißig hören! Mit dieser Scheibe sind Mando Diao jetzt tatsächlich erwachsen geworden. Man könnte hier gar einen Klassiker vermuten – einen Bandklassiker sowieso. Umso interessanter, dass Gustaf Norén das Werk selber nicht als das Beste der Band ansieht. Er meint, dass „Never Seen The Light Of Day“ perfekt sei und dies nicht mehr zu erreichen wäre. Man will dem Künstler ja nur ungern widersprechen und er wird schon wissen, wie die eigene Musik einzuordnen ist, aber „Give Me Fire“ ist zumindest für mich ein Quantensprung im Gesamtkontext von Mando Diao.

 

Wo soll man bei diesem Album voller wunderbarer Melodien und Einfälle nur anfangen? Man könnte jetzt erzählen, dass Mando Diao die Disco für sich entdeckt haben und einen Schritt in Richtung Gloria Gaynor gemacht haben. Man kann auch erzählen, dass „Give Me Fire“ zum Teil wie ein Soundtrack für einen Tarantino Film klingt oder dass Mando Diao plötzlich wie eine verdammte Mariachi-Band klingen und Calexico nicht unähnlich sind. Von den vielen tollen Arrangements kann man selbstverständlich auch berichten, ebenso von dieser unglaublich dichten Atmosphäre – trotz aller Stile und Richtungen. Ja, man kann hier eine ganze Menge erzählen, so toll ist „Give Me Fire“.

 

Aber warum nicht da anfangen, wo diese unglaubliche Reise startet? Am Anfang?! „Blue Lining White Trenchcoat“ dürfte alle Fans vollauf begeistern und die neue Hörerschaft neugierig machen. Unglaublich druckvoll wird die Nummer vorangetrieben und entpuppt sich als der perfekte Einstieg. Mit „Dance With Somebody“ folgt dann die Übersingle, die momentan im Radio in Dauerschleife zu laufen scheint – völlig zurecht. Allerdings ist die Albumversion noch ein wenig ausgefeilter und der Song baut sich erst ganz langsam auf. Puristen und Nörgler bitte wieder ins zweite Glied treten. Man kann es drehen und wenden wie mal will, dieser simple Track ist einer der besten Singles der letzten Jahre. Punkt! Obwohl, vielleicht wird das noch von „Gloria“ überboten? Jetzt begrüßen Mando Diao den Hörer endgültig zum heißen Tanz in der Disco. Mit welcher nonchalanten Art sie das allerdings bewerkstelligen ist schon sehr hörenswert. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein kleiner Hauch von Kitsch die Szenerie durchweht, aber letztlich schafft es dieser mitreißende Gesangsvortrag dann doch noch, dass hier alles in trockenen Tüchern ist. Toller Song!

 

„High Heels“ begrüßt den Hörer anschließend in Mexiko. Der Bass stampft, die Trompete jubiliert und den Gesang darf man gerne als sexy und cool bezeichnen. So einfach ist das bei Mando Diao im Jahre 2009. Hat Quentin Tarantino eigentlich noch musikalischen Bedarf für seinen nächsten Film? Genau hier dürfte er fündig werden. Danach haut die Band mit „Mean Street“ mal eben so zwischen Tür und Angel einen weiteren Kracher raus. Was hier so locker und lässig klingt ist einfach tolle Songwriterkunst. Zudem klingen Mando Diao als würden sie abermals um ihr Leben spielen und hätten verdammt viel Spaß dabei. Auch mit „Maybe Just Sad“ gibt es nach ruhigem Beginn ein weiteres Stück schönster Pop and Roll Kunst. Mittlerweile beherrscht die Band aber auch die ruhigen Töne – nachzuhören bei dem Instrumental „A Decent Life“. Genau richtig vor dem mitreißenden Rocker „Give Me Fire“. „Crystal“ ist schönster Folkpop, inklusive Vogelgezwitscher im Hintergrund. Selbst bei dem Song passt alles perfekt zusammen. Mit „Come On Come On“ gibt es dafür anschließend erneut eine Uptempo-Nummer. Übrigens erinnert der Anfang und der Mittelteil an die Titelmelodie von Wickie. „Got Out Tonight“ lebt von einer wunderschönen Melodie und abermals vom Gesang. „You Got Nothing On Me“ dürfte bei dem ein oder anderen älteren Semester abermals Erinnerungen wachrufen. Der Einstieg ist doch stark an „War Pigs“ von Black Sabbath angelehnt. Was Mando Diao allerdings hieraus machen ist schon wieder eine Kunst für sich und sämtliche Plagiatsvorwürfe erübrigen sich. Zum Schluss gibt es dann erneut großartige Songwriterkunst im Stile eines Ennio Morricone zu hören. Tipp: danach den Player nicht abstellen.

 

Fazit: „Give Me Fire“ ist jetzt schon ein heißer Anwärter für das Album des Jahres 2009. Ausfälle? Sucht man hier vergeblich. Mando Diao sind erwachsen geworden und dürften mit dem Album sogar eine ältere Zuhörerschaft erschließen und zwar ohne, dass die Jungen enttäuscht werden. Ja, das Rad erfinden sie nicht neu, aber wie sie hier die verschiedenen Einflüsse und Stile durch den Fleischwolf drehen ist eine Kunst für sich und unter uns: Mando Diao haben ein so feines Händchen für tolle Melodien, dass man fast auf die Idee kommen könnte, sie mit den ganz Großen zu vergleichen. Gut, wollen wir mal nicht übertreiben, aber ohne Zweifel zählen sie zur Zeit zu den besten Bands auf dem Planeten und nicht weil sie so angesagt sind, sondern weil sie so gut sind!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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