Loretta Lynn: Wouldn´t It Be Great

Loretta Lynn: Wouldn´t It Be Great

Sony

VÖ: 28.09.2018

 

Wertung: 9/12

 

Loretta Lynn hat mit „Wouldn´t It Be Great“ ein sehr persönliches und tolles Album aufgenommen. Die Songs, die größtenteils im Cash Cabin Studio in Hendersonville, Tennessee aufgenommen wurden, liegen schon länger zur Veröffentlichung in der Schublade, allerdings ging es der Dame letztes Jahr gesundheitlich nicht sonderlich gut. Sie wollte aktiv an dem ganzen Prozess beteiligt sein und somit, da es ihr nun wieder besser geht, wird das Album erst jetzt veröffentlicht. Patsy Lynn Russell und John Carter Cash sind übrigens für die Produktion verantwortlich.

 

Die Stücke selber wurden von Loretta Lynn geschrieben oder mitgeschrieben. Es handelt sich dabei aber nicht immer um ganz neues Material und so gibt es auch die eine oder andere Neuinterpretation eines Klassiker zu hören. Mit „Wouldn´t It Be Great?“ wird das Album mit einem der letzten Songs, den Loretta Lynn für ihren verstorbenen Mann Oliver geschrieben hat, eröffnet. Es ist ein sehr zurückgenommenes Lied. Oberflächlich betrachtet könnte man vermuten, dass es sich hier um eine Liebeserklärung handelt. „Say you love me just one time, with a sober mind“ lässt da aber eher auf Verbitterung und ein Alkoholproblem des Gatten schließen.

 

Mit dem schmissigen „Ruby´s Stool“ gibt es einen weiteren neuen Song zu hören. Ein klassischer Track, der die Leute auf die Tische bringt. Die Neuinterpretation von „God Makes No Mistakes“ kann sich durchaus hören lassen. Auf dem von Jack White produzierten Album „Van Lear Rose“ hatte das eine dreckigere Attitüde. Hier werden die Feinheiten mehr herausgearbeitet. Loretta Lynn hat immer noch eine recht kraftvolle Stimme. Das wunderschöne „I´m Dying For Someone To Live For“ lebt von diesem formvollendeten Gesang ganz schwelgerisch im Walzertakt. „Another Bridge To Burn“ ist ganz klassischer Country jenseits aller Kitschgrenzen. Eine tolle Nummer ist das! Die Instrumentierung ist erstklassig und das Arrangement herzzerreißend. Und mit wie wenig man eine unglaubliche große Wirkung erzielen kann, zeigt sich bei „Ain´t No Time To Go“, da reicht dann auch mal eine spärliche Instrumentierung. „Don´t Come Home A Drinkin´“ wird allen Puristen gefallen, ist aber letztlich nur 08/15-Country-Kost. Auch „The Big Man“ schunkelt eher gemächlich dahin. „Lulie Vars“ geht schon fast in Singer/Sonwriter-Gefilde über. „Darkest Day“ ist ganz nett, aber der ordentliche Kracher „Coal Miner´s Daughter“ setzt erst den richtigen Schlusspunkt.

 

Fazit: „Wouldn´t It Be Great“ ist über weite Strecken ein ganz tolles Country-Album geworden. Loretta Lynn hat hier sogar etwas zeitloses für das Genre geschaffen. Das umschifft auch jegliche Kitschhürden. Ein bis zwei Längen gilt es da zwar zu durchstehen, aber das fällt letztlich nicht weiter ins Gewicht. Auch thematisch ist das ein sehr berührendes Werk! Chapeau!

 

http://www.lorettalynn.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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