Lorde: Pure Heroine

Lorde: Pure Heroine

Universal

VÖ: 25.10.2013

 

Wertung: 8/12

 

Da ist es also endlich, das erste Album von Fräulein Wunder aus Neuseeland. Die größte Hoffnung der Popmusik seit Björk wurde gefunden. Dem sechzehnjährigen Mädchen, die mit bürgerlichem Namen Ella Yelich-O´Connor heißt, werden schon solche abenteuerliche Titel wie „New Queen Of Alternative“ verliehen. Der Aufruhr um die junge Künstlerin scheint aktuell nicht aufzuhalten zu sein. In ihrer Heimat konnte sie schon Mehrfachplatin einheimsen und zur Zeit dreht die USA komplett durch. Gut, das tun sie immer, aber diesmal geht es eben um die Musik von Lorde, die dort alle in Entzückung versetzt. Man kann schon jetzt davon ausgehen, dass es auch in Europa bald kein Halten mehr gibt. Hype oder doch Können? Beides!

 

Lorde ist allerdings kein Zufallsprodukt und scheint durch und durch geplant zu sein. Seit nunmehr drei Jahren ist sie bei Universal unter Vertrag und in dieser Zeit wurde der Plan ausgearbeitet, wie man die Musikwelt im Sturm erobern kann. Scheint ja zu klappen. Die ganze Netzwelt dreht sowieso völlig am Rad und sie wird von Kollegen quer durch alle Genres goutiert. Da tun sich erstaunliche Parallelen zu Birdy auf, jener blutjungen Künstlerin aus UK, die seit fast zwei Jahren auch auf einer Erfolgswelle surft. Musikalisch könnten die beiden jungen Damen allerdings nicht unterschiedlicher sein. Lorde macht Popmusik, die eigentlich viel zu sperrig für den Mainstream ist. Abgesehen davon zeigt sie auch textlich eine unglaubliche Reife, wenn sie über die Frustration oder die Freiheit des Teenageralters singt. Sie macht das auf eine sehr erwachsene Art und Weise und lässt dabei die Banalitäten gleich vor der Tür.

 

In ihrer Kindheit wurde sie mit den alten Recken wie Neil Young, Nick Drake oder Fleetwood Mac groß. Mittlerweile hat sie ihre Vorliebe für Drake, Bon Iver oder James Blake entdeckt. Das hört man! Und wie. Beispielsweise in der ungewöhnlichen Single „Royals“. Dubstep, Minimalismus und eine gehörige Portion des tollsten Pops seit Menschengedenken ergeben eine aufregende Mischung. „Tennis Court“ reitet dazu noch auf einem düsteren Beat rum und hat Hitqualitäten galore. „400 Lux“ legt bei dem ganzen Geschwurfel auch noch den Ohrwurmcharakter obendrauf. Die schwülstige Discoatmosphäre bei „Ribs“ hätte es zwar nicht gebraucht, dafür sitzt der Loop. Beim zweiten Blick ist das aber auch etwas langweilig.

 

„Buzzcut Season“ reißt das Ruder auch nicht ganz herum. Der Song lebt von der Stimme, die sich nach einer gestanden und erwachsenen Künstlerin anhört. Die Nummer könnte man sich auch von einer Lana Del Rey vorstellen. Merke, Lorde kocht auch nur mit Wasser. „Team“ lässt einen dann aber wieder Bauklötze staunen. So simpel, so cool, so gut! Bei „Glory And Gore“ ist der Zauber aber auch etwas verflogen. Das schwebende „Still Sane“ lässt ihr dann aber wieder sehr viel Raum auch mal ihre gesanglichen Qualitäten auszuspielen und die sind für eine 16-jährige beachtlich. „White Teeth Teens“ bietet kurzfristig zum Tanz, während der Rausschmeißer „A World Alone“ immer kurz vor der Explosion scheint und zum Schluss auch noch mal poppig bombastisch anschwellt, im Grunde aber einen sehr ruhigen und gemächlichen Ausklang darstellt. Ein gutes Gefühl.

 

Fazit: Lorde räumt derzeit überall ab. „Pure Heroine“ wird auch in Europa gefeiert werden, daran dürfte es keine Zweifel geben. Diese junge Künstlerin ist mit einer tollen Stimme ausgestattet und ihre Songs lassen nicht darauf schließen, dass man es hier mit einem Teenager zu tun hat. Wo die ganze Dubstep-Gemeinde immer vergisst eine Melodie einzupacken, hat sie auch immer ein offenes Ohr für den Pop. Somit ist vieles sehr aufregend und mit den nötigen Hitqualitäten ausgestattet. Bisweilen wird der Hype aber auch ein Stück entzaubert. Was bleibt ist ein wirklich gutes Album – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

 

http://lorde.co.nz/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch