Little Steven: Soulfire

Little Steven: Soulfire

Universal

VÖ: 19.05.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Stevie Van Zandt aka Little Steven hat als Sidekick von Bruce Springsteen einen der schönsten Jobs auf diesem Planeten. Der Mann ist seit einer Ewigkeit als Mitglied der E Street Band an der Seite vom Boss zu finden. Da wird er auch in Zukunft bleiben. Trotzdem ist manchmal die Zeit für andere Dinge gekommen. Man kennt den Mann als Schauspieler in den Serien The Sopranos und Lilyhammer. Moderator ist er auch noch und dann wäre da noch eine Solokarriere, die viel zu lange auf Eis lag. Viele Zufälle führten schließlich dazu, dass er eine Bigband zusammenstellte – The Disciples Of Soul – und innerhalb von sechs Wochen mit „Soulfire“ ein neues Album fertigstellte. Little Steven frönt hier der guten alten Musik. Er gibt aber auch frei weg von der Leber zu, dass er für die moderne Welt nur sehr wenig übrig hat. Dies schließt natürlich die Musik mit ein.

 

Die zwölf Songs, die er hier ausgesucht hat, haben teilweise schon eine weite Reise hinter sich. Little Steven hat die Tracks nun so arrangiert, dass diese zu ihm im Jahre 2017 passen. Im Grunde streift er so ziemlich jedes Genre der 70er. Gut, Progrock findet man auf „Soulfire“ freilich nicht, aber das war auch nicht zu erwarten. So startet die Scheibe mit dem klassischen Rock des Titeltracks. Geschrieben hat er die Nummer zusammen mit Anders Bruus von The Breakers. Bedient wurde sich da übrigens bei den Jackson 5 und „I Want You Back“. „I´m Going Back“ kennt man ja schon von der Southside Johnny And The Asbury Jukes´ Platte „Better Days“ von 1991. Bläser, Piano und selbst der Gesang lassen keine Zweifel daran aufkommen, dass der Mann sehr viel Zeit mit Springsteen verbringt. Wäre das ein neuer Song vom Boss, dann würde sich auch keiner großartig wundern.

 

Mit „The Blues Is My Business“ gibt es einen waschechten Blues-Song auf die Ohren. Dies wird ganz und gar klassisch im Chicago-Style gespielt – inklusive Backingchor. „I Saw The Light“ hat er ursprünglich für Richie Sambora geschrieben. Als Little Steven schließlich damit ankam, hatte der einstige Bon Jovi-Gitarrist schon genug eigene Songs im Gepäck und somit stellte Steven das Ding für sich selbst fertig. Solides Soul-Rockding, mehr aber auch nicht. „Some Things Just Don´t Change“ ist als klassischer Motown-Soul angelegt worden. Auch das Stück hat eine lange Reise hinter sich und stammt ursprünglich aus dem Jahre 1977. Das gilt auch für „Love On The Wrong Side Of The Town“ - ebenfalls vom 77er Album „This Time Is For Real“. Geschrieben hat er den Song einst mit Springsteen und das hört man natürlich auch.

 

„The City Weeps Tonight“ ist auch schon ein ganz alter Schinken und sollte ursprünglich auf seinem ersten Soloalbum erscheinen. Es kam anders und so lag das Ding all die Jahre in der Schublade, bis Little Steven den Doo-Wop Schmachtfetzen nun für dieses Album hier fertigstellte. Mit „Down And Out In New York City“ geht es dann durch die Tür und rüber zum nächsten Genre: Blaxploitation! Mit „Standing In The Line Of Fire“ zieht man dann weiter zu Ennio Morricone. Die Gitarre darf reichlich jaulen. „Saint Valentine´s Day“ ist allerdings ein Griff ins Klo und gähnend langweilig. „I Don´t Want To Go Home“ macht aber wieder Laune. Dies ist der allererste Song, den Little Steven schrieb. Ursprünglich sollte das Stück für Ben E. King sein. Gut, dass er jetzt die Chance noch mal genutzt hat um was eigenes daraus zu machen. Mit „Ride The Night Away“ gibt es zum Schluss noch mal gut abgehangenen Rock and Roll.

 

Fazit: Little Steven arbeitet sich mit „Soulfire“ an den 70ern, zum Teil aber auch den 60ern, ab. Die Songs, größtenteils aus seiner Feder, haben hier und da auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Wer Springsteen liebt, wird auch dieses Album mögen. Ein paar Hänger zwischendurch fallen da gar nicht weiter negativ ins Gewicht. Die Scheibe macht einfach Spaß! Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Es muss ja nicht immer die große Fußnote im Musikgeschichtsbuch sein.

 

http://www.littlesteven.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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