Lisa Stansfield: Deeper

Lisa Stansfield: Deeper

earMUSIC/Edel

VÖ: 06.04.2018

 

Wertung: 8/12

 

Lisa Stansfield hat sich einst mit dem Hit „All Around The World“ in die Spitze der europäischen Topstars katapultiert. Die Dame mit der souligen Stimme ist aber viel mehr als ein One Hit Wonder. Sie konnte in ihrer Karriere immerhin mehr als 20 Millionen Alben verkaufen. Die ganz großen Erfolge bleiben allerdings schon länger aus. So richtig erfolgreich waren sowieso nur ihre ersten beiden Alben. Wobei, was heißt da schon nur? Andere Künstler wären dafür sehr dankbar. Das dritte Album „So Natural“ aus dem Jahre 93 konnte immerhin noch im UK Platin erreichen. Für „Face Up“ und „Seven“ - das Album von 2014 – reichte es nicht mal mehr zu Gold. Lisa Stansfield kann aber auf eine treue Fanbasis bauen und somit erfreuen sich ihre Konzerte in den kleineren bis mittleren Locations immer noch großer Beliebtheit. Als Schauspielerin hat sie sich noch ein zweites Standbein aufgebaut. Jetzt widmet sie sich mal wieder der Musik.

 

„Deeper“ ist nun das achte Album der Dame. Die Songs dafür hat sie zusammen mit ihrem Songwriter-Partner Ian Devaney geschrieben. Lisa Stansfield ist sich dabei absolut treu geblieben. Abgesehen von der markanten Stimme, ist auch ein Großteil der Musik mit ihrem typischen Trademark-Sound versehen. Sie biedert sich erfreulicherweise nicht bei irgendwelchen aktuellen Musikströmungen an. Sie lässt den Zeitgeist vor der Tür. Dafür schon mal beide Daumen hoch. Viele ältere Künstlerinnen und Künstler machen irgendwann ja den großen Fehler und wollen sich wieder bei einem jungen Publikum ins Gespräch bringen. Meist ist das eine ganz traurige Angelegenheit und Fremdschämen ist angesagt. Diese Klippe umschifft „Deeper“ ganz weit.

 

Das Album hat sehr viel Philly-Soul, Northern Soul, aber auch die typischen Club-Sounds, für die man Lisa Stansfield auch kennt, zu bieten. „Everything“ ist dabei allerdings der denkbar schlechteste Einstieg in das Album. Denn die Nummer ist ein bisschen wie Malen nach Zahlen. Das Stück klingt wie aus dem Lisa Stansfield-Setzbaukasten. Vielleicht hatte sich auch Angst vor der eigenen Courage. Das unglaublich schmissige „Twisted“ zeigt, dass es auch anders geht. Eine Amy Winehouse wurde ja immer mit allen möglichen Sängerinnen verglichen, auf Lisa Stansfield kam nie einer. Warum nicht? „Twisted“ zeigt Lisa Stansfield auf der Soul-Höhe. „Desire“ geht dann mit dem Club-Sound in eine andere Richtung, die man aber natürlich auch von Frau Stansfield kennt. Letztlich ist das Popmusik. „Billionaire“ ist nicht ohne Grund die erste Auskopplung aus „Deeper“. Die Nummer hat Pfeffer im Hintern, erzählt eine rührende Geschichte, ist gesanglich absolut erstklassig, hat einen guten Groove und ist somit auch tanzbar.

 

„Coming Up For Air“ ist eine feine Soulballade, die aber tanzbar bleibt und somit recht unkitischig daherkommt. „Love Of My Life“ schließt nahtlos daran an. Ist auf seine Art sogar zeitlos. Der Backgroundgesang verleiht der Nummer zusätzlich eine authentische Note. „Never Ever“ geht dann – auch von den Sounds – in die Richtung, die auch schon „All Around The World“ eingeschlagen hatte. „Hercules“ ist da viel lässiger. Im Ansatz ist das sogar dreckig und hat eine dezente Rocknote. Die feinfühlige Ballade „Hole In My Heart“ wird gesanglich toll vorgetragen. Die TripHop-Elemente bei „Just Can´t Help Myself“ geben der Nummer den nötigen Kick. Die Streicher aus dem Computer bilden den Gegenentwurf dazu. „Deeper“ - der Song - bietet noch mal entspannten Soul, bevor „Butterflies“ ordentlich groovt. Das ist eindeutig die James Brown-Schule. Mit der großartigen Coverversion von „Ghetto Heaven“ endet das Album schließlich.

 

Fazit: Lisa Stansfield war einst ein Star, wurde dann aber nach und nach vergessen. Das ist schade, denn ihre Musik und ihre Art des Gesangs und die Ausdrucksstärke ihrer Stimme müssen sich keinesfalls hinter prominenteren Sängerinnen verstecken. „Deeper“ ist ein gutes Album zwischen Soul, Pop, Club-Sounds und ein bisschen Pop. Ein paar Sounds hat sie sich aus ihrem Setzkasten geliehen, aber das fällt nicht negativ ins Gewicht.

 

http://www.lisa-stansfield.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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