Levellers: Greatest Hits

Levellers: Greatest Hits

India/On The Fiddle Recordings/Rough Trade

VÖ: 26.09.2014

 

Wertung: 9/12

 

1988 gründeten sich die Levellers in Brighton. Noch heute spielen die drei Originalmitglieder zusammen. Die Band ist aber mittlerweile auf sechs Musiker angewachsen. Das braucht es auch, um die Mischung aus Punk, Rock, Folk und traditionellen keltischen Klängen – gerade live – überzeugend zu spielen. Wer die Levellers einmal bei einem ihrer Konzerte erlebt hat, dürfte sich fortan zu den Fans zählen. Über die Jahre hat die kritische Kapelle jede Menge Alben und Songs aufgenommen. Eine Werkschau hat somit durchaus ihre Berechtigung. Hier wurden aber nicht nur ein paar Songs aneinander geklatscht, nein, es gibt auch neue Aufnahmen und Kollaborationen. Und dann wäre da ja auch noch die Dokumentation „A Curious Life“, die zeitgleich erscheint.

 

„Greatest Hits“ bietet ein guten Streifzug durch die Geschichte dieser politisch motivierten Band. „Fifteen Years“ ist immer noch ein ziemliches Brett. Der Punkfolk ist treibend – dies auch aufgrund der Fiddle – aber auch auf eine sehr harmonische Art melodiös. „Hope Street“ ist gar noch eine ganz Spur härter, während „What A Beautiful Day“ den Pop mit offenen Armen empfängt und auch noch ein bisschen mit Reggae-Elementen spielt. „Dog Train“ hingegen kommt vom klassischen Folk, überrascht aber mit einer Bläsersektion, die dem Sound ganz gut zu Gesicht steht. Das düstere „Belarus“ wütet sich durch knapp drei Minuten. „The Cholera Well“ ist live für eine große Party gut, textlich kann einem da schon mal der Atem stocken. Die Levellers haben eben schon immer ihre Finger in die Wunden der Menschheit gelegt.

 

Kritiker werfen der Band ja gerne vor, dass sie kaum für Abwechslung im Sound sorgen würde. „Just The One“ schafft aber sogar den Spagat zwischen Country und Western. Manches lässt dabei aber leider auch einen Spannungsbogen vermissen. „Burn America Burn“ ist dann doch etwas zu einfach gestrickt. Und auch „Before The End“ oder „Celebrate“ sind nur leidlich spannend. „Beautiful Day“ mit Imelda May hat allerdings Hitqualitäten. Könnte man nehmen und im Radio spielen. Beim schmissigen „Julie“ ist der wunderbare Frank Turner dabei. Eigentlich war die bisher bekannte Version perfekt, aber auch diese Konstellation hat ihren Reiz. Auf der zweiten CD gibt es dafür dann ja die ursprüngliche, herzergreifenden Version.

 

Ein Didgeridoo hatten die Levellers auch mal im Gepäck. „This Garden“ ist sowieso längst ein Klassiker. Ein toller Songaufbau, eine famose Melodieführung und ein Refrain, der sich in jedem Ohr festsetzen wird – immer noch. Bei „Wild As Angels“ wurde ordentlich gelüftet, so entschlackt hat man die Band lange nicht mehr gehört. Die schmissige Folkübung ist noch ein wesentlich mehr auf den Punkt gebracht worden und „The Devil Went Down From Georgia“ ist in seinem Herzen ein astreiner Punksong. Live ein großer Spaß. „Far From Home“ geht danach als klassische Levellers-Nummer über die Ziellinie.

 

Was haben wir noch? „Exodus“ live. Oder „Just The One“ mit Bellowhead. Natürlich toll. Noch toller ist – auch natürlich - „Hope St.“ mit dem wunderbaren Billy Bragg. Dazwischen gibt es „Outside/Inside“, „World Freakshow“, oder „The Recruiting Sergeant“. Alles da, alles drin.

 

Fazit: „Greatest Hits“ wurde von den Levellers höchstpersönlich zusammengestellt und das merkt man auch. Dieses Set ist sowohl für die Fans, wie auch für Neueinsteiger eine feine Sache. Es war der Band eine Herzensangelegenheit einige Songs, auch mittels toller Kollaborationen, neu aufzunehmen, die Originale aber trotzdem auch noch unterzubringen. Die Mischung aus Punk, Folk, Pubrock und keltischen Klängen hat nichts von ihrem Reiz verloren – da verzeiht man auch gerne mal den einen oder anderen etwas schwächeren Track!

 

http://www.levellers.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Levellers: The Recruiting Sergeant

Levellers: The Recruiting Sergeant (EP)

On The Fiddle Recordings

VÖ: 03.05.2013

 

Die Levellers haben mit „Static On The Airwaves“ ein neues Album am Start und sind damit natürlich mal wieder unermüdlich auf Tour. Die Jungs aus Brighton dürften schon an so ziemlich jeder Milchkanne gespielt haben. Neue Termine stehen selbstverständlich auch schon wieder an. Rechtzeitig zur Tour gibt es nun noch mal eine neue EP, die allerdings nur digital veröffentlicht wird. Dies ist für die vielen treuen Fans insofern schade, da ja bekannt ist, dass die Anhänger auch eine große Sammelleidenschaft an den Tag legen. Die Band unterstützt mit dieser Veröffentlichung allerdings WAR CHILD, Hilfe für Kinder in den Kriegsgebieten der Welt und sämtliche Einnahmen werden dieser Organisation zur Verfügung gestellt. Übrigens haben sie zu jedem Song des Albums ein Video gedreht

 

Von „The Recruiting Sergeant“ gibt es nun eine neue Version, die live eingespielt wurde. Der Punk ist dabei deutlich in den Hintergrund getreten und das Stück ist nun vielmehr im irischen Folk verankert. Die Albumversion ist natürlich auch enthalten. „Another´s Man Cause“ liegt ebenfalls in einer Live-Version vor. Der melancholische Grundtenor ist immer noch für eine Gänsehaut gut. Abgesehen davon unterstreicht die Nummer natürlich, dass die Band eine sehr gute Liveband ist, die erst auf der Bühne ihre ganze Stärke zeigen kann. Mit „Barrel Of The Gun“ geht es in Richtung Mittelalterrock, der die Punkwurzeln nicht vernachlässigt. Das akustische Stück „Not In My Name“ rundet die EP sehr schön ab.

 

Fazit: Mit „The Recruiting Sergeant“ zeigen die Levellers ihre ganze musikalische Palette, wobei der akustische Folkteil überwiegt. Der Punk ist trotzdem immer allgegenwärtig. Zur Einstimmung auf die Tour ist diese EP natürlich bestens geeignet und da die Einnahmen auch noch für einen guten Zweck bestimmt sind, kann man diese Songs guten Gewissens empfehlen.

 

http://www.levellers.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

Tour:

07.05. Aschaffenburg, ColosSaal

08.05. Bochum, Zeche

09.05. Weinheim, Café Zentral

10.05. Osnabrück, Rosenhof

20.07. Breitenbach, Burg Herzberg Festival

Levellers: Static On The Airwaves

Levellers: Static On The Airwaves

India/Rough Trade

VÖ: 29.06.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Levellers sind nun auch schon gut und gerne seit über zwei Jahrzehnten das politische Gewissen des Folkrock. Wie kaum eine andere Band legt die Truppe aus Brighton immer wieder den Finger in die Wunden und spricht die gesellschaftlichen und politischen Missstände an. Die musikalische Umsetzung ist dabei oft genug laut und kämpferisch. Gerade live entfaltet die Band ihr ganzes Können und wer einmal auf einem Konzert der Jungs war, kommt sehr gerne wieder. Das ist auch sicher das Erfolgsgeheimnis, denn der Kern ist immerhin schon seit 1988 zusammen und wettert gegen die Ungerechtigkeiten der Welt und des Kapitalismus.

 

Nun gibt es mit „Static On The Airwaves“ wieder eine neue Platte. Man könnte jetzt fragen, ob alles wie immer ist. Natürlich! Und auch wieder nicht. Die Levellers haben sich über die Jahre einen ganz eigenen Sound angeeignet, der sie sogar im breiten Feld des Folkrock zu etwas Besonderem macht. Diese Sonderstellung kann allerdings auch lähmen und gewisse Erwartungshaltungen sind nicht von der Hand zu weisen. Zumindest dürfte der Fan konkrete Vorstellungen haben, wie sich ein Levellers Album anhören sollte. „Static On The Airwaves“ wird in dieser Hinsicht sicher keine Enttäuschung sein!

 

In gewisser Weise haben die Levellers ihre Bühnenqualitäten mit in das Studio genommen. Das neue Album kommt nämlich komplett ohne Overdubs aus. Die Songs wurden schon vorher geschrieben und das komplette Konzept stand fest. „Static On The Airwaves“ wurde im Vorfeld fleißig eingeübt und dann im Studio live eingespielt! Dies erklärt auch den mit Prag ungewöhnlichen Aufnahmeort. In der Metropole gibt es eben noch ein Studio, welches eine komplette Band beherbergen kann und auch noch bezahlbar ist.

 

„We Are All Gunmen“, „After The Hurricane“, „No Barriers“ oder „Our Forgotten Towns“ lassen anhand der Songtitel ja schon erkennen, dass die Levellers auf diesem Album wieder jede Menge heiße Eisen anfassen. Da wird gar nicht erst verklausuliert, sondern direkt angesprochen wo es in und an der Gesellschaft krankt. Musikalisch sind sie nicht mehr ganz so bissig. Gerade die Alben zu Beginn der 90er waren da weitaus wütender instrumentiert. Punk-Folk kommt nun nur noch sehr selten vor. Die Keyboards werden nun noch deutlicher in den Vordergrund gerückt und insgesamt ist die ganze Atmosphäre ruhiger und nachdenklicher.

 

Dezente Ausflüge in elektronische Gefilde greifen sie beispielsweise bei „We Are All Gunmen“ auf. In Verbindung mit den klassischen Levellers Elementen ist das eine nicht uninteressante Kombination. „Truth Is“ ist ganz im Stile des klassischen Kneipenfolkrocks der Levellers angelegt, aber schon „After The Hurricane“ setzt auf die leiseren, gar melancholischen Zwischentöne. Steht der Band gut zu Gesicht.

„Our Forgotten Towns“ überrascht mit wütenden Streichern, die nicht nur an der Klassik schnuppern, sondern mittendrin zu verorten sind. Danach geht es ab in den Midtempobereich. Erst mit „Mutiny“ gibt sich die Band wieder angriffslustiger ohne dabei allerdings zu sehr auf die Tube zu drücken. Muss aber auch gar nicht sein, denn mit dem düsteren „Traveller“ legen sie mit einem sehr ruhigen Song nicht nur eine Perle des Albums vor, sondern gleichzeitig einen wütenden und melancholischen Unterton an den Tag, der keine lauten Töne bedarf. „Second Life“ hat noch viel Luft nach oben und ist eher ein Albumfüller. Das Traditionelle „The Recruiting Sergeant“ macht zum Schluss immerhin noch mal Laune.

 

Fazit: Die Levellers sind über die Jahre ruhiger geworden, aber eben nicht müde. Das ist der kleine und feine Unterschied. Das live im Studio eingespielte, neue Album kann über weite Strecken überzeugen. Wer den Folkrock der Levellers mag, wird ganz sicher nicht enttäuscht werden. Sie besetzen immer noch die politischen Themen, nur ist der Klassenkampf diesmal eben leiser instrumentiert worden – ohne freilich die eigenen Wurzeln und die eigene Vergangenheit zu vernachlässigen!

 

http://www.levellers.co.uk

 

Text: Torsten Schlimbach

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