Leonard Cohen: Can´t Forget – A Souvenir Of The Grand Tour

Leonard Cohen: Can´t Forget – A Souvenir Of The Grand Tour

Sony

VÖ: 08.05.2015

 

Wertung: 9/12

 

Bei Leonard Cohen stimmt der eigentlich ausgelutschte Satz - der alte Mann und das Mehr – wie bei keinem anderen Künstler. Der Mann hat die 80 überschritten und gibt immer noch Konzerte der Extraklasse. Natürlich macht sich das fortgeschrittene Alter auch bei ihm hin und wieder bemerkbar. Er hat aber auf einem Stuhl sitzend immer noch wesentlich mehr Charisma wie so mancher Jungspund, welcher die Bühne rauf- und runterrennt. Dazu gesellen sich noch seine witzigen und launigen Ansagen und hin und wieder tänzelt er auch vor dem Mikrofon, dass es einfach die pure Freude ist. Seine Gesangsleistung ist immer noch beachtlich und seine Stimme mag sich etwas verändert haben, aber sie ist immer noch ausdrucksstark und holt die Zuhörer ab. Die letzte Tour von Cohen war ein Selbstläufer und Jung und Alt wollen den Mann sehen. Jetzt gibt es mit „Can´t Forget – A Souvenir Of The Grand Tour“ für seine zahlreichen Fans ein ganz besonderes Album.

 

Wenn man jetzt etwas negativ anprangern möchte, dann dass diese Tour von Cohen bis zum letzten Penny ausgeschlachtet wird. Das 3CD/DVD-Set aus Dublin ist ja immer noch taufrisch, da gibt es also schon das nächste Live-Album. Der Titel lässt es aber schon erahnen, dass man es hier mit ganz besonderen Songs zu tun hat. Die zehn Tracks stammen auch nicht von einem Konzert, sondern wurden während der Tour aufgenommen. Die Songs sind ja noch nicht mal alle live vor Publikum aufgenommen worden und sind für Fans ein feiner Griff in die Schatzkiste.

 

Warum das so ist wird gleich mit der Albumeröffnung geklärt. „Field Commander Cohen“ ist eine beeindruckende Aufnahme vom Soundcheck aus Denver. Das ist derart formvollendet, dass man glatt auf die Idee kommen könnte, dass es sich da um eine Studiaufnahme handelt. Cohen harmoniert wunderbar mit seiner Band und dem Chor. Besser geht es nicht. „I Can´t Forget“ stammt von der Show in Copenhagen. Das Stück verbreitet eine Leichtigkeit, ist aber gleichzeitig derart intensiv, dass den Zuschauern vor Ort der Atem gestockt haben dürfte. „Light As The Breeze“ aus Dublin setzt dann noch auf Intimität. Cohen und seine Musiker schaffen das Kunststück auch aus der größten Halle eine kleine Kneipe werden zu lassen.

 

In Quebec hat der Mann mit „La Manic“ seinem Publikum eine ganz besondere Coverversion kredenzt. Das Liebeslied wird mit entsprechenden Begeisterungsstürmen quittiert. Mit „Night Comes On“ hat es sogar ein Song aus Mönchengladbach auf diese Zusammenstellung geschafft. Erhabener kann Musik nicht klingen. Das bluesige „Never Gave Nobody Trouble“ stammt abermals vom Soundcheck, diesmal ist es Dänemark. Sehr gutes und lässiges Ding. Die Version von „Joan Arc“ (Quebec-Soundcheck) rührt einen zu Tränen, während „Got A Little Secret“ zum Tanzen einlädt. „Choices“ ist ein kleines Countrymeisterück und auch die Interpretation von Cohen belässt es für diese Nummer beim Ursprungsgenre, fügt aber ein paar neue Nuancen hinzu, die dann zum Cohen-Sound passen. „Stages“ aus dem Opera House in Sydney kann mit viel Witz punkten und ist nach hinten raus der perfekt Abschluss für dieses Album.

 

Fazit: „Can´t Forget – A Souvenir Of The Grand Tour“ ist tatsächlich ein nettes Souvenir der letzten Tour von Leonard Cohen. Besonders die Soundcheck-Aufnahmen dürften bei Fans für Entzückung sorgen. Der Sound ist 1a und Cohen selbst legt in der Art seines Vortrags immer noch ein Charisma an den Tag, dass sich mehrfach eine Gänsehaut einstellt. Das Album macht durchaus Sinn.

 

http://www.leonardcohen.com/home

 

Text: Torsten Schlimbach

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Leonard Cohen: Live In Dublin (3 CDs/ 1 DVD)

Leonard Cohen: Live In Dublin (3 CDs/ 1 DVD)

Sony

VÖ: 28.11.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Leonard Cohen ist ein Phänomen! Der Mann strahlt eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus und dabei hat es das Leben nicht immer gut mit ihm gemeint. Mit jungen 74 Jahren widerfuhr Cohen das, was man mittlerweile als Altersarmut bezeichnet. Der Mann war pleite und seine Managerin über alle Berge. Er musste wieder arbeiten, was für einen Musiker und Sänger auch bedeutet, dass er wieder Konzerte spielen muss. Es wäre ja jetzt – gerade aufgrund des Alters – nicht verwunderlich gewesen, wenn das nicht mehr an die Klasse früherer Tage anknüpfen konnte. Und was macht Cohen? Er spielt die besten Konzerte seines Lebens. Man schrieb das Jahr 2008. Anscheinend ist er derart auf den Geschmack gekommen und tourt nun fleißig um den Erdball. Immer noch. Und weil er sich finanziell erholen konnte, spendet er gleich ganz Konzerteinnahmen an Hilfsorganisationen. Wie gesagt, der Mann ist ein Phänomen! Mit „Live In Dublin“ gibt es nun einen weiteren Mitschnitt dieser Spätphase aus der Konserve zu bewundern. Ob man sich nun wirklich drei Veröffentlichungen dieser Art in den Schrank stellen muss, sei mal dahingestellt.

 

Fakt ist jedenfalls, dass „Live In Dublin“ kaum Wünsche offen lässt. Das Set ist üppig gefüllt und sowohl quantitativ wie auch qualitativ herausragend. Natürlich wird das jetzt so kurz vor Weihnachten veröffentlicht, damit das Teil auch sehr oft auf den Gabentisch gelegt werden kann. Dies ist aber absolut legitim und im vorliegenden Fall braucht man gar nicht erst über die übliche Weihnachtsabzocke nachdenken. „Live In Dublin“ wird bei seinen zahlreichen Fans ganz sicher nicht für Enttäuschungen sorgen und das Set hat sogar das Zeug neue Fans dazu zu gewinnen. Die Feiertage oder die Tage zwischen den Jahren eignen sich ja bestens um sich „Live In Dublin“ mit der ganzen Familie anzugucken und dann dürften schnell noch ein paar Cohen-Anhänger dazu kommen.

 

Die Aufmachung des Sets ist in der obligatorischen blauen Farbe gehalten. Das Digipack braucht ausgeklappt schon ein bisschen Platz. Ist ja auch irgendwie logisch, denn immerhin gilt es hier vier Scheiben sicher unterzubringen. Ganz vorne ist das Booklet fest verklebt, kann also nicht herausgenommen werden. Dort kann man neben einigen Fotos auch noch die üblichen Dinge über diese Produktion und die Songs nachlesen. Alles in allem ist das schon eine feine Geschichte.

 

Das Bild und der Ton der DVD sind schon nicht von schlechten Eltern. Nerds greifen natürlich zur Blu-ray-Variante. Das Bild ist aber auch auf der DVD sehr ordentlich. Kompressionsfehler sind keine auszumachen, der Schwarzwert ist sehr gut und die Farben wirken bei voller Bühnenausleuchtung – und selbige erstrahlt oft in vollem Licht – sehr natürlich. Ein Graining ist übrigens auch nicht zu sehen. Schnitt und Kameraführung sind allererste Sahne und man kann die Musiker aus nächster Nähe bei ihrer Arbeit und Berufung bewundern. Cohen ist uneitel genug sich auch aus der Nähe zu präsentieren und seiner fantastischen Band auch genug Raum einzuräumen.

 

Die ganze Sause dauert an die drei Stunden! Das ist mehr als beachtlich. Natürlich gibt es hin und wieder ein Solo und eine kleine Pause, aber das sei dem Mann nun auch mehr als gegönnt. Das fügt sich aber auch alles sehr harmonisch in die Setliste ein und verstärkt den mehr als guten Gesamteindruck, da die Songs so gar noch an Intensität gewinnen. Sharon Robinson darf dazu noch „Alexandra Leaving“ singen und Javier Mas zu Beginn von „Who By Fire“ sich mehr als fünf Minuten die Finger wund zupfen. Die Webb Sisters kriegen auch gleich mehrfach ihren großen Auftritt. Cohen gibt den netten Mann von nebenan und bedankt sich sehr oft beim Publikum für deren Kommen (My Friends) und stellt gleich mehrfach die einzelnen Bandmitglieder vor.

 

Cohen selbst zelebriert seine Songs, aber das auf eine authentische Art und Weise. Wie er diese mit geschlossenen Augen voller Inbrunst singt und lebt, ist schon beeindruckend. Der Mann ist auch noch erstaunlich fit. Er tänzelt über die Bühne oder kniet sich auf den Teppichboden der Bühne und singt einfach weiter. Er war zwar mit seinem aktuellen Album „Old Ideas“ auf Tour, aber selbstverständlich wusste der Mann, dass die Zuschauer natürlich auch die alten Klassiker hören wollten. Dies erklärt mitunter auch die drei Stunden Spielzeit, da das Set einen schönen Streifzug durch seinen Backkatalog bietet, von „Tower Of Songs“ über „Suzanne“. „Chelsea Hotel '2“. „So Long Marianne“ und „First We Take Manhattan“. Die Bonussektion hat noch drei zusätzlich Tracks am Start – gute Sache.

 

Fazit: „Live In Dublin“ ist zwar schon die dritte Aufnahme eines Konzerts von Leonard Cohen innerhalb kürzester Zeit, es ist aber erneut eine extrem packende und intensive Angelegenheit. Cohen ist im Winter seines Lebens derart gut, dass es einem die Sprache verschlägt. Die Umsetzung ist auch ganz famos und vom Ton über das Bild bis hin zum Schnitt ist das eine sehr gelungene Aufnahme. Das feine Set verteilt sich auch noch über drei CDs und somit kann man die 30(!) Songs fast überall genießen!

 

 

http://www.leonardcohen.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Poem-Leonard Cohen in Deutscher Sprache

Poem-Leonard Cohen in Deutscher Sprache

Sony

VÖ: 19.09.2014

 

Wertung: 6/12

 

Leonard Cohen feiert in zwei Tagen seinen 80. Geburtstag. Heute wird in Deutschland sein neues Album „Popular Problems“ veröffentlicht - ein schönes Werk. Es wird ihm zu Ehren allerdings auch ein Tribut-Album in die Läden gestellt, welches schon einigermaßen kurios ist. „Poem-Leonard Cohen in Deutscher Sprache“ heißt das Ding und anhand des Namens kann man ja schon ablesen worum es hier geht. Ganz neu ist das Projekt allerdings nicht. Die Übersetzungen stammen vom Künstler Misha G. Schoenenberg, der ursprünglich mal geplant hatte das komplett von Rio Reiser singen zu lassen. Das Schicksal hatte anderes vor. Leider.

 

Ein Blick auf die Trackliste verheißt schon nicht viel Gutes. Natürlich könnte man es sich jetzt ganz einfach machen und sagen, dass Peter Maffay, Stefan Waggershausen, Nina Hagen oder Reinhard Mey dafür verantwortlich sind, dass das hier den Bach runtergeht. Klar, mit den Vorgenannten kann man heutzutage sicher keinen Coolnesspreis mehr gewinnen. So einfach ist es aber nicht, denn sie machen ihre Sache gut. Manchmal – wie im Falle von Maffay, der „First We Take Manhattan“ als „Zuerst Also Manhattan“ sehr rockig interpretiert – sogar sehr gut. Reinhard Mey macht das was er immer macht. „Famous Blue Raincoat“ wird zu „Sternblauber Trenchcoat“ in einer Chansonvariante. Muss man nicht mögen, aber man kann und es ist zumindest konsequent. Nina Hagen überrascht sogar, denn „Am Dunklen Fluss“ („By The River Dark“) ist durch ihre dunkle, rauchige Stimme für die eine oder andere Gänsehaut gut. Sie lässt sich dann auch nicht dazu hinreißen in ihre bekannte Theatralik abzudriften und dieses famose Stück dann ad absurdum zu führen. Gut gemacht! Und ja, Stefan Waggershausen lässt so ein bisschen den Schlager bei „Alexandra Geht“ einfließen, aber wirklich nur ein bisschen. Auch dies ist eine sehr schöne Version. Freilich kann keine dem großen Leonard Cohen gerecht werden, aber immerhin geht das voll und ganz in Ordnung.

 

Madsen wissen bei „Hey, Das Ist Nicht der Tag Zu Geh´n“ („Hey, That´s No Way To Say Goodbye“) auch noch zu überzeugen. Und der Rest? Es ist teilweise ein Ärgernis. Wie toll ist bitte das Original „One Of Us Cannot Be Wrong“ und was hat da Anna Loos zu suchen? „Einer Von Uns Muss Sich Irren“ hat keine Seele, kein Herz, kein nichts. Ähnlich verhält es sich mit „Geschichte Isaaks“ von Tim Bendzko, der auch noch versucht Cohen zu imitieren. Geht es noch? Der wirklich famose Jan Plewka schafft es auch zu keiner Zeit „Dance Me To The End Of Love“ als „Küss Mich Bis Die Welt Vergeht“ mit Leben zu füllen. Das hat was von dem Kaninchen und der Schlange. Das Fass zum Überlaufen bringt aber ganz alleine „Hallelujah“ von Beautiful Losers! Dahinter verbergen sich alle hier beteiligten Künstler. Was soll das werden? Band Aid? Ein neues „We Are The World“? Wie kann man bitte einen der größten Musikklassiker der Menschheit derart verschandeln?

 

Fazit: „Poem-Leonard Cohen in Deutscher Sprache“ ist sprachlich von Schoenenberg hervorragend umgesetzt worden. Cohen funktioniert also auch auf anderen Sprachen. Musikalisch ist das nicht immer der Fall. Auf diesem Album gibt es genug Beispiele dafür, dass den Songs einfach das Charisma, die Grandezza und das Gespür für die Songs eines Cohen fehlt. Klar, die Interpreten haben diese Stücke nicht selbst geschrieben, trotzdem ist das Ergebnis oftmals niederschmetternd. Erstaunlicherweise geben gerade die Altvorderen aus Deutschland eine sehr gute Figur ab, dies hätte man sicher anders erwartet. „Hallelujah“ vom kompletten Ensemble geht wohl als die fürchterlichste Version dieses Songs aller Zeiten in die Geschichtsbücher ein. Die Lichtblicke sind rar gesät, aber es gibt sie dann doch und dann macht die Platte doch noch Spaß. Unter dem Strich: Leonard Cohen bleibt unerreicht und heute erscheint sein neues Album „Popular Problems“! Noch Fragen?!

 

http://www.leonardcohen.com/de

 

Text: Torsten Schlimbach

 

Tracklist:

  • MADSEN - Hey das ist nicht der Tag zu gehen
  • MRS. GREENBIRD - Leb wohl, Marianne
  • ANNA LOOS - Einer von uns muss sich irren
  • MAX PROSA - Der Partisan
  • TIM BENDZKO - Geschichte Isaaks
  • ALIN COEN & JOA KUEHN - Joan Of Arc
  • REINHARD MEY - Sternblauer Trenchcoat
  • CÄTHE - Lover Lover Lover
  • JOHANNES OERDING - Die Frau des Wanderers
  • JAN PLEWKA - Küss mich bis die Welt vergeht
  • BEAUTIFUL LOSERS - Hallelujah
  • PETER MAFFAY - Zuerst also Manhattan
  • MANFRED MAURENBRECHER - Hymne
  • FEHLFARBEN - Gerechtigkeit
  • STEFAN WAGGERSHAUSEN - Alexandra geht
  • NINA HAGEN - Am dunklen Fluss
  • SUZANNA & KARSTEN TROYKE - Der Sog

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch