Led Zeppelin: The Complete BBC Sessions

Led Zeppelin: The Complete BBC Sessions

Atlantic/Swan Song

VÖ: 16.09.2016

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Der Backkatalog von Led Zeppelin zählt wohl mit Fug und Recht zu einem der besten der Rockgeschichte. Meilensteine, die auch heute nichts von ihrem Reiz verloren haben. Im Gegenteil: in Zeiten, da die Musik immer belangloser und austauschbarer geworden ist und viele versuchen nur noch ein Produkt am Markt zu platzieren, gewinnt die Musik von Led Zeppelin noch mal an Bedeutung dazu. Herz und Seele sind im Musikjahr 2016 Seltenheit geworden. Es gibt da aber tatsächlich noch ein Album von Led Zeppelin, welches sträflich unterbewertet wird. Losgelöst vom eigentlich Schaffen der Band wurde das Doppel-CD-Set „BBC Sessions“ bisher betrachtet. Da es sich hierbei um Live-Aufnahmen handelt, mag das durchaus schlüssig sein. Knapp zwanzig Jahre später wird das nun noch mal veröffentlicht. Der etwas abgeänderte Titel „The Complete BBC Sessions“ lässt ja nun keine Fragen aufkommen, warum diese Veröffentlichung mehr als Sinn ergibt!

 

Das neuerliche Set hat nun drei CDs zu bieten. Insgesamt gibt es hier acht bisher unveröffentlichte Songs zu hören! Selbstverständlich wurde die ganze Geschichte unter der Aufsicht von Jimmy Page komplett neu gemastert! „The Complete BBC Sessions“ enthält die Live-Aufnahmen, die während der Auftritte für das BBC-Radio zwischen 1969 und 1971 entstanden. Das ist jetzt zwar kein Konzert im eigentlichen Sinne und doch kann man das unter die besten Live-Alben der Musikgeschichte einsortieren und genau aus diesem Grund ist diese Veröffentlichung auch so wichtig und besonders im Led Zeppelin-Katalog.

 

Der Sound ist schlicht und ergreifend sensationell. Das ist roh und völlig ungefiltert. Diese Aufnahmen führen einem auch noch mal nachhaltig vor Augen, dass diese vier Herren eine der besten Live-Bands des Planeten waren. Die Stücke sind teilweise besser als in den Studioversionen. Der Jam-Charakter kommt hier voll und ganz zur Geltung. Man höre sich nur die zweite CD an! Das ist wie aus einem Guss. Die Raserei von „Heartbreaker“ ist schier sensationell. Der Fokus wird ja oft auf Page gelegt, aber die flinken Finger von John Paul Jones und das kraftvolle Spiel von John „Bonzo“ Bonham sind atemberaubend. Die beiden sorgen dafür, dass Page überhaupt die Freiheiten für seine Solos bekommt. Und dann fügt sich da auch noch ein Rädchen in das andere. Robert Plant lässt bei „Since I´ve Been Loving You“ alle anderen Sänger wie kleine Schuljungen aussehen. Das kann man auch nicht lernen, das geschieht alles höchst intuitiv. „Immigrant Song“ und „Black Dog“ sind heavy und lieferten die Blaupause für so manche Rockmusik der 90er. Auch hier ist der Sound schlicht brillant. „Dazed And Confused“ wird episch über 18 Minuten ausgebreitet und „Stairway To Heaven“ ist in dieser Version gar eine Sternstunde. Und wie schön wird doch das luftige und akustische „Going To California“ dargeboten. Das Stück kann einen durch den ganzen Tag tragen. „That´s The Way“ schließt nahtlos daran an. „Whole Lotta Love“ erstreckt sich da auch auf mehr als epische dreizehn Minuten. „Boogie Chillun/Fixin’ To Die/That’s Alright Mama/A Mess of Blues“ werden nämlich noch spielerisch eingewoben. Abermals sollte man bei Jones und Bonzo ganz genau hinhören. Diese rohe Versionen machen einfach ungeheuer Spaß. „Thank You“ hat zum Schluss dann noch mal einen entfesselten Page an der Axt zu bieten. Schon alleine für diese zweite CD lohnt sich die Anschaffung!

 

Der erste Silberling fängt mit dem Blues-Manifest „You Shook Me“ an und geht dann nahtlos in „I Can´t Quiet You Baby“ über. Die Wurzeln der Band liegen da mehr als deutlich vor einem. Der Sound ist nicht ganz so sensationell wie bei der zweiten Scheibe, aber trotzdem immer noch sehr gut und auch hier sind es Jones und Bonzo, die einen die Stücke noch mal neu erleben lassen, weil das alles so roh und ungefiltert wirkt. Plant ist sowieso eine stimmliche Sensation. „Communication Breakdown“ wird zur schieren Raserei, da dürfte selbst der Teufel Angst kriegen. Die Nummer liegt da übrigens gleich dreimal vor, die mittlere Version von „Dazed And Confused“ wurde damals auch mal in einer gemäßigten Variante gespielt, die unter der sieben Minute Marke geblieben ist. Dafür gibt es dann aber ja noch mal „You Shook Me“ mit über zehn Minuten und „How Many More Times“ mit über elf Minuten zu hören. „Whole Lotta Love“ ist auf dieser CD ein Höhepunkt. Dies liegt nicht daran, dass es sich hier eben um einen Klassiker der Rockgeschichte handelt, sondern daran wie Led Zeppelin die Nummer präsentieren. Anlage aufdrehen und durchdrehen!

 

Die dritte CD enthält die „Lost Sessions“. Die Radio-Sessions aus dem Jahre 1969 galten ja lange als verschollen. Fans dürfen sich freuen. Hier ist die einzige jemals aufgenommene Performance von "Sunshine Woman" drauf. Dies war zwar noch ein frühes Stadium der Band und doch sucht dieses Live-Zusammenspiel seinesgleichen. „White Summer“ ist sicher nicht zu den bekanntesten Stücken zu zählen, aber wie Page die Instrumentalnummer zelebriert ist sehr hörenswert. „What Is And What Should Be“ und auch „Communication Breakdown“ erfreuen abermals das Rockherz. Das tolle an dieser Band: kein Song wurde immer gleich gespielt. Es ist jedes Mal anders. Eine organische Weiterentwicklung. „Sunshine Woman“ ist klanglich nicht die letzte Offenbarung, aber das Ding ist straight und rockt wie Sau. Die Harmonika passt vorzüglich zum Irrsinn, den Page da auf der Gitarre veranstaltet.

 

Die Aufmachung ist dem Anlass angemessen. Ausführliche Liner-Notes von Dave Lewis runden das sehr schön ab. Zum ersten Mal überhaupt enthalten die Liner Notes auch Details und Bemerkungen über alle BBC-Sessions der Band. So kann man noch mal ganz tief in die BBC Sessions von Led Zeppelin eintauchen.

 

Fazit: Mit Superlativen sollte man gemeinhin vorsichtig umgehen. Bei Led Zeppelin ist man damit ja schnell bei der Hand. Dies kommt aber auch nicht von ungefähr, weil es für die Band im Grunde nur Superlative geben kann. „The Complete BBC Sessions“ ist zumindest für mich eines der besten Live-Aufnahmen, die es von einer Rockband gibt. Beim Remastering hat man ganze Arbeit geleistet. Der Sound ist teilweise überragend. Endlich kann man Jones und Bonzo in Formvollendung genießen. Was die vier Herren hier abreißen ist sowieso atemberaubend. Ein weiterer Meilenstein – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Led Zeppelin: Mothership

Led Zeppelin: Mothership

Rhino/Warner

VÖ: 13.11.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Als Led Zeppelin 2007 in der Londoner O2-World aufschlugen, musste natürlich auch ein Tonträger dieses besondere Ereignis begleiten. Jimmy Page stellte mit „Mothership“ eine Art definitive Werkschau zusammen. Wer nicht in den kompletten Backkatalog dieser einzigarten Band eintauchen möchte und tatsächlich nur die bekannten Hits im Schrank stehen haben will, der wird damit natürlich bestens bedient. Dies ist ja auch schließlich Sinn und Zweck einer solchen Veröffentlichung. Man darf aber mit Fug und Recht behaupten, dass jede halbwegs vernünftige Rocksammlung ohne das komplette Oeuvre dieser Band sicher unvollständig bleiben wird! „Mothership“ reicht da keineswegs. Die Doppel-CD wird nun mit verbessertem Klang aber erneut in die Läden gestellt.

 

Jimmy Page hat ja bekanntlich das gesamte Studiomaterial der Band gesichtet und liebevoll aufgearbeitet. Klanglich wurden die Alben auf ein neues Level gehoben und so konnten selbst die Hardcore-Fans Led Zeppelin und die Musik ein Stück neu entdecken. Da das Songmaterial natürlich auch auf „Mothership“ enthalten ist, wird das Album nun selbstverständlich auch in der remasterten Version angeboten. Das Sahnehäubchen dürfte da aber sicher die Vinyl-Ausgabe sein, denn selbige war zum ursprünglichen Veröffentlichungstermin im Jahre 2008 ganz schnell vergriffen. „Mothership“ erscheint nun in einer sehr schönen Archiv-Box mit einem farbigen Booklet in LP-Größe. Für die Liner-Notes zeichnet sich David Fricke verantwortlich und das Artwork wurde vom anerkannten Künstler Shepard Fairey übernommen.

 

Auch die CD-Version enthält selbstverständlich die remasterten Songs! Das Digipack ist schon ganz nett und auch hier sind im Booklet die Liner-Notes von David Fricke enthalten. Zudem gibt es einige ikonische Fotos der Band zu bewundern. Stellt sich jetzt tatsächlich noch die Frage nach dem Warum? Ja! Die Begeisterung kannte nämlich bei der Erstveröffentlichung von „Mothership“ keine Grenzen. Dies lag weniger daran, dass dies die zigste Zusammenstellung von Led Zeppelin war – legale, halblegale und Kuriositäten jetzt mal mitgerechnet – sondern vielmehr am Klang. 2008 war man sich schon einig, dass Led Zeppelin nie besser geklungen hätten als auf „Mothership“ und selbst die japanischen und remasterten Pressungen dem nicht das Wasser reichen konnten. Stellt die Veröffentlichung im Jahre 2015 nun tatsächlich noch mal eine Verbesserung dar? Sämtliche Tracks wurden in der neuen 96kHz/24 bit-Qualität der remasterten Version von 2014/2015 auf 180g-Vinyl gepresst oder die beiden CDs gebannt. Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass zumindest für meine Ohren kaum ein Unterschied zu 2008 zu hören ist. Natürlich kommt das zu den alten Albumversionen einem Quantensprung gleich, klar, aber wer „Mothership“ schon im Schrein stehen hat, muss jetzt nicht gleich losrennen und sich die CD zulegen. Bei Vinyl – besonders vor dem Hintergrund, dass da noch eine Lücke in der Sammlung klafft – sieht die Sachlage natürlich wieder anders aus.

 

Zum Inhalt muss man ja hoffentlich nicht viel sagen. Diese Songs haben Rockgeschichte geschrieben und dürften auf ewig in Stein gemeißelt sein. Vom rockigen Auftakt „Good Times Bad Times“ bis zum Jahrtausendsong „Stairway To Heaven“ ist schon alleine die erste CD eine Offenbarung! „Communication Breakdown“ ist die Blaupause für alle Hardrockbands. „Dazed And Confused“ setzte neue Standards und „Whole Lotta Love“ hat sowieso Millionen Rockmusiker inspiriert, während der Mittelteil die Mainstreamhörer immer noch verstört. So ist das eben, wenn man nur den markanten Einstieg kennt. Mit dem leichtfüßigen „D´Yer Maker“ gibt es auf der zweiten CD aber auch eine gänzlich andere Seite von Led Zeppelin zu entdecken. „Kashmir“ hingegen ist selbst der zweiten Generation nach der größten Rockband des Planeten bekannt – Puff Daddy ist dafür verantwortlich. Und wer die Band noch nicht ganz so auf dem Schirm hat, wird von der Vielfältigkeit überrascht sein. Mit „No Quarter“ gibt es Weltmusikanleihen auf die Ohren und „All My Love“ wird alle Fans von Synthesizern begeistern.

 

Fazit: „Mothership“ von Led Zeppelin darf wohl als die ultimative Zusammenstellung der Band bezeichnet werden. Im Zuge der ganzen Remaster wird nun natürlich auch dieses Album noch mal veröffentlicht. Die Songs lagen nun ja sowieso in einem verbesserten Klanggewand in der Schublade. Ob dies nun noch mal eine Steigerung zu dem sowieso schon bearbeiteten Klangbild von 2008 darstellt, liegt wohl im Ohre eines jeden Einzelnen. Die Vinyl-Ausgabe dürfte nun aber den einen oder anderen erfreuen, denn die ursprüngliche Auflage war doch schnell vergriffen. Wer noch überhaupt nichts von Led Zeppelin im Schrank stehen hat, kriegt mit „Mothership“ einen schönen Überblick und Einstieg geliefert. Vorsicht, kann süchtig machen!

 

 

Led Zeppelin Radio Special 1.Teil
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Led Zeppelin Radio Special 2.Teil
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Text: Torsten Schlimbach

Led Zeppelin: Coda (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: Coda (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 31.07.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Das neunte Studioalbum von Led Zeppelin darf eigentlich nicht als solches bezeichnet werden. Mehr oder weniger werden hier Reste verwertet, die aus verschiedenen Epochen der Band stammen und die es nicht auf die anderen Alben geschafft haben. „Coda“ wurde zwei Jahre nach dem Tod von John Bonham posthum veröffentlicht. Die Band hatte sich da auch längst aufgelöst. Es lag eben noch Material herum und zudem galt es auch noch den Plattenvertrag von 1974 zu erfüllen, welcher fünf Alben vorsah. „Coda“ ist dann vermutlich auch das Werk, welches von den Fans am meisten geringgeschätzt wird. Es fehle ein einheitliches Bild, so der allgemeine Tenor. Auch sei deutlich hörbar, warum die Songs von „Coda“ auf den anderen Alben keine Verwendung gefunden hätten. Im Rahmen der Re-Issue-Reihe darf aber auch dieses ungeliebte Werk nicht fehlen.

 

Jimmy Page ist schon ein Fuchs. Er tut zwar immer so, als wären alle Led Zeppelin Alben von gleichbleibender Qualität und herausragende Meisterwerke, aber er ist sich natürlich im Klaren darüber, dass „Coda“ eher ganz unten in den Listen bei den Fans zu finden ist. Und was macht der Mann? „Coda“ ist nun tatsächlich die einzige Wiederveröffentlichung die zwei(!) Companion-CDs auffährt. Die 15 Songs wurden allesamt zwischen 1968 und 1974 aufgezeichnet. Selbstverständlich hätten die Stücke auch auf den anderen Re-Issues einen Platz gefunden, sofern sie nicht in direktem Zusammenhang mit „Coda“ stehen. „Sugar Mama“ stammt immerhin aus den Aufnahmen zum ersten Album und ist im Prinzip ein fertiger Song. Verwendung hat er freilich nicht gefunden. Jetzt haut Page mit dem allerletzten Album diesen bisher unveröffentlichte Blues-Jam heraus.

 

„We´re Gonna Groove“ wurde angeblich im Rahmen von „II“ in den Morgan Studios in London aufgenommen. Es gibt allerdings auch eine Bestätigung, dass der Track aus der Royal Albert Hall stammt und nur die eigentlichen Gitarrenparts entfernt und die Gitarren neu eingespielt wurden. Die Nummer rockt jedenfalls und war sicher nicht umsonst zu Beginn der 70er die Konzerteröffnung. „Poor Tom“ wurde während der Sessions zu „III“ aufgenommen. Das Flair des Songs lässt da auch keine Fragen offen. Ist doch ein schöner Akustikblues und die Mundharmonika das Salz in der Suppe. Ein schönes Outtake. „I Can´t Quit You Baby“ wurde – wie das schon genannte „We´re Gonna Groove“ - laut diversen Bestätigungen beim Konzert in der Royal Albert Hall eingespielt. Der Sound ist schon beeindruckend, gerade vor dem Hintergrund, dass dies live ist. „Walter´s Walk“ rockt doch auch herrlich durch die Prärie. Die Nummer wurde für „Houses Of The Holy“ aufgenommen, verschwand dann aber im Schrank.

 

„Ozone Baby“ stammt – ebenso wie „Darlene“ und „Wearing And Tearing“ - aus den Sessions zu „In Through The Out Door“. Gerade „Ozone Baby“ ist doch besser als vieles auf dem eigentlichen Album. Das Stück klingt zwar etwas unfertig, gerade das Gitarrensolo wirkt doch reichlich deplatziert, hat aber gegenüber anderen Titeln dieser Phase fast schon eine Portion Rohheit zu bieten. „Darlene“ schunkelt sich schön ins Ohr, kann mitunter aber auch schnell nerven. „Wearing And Tearing“ hört sich wie die Skizze eines anderen Songs an, gefällt aber durch sein Tempo. Und dann wäre da noch „Bonzo´s Montreux“. Das Schlagzeug Solo wurde mit ein paar Effekten von Page gemischt. Kein neues „Moby Dick“, aber immerhin hat man so dem Ausnahmedrummer noch mal gehuldigt. Das Album mag kein Meisterwerk sein, schließlich hat man es hier mit Outtakes zu tun, ist aber wesentlich besser als sein Ruf!

 

Die erste Companion-CD enthält den straighten Rough Mix von „We´re Gonna Groove“. Fettes Ding. „If It Keeps On Raining (When The Leeve Breaks)“ zieht den Hörer mit einem Sog an. „Baby Come Home“ stammt aus der selben Session wie „Sugar Mama“. Die Pianobluesballade wird von Plant herausragend gesungen. Großes Kino, zudem nahe am Gospel. Der Instrumental Mix von „Poor Tom“ kann ebenfalls auf voller Distanz punkten. „Travelling Riverside Blues“ ist sowieso ein Brett der Frühphase und auch „Hey Hey What Can I Do“ ist der entspannte Ausklang aus einer hervorragende ersten CD.

 

Zu „Four Hands (Four Sticks)“ muss man ja nichts mehr sagen. Und dann dieser Sound! Boah, da geht einem ja das Herz auf. Und warum das Stück „Four Hands“ heißt? Hören und staunen! Die Reise von Plant und Page nach Indien hat 1972 nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die beiden machten sich damals auf um mit dem Bombay Orchestra zu spielen. Jetzt gibt es erstmals aus dieser Session für die Öffentlichkeit einige ausgewählte Aufnahmen zu hören. Sensationell! „St. Tristan´s Sword“ ist bisher auch unveröffentlicht. Der Bass lässt einem ja schon die Kinnlade auf den Tisch knallen und dann grätscht Page mit der Gitarre dazwischen – wow! Der Rohmix des eh schon rohen „The Wanton Song“ knallt ganz schön rein. Bei „Bring It On Home“ wird einem schwindelig und „Walter´s Walk“ im Rough Mix fönt einem die Frisur auch gänzlich neu. „Everybody Makes It Through (In The Light)“ ist der erhabene Abschluss dieser hervorragenden Bonustracks.

 

Fazit: Mit „Coda“ schließt also die Re-Issue-Reihe von Led Zeppelin. Auf den ersten Blick könnte man da etwas wehmütig werden, zumal das Album der Outtakes ja eher ungeliebt ist. Die Songs sind besser wie man ihnen nachsagt und dann wären da ja noch die beiden Companion-CDs. Jimmy Page, der alte Fuchs, zündet ganz zum Schluss noch mal ein paar richtige Raketen, die bisher unveröffentlicht waren und dann stellt sich auch wieder dieses Gefühl ein: meine Fresse, was waren Led Zeppelin doch für eine herausragende Band!

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: In Through The Out Door (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: In Through The Out Door (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 31.07.2015

 

Wertung: 7/12

 

„In Through The Out Door“ ist das letzte Studioalbum welches von Led Zeppelin zu Lebzeiten von John Bonham veröffentlicht wurde. Auch dieses Werk hat sich Jimmy Page nun noch mal zur Brust genommen. Man würde doch sehr gerne wissen, was der Mann wirklich über diese Platte denkt. Er war während der damaligen Aufnahmen wohl nicht in bester körperlicher Verfassung und auch Bonham hatte mit seinen Problemen zu kämpfen. Drogen und Alkohol machten aus Led Zeppelin einen strauchelnden Riesen. Page hat nun zwar hörbar darum gekämpft, die Gitarrenspuren nach vorne zu holen, aber viel war auf „In Through The Out Door“ in dieser Hinsicht ja sowieso nicht zu hören. Er hat – wie bei den anderen Re-Issues auch – aber einen erstklassigen Job erledigt, das Album selber ist ja nun mal so in der Welt wie es eben ist.

 

Lobend muss man mal die Aufmachung und das Papersleeve hervorheben. Haptiker kommen da voll und ganz auf ihre Kosten und werden das lieben. Die Companion-Disc ist dann für Fans noch mal eine schöne Geschichte um etwas tiefer in den Albumentstehungsprozess einzutauchen. „In Through The Out Door“ dürfte ja sowieso nur von Fans und Komplettisten gekauft werden, andere Käuferschichten werden hier sicher nicht angesprochen.

 

Taucht man in das Album ein, dann ist es ein ziemlich ungewöhnliches Werk für Led Zeppelin-Verhältnisse. Page dröhnte – so sagt man – sich lieber zu und somit hat er kaum federführend an der Platte mitgewirkt. John Paul Jones übernahm – mehr oder weniger – die musikalische Führung. Mit seinem neuen Spielzeug, einem Roland-Synthesizer, tobte er sich aus. Plant hatte bis auf die Mundharmonika ja nur wenig beizusteuern. Und doch klingt das Album teilweise nach der Weltmusik, der sich Plant in seiner Solokarriere hingegeben hat. Disco und Calypso findet man nämlich hier auch. Wäre da nicht dieser furchtbare Synthie-Sound, der alles zukleistert, dann wäre das mitunter besser geworden, das Potenzial der Songs ist dafür ja vorhanden. „Fool In The Rain“ hätte was Großes werden können. Mit seiner fröhlichen Atmosphäre nimmt einen das Stück sofort gefangen. Man hätte nur John Paul Jones hin und wieder etwas mehr auf die Finger hauen sollen. Der Pseudo-Rockabilly von „Hot Dog“ passt hingegen überhaupt nicht zu Plant. Brian Setzer kann das besser. „Carouselambra“ ist mit Overdubs überhäuft. Led Zeppelin wollten anscheinend in die Disco. Oder in Richtung Pink Floyd! Mit „In The Evening“ fängt es ganz vielversprechend an. Die Gitarre fräst sich doch ganz gut ins Ohr und setzt sich da fest. Kann man auch gut mitsummen.

 

„South Bound Saurez“ ist so ein Honky Tonk-Ding zum Mitschunkeln. Der Gesang von Plant ist gewohnt stark und wertet den Song, wie so vieles andere auf dem Album, auf. An „All My Love“ verbietet sich sowieso jede Kritik, da die Thematik hinter dem Song traurig und dramatisch ist. Plant hat den Song seinem Sohn gewidmet, der im Alter von 5 Jahren an einer Virusinfektion gestorben ist. „I´m Gonna Crawl“ ist derart kitschig, dass es einem die Schuhe auszieht. Der Sound ist furchtbar. Auf der anderen Seite kann man der Band nicht vorwerfen, dass sie sich nicht weiterentwickelt und neue Wege beschritten hätte. „In Through The Out Door“ ist eben ein John Paul Jones-Album.

 

Die Companion-CD wartet dann mit weiteren sieben Songs auf, die dem Entstehungsprozess ein bisschen ein Gesicht geben. Die Rohmixe tragen teilweise noch Arbeitstitel. „Carouselambra“ heißt da noch „Epic“. Episch sind zumindest die Keyboards und Synthesizer. „In The Evening“ ragt, trotz des Schwurbelbeginns, auch hier heraus. „Southbound Piano“ macht als Rohmix gar mehr Spaß als „South Bound Saurez“. Der Sound ist übrigens erneut zum Niederknien. Das schunkelige „Fool In The Rain“ fällt da ein bisschen ab, kommt aber wesentlich direkter und roher daher. „All My Love“ nennt sich in diesem Stadium noch „The Hook“ und „I´m Gonna Crawl“ wird auch als „Blot“ nicht mehr vom Kitsch befreit.

 

Fazit: Die 80er klopften auch bei Led Zeppelin an. „In Through The Out Door“ deutet dies sehr deutlich an. Unter der Federführung von John Paul Jones ist dieses Album mit Keyboard- und Synthesizerflächen überhäuft worden. Jimmy Page war zu dieser Zeit etwas angeschlagen und somit nimmt er nicht mehr die dominierende Rolle der Vergangenheit ein. Bei dieser Neuveröffentlichung hat er sich aber hörbar bemüht den Mix und die Produktion etwas ausgewogener zu gestalten. Seine Parts sind etwas in den Vordergrund gerückt. Das tut dem Album mitunter sehr gut. Die Companion-Disc hat dann noch zu jedem Track die Rohfassung am Start, besser wird es dadurch nicht. „In Through The Out Door“ ist jetzt kein Totalausfall, verglichen mit diesem überragenden Backkatalog fällt das Album aber deutlich ab.

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: Presence (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: Presence (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 31.07.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Led Zeppelin Re-Issue-Reihe ist über die Ziellinie gespurtet und findet nun in den finalen drei Alben ein Ende. Auch hier hat sich Jimmy Page wieder der Produktion angenommen und in den Archiven gegraben. Die eher ungeliebten Alben der Band erstrahlen so noch mal in ganz neuem Glanz und hier wird doch so manches Schätzchen gehoben. „Presence“ hat in der Companion Variante dann auch das eine oder andere Schmankerl zu bieten, welches den Fans Freudentränen in die Augen treiben wird. Der Sound ist durch das Händchen von Herrn Page abermals eine Wucht. Gerade bei dem Heavy Rock von „Presence“ ist das eine Wohltat.

 

An dem Album scheiden und schieden sich schon immer die Geister. Es gibt nicht gerade wenige Fans, die die Meinungen vertreten, dass nach „Physical Graffiti“ einfach die Luft raus war. Unter einem guten Stern standen die Aufnahmen – oder vielmehr die Ereignisse im Vorfeld – sowieso nicht. Led Zeppelin wurden von der Realtität eingeholt und mussten feststellen, dass die Band eben nicht unverwundbar ist. Plant hatte im August 75 einen schweren Autounfall auf Rhodos und konnten seinen Part dementsprechend während der Aufnahmen im November und Dezember in München nur sitzend einsingen. Immerhin saß er der Band gegenüber. Angeblich wurde „Presence“ in 18 Tagen auf den Weg gebracht, was für damalige Verhältnisse nicht gerade lang ist.

 

Die Songs wurden während der Genesung von Plant geschrieben und sind dementsprechend düster ausgefallen. Vorbei war die Zeit der Hippies. Led Zeppelin befassten sich thematisch nun mit Verlusten, Rückschlägen, Drogen und Groupies. „Presence“ ist so von einer ganz besonderen Atmosphäre umgeben. Das Fehlen jeglicher Keyboards verstärkt das nachhaltig. Auch sucht man vergeblich nach Akustikgitarren. Dafür haut Page hier die vielleicht besten Soli seiner Karriere raus. Angeblich ist „Presence“ ja auch sein persönliches Lieblingsalbum von Led Zeppelin. Wie so oft bei dieser Band, ist das aber alles auf Legenden und Mythen aufgebaut. Man weiß es eben nicht genau. Das spielt für die Beurteilung der Musik aber letztlich kaum eine Rolle.

 

Den einen großen Hit wird man auf „Presence“ nicht finden. „Nobody´s Fault But Mine“ geht noch am ehesten in diese Richtung, bleibt aber trotzdem weit unter dem Radar der großen und bekannten Songs der Band. Die sieben Tracks sind auch lange nicht so abwechslungsreich und unterschiedlich, wie das noch auf anderen Alben der Fall war. Mit „Achilles Last Stand“ wurde dann auch gleich mal der längste Song an den Anfang gestellt. Man hört immer wieder, dass dies der Lieblingssong von Led Zeppelin von Page wäre. Die Gitarrenparts wurden an einem Abend eingespielt - während der Rest in der Kneipe war. Beachtlich. Die mehr als 10 Minuten sind nicht nur episch, nein, hier sind auch deutliche Elemente des Prog zu hören. Das Stück rockt ansonsten gleichmäßig daher, lebt aber von der Rhythmussektion, die einen erstklassigen Job macht. Es macht einfach Spaß in die Welt von Bonham und Jones einzutauchen. Es gibt nicht viele Kapellen, die ein derart fein abgestimmtes Team zu bieten haben. Page verschönert dies durch sein freies, aber auch hartes Spiel. „For Your Life“ groovt noch mehr. Die Produktion ist schon erstklassig, der Bass wummert richtig schön in der Magengegend. Da ist jedes kleine Detail und jede Nuance auszumachen. Und wenn Page nach 4:20 Minuten mit seinem Solo abhebt, dann fliegt das Schiff in ganz anderen Spähren. Es geht aber auch mal kurz und knackig auf den Punkt, wie man mit „New Orleans“ nachhaltig überprüfen kann.

 

„Nobody´s Fault But Mine“ ist sowieso ein Meisterwerk. Das Mundharmonikaspiel von Plant ist zum Niederknien. Und dann wäre da abermals dieses Solo von Page! „Candy Store Rock“ mag für sich gesehen jetzt keine Sensation sein, fügt sich aber perfekt in den Fluss des Albums ein und hat gerade auf Seiten der Rhythmusabteilung einiges zu bieten. Teilweise ist das richtig vertrackt, was auch für „Hots On For Nowhere“ gilt. Die Nummer setzt sich aufgrund des Refrains schnell im Ohr fest. „Tea For One“ bietet noch mal vom Blues bis zum Hardrock die ganze Palette, auch wenn sich das Tempo über die neuneinhalb Minuten kaum ändert.

 

Die Companion-CD hat dann fünf Referenz-Mixe zu bieten. „Achilles Last Stand“ heißt da noch „Two Ones Are Won“. Die Unterschiede zur Albumversion sind aber nur marginal. „For Your Life“ ist gar weniger kraftvoll. Interessanter ist da schon „10Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod)“. Die Nummer ist bisher nämlich unveröffentlicht. Jetzt weiß man auch warum. Der dezente Klavierbeginn hätte nicht auf das Album gepasst. Danach entwickelt sich das positiv gestimmte Stück zu einer Art Barjazz-Song. Insgesamt ist das aber ziemlich unspektakulär, das könnte auch in einer Hotellobby laufen. Lyrics fehlen. Wer hat denn bitte beim Referenz Mix von „Royal Orleans“ den Gesangspart übernommen? Laut Page war das tatsächlich Robert Plant. Das klingt ja nach einer dreckigen Punkband. Schönes Ding. „Hots On For Nowhere“ ist für Fans noch mal interessant, da hier ein Teil des Entwicklungsprozesses abgebildet wird.

 

Fazit: „Presence“ von Led Zeppelin ist wesentlich besser als es sein Ruf vermuten lässt. Es ist keines dieser ganz großen Meisterwerk, aber doch ein gutes Album. Der Sound ist sehr heavy und insgesamt wirkt die Platte wie aus einem Guss. Die Vielfalt der Platten zuvor bleibt da zwar auf der Strecke, aber es ergibt sich ein einheitliches Klangbild. Die Soli von Page sind erstklassig und was Jones und Bonham hier abliefern ist schon allererste Liga! Die überarbeitete Re-Issue ist soundmäßig ein Genuss. Die Companion-Disc liefert noch mal einen guten Einblick in Teile des Arbeitsprozesses, gleichwohl das unveröffentlichte „10Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod)“ alles andere als eine Sensation ist. Unter dem Strich ist „Presence“ ein gutes Album – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: Physical Graffiti (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: Physical Graffiti (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 20.02.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Das sechste Album von Led Zeppelin stellte auch gleichzeitig die erste Doppel-LP der Band dar. Auf dem bandeigenen Label Swan Song Records war dies endlich möglich, denn Plattenfirmen scheuten eine derartige Politik der Veröffentlichung wie der Teufel das Weihwasser. Ist ja auch verständlich, denn mit zwei selbständigen und unabhängigen Platten lässt sich eben mehr Geld verdienen. Led Zeppelin waren eben keine Band von der Stange und so legten sie, ähnlich wie die Progger, den Fans das opulente „Physical Graffiti“ in die Verkaufstheken. Jetzt wird „Physical Graffiti“ - fast vierzig Jahre nach der Erstveröffentlichung am 24. Februar 1975 - erneut in Umlauf gebracht. Jimmy Page ist wie bei den anderen Re-Issues auch hierfür verantwortlich. Selbstverständlich gibt es auch wieder eine Companion-Ausführung, die bisher unveröffentlichtes Material enthält.

 

„Physical Graffiti“ gilt auch heute noch als eines der besten Doppel-Alben aller Zeiten. Die renommierte Liste des Rolling Stone der 500 besten Alben aller Zeiten führt dieses monumentale Werk gar auf Platz 73. Kritiker und Fans werden regelrecht euphorisch wenn die Rede auf „Physical Graffiti“ kommt. Viele sprechen gar davon, dass dies das letzte große Album von Led Zeppelin darstellt. Es gibt allerdings auch ein paar kritische Stimmen, welche bemängeln, dass „Physical Graffiti“ zu lang ausgefallen sei und einiges an Füllmaterial enthält. Wenn man sich nur oberflächlich mit der Musik und den einzelnen Songs beschäftigt, dann mag man da vielleicht sogar zustimmen. Die Feinheiten sind hier allerdings in den Details versteckt und wenn man sich der Musik intensiv widmet und hingibt, dann wird man in einen ganz eigenen Klangkosmos entführt. Led Zeppelin sind auf „Physical Graffiti“ wesentlich mehr als eine Rockband, denn dafür ist der Sound zu vielschichtig und breit aufgestellt.

 

Die Wiederveröffentlichung bietet nun eine ganze Menge an Mehrwert. Da wäre zunächst einmal der Klang. Man kann seine alten CDs jetzt getrost in die Tonne kloppen. Page ist schon ein Meister und hat hier das bestmögliche Ergebnis erzielt und dies ohne die Atmosphäre oder Sounds zu verwässern. Derart wuchtig, druck- und kraftvoll hat man „Physical Graffiti“ wohl noch nie zu Gehör bekommen. Über Kopfhörer offenbaren sich da viele neue Details. Man erlebt dieses Album noch mal gänzlich neu. Die Aufmachung steht dafür, dass das haptische Erlebnis nicht zu kurz kommt. Selbst die CD-Variante kann da überzeugen. Ein Schuber sorgt dafür, dass man die Fenster nun wahlweise mit dem Buchstaben, die den Namen der Platte wiedergeben, oder den Bandköpfen befüllt kann. Dies ist zwar nur ein kleines Detail, trägt aber merklich zum sehr guten Gesamteindruck bei.

 

Und dann wäre da ja auch noch die Companion-Disc der Deluxe-Edition, die sieben unveröffentlichte Tracks und Versionen enthält – eine Fundgrube für Fans! Von „Trampled Under Food“ gibt es einen exzellenten frühen Mix, der den Titel „Brandy & Coke“ trägt. Led Zeppelin grooven hier wie Sau und entdecken den Funk für sich. Die frühe Fassung von „Sick Again“ kommt dreckig und roh in etwas mehr als zwei Minuten auf den Punkt und der Rohmix von „In My Time Of Dying“ offenbart noch mal eine ganz neue und ungeschliffene Facette dieses Epos. Man höre sich nur das Gitarrenspiel an – göttlich. Bonham haut auf seine Felle ein, als würde die Sonne nie wieder aufgehen und John Paul Jones unterstreicht abermals, dass er zu den besten Bassisten seines Fachs gehört. „Houses Of The Holy“ liegt ebenfalls in einem Rough Mix vor – mit Overdubs. Anhand dieser Disc kann man auch noch mal sehr schön die verschiedenen Entwicklungsstadien nachvollziehen. „In The Light“ heißt hier noch „Everybody Makes It Through“ und kommt nicht nur mit einem anderen Text um die Ecke, sondern auch um ein ganzes Stück direkter und erdiger. „Boogie With Stu“ im Sunset Sound Mix ist erfrischend luftig und dann wäre da ja auch noch „Driving Through Kashmir", das das 8-minütige Opus "Kashmir" in einem ungeschliffenen Orchester-Mix präsentiert. Die Companion-Disc ist ja schon alleine das Geld wert.

 

Die erste CD ist, wenn man so will, die rockige Seite von „Physical Graffiti“. „Custard Pie“ eröffnet das Album gewohnt rockig. Das Riff sorgt schon für den bekannt hohen Wiedererkennungswert, aber erst die rotzige Mundharmonika macht aus dem Stück etwas ganz Besonderes. „The Rover“ groovt sehr cool. Die schneidende Gitarre von Page mag zwar dominant wirken, aber das furztrockene Spiel von Bonham und das lässige Bassspiel von Jones entfalten sich auf dieser überarbeiteten Version jetzt so richtig und lassen die Nummer noch mal in ganz neuem Glanz erstrahlen. Was soll man über die elf Minuten von „In My Time Of Dying“ noch schreiben? Dieses Manifest ist mit derart vielen Ideen gespickt, dass dies schon alleine für ein ganzes Album reichen würde. Blues, Südstaaten, Slide-Guitar – muss man mehr sagen?

 

„Houses Of The Holy“ war ursprünglich für das gleichnamige Vorgängeralbum geplant, wurde aber erst mit „Physical Graffiti“ veröffentlicht. Die Nummer ist der erste Bruch der Platte, denn die Atmosphäre ist doch wesentlich sonniger. Das funkige „Trampled Under Foot“ macht immer noch süchtig und steht für einen erneuten Richtungswechsel. Das orientalisch anmutende „Kashmir“ ist eine der vielen Großtaten von Led Zeppelin und längst zum Kulturgut der Menschheit geworden.

 

Die zweite CD ist dann ein Sammelsurium der verschiedenen Led Zeppelin-Welten. „In The Light“ ist vom Aufbau und den spacigen Sounds ja schon in der progressiven Ecke zu verorten. Synthies wollen nicht viele von Rockbands hören, Led Zeppelin haben aber auch hier eine Brücke gebaut. Der verzerrte Gesang von Plant macht es dem Hörer sowieso nicht leichter. Aber das Blatt wendet sich natürlich und am Ende der mehr als acht Minuten sind wir dann wieder beim Rock angekommen. Das Akustikstück „Bron-Yr-Aur“ wirkt danach glatt wie der vertonte Frühling. „Down By The Seaside“ ist herrlich entschlackt und zwischen dem ganzen Country-Twang weht sogar ein Hauch von Pop durch die Szenerie. Die Ballade „Ten Years Gone“ wirkt zunächst recht unspektakulär, bei genauem Hinhören ist das Stück natürlich eine Offenbarung. Page hat hier sehr viele Gitarrenspuren übereinandergelegt und ganz neue Türen geöffnet. „Night Flight“ wird von der Hammond-Orgel dominiert und kommt ansonsten recht straight mit einer sehr netten Hookline um die Ecke gerast. „The Wanton Song“ hat eines dieser Trademark-Riffs zu bieten, die Millionen Gitarrenschüler spielen wollen. Geht ebenfalls gut ins Ohr. „Boogie With Stu“ bittet anschließend zum Tanz im Saloon, während „Black Country Woman“ zunächst das Folk- und Countryfeld beackert, dann aber mit einem sehr schönen Groove aufwarten kann. Plant variiert hier übrigens sehr schön seinen Gesang, wodurch die Geschichte wunderbar getragen wird. Die Mundharmonika tut ihr Übriges dazu. „Sick Again“ macht „Physical Graffiti“ dann richtig rund, da dieses Stück das perfekte Pendant zu „Custard Pie“ bildet.

 

Fazit: „Physical Graffiti“ erstrahlt in ganz neuem Glanz – Jimmy Page sei es gedankt! So gut hat dieses Doppel-Album wohl noch nie geklungen. Die Aufmachung ist ebenfalls sehr gelungen! Die Companion-Disc gewährt einem dazu einen kleinen Einblick in den Arbeitsprozess einiger Songs und offenbart noch mal einige neue Details und Facetten. Das ursprüngliche Album braucht etwas Zeit, besonders die vielfältige zweite CD! Man muss sich auf das Gemisch aus Folk, Country, Rock und gar Pop einlassen wollen, aber dann entdeckt man hier ein weiteres Meisterwerk von Led Zeppelin!

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: Houses Of The Holy (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: Houses Of The Holy (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 24.10.2014

 

Wertung: 9/12

 

Led Zeppelin waren so viel mehr als eine Rockband. Zu Beginn ihrer Karriere stand der Blues und dessen Erforschung an erster Stelle, aber nach und nach forschte und grub sich diese außergewöhnliche Kapelle durch die verschiedenen Stile und Genres, sodass einem schwindelig werden konnte. Dies alles wurde zudem noch mit einer Spielfreude und einer ganzen Menge Können versehen, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass Led Zeppelin auf ihrem Gebiet die beste Band des Planeten waren. Mit „Houses Of Holy“ legten die vier Herren nach „IV“ ein sensationelles Album hin, welches so völlig anders wie der Vorgänger war. „Houses Of The Holy“ wurde nun auch von Jimmy Page überarbeitet, produziert und remastert.

 

Der teilweise sehr experimentelle Ansatz dieser Platte kommt nun noch besser zu Geltung. Gerade das vielschichtige Stück „No Quarter“ offenbart nun über die volle Distanz der sieben Minuten noch mal ganz neue Einblicke. Auch hier hat Page wieder das Optimum herausgekitzelt. „The Songs Remains The Same“ klingt so gleich noch mal eine ganze Spur frischer und forscher, als es dieser Klassiker ohnehin schon tut. Das Bassspiel von Jones war noch nie so deutlich mit all seinen Nuancen zu hören. Das wunderschöne „The Rain Song“ ist vielleicht sogar jetzt der heimliche Höehpunkte von „Houses Of The Holy“. Mit Kopfhörern schält sich dieser extrem abwechslungsreiche Songs sehr schön aus seinem Kokon und entpuppt sich als wunderschöner Schmetterling.

 

„Over The Hills And Far Away“ ist im Grunde ein schöner Querschnitt der folkigen und rockigen Seite von Led Zeppelin. „The Crunge“ ist völlig abgefahren und zeigt, dass Led Zeppelin auch Funk konnten. Oder Reggae, wie „D´Yer Mak´er“ unterstreicht. „The Ocean“ wirft dann ganz zum Schluss noch mal einen rockigen Blick zurück in die Vergangenheit.

 

Und wer mal staunen will, der hört sich auf der zweiten CD den Guitar Overdub Reference Mix von „The Song Remains The Same“ an! Dieser reine instrumentale Track zieht einem die Schuhe aus. „The Rain Song“ ist übrigens in einer sehr schönen Version ohne Piano enthalten. Der Gitarren-Backing-Track von „Over The Hills And Far Away“ ist zwar nett und für Freaks ein schönes Zubrot, hat aber auch etwas von Lagerfeuer und Schulausflug – zumindest in den ersten anderthalb Minuten. Der Rough Mix von The Crunge ist aufgrund des treibenden Basses gar besser und origineller wie die veröffentlichte Version. Auch die Rohmixe von „Dancing Days“ und „The Ocean“ können überzeugen und geben weitere Einblicke in die Studioarbeit. „No Quarter“ wabert ohne den Gesang etwas so dahin, hat mit den Keyboard Overdubs aber immerhin noch seine Spannungsmomente.

 

Fazit: „Houses Of The Holy“ von Led Zeppelin war schon immer ein sehr vielseitiges und vielschichtiges Album. Hat man die verschiedenen Facetten erfasst, dann lässt einen dieses Werk so schnell nicht mehr los. Die Wiederveröffentlichung offenbart nur aufgrund der famosen Arbeit von Jimmy Page noch mal ein paar neue Ansätze. Die zweite CD bietet einem die Möglichkeit nun auch etwas hinter die Kulissen zu gucken und in den Arbeitsprozess einzusteigen. Einem der tollsten Backkataloge der Musikgeschichte wird so auf ganz feinfühlige Art und Weise gehuldigt.

 

www.ledzeppelin.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: IV (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: IV (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 24.10.2014

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Mit ihrem vierten Album hievten sich Led Zeppelin endgültig auf den Rockthron, der ihnen auf ewig einen Platz in der Ruhmeshalle sichern sollte. Die Platte trägt keinen Namen, angeblich wollte Jimmy Page einfach mal testen ob sich sich das Ding trotzdem verkaufen würde. Mehr als 32 Millionen Käufer haben die Scheibe zu Hause stehen, die Dunkelziffer ist ungleich größer. Den meisten Musikfans ist dieses Album schlichte als „IV“ bekannt. Weitere Titel sind „Zoso“, „Four Symbols“ oder „Untitled“. Wie auch schon die drei Vorgänger wird nun auch von „IV“ eine Re-Issue aufgelegt, die Jimmy Page höchstpersönlich betreut, produziert und remastert. Der Deluxe-Edition liegt auch wieder eine zweite CD bei, die mit alternativen Mixen einen kleinen Blick hinter die Kulissen gewährt.

 

Während Robert Plant immer noch nach neuen Möglichkeiten und neuer Musik forscht und diese auch aufnimmt, lebt Jimmy Page immer noch in seiner Led Zeppelin Blase. Glücklicherweise ist das so. Während man von Plant immer noch exzellente Alben vorgelegt bekommt, hat sich Jimmy Page den Backkatalog von Led Zeppelin gewidmet und erstaunlich Ergebnisse zu Tage gefördert. Was der Mann aus den Analogbändern von „IV“ herausgeholt hat ist höchst beachtlich. Mit sehr viel Liebe zum Detail und jeder Menge Enthusiasmus muss er da im Studio gewerkelt haben. „IV“ hat jedenfalls noch nie druckvoller und klarer geklungen.

 

Man traut es sich fast nicht niederzuschreiben, aber einer der größten Klassiker der Rockmusik hat sich noch nie so gut angehört. „Stairway To Heaven“ gleicht einer Offenbarung. Der Song war ja schon immer für eine Gänsehaut gut, aber was diese acht Minuten jetzt mit einem machen, kann man mit Worten eigentlich nicht beschreiben – das geht schon unter die Haut. Jedes Instrument ist klar und deutlich zu hören – über Kopfhörer ein Genuss! - und dies alles verströmt eine warme und wohlige Atmosphäre, wie man es von den Produktionen dieser Tage kaum noch gewohnt ist. Auf der zweiten CD gibt es übrigens noch eine alternative Version, die in den Sunset Studios in Los Angeles gemixt wurde und sich nur marginal von der Albumversion unterscheidet. Natürlich ist das trotzdem sehr hörenswert.

 

Überhaupt ist die zweite CD eine wahre Fundgrube und für Fans ein Fest! Der UK Mix von „When The Levee Breaks“ ist mit noch härterem Punch ausgestattet und die Drums dürften die Blaupause für sämtliche Helden hinter der Schießbude sein. Ein gewisser Dave Grohl wird da die Lauscher ganz weit aufsperren. Die Mundharmonika ist sowieso einer der vielen Höhepunkte. Das ist kein Füllmaterial und wirft auf „IV“ tatsächlich noch mal einen neuen Blickwinkel! Die alternativen Mix von „Misty Mountain Hop“ und besonders von „Four Sticks“ sind schon kleine Dampfwalzen. Von „Black Dog“ gibt es noch den Basic-Track mit Gitarren-Overdubs auf die Ohren. Das wunderschöne „Going To California“ ist durch den Einsatz der Mandoline wunderschön. Die Instrumentalversion nimmt einen mit auf eine Reise!

 

Zum eigentlichen Album muss man ja hoffentlich nicht mehr viel sagen. Die Platte hat nicht umsonst alleine in den USA 23(!) x Platin abgeräumt! Diese acht Songs sind wie in Stein gemeißelt. Der Zug rollt mit „Black Dog“ und „Rock And Roll“ mit Vollgas los. „The Battle Of Evermore“ wechselt dann in das mystische und folkloristische Fach, bevor mit „Stairway To Heaven“ der unumstrittene Höhepunkt folgt „Misty Mountain Hop“ wird von Bonham vorangetrieben als wäre der Teufel hinter ihm her. John Paul Jones kann ihm mit einer Leichtigkeit folgen, dass es schon beeindruckend ist. Dank des Remasters von Page kann man das in vollen Zügen genießen. „When The Levee Breaks“ ist letztlich der Schulterschluss zwischen Rock und Blues und bildet eine kongeniale Symbiose.

 

Fazit: „IV“ von Led Zeppelin zählt zu den wichtigsten Alben der Musikgeschichte. Unzählige Generationen von Gitarristen versuchten sich schon an „Stairway To Heave“, keiner kann freilich der Magie von Jimmy Page das Wasser reichen. Das Album erscheint nun in sensationeller Klangqualität erneut. Page hat da ganze Arbeit geleistet. Die zweite CD gewährt einem einen weiteren Einblick in dieses Mysterium. „IV“ gehört in jede Musiksammlung, wer da also noch eine Lücke hat, sollte diese nun schleunigst schließen. Kopfhörer auf und genießen – essenziell!

 

www.ledzeppelin.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: III (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: III (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Mit dem dritten Album von Led Zeppelin endet zunächst die erste Veröffentlichungswelle der remasterten Alben. Es ist ja schon bekannt, dass nach und nach alle Werke der Band in dieser Form zugänglich gemacht werden. „III“ beendete vorläufig aber ja sowieso den ersten Karriereabschnitt der Band und insofern ist es nur konsequent, dass mit diesem Album die erste Phase abgeschlossen wird. Übrigens unterscheidet sich die Deluxe Edition in einem Punkt dann sogar etwas von „I“ und „II“, der Aufmachung. Hierbei handelt es sich nämlich um das Original Replica Sleeve! Es war damals durchaus üblich, dass das LP-Format etwas ganz Besonderes für die Optik zu bieten hatte. Die Stones waren in dieser Hinsicht ja auch sehr verspielt und auch Led Zeppelin war stets so ausgerichtet, dass man das gesamte künstlerische Repertoire ausschöpfte welches dieses Format zu bieten hatte und dazu gehört eben auch die Gestaltung! Wer also noch ein bisschen mit „III“ spielen möchte, hat dazu nun die Möglichkeit.

 

Auch „III“ wurde wieder von Jimmy Page produziert. Das Remastering ist, wie bei den Vorgängern auch, anbetungswürdig. Auch für dieses Album hat Page wieder sämtliche Ton- und Gesangsspuren auseinandergenommen und einzelnen bearbeitet. Die Abmischung von „III“ ist dabei besonders hervorzuheben. Die ursprüngliche Version klang nicht so harmonisch wie es eben jetzt der Fall ist. Es war und ist ja nicht unüblich, dass man den Gesang immer ein bisschen in den Vordergrund mischt, jetzt wurde darauf geachtet, dass dies nicht mehr der Fall ist und sich das alles ganz natürlich in den Gesamtsound einfügt. Dies ist nur ein kleiner Schachzug, der aber dafür sorgt, dass das Ergebnis verblüffend ist – verblüffend anders, aber ohne natürlich das eigentliche Werk zu verfälschen. Page hat auch gar nicht erst versucht etwas Neues daraus zu stricken, den Sound aber modifiziert und das auf eine sehr behutsame Art und Weise! Das Ergebnis kann sich hören lassen!

 

Die Deluxe Edition ist die größte Fundgrube für Fans. Es gibt auf der Bonus-CD neun zusätzliche Songs zu hören, wovon aber drei Aufnahmen gänzlich neu sind und die die Welt bisher eben so nicht zu Gehör bekommen hat. „The Immigrant Song“ lässt mit dieser dengelnden Gitarre im alternativen Mix schon einen deutlichen Unterschied zur Albumversion erkennen und auch nach hinten heraus ist der eingestreute Lalalala-Singsang neu. „Friends“ konzentriert sich als reiner Instrumentaltrack nun vollkommen auf das filigrane Gitarrenspiel von Page, aber auch das dezente Spiel von Bonham kommt voll und ganz zur Geltung. „Celebration Day“ ist da ebenfalls als alternativer Mix vertreten. Hier scheint es dann aber tatsächlich der Fall zu sein, dass Plant mehr in den Vordergrund gemischt wurde. Hervorzuheben wäre da auch das druckvolle Spiel von John Paul Jones! Eine große Perle ist der Rough Mix von „Since I´ve Been Loving You“. Unglaublich, dass dies die erste Aufnahme des Songes überhaupt sein soll! Was ist das bitte für eine begnadete Band gewesen! Da kann man schon mal alle seine Härchen auf den Armen zählen, die stellen sich nämlich komplett auf! Der Kracher ist auch „Bathroom Sound“! Dies ist eine instrumentale Version von „Out On The Tiles“. Und Bathroom ist an dieser Stelle auch ein bisschen Understatement von Herrn Page. Andere Bands wären froh, wenn sie so etwas im Repertoire hätten. Meine Herren, knallt das Ding rein. „Gallows Pole“ zeigt im Rough Mix aber auch, dass die Band im Studio hin und wieder noch auf der Suche nach der perfekten Ausrichtung war. Wenn das Tempo bei Minute zwei aber wieder anzieht, dann ist man erneut sprachlos wie weit die Band im Studio immer war. „That´s The Way“ mit Echo kommt ganz gefällig daher, ist aber im Gegensatz der anderen Songs der zweiten CD nicht für ein Aha-Erlebnis gut. „Jennings Farm Blues” (ein instrumentaler Vorläufer des „Bron-Yr-Aur-Stomp”) aber schon. Hieran kann man sehr gut nachvollziehen wie Led Zeppelin einen Song entwickelten. Zum Schluss gibt es eine sehr erhabene Version des Blues-Klassikers „Keys To The Highway/Trouble In Mind” zu hören. Anhand solcher Aufnahmen kann man wunderbar den Ursprung von Led Zeppelin nachvollziehen. Erstaunlich, dass dies keine amerikanische Band war.

 

Das eigentliche Album kam bei der Presse zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht sonderlich gut an. Zu sehr hatten sich Led Zeppelin von dem ursprünglichen Sound von „I“ entfernt. Das war für manche Hörer wohl nicht tolerierbar. Dabei ist „III“ derart vielfältig, dass es einem noch immer die Schuhe auszieht. Der Aufnahmeprozess verlief auch etwas anders. Page und Plant übernahmen 1970 das Landhaus Bron-Yr-Aur in Wales. Gemeinsam fingen die beiden an dort an den Songs zu schreiben die „III“ werden sollten. Erst später stießen Bonham und Jones zu den Proben dazu. Die Aufnahmen selbst begannen dann im Mai des selben Jahres in den Londoner Olympic-Studios.

 

Mit dem rockigen und fetzigen „Immigrant Song“ stellte die Band noch einen Track an den Albumanfang, der durchaus als klassischer Led Zeppelin Song durchgeht. Es ließ sich aber da schon erahnen, dass da noch wesentlich mehr schlummerte und brodelte. Schon „Friends“ ist eine Abkehr vom klassischen Rock und geht in die Richtung der Traditionals. Die walisische Umgebung hat nicht ihre Wirkung vermissen lassen. „Celebration Day“ bollert zwar erneut drauflos, mit der epischen Ballade „Since I´ve Been Loving You“ geht es aber zurück in die ruhige Ecke. Wie Page da die Gitarre spielt dürfte sich Mark Knopfler hundertfach angehört haben. „Out On The Tiles“ nimmt auch noch mal die Abbiegung in eine härtere Richtung. „Gallows Pole“ ist einer dieser akustischen Kleinode, wie sie die Band ab „III“ immer wieder aufgenommen hat. Zwischen Folk und Country steigert sich das Stück zum Ende zu einer schieren Raserei. „Tangerine“ schließt sich da nahtlos an. Die schöne Melodieführung und die erst spät einsetzenden Jones und Bonham machen da eine ganz besondere, spannende Nummer draus. Fängt mystisch an, entwickelt sich aber gar in Richtung Americana. „That´s The Way“ geht diesen Weg konsequent weiter. Das ist meilenweit von den Vorgängeralben entfernt. Zwischen traditionellen keltischen Klängen und amerikanischem Folk und Country wird da ein wunderschöner Bogen gespannt. Page agiert fast wie ein Maler und zaubert die schönsten kleinen Licks, Melodien und Harmonien hervor. „Bron-Y-Aur-Stomp“ bringt das ganze Genie von Page auf den Punkt. Hören, staunen, genießen! Ohne Blues geht es aber einfach bei Led Zeppelin nicht. „Hats Off To (Roy) Harper“ kommt aber nicht so richtig in Gang und der Sound ist immer noch recht schwach. Page rechts und Plant links und doch bleibt das insgesamt hinter den vielen Blues-Großtaten der Band deutlich zurück.

 

Fazit: „III“ war im Grunde der Flop von Led Zeppelin – zumindest zunächst. Mit diesem Album erfüllte die Band gar nicht erst irgendwelche Erwartungen und machte sich aus dem Staub. Aus dem Staub vom harten Rock und nahm die Abbiegung Richtung Folk, Country und mystischen und keltischen Klängen. Led Zeppelin hatten sich eben von einer Blues- und Rockband entfernt und gingen nun hörbar andere Wege. Die Mischung ist extrem spannend, auch wenn diesen Weg die Fans nicht mitgehen wollten. Heute weiß man es besser und hier wurde schon der Grundstein für das gelegt, was da noch folgen sollte. Das Remastering ist auch hier sehr gelungen. Page hat da alle Feinheiten herausdestilliert. Die zweite CD ist eine kleine Schatzkiste, da man dort, neben den alternativen Mixen, auch noch unveröffentlichtes Material vorfindet, welches selbst die Hardcorefans zu einem Tränchen rühren wird. Die Aufmachung rundet den gelungenen Gesamteindruck sehr schön ab. Jetzt kann man es gar nicht mehr erwarten bis es mit „IV“ weitergeht! Chapeau!

 

www.ledzeppelin.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: II (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: II (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Man kennt den Spruch ja: früher war alles besser. So einfach ist das natürlich nicht und wenn man besser durch das Wörtchen anders ersetzt, dann passt es schon. Heutzutage reden wir ja gerne von einer schnelllebigen Zeit und das mag durchaus für viele Bereiche des Lebens Gültigkeit besitzen, aber das Musikgeschäft ist so schwerfällig wie ein großer Dampfer. Dies trifft natürlich nicht zu, wenn es darum geht einen neuen Trend durch das Dorf zu jagen. Plattenveröffentlichungen von etablierten Bands werden aber gerne im Rhythmus von zwei Jahren genommen und selbst das haut bei den ganz Großen ja nur noch selten hin. Eigentlich ist das recht seltsam, denn gerade in der heutigen Zeit braucht es ja kaum noch eine großartige Vorlaufzeit um die Alben in die Läden zu stellen. Die Bands basteln aber auch wesentlich länger an ihren Songs herum. Man muss sich da nur mal angucken, was die Beatles in einem Jahrzehnt für brillantes Material aufnahmen und veröffentlichten! Und was Led Zeppelin mit dem zweiten Album vom Stapel gelassen haben, ist eigentlich unglaublich. Die Deluxe Edition versetzt einen da nun noch mal in großes Staunen.

 

Man muss sich das nur mal vorstellen: „II“ wurde doch tatsächlich fast komplett während der Tour zum Debüt geschrieben und Teile daraus wurden ja sogar schon während dieser Tour live gespielt. Wir reden hier ja nicht von einer belanglosen Platte, sondern von einem Meilenstein der Musikgeschichte mit jeder Menge Klassiker an Bord. Die zweite unglaubliche Tatsache ist der Veröffentlichungszeitpunkt, denn das Ding stand schon sieben Monate nach dem sensationellen Debüt beim Plattendealer. Marketingexperten würden da im Jahre 2014 die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber so war es eben damals und die Qualität der Musik hat darunter keineswegs gelitten.

 

Auch für das Remastering von „II“ zeichnet sich Jimmy Page verantwortlich. Der überarbeitete Sound des Erstlings gleicht ja schon einem Quantensprung, man gewinnt aber den Eindruck, dass er für „II“ noch ein bisschen mehr herausholen konnte. Das ist schon beeindruckend wie klar die einzelnen Instrumente zu hören sind. Die Tonspuren wurden sauber voneinander getrennt und bearbeitet. Mitunter hat der gute Jimmy da sogar noch ein bisschen an den Höhen geschraubt, wodurch die Aufnahmen dynamischer und frischer wirken. Wie bei „I“ gilt natürlich auch hier, dass die damals gemachten Fehler nicht ausgemerzt werden können, denn schließlich handelt es sich hier ja nicht um eine Neueinspielung! Teilweise ist das sogar besser als die Produktionen dieser Tage, denn auch hier hat man darauf verzichtet nur durch Loudness zu glänzen und die einzelnen Instrumente gehen auch hinter keinem verwässerten Soundbrei unter. Klar und deutlich ist jede noch so kleine und feine Nuance zu hören! Das macht schon Spaß, denn die ganze Virtuosität von Led Zeppelin kommt so noch besser zur Geltung! Die Möglichkeiten der modernen Technik wurden von Page sehr sinnvoll eingesetzt – besser hätte man es nicht machen können!

 

Die Bonus-CD enthält – im Gegensatz zum Bonusmaterial der ersten CD – Aufnahmen des Entstehungsprozesses. Die fünf alternativen Mixe der Albumtracks sind schon interessant und lassen so manchen anderen Musiker vor Neid erblassen. Abgesehen davon, dass auch dieses Material soundtechnisch durchaus brillant ist, sind die Songs schon derart weit ausgearbeitet, dass andere Bands das genau so veröffentlicht hätte. Der Rough Mix von „Whole Lotta Love“ sorgt da schon mal für schnellere Atmung. Dieser rohe, ungeschliffene Sound wertet das Stück sogar auf! Und der Gesang von Plant ist einfach anbetungswürdig! Sensationelle Ausgrabung von Page! Die Aufnahme ist übrigens vom April 1969! Selbiges gilt auch für „What Is And What Should“! Da ist es fast ein bisschen schade, dass das Stück nach 4 Minuten und 33 Sekunden ausgeblendet wird. Man darf davon ausgehen, dass an diesem 19. April noch ordentlich weiter gejammt wurde. Von „Thank You“ gibt es die Backing Tracks zu hören. Gerade das Orgelspiel von John Paul Jones nimmt man so noch ein bisschen deutlicher wahr. „Heartbreaker“ ist ebenfalls als Rough Mix vertreten. Abgefahren, wie knochentrocken das Spiel von Bonham da funktioniert. Das kennt man so sonst nur von AC/DC. Der Bass von Jones fährt einem dazu sehr schön in die Magengegend. Das Spiel von Page ist dazu derart facettenreich und variabel, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und wenn die ganze Band dann wieder einsteigt und loslegt, dann ist das furztrocken. Mittlerweile ist das Wort Garagenband ja überstrapaziert, Led Zeppelin sind hier die Urväter – nur mit gutem Sound. Von „Living Loving Maid (She´s Just A Woman)“ gibt es ebenfalls die Backing Tracks zu hören. Das hat durchaus seinen Reiz, aber letztlich fehlt einem der Gesang von Plant dann doch. „Ramble On“ kommt im Rough Mix nicht so rockig daher und lässt einen folkigen Unterbau erkennen, den man bei der härteren Albumversion so nicht erwartet hätte. „Moby Dick“ gibt auch noch ein relativ kurzes Gastspiel, bevor es mit „LaLa“ tatsächlich einen neuen Song auf die Ohren gibt. Die Nummer vom 14. April 1969 zeigt die Musiker bei der konzentrierten Arbeit – ohne den Gesang von Plant – und gefällt durchaus durch den Jamcharakter. Es hat den Anschein, dass Page einfach drauflos spielt und der Rest der Mannschaft ihm spielend folgt.

 

Das eigentliche Studioalbum zeigt eine deutliche Weiterentwicklung von Led Zeppelin und dies, obwohl das Debüt ja gerade erst veröffentlicht wurde. War der Erstling noch fest im Blues verwurzelt, so ist „II“ ein fast schon kompromissloses Rockalbum. „Whole Lotta Love“ wurde oft kopiert, aber nie erreicht. Der experimentelle Zwischenteil sorgt dafür, dass einem die Synapsen neu justiert werden, bevor es wieder bretthart abgeht. Damit hat die Band einen unsterblichen Klassiker geschaffen. „What Is And What Should Never Be“ steht dem in kaum etwas nach, legt an Kompromisslosigkeit sogar noch mal ein Brikett drauf. „The Lemon Song“ ist eine Rockhymne, bei der Plant seine ganze Bandbreite zeigen kann und Page mittendrin noch mal zum Blues zurückfindet. Ab Minute drei zeigt sich dann auch, dass das liebevolle Remastering „II“ auf eine neue Stufe gehoben hat. Jones lässt die Finger flitzen und Bonham hält den Laden auf beachtliche Art und Weise zusammen – und dies ist derart gut zu hören als würde die Band bei einem im Wohnzimmer spielen. Mit „Thank You“ lieferten Led Zeppelin ihre erste richtig große Ballade ab. Herausragender Song. „Heartbreaker“ groovt, „Heartbreaker“ rockt, „Heartbreaker“ ist die Blauspause für vieles, was in den 90ern unter Indierock lief. Den Basslauf hat sich Josh Homme für seine Queen Of The Stone Age auch schon mehrfach geliehen. „Living Loving Maid (She´s Just A Woman)“ schlägt eine Brücke vom Blues zum Pop – man höre sich nur den Refrain an. „Ramble On“ ist ebenfalls in diesem Soundgewand ein Gedicht. Die vielen kleinen Zwischenspiele, Wendungen und die Akustikteile kommen – besonders über Kopfhörer – derart präsent rüber, dass man aufgrund der Fingerfertigkeit in schiere Verzückung gerät. Und alle Schlagzeugfetichisten werden „Moby Dick“ ab jetzt mit anderen Ohren hören. Bis hierhin war das Album eine Ansammlung an Klassikern. Wie auf jedem Led Zeppelin Werk gibt es aber auch hier noch eine Nummer, die den Fans natürlich ein Begriff ist, in der allgemeinen Wahrnehmung aber gerne untergeht. Auf „II“ ist es „Bring It On Home“ - mitunter sogar der beste Song der Platte! Was tief in den Sümpfen als Bluesnummer beginnt – man beachte das Mundharmonikaspiel von Plant – entwickelt sich zu einem straighten Rocksong bei dem Bonham glänzt. Und es endet? Na klar, wieder in den Sümpfen.

 

Fazit: „II“ von Led Zeppelin enthält die wohl bekanntesten Rocksongs der Band. Der Blues des Debüts ist hier und da zwar noch zu finden, aber im Grunde seines Herzens ist das ein Hardrockalbum, welches für alle nachfolgenden Generationen Maßstäbe setzte und noch heute gerne als Referenz herangezogen wird. Das Remastering scheint gar noch besser wie bei „I“ gelungen zu sein. Der Sound ist brillant, um nicht zu sagen: perfekt. Page hat anscheinend in akribischer Kleinarbeit darauf geachtet, dass die einzelnen Tonspuren noch besser herausgearbeitet werden und einen Sound geschaffen, der einen diesen Klassiker noch mal ganz neu, frisch und dynamisch erleben lässt. Alles, aber auch wirklich alles ist da zu hören. Besser geht es nicht! Es ist schon der helle Wahnsinn, was die vier Herren hier abliefern und wie schnell da das Tempo gedrosselt oder angezogen werden kann. Die Bonus-CD enthält alternative Mixe von fünf Albumtracks, die Backing Tracks für „Thank You“ und „Living Loving Maid (She’s Just A Woman)“ sowie den bisher unveröffentlichten Track „La La“. Gerade die fünf Rough Mixe verdeutlichen einem eindrucksvoll, wie die Band im Studio gearbeitet hat und wie schnell der Prozess da voranschritt. Unglaublich, wie kreativ Led Zeppelin zum damaligen Zeitpunkt war, da können sich eigentlich alle anderen Bands in die Ecke stellen und eine Runde schämen! Absolut empfehlenswert!

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Led Zeppelin: I (Deluxe Edition)

Led Zeppelin: I (Deluxe Edition)

Atlantic/Warner

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Es gibt Rockbands und es gibt Led Zeppelin. Die Band war in ihrer Blütezeit anders wie der ganze Rest. Die vier Jungs – und besonders Page und Plant – kannten sich in der Musikgeschichte richtig gut aus und entsprechend ließen sie sich davon inspirieren. Böse Zungen behaupten ja, dass sich die – zeitweise – größte Rockband des Planeten die eigenen Songs nur aus Versatzstücken bekannter Tracks zusammengebastelt hätte und Led Zeppelin somit die größten Diebe des Musikgeschäfts wären. Ein klitzekleines Stückchen Wahrheit steckt da schon drin und der Vorwurf ist natürlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen und gerade die vom Blues getränkten Songs des Debüt lassen überall erkennen, wo sie ihren Ursprung haben. Trotzdem waren Led Zeppelin auch stets Pioniere und Suchende und was sie dann daraus gestrickt haben, ist auch heute noch unerreicht. Und davon kann man sich nun anhand der überarbeiteten Version des Debüts in der Deluxe Variante erneut überzeugen lassen.

 

Andere Bands geben ein solches Unterfangen – nämlich sämtliche Alben noch mal für den Markt neu aufzubereiten – in fremde Hände. Bei Led Zeppelin hatte Jimmy Page schon immer ein wachsames Auge auf den Sound und seine Künste als Produzent hat er in der Vergangenheit ja nun schon mehrfach unter Beweis gestellt. Es war insofern nur konsequent und folgerichtig, dass Page sich auch diesem Mammutprojekt angenommen hat. Er lebt Led Zeppelin eben immer noch mit Haut und Haaren. Für die zahlreichen Fans bedeutet dies aber auch, dass man sich da berechtigte Hoffnungen auf eine liebevolle Detailarbeit machen konnte. Und wie nicht anders zu erwarten, wird keiner enttäuscht werden. Man hätte da ja auch den einfachen Weg gehen und die Regler einfach nur nach oben schieben können. Loudness ist mittlerweile ja das neue Zauberelement. Hat Page zum Glück aber nicht gemacht! Natürlich wurden die Mittel der heutigen Studiotechnik voll ausgeschöpft, aber auf eine sehr sensible Art und Weise. Es empfiehlt sich an dieser Stelle unbedingt der Einsatz von Kopfhörern! Der Unterschied zur alten Aufnahme ist da mitunter eklatant! Da wurde sich sehr viel Mühe gegeben und die einzelnen Audio- und Gesangsspuren bearbeitet. Man sollte allerdings beachten, dass gemachte Fehler der Ursprungsproduktion nicht ausgemerzt werden können. Das ist auch gut so, denn sonst würde der Geist der Platte ziemlich verfälscht werden.

 

Die Bonus-CD enthält ein bisher unveröffentlichtes Konzert vom 10. Oktober 1969 im Olympia Theater in Paris! Ganz neu ist das nicht und der eine oder andere Fan dürfte das Teil schon im Schrein stehen haben – mitunter als katastrophale Bootlegaufnahme. So wie hier, hat man die Sause allerdings noch nicht auf die Ohren bekommen. In Anbetracht des Alters ist das schon regelrecht als brillant zu bezeichnen. Anhand dieser neun Songs wird auch noch mal aus sehr eindringliche Weise die Ausnahmestellung der Live-Band Led Zeppelin verdeutlicht. Was die vier Herren hier abliefern ist schon die hohe Kunst der Rockmusik. Mit „Good Times/Bad Times“ geht es noch recht knackig los. Danach folgt mit „Communication Breakdown“ die andere Seite von Led Zeppelin. Plant singt wie ein junger Gott und er braucht sich da auch nicht hinter einer Soundwand zu verstecken. Wie er nach der Einleitung von Page ohne jegliche Unterstützung der Instrumente singt, fährt einem ganz gehörig in die Glieder. Wenn der Rest der Kapelle wieder einsetzt, dann darf einem auch schon mal die Kinnlade auf die Tischkante klappen. Page spielt traumwandlerisch sicher, aber immer mit einem Hang zur Improvisation. John Paul Jones und John Bonham folgen ihm spielend, brechen aber immer wieder ab und setzen punktgenau wieder ein. Es gibt nicht viele Bands auf diesem Planeten, die dies mit solcher Intensität bewerkstelligen (können). „Heartbreaker“ war zum damaligen Zeitpunkt noch völlig neu, da das Stück erst einen guten Monat später auf dem Zweitlingswerk veröffentlicht werden sollte. Im Hardrock setzt dieses Stück Maßstäbe, gerade auch live. Danach folgt ein Opus in mehreren Teilen. „Dazed And Confused“ zieht sich über fünfzehn Minuten und breitet sich episch aus. Die vertrackten Rhythmen von Bonham treiben die Nummer unaufhörlich an, bis das Feld komplett Page überlassen wird. Man kennt die Geschichten ja mit dem Geigenbogen. Augen schließen und eintauchen – mehr gibt es zu diesem Teil nicht zu sagen. Und dann beginnt nach acht Minuten die Raserei. Led Zepplin definieren hier mal eben ihr ganz eigens Genre. Da ist von Jazz bis hin zum Heavy Metal alles vertreten und tanzt dazu immer auf den Mauern des Blues. Die vielen Tempowechsel sorgen dafür, dass es immer spannend bleibt. Übrigens ist das eine ganz tolle Abmischung, denn wann hört man bei einer Live-Aufnahme derart filigrane Bassläufe? Eben!

 

„White Summer/Black Mountain Side“ ist nicht weniger ausufernd, lüftet im Rockzimmer aber mal ordentlich durch und lässt noch ein paar orientalische Klänge einfließen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie Led Zeppelin urplötzlich die Richtung wechseln können. Der Übergang zu „You Shook Me“ ist da fließend. Plant packt die Mundharmonika aus und sorgt dafür, dass sich beim Zuhörer eine dicke Gänsehaut ausbreitet. „Moby Dick“ war zum Zeitpunkt des Konzerts auch noch nicht veröffentlicht und was Bonham da auf die Felle kloppt, dürfte bei den Anwesenden für offene Münder gesorgt haben. Wie beim Album bildet auch auf dieser Bonus-CD „How Many More Times“ den Abschluss. Die knallharte Nummer besticht durch einen herausragenden Groove, bricht zwischendurch aber wieder ab und wechselt die Richtung. „Whole Lotta Love“ zeichnet sich hier schon ab. Für Liebhaber der hohen Musik- und Improvisationskunst ist dieses Konzert aus Paris ein Filetstück. Wer eher Songs mit den gängigen und einfach gestrickten Strukturen bevorzugt, ist hier und auch bei Led Zeppelin falsch!

 

Das Studioalbum selbst spricht für sich und da muss man eigentlich nicht viele Wort zu verlieren. „Good Times Bad Times“ ist der Türöffner in die Welt von Led Zeppelin, der es einem zudem recht leicht macht. Schon mit „Babe I´m Gonna Leave You“ zeigt sich aber zu welch ausgefeilten Arrangements die Band im Stande war. Der Song pendelt spielend zwischen einer Akustik- und einer harten Rocknummer hin und her, hat dabei aber derart viele Richtungswechsel zu bieten, dass es einem abermals die Sprache verschlägt. Und die intuitive Art wie Robert Plant singt, kann man nicht erlernen, das wurde ihm in die Wiege gelegt. Sanft und hart liegen bei Led Zeppelin zudem sehr dicht beieinander. Toller Song, der zwischen den ganzen Klassikern des Backkatalogs immer ein bisschen zu kurz kommt. „You Shook Me“ ist kaum noch wiederzuerkennen. Diese Coverversion wurde von den vier Herren vollständig zerlegt und auf ihre eigene Art wieder zusammengesetzt. Die Albumversion von „Dazed And Confused“ ist wesentlich strukturierte und songorientierter als die vielen epischen Live-Aufnahmen. „Your Time Is Gonna Come“ ist, mit heutigem Hintergrundwissen, schon ein Fingerzeig in die Zukunft. Entspannt geht der Track in „Black Mountain Side“ über, jener Instrumentalnummer, die besonders das Können der drei Musiker nachhaltig veranschaulicht. Gerade hier zeigt sich, dass das beim Remastering ganze Arbeit geleistet wurde. Es ist schon beeindruckend wie fein austariert die Instrumente da zu vernehmen sind und wie filigran das Spiel auf selbigen ist. „Communication Breakdown“ ist der harte Brecher für zwischendurch. Soundmäßig bleibt die Studioversion leider immer noch hinter den Möglichkeiten zurück – mehr war da wohl nicht drin. „I Can´t Quit You Baby“ baut immer noch auf einem Bluesschema auf, wurde von der Band aber auch völlig neu arrangiert. Mit dem ausufernden „How Many More“ Times endet ein Debütalbum, welches die Musikwelt definitiv verändert hat!

 

Fazit: Das Debütalbum von Led Zeppelin setzte zum Ende der 60er Jahre Maßstäbe. Ein Großteil wurde sich zwar bei den alten Meistern des Blues geliehen, aber wie das in den Bandsound übertragen und integriert wurde ist schon beachtlich. Man hat es hier mit begnadeten Musikern, die brillant und filigran ihre Instrumente beherrschen, und einem Sänger, der sämtliche Höhen und Tiefen intuitiv erklimmt, zu tun. Die Arrangements sind für ein Debüt höchst beachtlich. Ein sehr stimmiges Werk. Beim Remastering wurde ganze Arbeit geleistet und die einzelnen Tonspuren der Instrumente und des Gesangs seziert. Über Kopfhörer ist das ein Genuss. Die komplette Faszination von und für Led Zeppelin wird bei den neun Live-Songs aus dem Oktober 69 noch mal sehr deutlich und greifbar. Die Deluxe Variante ist ohne Einschränkung zu empfehlen - auch für Leute und Fans, die das Teil schon mehrfach im Schrank stehen haben!

 

http://www.ledzeppelin.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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