Lana Del Rey: Lust For Life

Lana Del Rey: Lust For Life

Universal

VÖ: 21.07.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Lana Del Rey strahlt einen vom Cover ihres neuen Albums „Lust For Life“ in voller Pracht an. Dieses Motiv wurde sicherlich nicht nur zufällig ausgewählt. Eine Imagekorrektur muss dies ja nicht zwangsläufig bedeuten, aber die Lebensfreude zieht sich auch durch das neue Werk. Zeitlupe und Schwermut sind aber nicht verschwunden und die 32-jährige bleibt sich und ihrem Stil durchaus treu. Ein nostalgischer Blick zurück schwingt auf „Lust For Life“ immer mit, gleichzeitig sind die Songs aber oftmals zeitgemäß. Die Einflüsse – sowie die Gäste – sind schon höchst unterschiedlicher Natur und machen das zu einem perfekten Pop-Album für das Jahr 2017!

 

Man kann sich trefflich darüber streiten, ob „Lust For Life“ nun das beste Album von Lana Del Rey ist. Die Frage ist eher: hat sie bisher schon mal ein schlechtes Album aufgenommen? Die Antwort fällt relativ leicht: Nein! Auch die neuen Songs reihen sich in den mittlerweile beachtlichen Backkatalog sehr schön ein, setzen hier und da aber ein paar neue Farbtupfer und Akzente. Dies ist insofern auch beachtlich, da die Dame einst als Zeiterscheinung einsortiert wurde, die schnell wieder in Vergessenheit geraten wird. One Hit Wonder also? Keinesfalls.

 

Mit „Love“ fängt das Album fast klassisch im Lana Del Rey-Stil an. Der sanfte Einstieg, der es einem als Zuhörer ziemlich leicht macht, weil alles so vertraut ist. Mit „Lust For Life“ gibt es dann aber schon die erste Überraschung. Für dieses Stück hat sie sich R&B-Superstar The Weeknd ins Studio eingeladen. Die beiden Stimmen umschmeicheln sich und harmonieren auf wundervolle Art und Weise miteinander. Iggy Pop wird natürlich schon alleine durch den Titel zitiert. „13 Beaches“ ist so eine Nummer, die zunächst überhaupt nicht auffällt und erst nach mehrmaligem Hören ihr volles Potenzial entfaltet.

 

Und dann wäre da ja auch noch Trap und Rap! „Summer Bummer“ wirkt aufgrund der Rapparts von A$AP Rocky zunächst wie ein Fremdkörper und ist sehr gewöhnungsbedürftig. Sanfte Beats umspielen die gegensätzlichen Stimmen. Und dann – Peng – haut das doch vollends hin. „Groupie Love“ ist ein weiterer Track mit A$AP Rocky und ist so ziemlich das Beste, was Lana Del Rey jemals veröffentlich hat. Perfekter kann Pop nicht sein. Perfekt und sehr gut. „In My Feelings“ hat wieder den typischen Zeilupengesang aufgefahren. Dazu gibt es einen wirklich sanften Beatteppich. Die Nummer hat durchaus Sogwirkung.

 

Lana Del Rey hat aber auch was zu sagen. Beispielsweise in „Coachella – Woodstock In My Mind“. Toleranz und ein friedliches Miteinander ist immer der richtige Weg! Immer! „When The World Was At War We Kept Dancing“ geht in eine ähnliche Richtung. „God Bless America And All The Beautiful Women In It“ pendelt wunderbar zwischen Hippietum und Trap. Das scheinen sowieso die beiden Säulen zu sein, auf denen „Lust For Life“ musikalisch erbaut wurde. „Beautiful People Beautiful Problems“ hat die großartige Stevie Nicks als Duettpartnerin am Start. Die beiden Stimmen passen natürlich perfekt zusammen. Mit „Tomorrow Never Came“ hat das Album dann auch noch seinen Beatles-Moment und dies nicht aufgrund der Beteiligung von Sean Ono Lennon. Na gut, er dürfte dafür gesorgt haben, dass dieses zärtliche Stück diesen Weg einschlägt. „Heroin“ erinnert an einen Road-Trip und passt sich somit auch musikalisch dem Thema an. Auf „Change“ blickt Lana Del Rey in ihr Inneres und setzt sich mit den eigenen Veränderungen, die sie über die Jahre durchlaufen hat, auseinander. Mit „Get Free“ schließt sich der Kreis zum Albumbeginn. Das psychedelische Gitarrenspiel sticht dabei noch mal heraus. Ein bisschen erinnert das an Radiohead. Ein langes, sehr gutes Album findet damit seinen würdigen Abschluss.

 

Fazit: „Lust For Life“ feiert das Leben und ist ein positives Album. Dies schließt ja nicht aus, dass es auch ein paar nachdenkliche Töne zum Zeitgeschehen, aber auch der eigenen Entwicklung von Lana Del Rey gibt. Teilweise sind die Songs opulent ausgearbeitet worden. Es ist ein sehr geschmackvolles Album geworden. Rick Nowels hat das Werk produziert und mitgeschrieben und zusammen haben die beiden – trotz der Länge – ein perfektes Popalbum geschaffen.

 

http://lanadelrey.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Lana Del Rey: Honeymoon

Lana Del Rey: Honeymoon

Universal

VÖ: 18.09.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Kehren wir doch mal durch. Der Hype ist ja nun vorbei und jetzt zählt nichts als die nackte Wahrheit. Lana Del Rey kann sich nun nicht mehr auf all dem Ruhm der Anfangstage ausruhen. Die Realität hat auch sie längst eingeholt und wie das so ist, mit den einstigen Lieblingswunderkindern, sie werden schnell fallengelassen. Sagen wir es mal direkt geradeaus: die Frau hat mehr Eier als eine Vielzahl ihrer männlichen Kollegen zusammen. Wer ein Album wie „Honeymoon“ veröffentlicht zeigt nicht nur allen Kritikern den Mittelfinger, nein, da gehört auch Mut dazu! Dieses Album ist nämlich derart sperrig – böse Zungen werden das Wort langweilig und monoton verwenden - dass die Künstlerin ein gesundes Selbstbewusstsein im Hinblick auf diese Songs haben muss.

 

Auf „Honeymoon“ hat sie wieder alles durch den Vintage-Filter gejagt, aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten zum letzten Album. Eine Parallele wird es vielleicht noch geben: auch „Honeymoon“ dürfte kaum erfolgreiche Singles abwerfen. Dies ist ein Gesamtkunstwerk. Entweder man verliebt sich in diese Songs oder man wird diese hassen. Dazwischen scheint es kaum etwas zu geben. Die Songs klingen wieder nach einem Amerika einer längst vergangenen Epoche. Vermutlich gibt es dieses Amerika auch nur in der Welt von Lana Del Rey und in ihren Songs. Aber was macht das schon? Textlich geht es recht bunt zu. Und stark. In dieser Hinsicht ist es sogar ihr stärkstes Album. Die schlimmen Finger werden besungen. Die Palmen. Der endlose Sommer mit all seinen Genüssen und natürlich auch die Partys. Vermutlich werden irgendwelche Feministinnen das Konservative dieser Songs bemängeln. Kunst ist aber frei. Macht euch mal locker! Lana Del Rey entwirft hier eine Welt, die es so nicht geben wird. Es ist ihre Welt, ihre Träume, ihre Visionen.

 

Und es muss ja auch nicht immer alles einen Sinn ergeben. Oder wovon handelt jetzt das wundervolle und formvollendete „Salvatore“, bei dem die Textzeilen scheinbar wahllos aneinandergereiht werden? Vielleicht wird auch einfach zu viel in die Songs hineininterpretiert. Es sind ja auch geheimnisvolle Songs, die auch mal etwas beatlastiger wie mit „The Blackest Day“ sind. Der Fokus liegt aber meist auf der Stimme. Vorbei sind die Zeiten der Dancelemente und der Gitarren. Dafür gibt es sehr viel Stimme, auch im Background-Chor. Musikalisch wird die Monotonie auch mal aufgebrochen, wie beim hochdramatischen „24“. Dann erinnert sie an eine Mischung aus Kate Bush und Florence + The Machine. Und was das heißt ist ja klar: es ist großartig.

 

Eine sanfte Melancholie legt sich wie eine unsichtbare Decke über die Platte. „Swan Song“ passt zum beginnenden Herbst. Überhaupt könnte der Veröffentlichungszeitpunkt nicht besser gewählt sein. Schon mit dem spröden Auftakt von „Honeymoon“ kriegt man den Soundtrack zu den bunten Blättern und dem immer häufiger werdenden Regen geliefert. Das Album klingt sowieso wie ein Soundtrack zu einem noch nicht gedrehten Film Noir. Im Zentrum steht dabei immer die Stimme. Es sind die kleine Nuancen, die Phrasierungen, die dieses Werk auszeichnen. Wer sich nicht darauf einlassen kann und will, wird enttäuscht werden. Das düstere „Terrence I Love You“ ist bedrohlich und erhaben zugleich, während „Freak“ eher verrucht und geheimnisvoll auf ganz leisen Sohlen angekrochen kommt. Es sind die Gegensätze die auch bei aller vermeintlichen Gleichheit dieses Werk auszeichnen. Hinhören! Bitte! Und wie sie sich ganz zum Schluss Nina Simone mit einer weiteren Coverversion nähert, ist schon toll. „Don´t Let Me Be Misunderstood“ hätte ja nun auch ganz schwer in die Hose gehen können. Dann wäre es peinlich für Lana Del Rey geworden. Sie meistert das Stück aber mit Bravour! Und das auch noch fast ausschließlich mit ihrer Stimme!

 

Fazit: „Honeymoon“ von Lana Del Rey ist ein sperriges, melancholisches und schwieriges Album. So wie es nur die ganz Großen wagen. Tori Amos oder Björk beispielsweise. Lana Del Rey geht hier nicht den einfachen Weg und sie hat auch keine Ansammlung von potenziellen Hits aufgenommen. Es sind verträumte und traurige Songs, die zu einem treuen Herbstbegleiter werden können – und zwar jedes Jahr auf ein Neues! In einer Zeit, wo das Albumformat kaum noch eine Rolle spielt, nimmt Lana Del Rey genau eine solche Platte auf und reiht nicht nur Song an Song. „Honeymoon“ ist mutig!

 

http://lanadelrey.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Lana Del Rey: Ultraviolence

Lana Del Rey: Ultraviolence

Universal

VÖ: 13.06.2013

 

Wertung: 9/12

 

Nach dem Hype ist vor dem Hype. Oder auch: plötzlich ist es da, das neue Album von Lana Del Rey. Einfach so. Also nicht so wie bei Beyoncé, aber doch einigermaßen überraschend. Natürlich braucht es heutzutage nicht mehr die großen Vorlaufzeiten der Vergangenheit und doch ist es mutig „Ultraviolence“ jetzt einfach mal so im Sommerloch und während der Fußballweltmeisterschaft zu veröffentlichen. Der Name Lana Del Rey ist aber nach nur einem Album sowieso ein Selbstläufer und kurz nachdem bekannt wurde, dass die Dame in Kürze neue Musik veröffentlichen wird, war das Netz mit dieser Neuigkeit zugekleistert. Einige Zeitgenossen beeilten sich dann auch schnell seltsame Entwürfe für das Albumcover in den Orbit zu jagen. Und jetzt? Jetzt wird es einige lange Gesichter geben.

 

„Ultraviolence“ bemüht sich jedenfalls gar nicht erst irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Warum auch? Natürlich singt Lana Del Rey immer noch, als käme sie aus einem Paralleluniversum, aber auf dem Zweitlingswerk ist einiges anders als auf „Born To Die“. Ob es nun der richtige Weg war, den sie hier eingeschlagen hat, liegt ja immer in den Ohren des jeweiligen Hörers. Es ist aber unbestreitbar doch sehr erfrischend, dass sie nicht noch mal „Born To Die“ aufgenommen hat. Und doch ist die zweite Runde nicht weit von der ersten Platte entfernt. Was ist denn nun so anders? Die Songs springen einen nicht mehr direkt an und im Grunde ist hier kaum ein Hit zu finden. Alles schleicht im Vintage-Sound ganz gemütlich der Abendsonne entgegen.

 

Was ist geblieben? Natürlich die Streicher. Overdubes und Synthesizer auch. Neu ist die Verpackung und die Produktion. Dan Auerbach von The Black Keys hat „Ultraviolence“ ungemein gut getan. Zwischen Nashville, Western und Garage hat er Lana Del Rey da ein Gewand gebastelt, welches im Blues und Indiefolkrock verankert ist. Das gibt dem Album die Würze und holte es aus seiner Lethargie und so mancher Länge heraus. Man höre sich dazu nur die Gitarre im Hintergrund von „Sad Girl“ an. „Ultraviolence“ lädt einen förmlich ein auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber Vorsicht, es wird dunkel. Die vielen kleinen Farbtupfer, beispielsweise bei „Brooklyn Baby“, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundstimmung der Platte schwarz wie die Nacht ist.

 

Die Indie-Attitüde steht Lana Del Rey, aber auch „Ultraviolence“ sehr gut zu Gesicht. Das groovige „West Coast“ trifft dabei sogar den richtigen Ton. Dan Auerbach hat da ein Zauberhändchen bewiesen. Es ist aber natürlich die große Show der Sängerin, die hier unterstreicht, dass sie kein Retortenprodukt ist und stets eine überzeugende Gesangsleistung abliefert. Die Phrasierung ist ganz vorzüglich und wie sie zwischendurch immer eine kleine Kunstpause einlegt hat schon Stil. In das tieftraurige „Pretty When You Cry“ muss man sich förmlich reinwühlen. Die Songs wollen erarbeitet werden, aber das macht auch Spaß und dann kann man hier ganz viel Schönheit entdecken und erleben. Und selbst ein Gitarrensolo gibt es. Ganz langsam schälen sich die Beats bei „Money Power Glory“ aus den Boxen. Der verhuschte Gesang passt sich dem auf wundersame Weise an, wirkt dabei derart entrückt, als würde Miss Rey aus einer anderen Welt zu uns singen. „Fucked Up My Way To The Top“ ist sexy, mysteriös, düster und lieblich zu gleichen Teilen. Dieser düstere Abgesang ist einer der – sofern man den Mut aufbringt das Stück im Radio zu spielen – interessantesten Popsongs des Jahres. So und nicht anders. „Old Money“ ist ein ganz leises Juwel und doch ist der Gesang sehr kraftvoll. „The Other Woman“ ist eigentlich unspektakulär, wird aber sehr schön in Szene gesetzt und könnte auch aus einem Film der 50er entsprungen sein. Der „West Coast“ Radio Mix klingt wie aus einem Western entsprungen oder aus „Breaking Bad“ - mit anderen Worten: großartig.

 

Fazit: Das zweite Album von Lana Del Rey wird einige vor den Kopf stoßen. „Ultraviolence“ hat wesentlich weniger Hitpotenzial wie sein Vorgänger, dafür aber ein deutlich längeres Haltbarkeitsdatum. Die Beteiligung von Dan Auerbach ist deutlich hörbar und hat dem Sound gut getan. Vintage hin, Retrogewand her, es passt eben wie die Faust auf das Auge. Und die Art wie Lana Del Rey diese Songs interpretiert, phrasiert und inszeniert macht sie zur Zeit ziemlich einzigartig. Von wegen Retortenprodukt, es steckt wesentlich mehr dahinter. Vielleicht wird sich aufgrund der düsteren Stimmung der Hype legen und dann bleibt nur noch die Musik übrig – gute Musik. So soll es doch sein!

 

http://lanadelrey.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Lana Del Rey: Born To Die

Lana Del Rey: Born To Die
Universal
VÖ: 27.01.2012

 

Wertung: 8/12

Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Gut, für diese Erkenntnis musste nicht erst Lana Del Rey mit „Born To Die“ um die Ecke kommen, aber der ganze Hype um das neue Fräulein Wunder der Popmusik führt einem dies doch mal wieder sehr anschaulich und nachhaltig vor Augen. Im nicht vorhandenen Sommer 2011 überschlug man sich in den unendlichen Weiten des Netzes aufgrund der Entdeckung von „Video Games“ förmlich. Die ganzen Blogger hatten die neue Indie-Sensation ausgemacht und schnell sprangen auch die sozialen Netzwerke auf diesen Zug auf. Die Klicks bei YouTube schossen in die Höhe und das Feuilleton hatte auch wieder einen neuen Liebling gefunden. Die Sehnsucht nach diesem Retro-Sound, der ein Amerika aus einer ganz anderen Epoche verkörperte, schien riesengroß zu sein.

Es kam wie es kommen musste. So etwas ruft ja auch immer schnell die Neider auf den Plan und diese kamen wie die Ratten aus den Löchern gekrochen. Erstaunlicherweise drehte sich das Fähnchen aber auch bei der gerade noch begeisterten Meute schnell in eine negative Richtung. Plötzlich waren die dicken Lippen der Sängerin mit der dunklen Stimme das Thema der Stunde. Ihre Biografie sei ebenfalls gefälscht und überhaupt wäre das alles erst möglich, weil der Papa mit dem dicken Bankkonto das alles finanziere. Jeder Auftritt von Lana Del Rey wurde bis in kleinste Detail zerlegt und durch so manche fragwürdige Performance gab sie allen Kritikern auch noch neues Wasser auf deren Mühlen. Worüber sollte man auch schreiben? Das Album war ja noch in weiter Ferne und „Video Games“ längst in allen möglichen Formen abgearbeitet.

Nun liegt also „Born To Die“ vor und das ganze Brimborium im Vorfeld war unnötig – in beide Richtungen! Das Album ist ein mittelmäßiges bisweilen gutes Werk – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Hypeschublade kann geschlossen werden und die Verrisse müssen nun wohl oder übel auch überarbeitet werden. So schnell kann es gehen. Die Platte wird natürlich selbstredend ein Renner werden, klar. Mit Lana Del Rey wurde der Star des Jahres 2012 gefunden – ob sie will oder nicht. Einer muss es ja machen und mit einem neuen Adele Album ist zumindest für dieses Jahr ja nicht zu rechnen.

Auf den ersten Blick kann man die Popsensation 2011 vielleicht nicht mit der von 2012 vergleichen – auf den zweiten aber schon. Die beiden jungen Damen sind nicht nur Hoffnungsträgerinnen für den Superstarthron der nächsten Jahre, sondern fühlen sich musikalisch eben auch im Retro-Gewand sehr wohl. Amerika musste es aber wieder übertreiben. Lana Del Rey will oder soll alles sein: New York, Chicago, Hollywood, Paris, Film Noir, David Lynch, Trailer Park, Las Vegas, Diva, Nancy Sinatra und Lady Gaga. Selbst vor Hey! Hey! Chören macht man da nicht Halt. Leider verliert das dann auch zum Ende von „Born To Die“ an Reiz und langweilt.

In den wirklich guten Moment ist Lizzy Grant – so der Name hinter dem künstlich geschaffenen Produkt – tatsächlich die tollste, größte und ungewöhnlichste Sängerin, die der Planet im Jahr 2012 zu bieten hat. Lasziv, verführerisch, gar hypnotisch trägt sie dann die Songs aus längst vergangenen Tagen vor. Hin und wieder quengelt sie wie ein kleines Kind. Eine Mischung aus Nico, Nancy Sinatra und Stevie Nicks eröffnet sich dem Zuhörer. Und ja, man hört Lana Del Rey dann sehr gerne zu – man kann ja gar nicht anders. Zu faszinierend ist es, wenn sie bei „Million Dollar Man“ eine Mischung aus Keller-Jazz und dem nächsten Bond Titelsong präsentiert. Oder wenn die Streicher sich beim Titelsong „Born To Die“ aufschwingen ihr einen Klangteppich auszubreiten, der die Schwere und Düsternis der gesamten Menschheit beinhaltet. Sie singt dazu mit einer Erhabenheit die Eisberge versetzen kann.

Die größte Überraschung dürften aber die vielen Beats auf der Platte sein. Nach „Video Games“ konnte man sicher alles erwarten, aber HipHop? Von dieser Femme Fatale? Dubstep? TripHop? Ja! Gibt es alles auf „Born To Die“. „Off The Races“ entlarvt sie dann eher als die amerikanische Ausgabe von Jessie J! „Diet Mountain Dew“ entpuppt sich gar als die schwüle Mischung zwischen HipHop Beats und großem Pop. Sensationell! Wirklich! Über allem schweben natürlich die beiden Tracks, die das Album überstrahlen und für immer bleiben werden - nämlich das hinlänglich bekannte „Video Games“ und das noch stärkere „Blue Jeans“.

Fazit: Hätten wir das also auch geschafft. Lana Del Rey dürfte der größte Felsbrocken durch die Bluse geplumpst sein. Endlich ist „Born To Die“ veröffentlicht und die ganzen Spekulationen haben ein Ende. Mit dieser Platte schrumpft das nun auch alles auf ein vernünftiges und erträgliches Maß. Kein Überflieger, aber eine Platte, die bisweilen mit ungewöhnlichen Klängen überraschen kann, der aber über die komplette Distanz etwas die Luft ausgeht. Die schönste Erkenntnis dürfte aber am Ende des Tages sein, dass hier sowohl den Kritikern wie eben auch den Schönschreibern der Wind aus den Segeln genommen wurde. Und nun? „Born To Die“ wird uns 2012 definitiv noch lange begleiten!

http://www.lanadelrey.com/

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch