Lady Gaga: Born This Way

Lady Gaga: Born This Way

Universal

VÖ: 23.05.2011

 

Wertung: 6/12

 

Stefani Germanotta ist der größte Star der Gegenwart. Unter diesem Namen ist sie freilich nicht ganz so bekannt und selbst ihr Gesicht versteht sie geschickt zu verbergen. Miss Germanotta könnte gar im Schlabberlook unerkannt durch die Straßen von New York spazieren. Als Lady Gaga ist dies allerdings nicht möglich. Ihre grelles Outfit dürfte überall für großes Aufsehen sorgen. Kein Künstler versteht es besser sich in Szene zu setzen. Der Bekanntheitsgrad dürfte in Richtung 100 % tendieren. Die Ausmaße sind mit dem Wahn um Michael Jackson und Madonna in den 80ern gleichzusetzen.

 

Man könnte auch die Frage stellen: warum? Warum dieser ganze Hype um Lady Gaga? Klar, sie hat von ihrem ersten Album derart viele Songs an den Mann und die Frau gebracht, dass sich diese Frage eigentlich wie von selbst beantwortet. Aber mal ehrlich, würde das ganze Tamtam auch stattfinden, wenn sich die Dame nicht so geschickt inszenieren würde und die Medien mangels Alternativen darauf so anspringen würden?

 

Nun folgt mit „Born This Way“ dann auch mal wieder ein neues musikalisches Zeichen. Den Titelsong kennt man ja schon seit Wochen. Damit dürfte endgültig klar sein, dass Lady Gaga die neue Madonna ist und auch sein möchte. Die Nummer hört sich immerhin wie „Express Yourself“ an. Die Ähnlichkeiten sind ja mehr als offensichtlich. Aber auch bei „Born This Way“ sei die Frage erlaubt: warum?

 

Die Musik scheint nur noch zum Selbstzweck verkommen zu sein und Lady Gaga ist längst keine Künstlerin mehr, sondern zu einem Gesamtkunstwerk geworden. Musik spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle. Dies ist auf „Born This Way“ nicht anders. Der Beat pumpt und bollert durch die Songs wie eine Büffelherde. Ja, selbst 90er Jahre Techno hat sie sich auf die Fahnen geschrieben. Vielleicht setzt sie damit sogar wieder einen neuen Trend in die Landschaft. Bestimmt sogar. Verstehen muss man das nicht.

 

Natürlich gibt es auch hier wieder einen Mittelfinger, denn man will ja schließlich auch ein bisschen schockieren. Dieser kommt in Form von „Judas“ daher. Was bleibt, ist ein Sturm im Wasserglas. Anderes wie „Bloody Mary“ klingt wie ein typisches Lady Gaga-Stück, welches mit Elementen von Marina and the Diamonds versehen wurde. In Deutschland darf man sich immerhin über den Track „Scheiße“ freuen. Ob das originell ist oder nicht, sei mal dahingestellt, für solche Songs hat die Dame einfach ein Händchen.

 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, denn die Dame zeigt auch hin und wieder, dass sie musikalisch auf ihrem Gebiet tatsächlich eine Vorreiterin ist. „Government Hooker“ könnte tatsächlich wieder eine Art Vorreiterrolle einnehmen. Das ist nicht von der Stange, sondern knallt ordentlich rein. Das gilt auch für „Americano“. Wer bei dem Ding noch still sitzen kann, ist vermutlich an den Stuhl getackert worden. Das südländische Flair ist dann nur noch das Sahnehäubchen. Dass dies alles so konzipiert wurde, dass sich die Songs schnell im Ohr festsetzen, nun gut, darüber brauchen wir nicht reden. Lady Gaga funktioniert eben auch in den einschlägigen Etablissements auf Mallorca – keine Frage.

 

Fazit: „Born This Way“ ist einer Lady Gaga würdig. Schrill, schräg und polternd kommt das Album ins Haus gefallen. Die Songs erfüllen mit diesen Dance-Sounds voll und ganz ihren Zweck. Letztlich ist die Musik aber nur ein Bruchteil so spannend wie das aufgebaute Image der Dame und von einer Klasse, die Madonna und Michael Jackson in ihren Hochzeiten an den Tag gelegt haben, ist Lady Gaga weit entfernt. Letztlich bekommt jede Generation die Sorte an Megastars, die sie verdient hat. Von „Born This Way“ wird man in Zukunft eher weniger lesen, dafür wird es bestimmt wieder genug Geschichten für die Yellow Press geben - so viel ist sicher!

 

http://www.ladygaga.com/bornthisway/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch