Kraftklub: Mit K

Kraftklub: Mit K
Universal
VÖ: 20.01.2012

 

Wertung: 9/12

 

Kraftklub wollen nicht nach Berlin! Ist ja nicht mehr neu und hat sich mittlerweile auch von Flensburg bis nach Oberstdorf herumgesprochen. Na und? Müssen sie ja nicht! Was geht es uns an? Ist es wirklich so einfach? Irgendwie stellen sich Kraftklub damit ja auch einem Trend entgegen. Die Musikszene zieht es ja seit geraumer Zeit wieder in die Hauptstadt und jeder, der was auf sich hält, folgt den Verlockungen der pulsierenden Stadt. Vor lauter Coolness wird dort aber mittlerweile auch gerne vergessen die gute Berliner Luft einzuatmen. Kraftklub sind anders – Chemnitz ist ja auch schön. Liegt ja auch immer an der Sichtweise des jeweiligen Betrachters.

Kraftklub sind eben erfrischend. So ganz nebenbei setzen sie dabei sogar noch Trends ohne das Rad neu zu erfinden. Man mische einfach Deutschrap und Indierock und fertig ist der neuste Hype der Saison. Dafür können ja Kraftklub nichts. Hätte ja auch mal einer früher auf die Idee kommen können. Aber die neue Generation deutscher Musiker sucht ja noch nach Worten, muss noch Mails checken und sich überhaupt den Tagträumen hingeben. Mit dem heiß ersehnten Album „Mit K“ unterstreichen Kraftklub, dass es auch anders geht. Sie reden auch gar nicht um den heißen Brei herum und packen die Themen direkt an.

„Eure Mädchen“ ist dann gleich zu Beginn eine Art Selbstreflexion. Kraftklub sind nicht wie die anderen Jungs? Die Mädchen sollen auf die Tanzfläche? Und wir schreiben nicht mehr das Jahr 2001? Gut gebrüllt. Musikalisch ist das natürlich schön  von der ganzen Insel inspiriert und zusammengeschustert worden. Ganz vorne ist die Hektik von Franz Ferdinand zu finden. Die Arctic Monkeys sind auch nicht weit weg. Bloc Party sowieso nicht. Gut, The Hives sind da nicht beheimatet, könnten sie aber und auch die findet man klangtechnisch an jeder Ecke von „Mit K“ wieder. Das wissen die Jungs natürlich auch und daraus machen sie gar keinen Hehl und nennen auch hier die Dinge beim Namen. Selbstironie inklusive! Die „Melancholie“ hört sich bei Kraftklub eben anders an, Liebessongs sowieso, die werden dann eben zu „Kein Liebeslied“.

„Karl-Marx-Stadt“ nimmt sich „Loser“ von Beck zur Brust, knallt aber wesentlich mehr rein und lässt die ganze Schluffigkeit vor der Tür. Kraftklub springen einem eben immer direkt mit dem nackten Hintern ins Gesicht. Das macht „Mit K“ allerdings auch nicht nur zu einem frischen musikalischen Gebräu, sondern kann auch ganz schön anstrengend sein. Aber hey, auch da schieben Krafklub gleich den Riegel vor, denn sie sind sich darüber im Klaren, dass sie eben nicht Tocotronic oder Die Sterne sind. Macht es ja auch sympathisch. Und wer sagt denn, dass man die Platte zu jeder Tages- und Nachtzeit hören kann und muss? In der richtigen Stimmung ist das jedenfalls ein großer Kracher der eben auch auf ganzer Linie zündet.

Für Fans gibt es einen klitzekleinen Wermutstropfen, denn einen Teil des Materials kennt man bereits von der EP oder den Liveauftritten. Kraftklub werden sich mit diesem Album aber unter Garantie noch mal einer ganz neuen Hörerschicht erschließen. 2012 sollte das Jahr von Kraftklub werden – Hype hin oder her!

Fazit: „Mit K“ von Kraftklub wird von Fans und Medien ja gleichermaßen schon lang herbeigesehnt. Da ist das Ding also. Bisweilen ist es anstrengend, gar keine Frage. Trotzdem sind die Songs, die eine Mischung aus Rap und Indierock darstellen, grundsympathisch. Erfreulicherweise nehmen sie sich selbst nicht zu ernst und haben auch kein Problem damit die Einflüsse beim Namen zu nennen. So ganz nebenbei fällt der eine oder andere Slogan für die jüngere Generation ab und dürfte dieser mit lautem Schrei aus dem Herzen sprechen. Endlich mal wieder eine deutschsprachige Band, die man auf dem Zettel haben sollte – Hype hin oder her, ach, hatten wir ja schon.

http://www.kraftklub.to/

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch