Konstantin Wecker: Poesie Und Widerstand

Konstantin Wecker: Poesie Und Widerstand

Sturm & Klang/Alive

VÖ: 26.05.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Deutschsprachige Musik bestimmt mittlerweile wieder die Charts und die Radiolandschaft. Deutschsprachige Musik war aber auch noch nie so egal wie dieser Tage. Belanglos und seicht. Man wartet immer wieder vergeblich auf die berühmten Ausnahmen. Tacheles reden, Sprachrohr sein. Fehlanzeige. Viel lieber halten sich die Künstler bedeckt. Man will ja schließlich keinen verschrecken und die potenzielle Zielgruppe so groß wie möglich halten. Natürlich gibt es Ausnahmen, leider viel zu wenige. Was das alles mit Konstantin Wecker zu tun hat? Eine ganze Menge, denn der Mann, der nun auch schon 70 Lenze zählt, ist der momentan wichtigste deutschsprachige Künstler. Man hat das Gefühl, dass der Mann weit und breit der Einzige ist, der die Dinge beim Namen nennt und – wenn notwendig – mit klarer Sprache deutlich anspricht was in der Welt verkehrt läuft. Und er trifft dabei immer den Nagel auf den berühmten Kopf. Man kann dem Mann dafür nicht genug danken!

 

„Poesie Und Widerstand“ heißt sein neues Album und der Titel dürfte eigentlich keine Fragen offen lassen, was die 31 Songs ausmacht. Neu sind die Lieder – bis auf „Den Parolen Keine Chance“ - nicht. Das Album erscheint anlässlich seines runden Geburtstags und ist ein schöner Streifzug durch sein 50-jähriges Schaffen. Hierbei handelt es sich um die persönlichen Lieblingstitel des Münchner Liedermachers. Eingespielt hat er diese im Münchner Tonstudio. Somit bietet „Poesie Und Widerstand“ dann doch noch sehr viel Neues, da Wecker da im Grunde Wecker interpretiert. Mal Solo, mal im Trio, mal mit Orchesterarrangements.

 

„Den Parolen Keine Chance“ und „Sage Nein“ mit seinen einleitenden Worten, sollte sich jeder mal anhören, der braun für eine tolle Farbe in der politischen Landschaft hält. Die vielleicht besten Songs zum Thema und dieser Zeit. Wecker hatte aber in seiner langen Karriere auch immer wieder Lieder aufgenommen, die den Blick nach innen richten. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies fiktive oder reale Geschichten sind. „Niemals Applaus (Für Meinen Vater)“, „Stirb Mal Ned Weg“ und „Was Immer Mir Der Wind Erzählt“ berühren Herz und Seele. Es reicht manchmal auch das Klavier als musikalische Instrumentierung völlig aus. Anderes wird opulenter angelegt, wie beispielsweise „Wut Und Zärtlichkeit“. Auch bei der Umsetzung trifft Wecker stets den richtigen Ton. Er weiß intuitiv, wann es besser ist die Texte ruhig zu untermalen und wann es eben die große Orchestrierung braucht. Bei „Empört Euch“ wird dann auch noch ein richtiges Gitarrensolo gereicht. Übrigens liegt auf der ersten CD „Sage Nein“ auch noch als Bonus-Version vor. Jede Menge Gäste hat sich Wecker eingeladen: dazu zählen unter anderem die österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager, die südamerikanische Sängerin Gaby Moreno, der Clueso-Drummer Tim Neuhaus sowie die Eurovision Song Contest-Abräumerin Conchita Wurst, der sizilianische Cantautore Pippo Pollina, Gothic-Rocker Asp sowie der Türke Cetin Oraner.

 

„Leben Im Leben“ ist wunderschön in Szene gesetzt worden. Die klassische Instrumentierung tut dem Stück sehr gut. „Die Weiße Rose“ ist wichtig. Sehr wichtig. Die Widerstandsgruppe gegen die Diktatur des Nationalsozialismus um Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell waren und sind Helden. Könnte man heute wieder gut gebrauchen.

 

Eine der großen Stärken von Wecker ist das Unumgängliche so klar auszuformulieren. Dies kann, wie bei „Dass Alles So Vergänglich Ist“, auch weh tun. Die Melancholie von „Kleines Herbstlied“ holt einen danach auch nicht wieder aus dem Tal der Tränen zurück. Lässt man sich darauf ein, dann ist das aber auch gleichzeitig wunderschön – Musik und Text gehen da Hand in Hand. Und mit „Wenn Der Sommer Nicht Mehr Weit Ist“ wird das Album ja auch wieder positiv eingefärbt. Und wie schön und ausdrucksstark ist doch die simple Zeile „...sein Fleisch nicht mehr versteckt“. „Ich Habe Einen Traum“ ist orientalisch angehaucht und „Gracias A La Vida“ oder „Questa Nuova Raltà“ bringen noch mehr Flair der Weltmusik in der Musik unter. Wenn das Doppel-Album schließlich mit „Tropferl Im Meer“ endet, wird man mit einem Kleinod entlassen und ist um die Erkenntnis reicher, dass Konstantin Wecker einer der wichtigsten und besten Künstler des Landes ist – immer noch!

 

Fazit: „Poesie Und Widerstand“ ist ein sehr schöner Streifzug durch die Karriere von Konstantin Wecker. Die Neueinspielungen sind allesamt sehr gelungen. Und wie es der Titel schon mehr als nur andeutet, gibt es sehr viel Poesie, aber auch sehr viele wichtige und richtige Denkanstöße. Sind wir froh, dass wir Konstantin Wecker haben, denn es halten viel zu viele die Schnauze! Auch aus der Künstlergilde!

 

http://www.wecker.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

Konstantin Wecker Live - “Poesie und Wiederstand“:

31.05.2017 - München, Circus Krone
01.06.2017 - München, Circus Krone
02.06.2017 - München, Circus Krone
04.06.2017 - Ulm, Kloster Söflingen
05.06.2017 - CH - Bern, Kursaal-Arena
06.06.2017 - CH - Zürich, Kongresshaus
11.06.2017 - Lohr am Main, Schlossplatz Open Air
12.06.2017 - Wolfhagen, Kulturzelt
13.06.2017 - Magdeburg, Seebühne
16.06.2017 - Erfurt, Thüringen rockt!
23.06.2017 - A - Kufstein, Festung Kufstein
17.07.2017 - Freiburg, ZMF
21.07.2017 - München, Circus Krone
22.07.2017 - Schloss Kapfenburg, Sommer Open Air
25.07.2017 - Winterbach, Zeltspektakel
28.07.2017 - A - Tulln, Donaubühne
29.07.2017 - A - Finkenstein, Burgarena
01.08.2017 - Isny, Theaterfestival
03.09.2017 - Gießen, Kultursommer
10.09.2017 - Legau, One World Festival
30.09.2017 - Jena, Volkshaus
13.10.2017 - Saarbrücken, Congress Halle
14.10.2017 - Regensburg, Audimax
17.10.2017 - Essen, Philharmonie
18.10.2017 - Dortmund, Konzerthaus
19.10.2017 - Bielefeld, Stadthalle
21.10.2017 - Düsseldorf, Tonhalle
23.10.2017 - Köln, Philharmonie
25.10.2017 - Stuttgart, Liederhalle
26.10.2017 - Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus
27.10.2017 - Radolfzell, Milchwerk
29.10.2017 - Hamburg, Laeiszhalle
01.11.2017 - Frankfurt, Alte Oper
02.11.2017 - Nürnberg, Meistersingerhalle
03.11.2017 - Wiesbaden, Kursaal
09.11.2017 - Halle, Händel Halle
10.11.2017 - Leipzig, Haus Auensee
12.11.2017 - Chemnitz, Stadthalle
13.11.2017 - Dresden, Kulturpalast
15.11.2017 - CH - Basel, Musical Theater
20.11.2017 - Berlin, Philharmonie
01.12.2017 - Kempten, BigBox
05.12.2017 - A - Bregenz, Festspielhaus
06.12.2017 - A - Innsbruck, Saal Tyrol
07.12.2017 - A - Salzburg, Haus für Mozart
09.12.2017 - A - Wien, Konzerthaus
10.12.2017 - A - Graz, Stefaniensaal
11.12.2017 - A - Linz, Brucknerhaus
16.12.2017 - Helmbrechts, Kulturwelten

Konstantin Wecker: Ohne Warum – Live

Konstantin Wecker: Ohne Warum – Live

Sturm & Klang/Alive

VÖ: 25.11.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Es ist gut, dass es Menschen in diesem Land wie Konstantin Wecker gibt. Wecker ist ein mutiger Künstler. Einer, der vorweggeht. Viel zu viele seiner Kollegen schweigen, wo doch gerade in diesen Zeiten eine deutliche Haltung vonnöten wäre. Einfach so durchschlängeln und hoffen, dass alles wieder in Ordnung kommt, funktioniert eben nicht. Klare Kante ist gefragt und die zeigt Konstantin Wecker immer wieder. Sowohl im Internet, wie auch auf mehr als 100 Konzerten, die er mit seinem Programm „Ohne Warum“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz spielte. Nach dem großartigen Album „Ohne Warum“ aus dem letzten Jahr, folgt nun die Live-Bestandsaufnahme „Ohne Warum – Live“ auf CD.

 

Altes und Neues, Wecker pur – das ist „Ohne Warum – Live“. Natürlich sind unter den 20 Tracks (Ansagen mitgezählt), auch Klassiker aus seinem Backkatalog zu finden. So startet dieses Set beispielsweise mit „Es Ist Schon In Ordnung“ fulminant. Nach „Novalis“ wühlt er mit „Vaterland“ seine Zuhörerschaft auf. Der Mann vermag nicht nur aufgrund der Stärke des Textes zu überzeugen, sondern auch mit der Art seiner Phrasierung und Intonation. Da darf und sollte man ganz genau hinhören!

 

„An Meine Kinder“ sorgt live für so manche Träne im Knopfloch. Auch, wenn die Musik oftmals sehr zurückgenommen ist und die sanften Pianoklänge und die ausdrucksstarke Sing- und Sprechstimme von Wecker ganz klar im Zentrum stehen, so sorgen der Pianist Jo Barnikel, die Cellistin Fany Kammerlander, die Multiinstrumentalisten Wolfgang Gleixner und Jens Fischer Rodrian sowie Gitarrist Severin Trogbacher für einen sehr feinen Klangteppich. Zurücknehmen und aufbrausen wenn es gefragt und gefordert ist. Immer im Dienste der Texte und Musik. Dadurch kriegen die Live-Versionen eine nachhaltige Dringlichkeit.

 

„Der Krieg“ wühlt noch mehr auf als es die Studio-Version eh schon vermag. Klanglich wird das erschreckend authentisch in Szene gesetzt. Der Gesang wechselt sich mit einer Art Spoken Word-Performance ab und verleiht dem Stück eine unfassbare Direktheit. „Fast Ein Held“ schließt sich nahtlos an. Wecker kotzt die menschliche Kälte an. Zu Recht! Ein trauriges Kleinod. „Die Gedanken Sind Frei“ werden vom Publikum zunächst gesungen, aber Wecker wäre nicht Wecker, wenn er daraus nicht noch etwas Besonderes machen würde. Das Publikum bleibt als Chor eingebunden. Das schafft auch nur Wecker. Und wer es mal ein bisschen grooviger mag, wird mit „Heiliger Tanz“ bestens bedient. Reggae der Wecker-Art. Mit „Ich Habe Einen Traum“ gibt es auch einen der wichtigsten Liedermacher-Songs der letzten Jahre in einem tollen Live-Gewand zu hören. Eine grenzenlose Welt! Hoffentlich hören da einige mal genauer hin!


Fazit: „Ohne Warum – Live“ ist eine sehr gelungene Live-Bestandsaufnahme der Tournee von Konstantin Wecker zu seinem aktuellen Album. Die Stücke gewinnen live sogar noch mal an Intensität dazu. Über deren Wert und die Aussagekraft kann es sowieso keine zwei Meinungen geben! Die launigen Ansagen verleihen dem Programm noch zusätzliche Schlagkraft. Dazu gesellen sich natürlich auch ein paar Klassiker aus seinem umfangreichen Backkatalog. Man kann es nicht oft genug betonen: es ist wichtig, dass es Künstler wie Konstantin Wecker gibt, die eine Haltung und eine Meinung vertreten!

 

http://www.wecker.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Konstantin Wecker: Ohne Warum

Konstantin Wecker: Ohne Warum

Sturm & Klang/Alive

VÖ: 19.06.2015

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Konstantin Alexander Wecker gehört zu den vielseitigsten Künstlern, die Deutschland zu bieten hat. Ein Star, könnte man meinen. Will er das überhaupt, dieses Starsein? Es findet eher im Verbogenen statt. Konstantin Wecker ist auch keiner der sich von anderen vereinnahmen lässt. Er hat in seinem Leben und seiner langen Karriere auch stets seine Meinung kundgetan, die für manch einen recht unbequem war. Anbiedern war nicht sein Ding und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er als politischer Mensch trotzdem nie einer Partei angehört hat. Er hat als Künstler immer die bunte Vielfalt bevorzugt. Mit einer Farbe kann er glücklicherweise nichts anfangen: braun. Und all das fängt nun sein neues Album „Ohne Warum“ auf wunderbare Art und Weise ein.

 

„Ohne Warum“ zeigt Konstantin Wecker abermals auf der Höhe seiner Kunst. Er ist neben Hannes Wader, Reinhard Mey und Franz Josef Degenhardt einer der großen Liedermacher. Dieses Album hat trotzdem wesentlich mehr zu bieten. „Auf Der Suche Nach Dem Wunderbaren“ ist kein Lied im klassischen Sinne. Konstantin Wecker geht da in die „Spoken Word-“Richtung. „Dass Alles So Vergänglich Ist“ ist musikalisch sogar jazzig angehaucht, guckt aber auch mal beim Chanson vorbei. Ein trauriges Lied. Wecker spielt mit Emotionen und wird den Zuhörer in ein Tal der Tränen stürzen. Der Mann kann mit Worten spielen und umgehen wie kaum ein Zweiter seiner Zunft. Es ist auch kein Wunder, dass er „Die Gedanken Sind Frei“ aufgenommen hat – mit Kinderchor. Man achte dabei auf den Text und die musikalische Wendung, die das Stück nimmt. Americana ist da das Stichwort.

 

Das wichtigste Lied hat er mit „Ich Habe Einen Traum“ gleich zu Beginn des Albums gestellt. In Zeiten von Pegida und einem Rechtsruck in diesem Land, ist das ein enorm wichtiger Beitrag. Wecker mag ein Träumer sein: keine Grenzen und alle Menschen leben zufrieden und glücklich miteinander. Gut, dass es solche Träumer gibt! Und musikalisch sind sogar Klänge der Weltmusik zu hören – besser hätte man diese Thematik auch nicht umsetzen können. „Ohne Warum (Sunder Warumbe)“ ist ganz klassisch dem Liedermacher-Genre zuzurechnen, trotz Streicher und Kinderchor. „An Meine Kinder“ ist so rührig, so schön, so einfühlsam und so aufschlussreich, wie es nur Eltern an die eigenen Kinder sein können. Zu sanften Pianoklängen singt Konstantin Wecker und hat letztlich nur eine Bitte an die Kinder, nämlich, dass sie nie eine Uniform anziehen mögen. Der Rest ist pure Liebe!

 

„Der Krieg“ ist schwer, bombastisch, gar musicalhaft vertont worden. „Die Mordnacht Von Kundus“ wird gar mit angedeuteter Marschmusik dargeboten. „Fast Ein Held“ ist traurig und doch sehr zurückgenommen. Das Klavier verfehlt seine Wirkung nicht. Wecker will eine „Revolution“ und dies bringt er auch bissig und nachhaltig zu Papier. Der Willy ist immer noch aktuell, braucht aber eine Auffrischung und nennt sich jetzt „Willy 2015“. Aufrüsten, Dresden, Pegida: Wecker legt die Finger in die Wunden von Deutschland. Endlich mal einer, der das in dieser Deutlichkeit macht. Ganz zum Schluss ist „Gefrorenes Licht“ dem Physiker Hans-Peter Dürr gewidmet.

 

Fazit: „Ohne Warum“ ist ein Album, welches mal einfühlsam die zwischenmenschlichen Dinge zur Sprache bringt, gleichzeitig aber nicht davor zurückscheut all das, woran unsere (deutsche) Gesellschaft im Jahre 2015 krankt, bissig und deutlich aufzuzeigen. Es braucht Leute wie Konstantin Wecker, die rütteln und vielleicht sogar wachrütteln. Musikalisch ist das auch sehr gut umgesetzt worden: von zärtlich und leise bis hin zu aufbrausend und laut. Er ist in seinem Herzen ein Liedermacher, schaut aber auch immer wieder über den musikalischen Tellerrand. Ein erhellendes Werk!

 

http://www.wecker.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch