Kiss: 40

Kiss: 40

Universal

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 8/12

 

Es gibt kaum eine andere Band die sich besser vermarktet hat wie Kiss. Gene Simmons und Paul Stanley verstanden schon ganz früh wie der Hase läuft. Selbst Mick Jagger wirkt gegen diese beiden Herren wie ein Schuljunge und dabei ist der Vortänzer der Stones schon ganz gut in der Vermehrung seine Vermögens. Simmons und Stanley sind aber ungeschlagen. Es gibt mehr als 3.000 lizensierte Merchandising-Produkte. Von der Zahnbürste bis hin zum Sarg ist alles dabei. Simmons hat ein Großteil davon gar in einem Extrateil seines Hauses ausgestellt. Stanley ist da pragmatischer, er weiß was er erreicht hat und muss den Kirmesquatsch nicht auch noch auf dem goldenen Teller präsentieren. Der ganze Wahnsinn um diese Band fing vor vierzig Jahren an, denn da wurde das Debüt veröffentlicht. Und natürlich gibt es nun auch zu Ehren des runden Geburtstags eine weitere „Best Of“ Zusammenstellung.

 

Peter Criss und Ace Frehley sind länst ausgetauscht worden. Drogen- und Alkoholprobleme gefährden eben das Kiss-Unternehmen und das wird nicht geduldet. Die beiden Bandurgesteine kehrten zwar 1995 noch mal in den Schoss der Band zurück, aber auch da waren die beiden Gründungsmitglieder längst nur noch Mietangestellte von Stanley und Simmons. Der gute Gene mag zwar optisch das Aushängeschild sein, wenn man aber diversen Augen- und Zeitzeugen glauben darf, dann ist es Paul Stanley der das Schiff auf Kurs hält und die Fäden im Hintergrund zieht.

 

Jetzt gibt es also 40 Songs aus 40 Jahren auf dieser Compilation zu bewundern. Enthalten ist hier jeweils ein Track aus jedem ihrer wichtigsten Alben (Studio, Live und Best-Of). Kiss können von Glück sagen, dass irgendwer auf die sensationelle Idee mit der Schminke und den Charakteren kam. Auch die Bühnenshow, die immer ein bunter Strauß aus allem war was Pyrotechnik so hergab, trug zu dem Mythos bei. Ob Kiss die 40 sonst voll gemacht hätten darf dann doch bezweifelt werden. Musikalisch ist da nicht sonderlich viel bei herumgekommen und die ganze Kiste ist meist doch sehr harmlos bis erschreckend trivial und fürchterlich. Anhand der Songs erklärt sich ganz sicher nicht das Phänomen Kiss! Dies wird einem mit „40“ noch mal ganz deutlich vor Augen geführt.

 

„Nothin To Lose“ macht den Anfang, jenes Altherrenrockstück mit Boogieeinschlag. Dagegen wirken die Herren von Status Quo wie rotzige Bengel. „Let Mg Go, Rock `N´ Roll“ legt an Tempo etwas zu, ist aber ansonsten auch ziemlich brav. Gepflegter Hardrock, der mit der Bühnepräsenz der Band kaum etwas zu tun hat. Klar, „Rock And Roll All Nite“ ist ein Klassiker, funktioniert aber auch nur in dieser Liveversion. „God Of Thunder“ passt da eher zum Image von Kiss und ist dreckig, böse und gemein. Die Produktion ist allerdings auch nicht das gelbe vom Ei, aber das gute Stück hat ja auch schon einige Tage auf dem Buckel. Das unvermeidliche „Beth“ von Peter Criss darf natürlich auch nicht fehlen. Diese rührselige Ballade von der gefährlichsten Band der Welt ist in dem Zusammenhang schon ziemlich putzig. „Hard Luck Woman“ - ebenfalls mit Klassikerstatus – könnte auch ein netter Song von Chris Norman für den Sonntagskaffe bei der Mutti sein. Und so wühlt man sich weiter durch Boogie, Blues, Rock und Pop, der zwar Spaß macht aber wenig nachhaltig ist. Kiss wollten aber ja sowieso nie mehr als die Leute zu unterhalten. Das können sie und Gene Simmons hat ja sowieso eine Aversion gegen ehrliche Musik. Erfolgreich soll sie sein – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. „Shout It Out Loud“ bringt auch heute noch jede Arena zum Kochen und in dieser Liverversion hört man natürlich auch den ganzen Pyrowahnsinn. Der Schmalz von „Hold Me, Touch Me“ verklebt die Boxen und auch „I Was Made For Lovin´ You“ ist im Grunde ganz fürchterlich, aber natürlich längst ein Klassiker der Musikgeschichte. Mit dem Stück haben sich Kiss für die Ewigkeit in den Büchern verewigt.

 

Die Musik aus den 80ern hört sich auch genau so an. „Tears Are Falling“ und besonders die Powerchordsballade „Reason To Live“ sind fürchterliche Spiegelbilder des Jahrzehnts und dass Gene Simmons „Forever“ zusammen mit Michael Bolton(!) geschrieben hat, passt da gut ins Bild. Man schrieb da allerdings schon das Jahr 1990 und in Seattle zog da längst ein Sturm auf, der sich bis zu Kiss noch nicht herumgesprochen hatte. Sehr schön ist die Liveversion von „Unholy“ aus "Alive III“. So stellt man sich doch das Böse vor, das, was die Masken suggerieren. Der unmaskierte MTV Unplugged-Auftritt wird mit „Do You Love Me?“ gewürdigt. Schönes Ding. Das härtere „Jungle“ ist sicher auch dem Entstehungsjahrzehnt geschuldet. 1997 versuchten Kiss mit der Entwicklung des Musikgeschäfts noch mitzukommen. Ein richtiges gutes Brett gibt es mit „Psycho Circus“ auf die Ohren. Die Nummer ist vom leider völlig unterschätzten gleichnamigen Album, welches in der Presse nicht sonderlich gut wegkam. Warum eigentlich? „Detroit Rock City“ ist auch so eine Kiss-Hymne für die Ewigkeit. Schade, dass man für diese Zusammenstellung auf die Version von „Alive IV“ von 2003 zurückgegriffen hat. Auch Kiss machten vor den furchtbaren Crossover-Dingern mit einem Symhony-Orchester nicht Halt. Mit „Deuce“ gibt es dann einen unveröffentlichten Live-Track auf die Ohren. Warum man auf die Aufnahme vom 4. Juli 2004 gesetzt hat bleibt ein mittleres Geheimnis. Die Qualität ist mehr als mau und kommt über den Bootlegcharakter nicht hinaus. „Firehouse“ ist dafür brillant. Die Nummer fetzt und der Livesound kommt auch sehr amtlich daher. Mit „Cold Gin“ und „Crazy Crazy Nights“ gibt es zwei weitere, unveröffentlichte Livesongs. Das ist das Terrain auf dem sich Kiss hörbar wohlfühlen und hier gehört die Band auch hin. Das Geburtstagsfest endet schließlich mit „Hell Or Hallelujah“ vom aktuellen Album aus dem Jahre 2012 - „Monster“.

 

Fazit: Kiss feiert dieses Jahr den 40igsten Geburtstag - so lange ist die Band schon unterwegs. Eigentlich unglaublich, denn hier war immer mehr Schein als Sein. Die Truppe hat sich einfach perfekt vermarktet, die Musik konnte da nicht immer Schritt halten. Die vorliegenden 40 Songs verdeutlichten dies nur allzu gut und dabei handelt es sich hier um eine „Best Of“ Compilation. Wer die Kapelle dieses Jahr in den USA auf Tour sehen will, kann auch gleich ein „Meet & Greet Package“ buchen – für 1.250 $! Kiss – in erster Linie Simmons und Stanley – wissen eben wie man den Rubel rollen lässt. Was ein paar Masken und Taschenspielertricks in Form von ein bisschen Feuer und Pyro doch ausmachen!

 

http://www.kissonline.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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Kiss: Monster

Kiss: Monster

Universal

VÖ: 05.10.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Kiss klopften im Vorfeld des neuen Albums ordentlich auf den Busch. Es war mal wieder die Rede von der besten Platte seit den großen Zeiten. Diesmal sollten die Zeichen komplett auf Sturm stehen und es nur Rock and Roll mit durchgetretenem Gaspedal geben. Voll auf die Fresse von Kiss? Das wäre zumindest dann doch eine Überraschung und etwas Neues! Produziert wurde die ganze Sause auf analogem Equipment in den Conway Studios und dem Nook Studio City in Kalifornien. Sie nutzten dazu ein System welches die klanglichen Vorzüge analoger Bandmaschinen mit den einfachen Editier- und Mixingmöglichkeiten digitaler Technik kombinierte. Die vier Schminkfreunde haben alle an dem Album mitgeschrieben und Leadvocals gesungen. Der große Zampano war allerdings Paul Stanley, denn er gab die Richtung vor und bestimmte letztlich die Arbeitsweise!

 

„No Fillers. No Ballads. Just Full-Throttle Rock 'n' Roll." prangert auf dem Sticker der CD-Hülle. Spätestens jetzt ist Vorsicht geboten. Warum muss man das noch extra dem Käufer und Fan mit dem Vorschlaghammer in die Birne kloppen? Oder anders gefragt: warum lassen sich Kiss immer wieder zu diesen Spielchen hinreißen? Mit den Balladen stimmt schon, also irgendwie. Aber mal ehrlich Freunde, bei manchen Dingern habt ihr aber auch so grade noch mal die Kurve bekommen, glatt so, als hätte sich da jemand erinnert, dass das Konzept ja eben keinen Schmusesong vorgesehen hatte. Einen Hit aber auch nicht!

 

Mit den Füllern ist das so eine Sache. „Last Chance“ ist ziemlich dämlicher Hardrockstandard und auch an „Freak“ hat man sich schon erstaunlich schnell sattgehört. Das ist 08/15 Kisskost, das können die Herren wesentlich besser. Ausgerechnet Eric Singer hat mit „All For The Love Of Rock & Roll“ den Kiss-Moment dieser Platte geschaffen und eben nicht Paul Stanley. Das ist aber auch kein Hardrock mehr, man darf dieses Stück gerne unter AOR verbuchen! Aber auch dies ist bei dieser Truppe ja jetzt keine Sensation. Ohne Zweifel macht so ein Ding aber immer wieder Spaß.

 

Überraschend viel hat Tommy Thayer zu „Monster“ beigetragen. Guckt man sich die Songwritercredits an, dann staunt man kurzfristig Bauklötze. Dies hätte man bei einem so wichtigen Album nicht erwartet, denn immerhin ist dies das 20. Studioalbum! Erfreulicherweise hat die Scheibe so aber auch eine Handschrift und einen roten Faden. Wühlt man sich durch sämtliche Platten der Truppe, dann wird man „Monster“ sicher nicht zu dem Abschnitt mit den Vollkatastrophen stellen. „Monster“ ist bisweilen nämlich überraschend gut, kommt an den Vorgänger „Sonic Boom“ allerdings nicht ganz ran.

 

Gene Simmons sieht sich mit seiner Kapelle ja gerne im Dunstkreis der Beatles. Das treibende „Wall Of Sound“ ist dann auch sicher sein Referenzwerk in diese Richtung, natürlich mit wesentlich mehr Härte und einem Solo, welches auf den Konzerten die Menge zum Ausrasten bringen wird. Warum wurde der Track eigentlich gleich mehrfach auf „Monster“ untergebracht? „The Devil Is Me“ variiert die Kiste nur ein bisschen, ist aber im Grunde noch mal „Wall Of Sound“. Wie war das mit den Albumfüllern doch noch gleich? Insgesamt wirken die Beiträge von Simmons aber wesentlich entspannter wie die von Paul Stanley, der auf „Monster“ irgendwie immer einen etwas verkrampften Eindruck hinterlässt. „Shout Mercy“ ist allerdings großes Kino! Erfreulicherweise gibt es auch im hinteren Drittel noch gutes Material. „Outta This World“ rockt, hat einen schönen Poprefrain und macht einfach gute Lane.

 

Fazit: Man kann von Kiss halten was man will, aber ab und an hauen sie noch mal richtig einen raus. Das 20. Studioalbum ist zwar kein Meisterwerk und doch ist „Monster“ bisweilen ein recht gutes Rockalbum. Fans werden es lieben! Die Mitglieder sind ja auch jetzt nicht mehr blutjung und wenn man sich die Musikgeschichte anguckt, dann haben sich schon genug Altersgenossen von Kiss blamiert - „Monster“ ist alles andere als eine Blamage! Just Full-Throttle Rock 'n' Roll.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Kiss: Destroyer (Resurrected)

Kiss: Destroyer (Resurrected)

Universal

VÖ: 17.08.2012

 

Wertung: 9/12

 

1976 war das Jahr von Kiss! Die Band stieg endgültig in den Olymp auf und fortan durften sie sich mit dem Zusatz „Superstars“ schmücken. Die Jungs hatten verstanden wie der Hase läuft und so wurden wesentlich zugänglichere und freundlichere Songs geschrieben und aufgenommen. „Destroyer“ war endgültig für die großen Arenen gemacht. Einen ganz entscheidenden Anteil am Erfolg dürfte auch Produzent Bob Ezrin haben. Der Mann hat nicht nur den Sound entscheidend mitgeprägt, sondern auch an einigen Stücken mitgeschrieben. Alice Cooper hat er mit ähnlichem Rüstzeug ausgestattet und ebenfalls als Superstar mit auf den Weg gebracht.

 

Bob Ezrin war es auch, der die neuerliche Ausgabe von „Destroyer“ mit zu verantworten hat. Ohne ihn würde das Teil sicher nicht in dieser Form existieren. Wie es dazu kam kann man in seinen umfangreichen Linernotes nachlesen. Er nennt es selber eines der wichtigsten Alben, an dem er je mitgearbeitet hat. Das Booklet ist übrigens sehr umfangreich und aufschlussreich. Zudem wird „Destroyer“ nun endlich mit dem Originalcover geliefert. Die braune Version, bei der die Band auf den Trümmern einer zerstörten Stadt steht, die im Hintergrund brennt, war der Plattenfirma zu gewalttätig und diese setzte schließlich das blaue Artwork durch. Sachen gab es, in den 70ern! Schön, dass man dies nun korrigieren konnte.

 

Bob Ezrin wühlte in seinen Archiven und förderte unveröffentlichte Tonspuren zutage. Eigentlich sicher eine feine Sache, nur selbige für eine Neuauflage von „Destroyer“ zu verwenden war auch ein recht schwieriges Unterfangen. Der Originalcharakter des Albums könnte so sehr schnell verfälscht werden und eigentlich sollte man nach so langer Zeit nicht mehr daran rumdoktern. Bob Ezrin war der einzige Mann auf dem Planeten, bei dem dieses Projekt in guten Händen war. Er hat abermals einen ganz famosen Job gemacht. Vergleicht man das Ergebnis mit der ursprünglichen Version, dann liegen da in klanglicher Hinsicht teilweise Welten dazwischen. Gerade der Bass kommt wesentlich druckvoller angedonnert. „Detroit Rock City“ kriegt so endlich das richtige Gewand verpasst und knallt gleich gut rein. Der Übergang zum klassischen Hardrocktrack "King Of The Night Time World" ist so auch mehr als geglückt und nun scheppert auch das Schlagzeug in angemessener Manier. Keine Politur mehr, sondern direkter Rock and Roll aus den Stadien mitten in die Fresse!

 

Ausgegraben wurde auch das alternative Gitarren-Solo in „Sweet Pain“, das nun ebenfalls zum ersten Mal wieder zu hören ist. Der neue Remix dieses Stücks mit dem Original-Solo ist als Bonus Track vertreten. Die kitschige Ballade „Beth“ wurde gar noch um eine weitere Vokalspur angereichert. Fans werden die Stirn jetzt vielleicht in Sorgenfalten legen. Keine Angst, „Destroyer“ bekommt nun kein anderes Gesicht, nur ein besseres!

 

Die Platte ist ja längst ein Klassiker und viele Songs auf „Destroyer“ waren und sind ein Volltreffer. Klar, den Popquatsch von „Great Expectations“ braucht man auch heute noch nicht. „Detroit Rock City“ oder die düstere und bedrohliche Paul Stanley Nummer „God Of Thunder“ sind einfach Referenztracks von Kiss. „Flaming Youth“ rockt fröhlich durch die Prärie, ist immens eingängig und hat natürlich auch die nötige Portion Pop mit im Gepäck um auch der Mutti zu gefallen. Kiss machten aber auch nie einen Hehl daraus, auch ein großes Stück vom Kommerzkuchen haben zu wollen. Es sei ihnen gegönnt. So macht das nämlich eine Menge Laune. „Shout It Out Loud“ ist noch so ein Klassiker oder „Do You Love Me?“.

 

Fazit: „Destroyer“ von Kiss hat jede Menge Hits abgeworfen, die auch heute noch – früher oder später – jedes Rockkind kennt. Das Album ist bombastisch aufgeblasen und mit jedem Ton für die Arenen dieser Welt geschaffen. Bob Ezrin hat daran einen großen Anteil! Nun hat er noch mal in seine Archiven gewühlt und erstaunliche Tonspuren zutage gefördert. Die Platte wird so überraschenderweise noch mal aufgewertet. „Destroyer“ gehört in jede gut sortierte Sammlung, auch wenn hinter der ganzen Schminke bei Kiss immer der Popteufel zu finden war.

 

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Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch