Kelis: Food

Kelis: Food

VÖ: 18.04.2014

Ninja Tune/Rough Trade

 

Wertung: 9/12

 

Kelis serviert mit „Food“ nun den sechsten Gang ihres Menüs. Ist dies nun gleichzeitig auch ihr bester Gang oder gar ihr Meisterstück? Darüber lässt sich natürlich wieder vortrefflich streiten, gar keine Frage. Es dürften sich aber vermutlich alle einig darüber sein, dass dieses Feinschmeckerfilet die reifste Leistung von Kelis ist. Die Frau ist ja nun auch nicht mehr zu den jungen Wilden zu zählen und dürfte mit beiden Beinen fest im Leben und im Musikgeschäft stehen. Dies war ja nicht immer so, denn bekanntlich wollte sie 2007 die Brocken hinschmeißen und gar keine neue Musik mehr aufnehmen. Gut, dass sie weitermachte und nun weitere dreizehn neue Songs aufgenommen hat.

 

Als Glücksgriff dürfte sich die Wahl des Produzenten erweisen. Dave Sitek von TV On The Radio hat den Sound ordentlich entschlackt und in gewisser Weise geht es zurück zu den Wurzeln von Kelis. Der ganze - teilweise unnötige - Elektronikspielkram der Vergangenheit wurde vor der Studiotür abgeladen. Man konzentrierte sich auf das Wesentliche. In erster Linie ist dies natürlich die Stimme, es darf aber auch gerne mal eine opulente Instrumentierung sein, wie bei „Change“, die nach hinten heraus diesem düsteren Monument die Schwere nimmt. Anderes wirkt dagegen fast live eingespielt. Das lässige „Rumble“ rumpelt zu Klavier und Gitarre wunderbar den staubigen Highway entlang, während „Biscuits ´n´ Gravy“ sich in Soul- und R&B-Sphären aufschwingt, die nur ganz wenige Künstler erreichen. Die Bläser sind das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Groß!

 

Sitek hat ein paar kleine elektronische Elemente selbstverständlich mit einfließen lassen. Diese wurden aber eher dezent eingesetzt. Eine (Funk-)Nummer wie „Breakfast“ wird so von einem ungemein warmen Sound durchzogen. „Food“ kommt übrigens fast gänzlich ohne Pop aus. Wenn man so will, dann ist „Forever Be“ die einzige Nummer die in diese Richtung geht. Die Hookline raubt einem den Verstand und hier zeigt sich, dass Kelis dieses Jahr auf diesem Sektor in ihrer ganz eigenen Liga spielt. Die Ballade „Floyd“ reitet auf einer Basslinie und schleppt sich so schön bluesig dahin und geht dann sogar in eine psychedelische Richtung. Alles so schön bunt hier. „Runner“ und „Hooch“ erinnern nicht nur an die Frühphase von Kelis, sondern auch an die famose Erykah Badu. Mit „Bless The Telephone“ gibt es gar einen kompletten Ausreißer in eine völlig andere Richtung. Zu gezupften Gitarrenklängen ist das Duett mit Sal Masakela im Singer/Songwriterumfeld zu finden.

 

Fazit: Die ausgebildete Köchin Kelis kredenzt uns mit „Food“ ein ganz vorzügliches Menüstück. Chef in der Küche war aber Dave Sitek! Endlich schafft es mal ein Produzent der Dame einen einheitlichen Sound auf Albumlänge zu verpassen. Bisher ist Kelis ja mehr durch ihre famosen Singles aufgefallen und die Platten sind dabei mehr oder weniger untergegangen. Zwischen Funkbläsern, Soul und R&B ist dies alles wunderbar hörbar. Kelis ist erwachsen, aber nicht langweilig geworden. Der sechste Teil ihres Menüs mundet jedenfalls vorzüglich und ist in seiner Gänze eine echte Überraschung!

 

http://www.iamkelis.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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