Katie Melua: In Winter – Special Edition (Vinyl)

Katie Melua: In Winter

BMG

VÖ: 14.10.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Katie Melua hat sich freigeschwommen und künstlerisch liegt bei „In Winter“ nun alles in ihren Händen: Hauptsongwriterin, Produzentin, künstlerische Leiterin und ausführende Musikerin. Wie der Albumtitel unschwer vermuten lässt, hat sie sich auf diesen zehn Songs mit allen Facetten dieser Jahreszeit befasst: Familie, Wärme, Feiern, Kälte, Schnee, Melancholie und Dunkelheit. Das Album nahm sie in „Gori“, Georgien, ihrem Geburtsland auf. Sie arbeitete dafür mit dem dort ansässigen Frauenchor zusammen und pendelte von London immer wieder nach Gori. „In Winter“ enthält letztlich Neukompositionen, ausgewählte Coverversionen und neue Arrangements traditioneller Lieder.

 

Bei dieser Thematik war es klar, dass die Songs wohl eher zurückhaltenD und ruhig sein werden. Katie Melua ist in der Vergangenheit ja sowieso nicht gerade als Rockerbraut aufgefallen. „In Winter“ ist aber an vielen Stellen zu ruhig und manchmal driftet das doch arg in die esoterische Ecke ab. Es mag ja sein, dass sie die musikalischen Einflüsse aus ihrer Heimat verarbeitet hat, aber „If You Are So Beautiful“ mit dem Gori Women´s Choir hat was von einem Mantra einer Esoterikgruppe. Dieser Weg war mit DEM Einstieg „The Little Swallow“ aber schon vorgegeben. „In Winter“ dürfte allerdings Fans der Klassikmusik ansprechen, denn das Album zeigt deutliche Tendenzen in diese Richtung.

 

Die beiden sehr ruhigen Lieder „River“ und „Perfect World“ sind schon ganz typisch im Melua-Stil angelegt. Dezente Gitarrenklänge und ein engelsgleicher Gesang müssen ausreichen. Gut, ein paar Pianomotive schweben auch noch durch die Szenerie. Bei „Cradle Song“ geht es dann mit dem Chor in die Kirche. Bei „A Time To Buy“ funktioniert der Folk und Gesang von Melua dann tatsächlich mal mit dem Chor. Vielmehr passiert hier auch nicht mehr. Es sind die bekannten Zutaten. „Dreams On Fire“ lullt den Zuhörer gar komplett ein. „All Night Vigil – Nune Dimittis“ und „O Holy Night“ (echt jetzt?) kann man dann ja am heiligen Abend auflegen.

 

Die Special Edition enthält eine weitere Scheibe mit Songs, die im Berliner Admiralspalast aufgenommen wurden. Katie Melua stand ein georgischer Frauenchor zur Seite, welcher eine absolute Bereicherung für die Umsetzung der Songs darstellt. Die 25 Stimmen sind dabei nicht immer gleichzeitig zu hören und selbstverständlich steht Katie Melua im Fokus. Bei dem wunderschönen „Perfect World“ steigt der Chor beispielsweise erst später ein, setzt dann aber schöne Akzente. „Cradle Song“ hingegen wird dafür von dem Chor gesungen, wodurch dieser Moment sehr feierlich und sakral ausgefallen ist.

 

„Plane Song“ entfaltet live eine unglaubliche Wirkung. Der dezente Choreinsatz verstärkt das atmosphärisch auf eine unglaublich intensive Art und Weise. Es gibt natürlich auch die großen Hits von Katie Melua zu hören. „Nine Million Bycicles“ wird wundervoll mit dem Piano untermalt und der Chor hüllt einen wie in eine warme Decke ein. Traumhaft! „Closest Thing To Crazy“ ist etwas zu dezent arrangiert worden. Das ist natürlich auch Geschmackssache. Dafür „I Cried For You“ kann einem zum Schluss schon mal ein Tränchen im Knopfloch entlocken.

 

Fazit: Katie Melua hat mit „In Winter“ ein Themenalbum aufgenommen. Die komplette Bandbreite dieser Jahreszeit soll dabei abgedeckt werden. Hilfe hat sie sich beim Gori Women´s Choir geholt. In den besten Momente klingt das wie ein typischer, ruhiger Katie Melua-Song. Oftmals wirkt das unfreiwillig esoterisch und sakral. Anderes lullt einen komplett ein. Das Live-Album wertet die Geschichte unglaublich auf. Die Songs wurden wunderschön arrangiert und in Szene gesetzt. Der warme Sound ist sehr schön und in Verbindung mit den ruhigen und sakralen Songs passt das exzellent zu der Jahreszeit. „In Winter“ ist auf der Albumdistanz auf Dauer etwas langweilig, die Liveumsetzung hingegen ist traumhaft!

 

http://katiemelua.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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