Kate Nash: Girl Talk

Kate Nash: Girl Talk

Have 10p Records/Fontana/Universal

VÖ: 01.03.2013

 

Wertung: 8/12

 

Es herrscht große Aufregung im Kate Nash Fanlager. Da hat sich die Künstlerin doch glatt erdreistet ihren Stil zu ändern. Als hätte die gute Kate bisher immer nur nach Schema F agiert. Hat sie eben nicht! Der Einschnitt mit „Girl Talk“ mag jetzt zwar so eklatant wie noch nie sein, aber ist dafür umso konsequenter. Glaubt man Kate Nash, dann hat sie mit „Girl Talk“ das Gefühl vertont, wie es ist eine Frau zu sein. Nun denn, dann scheint die Damenwelt für die Männer doch nicht so unergründlich zu sein. „Girl Talk“ hört sich jedenfalls nach einem niedlichen Mädchen an, welches sich betont angepisst gibt und sich dazu die alte Joppe von Eddie Vedder ausgeliehen hat. Der war zu Beginn der 90er ja auch öfters mal angepisst. Haut also hin.

 

Kate Nash drescht einem hier fünfzehn Songs zwischen Indiepop und Grunge um die Ohren. Meist ist das alles in der ersten Hälfte der 90er zu verorten. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Die Gitarren schrammeln, schrammeln und schrammlen. Wenn die Gitarren gerade nicht schrammeln, dann dengeln sie eben. Betont dilettantisch ist so mancher Track ausgefallen. Wie eben kurz im stillen Kämmerlein aufgenommen bevor die WG-Küche mal wieder einer Grundreinigung unterzogen werden musste. „Girl Talk“ will böse sein, ist aber eigentlich total niedlich. Wer in den 90ern seine musikalische Sozialstation hat, der müsste dieses Album lieben.

 

Es gibt eine Menge Breeders, L7 und ja, auch Courtney Love. Ihre eigene Erfindung Lena Meyer-Landrut gibt es nur noch selten. Und wenn, dann so kratzbürstig wie mit „Sister“. „OMYGOF!“ lässt sie allerdings noch mal kurz in alte Verhaltensmuster zurückfallen. „Friend?“ hingegen hätte im Sommer 92 so ziemlich jeden Baggersee beschallt. Auf „Girl Talk“ gibt es aber auch Stücke, die mehr eine Idee sind denn komplett ausgearbeitet. „Oh“ ist schon sehr unausgegoren, unterstreicht aber natürlich die neue Indie-Attitüde! „All Talk“ sammelt den ganzen Rotz auf, den Courtney Love mit „Live Through This“ einst kübelweise ausgespuckt hat. Spaß macht das allemal. Wie fast die gesamte Platte!

 

Und die Fans brauchen sich jetzt auch mal nicht so anzustellen. Hits gibt es auch. Selbige sind vordergründig nicht mehr so poppig, aber „3AM“ ist trotzdem ein Hit. Jetzt eben für die Indiedisco. War das jemals anders? Und ja, „Rap For Rejection“ ist ein, ähm, Rapstück. Natürlich nicht im klassischen Genresinne, aber in der Welt von Kate Nash eben schon. Die verwendeten Stilmittel sind auch aus den 90ern, die Beastie Boys lassen schön grüßen. „Cherry Pickin´“ strapaziert zwar etwas zu sehr die neue Rotzigkeit, aber immerhin nimmt man Kate Nash so ab, dass sie die Songs extrem schnell geschrieben hat. „Labyrinth“ nimmt ja noch mal Tempo raus und dann hört sich das glatt nach Velvet Underground & Nico an. Erst bei „You´re So Cool, I´m So Freaky“ fällt die Maske, auch wenn da im Hintergrund sämtliche WGs der Welt mitträllern durften. „Lullaby For An Insomniac“ ist zweigeteilt. Kate Nash alleine und ohne doppelten Boden und dann wird zum Schluss gar noch mal die Klassikkeule geschwungen. Puh.

 

Fazit: Man kann Kate Nash jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie es sich mit „Girl Talk“ besonders leicht gemacht hat. Gut, die Musik dürfte in einem halben Tag eingespielt worden sein, ebenso lange wird das Songwriting in Anspruch genommen haben und die Produktion – Moment, welche Produktion? So kurios es sich lesen mag, aber genau dies sind die Gründe, warum sie es sich eben nicht leicht gemacht hat. Mit diesen Songs stößt sie eine Menge Leute und nicht zuletzt ihre Fans vor den Kopf. Es wird fröhlich und dilettantisch geschramnmelt. Wer nicht in seiner Schublade gefangen ist, kann daran großen Gefallen finden. Und wer in den 90ern seine Liebe zur Musik entdeckt hat sowieso! Macht eben doch Spaß!

 

http://www.myignorantyouth.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Kate Nash: Death Proof (EP)

Kate Nash: Death Proof (EP)

Have 10p Records

VÖ: 19.11.2012

 

Wertung: 8/12

 

Kate Nash hat sich im fernen LA einen ganz neuen Sound angeeignet. Fans der ersten Stunde werden von ihrem neuen musikalischen Lebenszeichen ganz schön verwirrt sein. Stillstand kann man der Dame, die bisher schon durch ihren unkonventionellen Stil aufgefallen ist, ganz sicher nicht vorwerfen. Sie macht sich mit ihren neuen EP „Death Proof“ auf zu neuen Ufern - und zu einem neuen Sound. „Death Proof“ hat mit ihren Hits nichts mehr am Hut und ist meilenweit davon entfernt!

 

Geschrieben wurde der Song „Death Proof“ auf dem Bass. Der hypnotische Lauf zieht einen unweigerlich in seinen Bann. Zwischen 60ies Garage und der wunderbaren Britpopband Elastica verfehlt dieser Song nicht seine mitreißende Wirkung. Könnte man sogar für den nächsten Tarantino-Film nehmen! Der Kings Klassiker „All Day And All Of The Night“ ist nur noch von der Grundstruktur zu erkennen. Hört sich glatt so an, als hätten Sonic Youth die Nummer ordentlich durch den Fleischwolf gedreht.

 

„May Queen“ hingegen hat etwas von einem Kinderlied, wäre da nicht ein psychedelischer Grundton vorhanden. „Fri-End“ fräst sich dann endgültig als Garagennummer durch die Prärie, während „I Wanna Boyfriend With A Car“ ordentlich auf der Grunge-Schiene fährt. Aber Vorsicht, dieser kleine Bastard hat aber nichts mit der Weinerlichkeit der Jungs dieser Phase zu tun, sondern geht abermals in die Sonic Youth Ecke und lugt auch mal zu den Breeders rüber.

 

Fazit: Was immer Kate Nash zu „Death Proof“ angetrieben hat, für die Normalsterblichen wäre es wohl besser, wenn dies auf ewig ein Geheimnis bleiben würde. Vielleicht hat sie gar einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Die Musik ist hypnotisch, böse und kratzbürstig. Mit anderen Worten: großartig. Sie hat sich mit dieser EP allerdings auch ganz weit von ihren Hits entfernt und macht es sich im Indiesektor nun so richtig schön gemütlich. Steht ihr gut und man darf auf das Album „Girl Talk“ gespannt sein. Wird sie diesen Weg weiter verfolgen und doch wieder etwas zugänglicher werden? Es bleibt spannend im Hause Nash!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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