K´naan: Country, God Or The Girl

K´NAAN: Country, God Or The Girl

Universal

VÖ: 19.10.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Da ist es also endlich, das neue Album von Kaynaan Cabdi Warsame! Wer sich jetzt fragt, was einem der Name denn nun sagen müsste, der wird spätestens mit seinem Künstlernamen etwas anfangen können. Gerade in unseren Breitengraden ist K´NAAN eine große Nummer. Wer jetzt immer noch kein Aha-Erlebnis hatte, dem wird es aber spätestens beim Titel „Wavin´ Flag“ wie Schuppen von den Augen fallen. Dieser Song wird wohl auf ewig Segen und Fluch zugleich bleiben. K´NAAN landete zur letzte WM damit zwar einen Knallerhit, aber er wird auch immer wieder darauf reduziert werden. Schade eigentlich!

 

Der aus Mogadischu, Somalia stammende Friedensaktivist hat musikalisch nämlich noch so viel mehr im Köcher. Oftmals ist dies erstaunlich weit von seinem Durchbruchsknaller entfernt. Davon kann man sich nun eindrucksvoll auf seinem dritten Werk, „Country, God Or The Girl“ überzeugen lassen. Und da der Mann mittlerweile im Kreise der Superstars aufgenommen wurde, haben sich auch einige prominente Vertreter ihrer Zunft auf diesem Album eingefunden. Mit ihm im Studio waren nämlich U2-Sänger Bono, Rap-Ikone Nas, Stones-Urgestein Keith Richards und der Black-Eyed-Peas-Mastermind will.i.am. Das kann sich doch mal sehen lassen!

 

Die gemeinsame Single mit Nelly Furtado „Is Anybody Out There?“ kennt man ja bereits. Die luftig und leichte Nummer passte perfekt zum Sommer. Nett, mehr aber auch nicht, denn es mangelt doch etwas an der Nachhaltigkeit. Für die warmen Tage hat der Hit sicher eine gute Figur abgegeben, aber mittlerweile ist das Stück auch schon wieder aus dem Gedächtnis verschwunden. Für einen großen Teil von „Country, God Or The Girl“ gilt dies nicht! Dies ist trotzdem beileibe keine Ansammlung von Songs, die in naher Zukunft die Charts aufrollen werden, denn dafür sind diese oftmals zu vertrackt.

 

Und da ist schon die nächste Ausnahme, denn „Hurt Me Tomorrow“ legt Hitqualitäten an den Tag, dass einem schwindelig wird. Kein Wunder, denn darauf hat Ryan Tedder von OneRepublic schließlich ein Abo und der hat K´NAAN hier fleißig unter die Arme gegriffen. Das lockere Pianogeklimper und der durchgängig groovige Ansatz bleiben einfach im Ohr hängen. Mit „Better“ gibt es gleich noch einen Song, bei dem Tedder seine Finger im Spiel hatte. Leider fällt dieser Song gegenüber dem Rest auch etwas ab und ist wenig aufregend. Der Refrain klingt dann auch gefährlich nach OneRepublic und ist somit weniger gut gelungen.

 

„The Seed“ ist einer jener großen Songs der Platte. Reggae, Rock und Pop geben sich die Klinke in die Hand. Obendrauf gibt es noch einen Kinderchor und trotzdem ist das ein ernsthaftes Stück, welches auch mal um drei Ecken gedacht ist. „Gold In Timbuktu“ setzt der ganzen Geschichte allerdings die Krone auf. Dies ist ein weiches Wiegenlied, wie man es im Rap-Genre selten zu Gehör bekommt. Einer der ungewöhnlichsten Songs von K´NAAN. Das verspielte „Waiting Is A Drug“ orientiert sich musikalisch gar nach Großbritannien, während das feine und nachdenkliche „Simple“ ein bisschen Weltmusik in den Sound einfließen lässt. „The Sound Of My Breaking Heart“ hätte sich der gute K´NAAN allerdings auch schenken können, denn das ist letztlich nur der Versuch „Wafin´ Flag“ in neuem Gewand zu präsentieren. „Nothing To Lose“ wird von Nas gerettet, der durch seinen Rappart diesem Popstück die Belanglosigkeit nimmt. Etwas enttäuschend ist „Bulletproof Pride“, die gemeinsame Arbeit mit Bono. Das Stück plätschert ohne erkennbare Richtung dahin und als dann doch noch etwas an Fahrt aufgenommen wird, ist es auch schon wieder vorbei. Schade! „The Wall“ ist zum Schluss zwischen Pop und Singer/Songwriter(!) aber noch mal ein Stimmungsaufheller.

 

Fazit: „Country, God Or The Girl“ ist ein sehr vielfältiges Album. K´NAAN zeigt hier sein ganzes Selbstverständnis seiner musikalischen Herangehensweise. Grenzen und Schubladen gibt es für ihn nicht und die Stile können bunt und munter gemischt werden. Es ist zwar nicht alles Gold was glänzt, aber wenn, dann auch richtig!

 

http://www.knaanmusic.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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