Johnny Winter: True To The Blues: The Johnny Winter Story (4-CD-Box)

Johnny Winter: True To The Blues: The Johnny Winter Story (4-CD-Box)

Sony/Legacy

VÖ: 21.02.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Johnny Winter hat wohl ohne Zweifel unzählige Gitarristen beeinflusst. Sein Gitarrenspiel, welches nicht selten aggressiv war und ist, sorgte immer wieder für offene Münder. Kaum ein anderer weißer Gitarrist hat den traditionellen Stil derart gehegt, gepflegt und auf ein neues Level gehoben wie eben Johnny Winter. Selbst seine großen Idole verbeugen sich vor ihm. Er produzierte beispielsweise gleich mehrere Alben für einen seiner Helden – Muddy Waters. Zudem trat Winter schon mit so ziemlich jedem zeitgenössischen und berühmten Gitarristen auf, den dieser Planet beheimatet. Sie alle schwärmen in den höchsten Tönen von Winter und seinem unvergleichlichen Gitarrenspiel. Am 23. Februar wird der Mann 70. Jahre jung, was nun zum Anlass genommen wird dies mit einer schönen Box zu feiern.

 

Jerry Rappaport hat „True To The Blues: The Johnny Winter Story“ produziert. Als ausführender Produzent fungierte Paul Nelson, Johnnys Gitarrist und Manager. Gemastert wurde die ganze Kiste in den New Yorker Battery Studios und zwar von keinem Geringeren wie Mark Wilder. Die wirklich lesenswerten Liner Notes verfasste Brad Tolinski, Chefredakteur von Guitar World, in einem großformatigen Booklet, welches der Geschichte beiliegt. Dies ist insofern sehr sinnig, da man sich dann auch losgelöst von der Box damit beschäftigen kann. Viele Bilder und die wichtigsten Informationen zu den Songs und Alben runden dies sehr schön ab. Da dies mit knapp 35 Euro relative günstig zu Buche schlägt, kann man hier wirklich nicht meckern. Haptisch ist dies schon eine sehr feine Sache.

 

Johnny Winter ist schon lange im Geschäft und hat einen derart üppigen Backkatalog im Rücken – gerade vor dem Hintergrund, dass er auch auf vielen Alben seiner Kollegen zu hören ist, bei seinem Bruder Edgar immer wieder ausgeholfen hat und auch noch ein gefragter Session-Musiker ist – dass man dies kaum auf vier CDs unterbringen kann. Das Boxset enthält letztlich 56 Songs, was wiederum überraschend wenig ist, denn da hat man bei ähnlichen Veröffentlichungen schon mehr geboten bekommen. Es kommt aber ja nicht auf die Quantität an, denn bekanntlich ist ja die Qualität ausschlaggebend. Dies muss sich bei Johnny Winter aber ja nicht ausschließen. Die Anordnung der Tracks erfolgte hier übrigens chronologisch.

 

Wie gut der Mann schon in ganz jungen Jahren war, lässt sich anhand von „Bad Luck And Trouble“ nachvollziehen. Steel Guitar, Harmonica und Mandoline sorgen für das richtige Bluesfeeling. Schließt man die Augen, dann wird es nass um die Fußregion und man steht in den Sümpfen. Der Mann versteht es den Zuhörer mit auf eine Reise zu nehmen. „It´s My Own Fault“ zeigt dann die andere Seite von Winter, nämlich die eines brillanten Livegitarristen. Episch wird dieses Stück ausgedehnt und dürfte sämtliche Spielarten des Blues beinhalten. Es sind sowieso die Liveaufnahmen, die eine unglaubliche Bereicherung darstellen. Und wo der Mann schon überall gespielt hat. Die oben erwähnte Nummer At The Filmore East oder „Leland Mississippi Blues“ von Woodstock – scheint übrigens sehr stark von Hendrix inspiriert zu sein – oder die ganz und gar famose Version von „Johnny B. Goode aus der Royal Albert Hall. Zwar sitzt hier nicht jeder Ton, dies wird aber mit unglaublich viel Spielfreude wettgemacht.

 

Und wie es sich für eine solche Veröffentlichung gehört, gibt es auch noch unveröffentlichtes Material zu hören. „Eyesight To The Blind“ ist soundtechnisch ordentlich aufgepäppelt worden und das Spiel von Winter steht im Zentrum, gleichwohl kann das natürlich mit heutigen live aufgenommenen Songs nicht konkurrieren. Darum geht es aber ja auch nicht. Man höre sich nur mal „Prodigal Son“ an – ebenfalls bisher unveröffentlicht – da fließt der Blues und der Rock tonnenweise aus den Boxen. „Mean Mistreator“ ist ein weiterer Beleg dafür, dass Johnny Winter einfach für die Bühne geboren war und ist. Die Gesangsleistung ist dazu auch noch immens stark. Mit "Rock And Roll, Hoochie Koo" zeigt er aber auch, dass er im Studio den Dreh und Groove oft gefunden hat. Die Coverversion von „Jumpin´ Jack Flash“ ist zwar nett, aber die Stones können das dann doch besser.

 

Im umfangreichen Schaffen von Winter schlichen sich auch immer ein paar schwächere Songs ein. „Rock Me Baby“ oder „Rock & Roll“ werden mit ordentlich Schwung gespielt, sind aber auch nur Variationen seiner übrigen Songs. Das entspannte „Hurtin´ So Bad“ kommt da schon wesentlich besser daher. Ein Gospelstück, versteckt hinter einer Bluesfassade. Kurz und knackig kommt „Bad Luck Situation“ auf den Punkt. Egal ob „Harlem Shuffle“ mit seinem Bruder Edgar oder „I Done Got Over It“ mit Muddy Waters, es sind die Liveaufnahmen, die auf diesem Set in besonderem Maße zu begeistern wissen. Die Songs des Sets reichen bis ins Hier und Jetzt und der Aufnahme mit Countrystar Vince Gill ("Maybellene") und „Dust My Broom“ mit Derek Trucks, einem jener Gitarristen, die von Winter nachhaltig inspiriert wurden. Ein würdiger Abschluss dieser Box.

 

Fazit: „True To The Blues: The Johnny Winter Story“ ist eine schöne Zusammenstellung von und über Johnny Winter. Die Karriere des Ausnahmegitarristen wird hier sehr schön aufgedröselt und von den Anfängen bis zu seinem aktuellen Album gewürdigt. Seine verschiedenen Facetten und unterschiedlichen Interpretationen und Herangehensweisen an den Blues kommen so in geballter Form sehr schön zur Geltung. Durch die vielen Live-Tracks zeigt sich auch mal wieder, dass Winter auf die Bühnen dieser Welt gehört. Insgesamt eine feine Werkschau mit schöner Aufmachung.

 

http://www.johnnywinter.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

Johnny Winter: Roots

Johnny Winter: Roots

Megaforce Records/Neo/Sony

VÖ: 07.10.2011

 

Wertung: 8/12

 

Johnny Winter ist nach einer langen, langen Karriere wieder dort angekommen, wo für ihn alles startete. Johnny Winter hat wieder den Blues. Er lebt ihn nun wieder in vollen Zügen aus. „Roots“ war nicht nur die logische Konsequenz für den Albumtitel, sondern auch für die musikalische Richtung. Er zollt hier seinen ganz persönlichen Helden Tribut und hat deren Songs gecovert. Die Idee dazu stammt aber von einem ganz anderen, nämlich Paul Nelson. Nelson hat „Roots“ nicht nur produziert, sondern auch als Musiker veredelt.

 

Die letzten Jahre stand es ja alles andere als gut um die Gitarrenlegende. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er zu Drogen griff. Mittlerweile hat er sein Leben aber wieder im Griff und seine Gesundheit erfreut sich wohl bester Werte. Dies kommt natürlich auch auf „Roots“ zum Vorschein. Es geht um den Blues und um den ganz eigenen Stil von Winter. Auf den elf Bluesklassikern geht es nicht um die große Nabel- und Brettschau. Warum denn auch? Der Blues lässt eine Griffbrettwichserei sowieso nicht zu und der gute Johnny muss eh keinem mehr etwas beweisen. Als Folge daraus, hat er mit seinen zahlreichen Mitstreitern ein Album aus dem Hut gezaubert, welches den Meister so frisch wie lange nicht mehr präsentiert. Sein Spiel ist sauber und auf den Punkt gebracht. Er covert die Stücke aber nicht nur, sondern drückt diesen regelrecht seinen eigenen Stempel auf.

 

Andere werden genau diese Tatsache Winter vorwerfen. Er hält sich nicht unbedingt an die Vorgaben der teilweise recht alten Songs. Immerhin ist hier auch „Dust My Broom“ von Robert Johnson von 1936 dabei. Mit „Maybellene“ hat er sich auch die erste Single von Chuck Berry ausgesucht. Somit ist auch der Rock nicht weit und die Grenzen zwischen den Genres sind fließend. Natürlich darf auch Muddy Waters nicht fehlen und somit wurde seine Version von „Go My Mojo Working“ hier untergebracht. Was übrigens ganz besonders hervorsticht ist die Stimme. Derart auf der Höhe war Winter schon lange nicht mehr!

 

Fazit: Man kann „Roots“ jetzt vorwerfen, dass Johnny Winter hier seinen ureigenen Stil untergebracht hat und sich nicht immer streng ans Original hält. Kann man das wirklich und ist es deshalb uninspiriert? Mitnichten! Er und seine Mitstreiter covern dieses Songs mit sehr viel Würde und kleiden diese in ein Gemisch aus Blues und Rock. Technisch ist das schon recht fein und auch gesanglich macht Winter eine gute Figur. Der Mann scheint sich wieder gefangen zu haben und dies drückt diese Platte mit jedem Ton aus!

 

http://www.johnnywinter.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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