John Mellencamp: Plain Spoken: From The Chicago Theatre (DVD + CD)

John Mellencamp: Plain Spoken: From The Chicago Theatre (DVD + CD)

Universal

VÖ: 11.05.2018

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

John Mellencamp ist ein unglaublich facettenreicher Künstler, der sich über viele Jahrzehnte nicht nur als Songschreiber und Musiker einen Namen gemacht. Er hat als Aktivist stets eine klare Meinung formuliert und Haltung gezeigt. Seit einiger Zeit ist er auch als Maler eine anerkannte Persönlichkeit und auch hier hat sich seine Akribie längst ausgezahlt und es wird ihm Anerkennung aus berufenem Munde zuteil. Ausstellungen seiner Werke erfreuen sich großer Beliebtheit und da kommen auch viele Menschen, die nicht aufgrund seiner Musik Fan sind. Jetzt veröffentlicht er mit „Plain Spoken: From The Chicago Theatre“ ein ganz besonderes Projekt.

 

Dies ist ein ganz spezieller Film. Das ist keiner dieser herkömmlichen Konzertmitschnitte, aber auch keine Dokumentation. John Mellencamp plaudert hier aus dem Nähkästchen und die einzelnen Songs werden aus dem Off von ihm kommentiert, mit Anekdoten versehen und immer mal wieder mit abschweifenden Erzählungen flankiert. Das ist kurzweilig und unterhaltsam. Glücklicherweise hat man dem geneigten Käufer aber auch noch eine zweite Option mit an die Hand gegeben und so kann man auch das Konzert einzeln ansteuern. Das macht durchaus Sinn, denn das ist derart gut, dass man sich das mehrmals ohne Gequatsche angucken wird.

 

Mellencamp erzählt hier zwar aus seinem Leben und der herzigste Moment ist sicherlich, als er über seine Oma spricht, die ihn nie John sondern Buddy genannt hat. Es bedarf aber eigentlich nicht vieler Worte, denn die Musik steht für sich alleine und erzählt schon genug Geschichten. Die ganze Sause ist ziemlich ungewöhnlich gefilmt. Zunächst sieht man das Geschehen auf der Bühne aus der Perspektive der Zuschauer vor Ort. Die Einstellung ist direkt aus dem vorderen Teil des Innenraums gewählt worden. Es sind dann auch schon mal Hände im Bild. Das trübt aber keineswegs das Erlebnis, sondern vermittelt vielmehr, dass man Teil des Geschehens ist. Dann wiederum gibt es auch einige Aufnahmen von der Seite oder dem hinteren Teil der Bühne. Dies wiederum offenbart dem Zuschauer aus der Konserve den Blick, den die Musiker von der Bühne aus genießen dürfen. Da dies eine tolle Location ist, kann man hier wirklich von einem Genuss sprechen. Ein weiterer Effekt ist so natürlich, dass man auch etwas von der Stimmung vor Ort mitbekommt und die Fans durchaus auch ein Teil dieser Aufnahme sind. Die ganze Kiste besticht sowieso durch eine unglaubliche Nähe. Nähe, die die Kamera zum Künstler, aber auch zu den Zuschauern vor der Bühne aufbaut – und die Nähe zwischen Mellencamp und seinen Fans. Es wurde zudem auch noch mit einem anderen Stilmittel gearbeitet und mittendrin gibt es auch mal nur eine Schwarzweiß-Ästhetik. Insgesamt eine ganz tolle Umsetzung.

 

Gestartet wird das Set mit dem eindringlichen „Lawless Times“. Die Band steht schon auf der Bühne und als Zuschauer kriegt man dann hier die Perspektive von Mellencamp geboten. Man (die Kamera) guckt dem rauchenden Meister da durch den Vorhang über die Schulter. Sehr netter Blickwinkel. Der gute John hat da ganz tolle Musiker um sich versammelt. Er selber sieht mit seiner Tolle zwar aus wie Elvis, ist aber hier eher die schmutzige Ausgabe von Springsteen. „Troubled Man“ hat schon Boss-Style. Mellencamp präsentiert seine Songs aber dreckiger. Sein Gesang ist zudem stets etwas heiser, wie bei „Minutes To Memories“, wodurch das sogar Straßencharme erhält. Wo will man das einsortieren? Rock? Im Grunde seines Herzens kann man das durchaus in das Americana-Fach stellen – sofern man den schon erwähnten Springsteen oder auch Tom Petty dazu zählen würde.

 

„Small Town“ rockt dazu amtlich, hat dabei aber auch eine Hookline mit Hitqualitäten. „Stones In My Passway“ ist die Sorte Blues, wie es auch die Rolling Stones praktizieren. Und die Lässigkeit, mit der „Pop Singer“ vorgetragen wird (die Mundharmonika!), ist schon ziemlich beeindruckend! Natürlich greift Mellencamp auch mal zur Akustischen, wie bei „Longest Days“. „The Full Catastrophe“ wird von Pianoklängen untermalt, während der gute John singt und spricht wie Tom Waits! „Paper In Fire“ stellt sich im weiteren Konzertverlauf als erstklassiger Rocker dar. Wird aber im direkten Anschluss von „Authority Song“ noch getoppt. Der Stampfer kommt zwischen Glam und Punk, zwischen Rock und Americana wunderbar auf den Punkt. „Pink Houses“ lässt dann allen Musikern noch mal genug Raum zur Entfaltung, bevor „Cherry Bomb“ das würdige Finale darstellt.

 

Fazit: „Plain Spoken: From The Chicago Theatre“ ist eine tolle Konzertaufnahme von John Mellencamp. Die Kameraperspektiven sind so nicht unbedingt üblich. Die Nähe der Musiker zu den Fans vor Ort wird somit auch in die heimischen Wohnzimmer transportiert. Mellencamp und seine Band spielen zudem wie entfesselt und liefern ein wirklich tolles Konzert ab. Auch der Sound ist toll und da dieser Veröffentlichung auch noch eine CD beiliegt, kann man das auch anderweitig genießen!

 

http://www.mellencamp.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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