Jimi Hendrix: Machine Gun: The Filmore East First Show 12/31/1969

Jimi Hendrix: Machine Gun: The Filmore East First Show 12/31/1969

Sony/Legacy

VÖ: 30.09.2016

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Man kann sich bei jeder offiziellen Veröffentlichung, die die Nachlassverwalter von Jimi Hendrix unter die Leute bringen, im Grunde immer nur wiederholen. Es ist schon sehr überraschend, dass dies eigentlich nie den Anschein von Geldschneiderei hat. Irgendwie schafft es die Familie, die dafür in erster Linie verantwortlich ist, dem Andenken von Hendrix gerecht zu werden. Mit „Machine Gun: The Filmore East First Show 12/31/1969“ wird nun sogar ein Album veröffentlicht, welches die vielen Fans weltweit in Ekstase versetzen dürfte. Die Gruppe spielte vier Konzerte im Fillmore East – zwei an Silvester 1969 und zwei an Neujahr 1970. Noch nie zuvor war das erste dieser Sets komplett verfügbar. Jetzt schon!

 

Dazu noch in dieser überragenden Qualität. Das Album wurde von Eddie Kramer und John McDermott produziert. Wie alles seit 1995. Das ist alles neu von den original 1” 8-Track-Masterbändern erstellt und gemischt worden. Gemastert wurde das Album von Grammy-Preisträger Bernie Grundman. Die Aufnahmen haben ja schon einige Jährchen auf dem Buckel – das sollte man ja nicht vergessen. Hier ist aber jede Nunance fein säuberlich zu hören. Der Bass von Billy Cox ist dabei das überraschendste Element. Schön, dass man selbigen da so sauber herausfiltern konnte. Und dann ist es auch überaus erstaunlich, wie sicher das Trio diese elf Songs spielen konnte. Der Jamcharakter ist dabei immer gegeben. Fast das gesamte Material der Band war vorher noch nie vor Publikum gespielt worden. „Earth Blues“, „Ezy Ryder“, „Stepping Stone“, „Burning Desire“ und „Machine Gun“ war zudem nie zuvor auf einer Disc veröffentlicht worden.

 

Und ja, darüber streiten die Gelehrten, aber was Hendrix mit Billy Cox und Buddy Miles (Drums) veranstaltete, war schon ziemlich weit von dem entfernt, was er bis dahin gemacht hatte. „Izabella“ wurde live dann auch um einiges druckvoller und schneller als in der Studioversion gespielt. „Bleeding Heart“ ist eine Blueslehrstunde der härteren Gangart und das lässige „Earth Blues“ lässt alle, die heute aus der Garage treten um einen auf Rockstar zu machen, sofort wieder zurück rennen und das Tor ganz schnell wieder herunter ziehen. Dieses Trio steckt alle in die Tasche. Alle!

 

Die Drums sind derart tight, dass es einen Bauklötze staunen lässt. Der Bass ist immens druckvoll und ja, Hendrix knallt hier einem ein legendäres Solo nach dem anderen um die Ohren. Da darf der Mund ruhig schon mal offen stehen. Ein Fuzz Face, ein Wah-Wah, ein Uni-Vibe und ein Octavia – Hendrix konnte alles. Und dies stets mit einer Leichtigkeit und jenseits aller Sportübungen. Das schon erwähnte „Earth Blues“ besticht trotz der vielen Soloausflüge von Hendrix auf dem Griffbrett, durch eine Geschlossenheit und Geschwindigkeit, die schon beachtlich ist. „Burning Desire“ schafft den Spagat zwischen der puren Raserei und wunderbarem Soul.

 

„Power Of Soul“ ist derart funky, dass es einem die Schuhe auszieht. Dies ist in erster Linie aber der Verdienst von Buddy Miles. Das ist schon sehr rhythmisch und mit sehr viel Gefühl gespielt. Die Basslinien von Cox bestechen durch eine Direktheit, die Noel Redding so nie hinbekommen hätte. „Lover Man“ schafft es, dass Soul, Funk und Hard Rock zusammen stimmig klingen. „Hear My Train´ A Comin´“ hat vielleicht noch nie so gut geklungen und lässt selbst „Voodoo Chile“ alt aussehen. Übrigens sind die von Buddy Miles gesungenen Songs „Changes“ und „Stop“ keine Füller, sondern werten das Set sogar noch auf.

 

Fazit: Schade, dass die Band Of Gypsys bei der Betrachtung des Schaffens von Jimi Hendrix für die Allgemeinheit eine untergeordnete Rolle spielt bzw. stets erhält. Seine Fans wissen dieses Trio durchaus zu schätzen. Mit der Mischung aus Soul, Funk, Blues und Hard Rock waren sie der damaligen Zeit auch weit voraus. Warum das so ist, kann man nun auf „Machine Gun: The Filmore East First Show 12/31/1969“ nachhören. Der Sound, des größtenteils unveröffentlichten Materials – hier erstmals komplett –, ist brillant. Die Band spielt sich druckvoll und schnell durch die Songs. Cox und Miles brillieren mindestens genauso wie Hendrix. Ein ganz famoses Trio war das. Die Aufmachung ist gewohnt gut, mit einem Vorwort von David Fricke. Sensationelle Scheibe!

 

https://www.jimihendrix.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Jimi Hendrix Experience: Freedom: Atlanta Pop Festival

Jimi Hendrix Experience: Freedom: Atlanta Pop Festival

Sony/Legacy

VÖ: 04.09.2015

 

Wertung: 8,5/12

 

Vom 3. bis zum 5. Juli 1970 fand das zweite Atlanta Pop Festival statt. Jimi Hendrix war einer der beteiligten Künstler. Eigentlich liest sich das aus heutiger Sicht nicht sonderlich spektakulär - wenn man dabei mal vergisst, dass Auftritte von Jimi Hendrix wohl immer unter spektakulär zu verbuchen sind. Die Landbevölkerung der damaligen Zeit war eigentlich nicht besonders scharf auf langhaarige Musiker und weiße und schwarze Künstler sollten sowieso nicht auf einer Bühne sein. Und dann kam doch alles anders und 300.000 bis 400.000 Leute stürmten den Platz und rissen die Zäune runter. Die Devise war nun: freier Eintritt, lasst die Leute mal machen. Die Performance der Jimi Hendrix Experience war energiegeladen, wie nicht anders zu erwarten. Jetzt gibt es die Doppel-CD des Auftritts.

 

Es ist schon erstaunlich, dass es die Nachlassverwalter von Hendrix es jedes Jahr wieder schaffen eine Veröffentlichung auf den Markt zu schmeißen, denn eigentlich ist das Schaffen des großartigen Gitarristen ja ziemlich übersichtlich. Da der Mann aber auf allen großen Festivals vertreten war und dies auch irgendwo aufgezeichnet wurde, geben die Archive jede Menge Material her. Erfreulicherweise wirken diese Veröffentlichungen aber nie billig zusammengeschustert, sondern können auch optisch überzeugen. Auf das bewährte Digipack hat man auch dieses Mal wieder gesetzt. Das Booklet hat neben einigen Bildern auch noch Liner Notes von Bill Mankin zu bieten. Der Mann hat seinerzeit nicht nur auf der Bühne gearbeitet, er war auch während des Auftritts von Hendrix auf selbiger. Ein Augen- und Zeitzeuge also. Gute Sache!

 

Man kann sich ein solches Festival und die Zustände heutzutage sicher nicht mehr vorstellen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind mittlerweile immens hoch und da wird alles straff durchorganisiert. Damals – so scheint es – was das alles freier, spontaner und das übertrug sich auch auf die Musiker. Die Jimi Hendrix Experience braucht schon eine gewisse Zeit um in das Set zu finden. „Fire“ und „Lover Man“ wirken herrlich unperfekt. Mit „Spanish Castle Magic“ finden sie so langsam zueinander und mit „Red House“ grooven sie sich bluesig ein, gleichwohl auch das einen deutlichen Jamcharakter aufweist. Und dann wird das Stück noch zum erhabenen Wendepunkt. „Roomful Of Mirrors“ groovt wie Sau und „Hear My Train A´ Comin´“ ist fast zehn Minuten ein Manifest. „Message To Love“ dreht weiter auf, bevor es dann so richtig losgeht.

 

Und damit ist „All Along The Watchtower“ gemeint. Die Version ist alles andere als perfekt und der gute Jimi muss noch mal mit dem Gesang anfangen. Auch die Soli sind nicht unbedingt stimmig. Ja, es gibt durchaus bessere Varianten aus der Vergangenheit und doch zieht einen diese Darbietung aufgrund seiner Unperfektheit vollkommen in ihren Bann. „Freedom“ schließt sich da sehr lässig an. Mit „Foxey Lady“ gibt es dann einen weiteren Beleg dafür, dass bei diesem Auftritt nicht alles rund lief. Auch hier gibt es wieder Probleme beim Gesang, dafür ist das Solo nach knapp zwei Minuten göttlich. „Purple Haze“ ist gar bissig wie selten. „Hey Joe“ wirkt zunächst auch wieder reichlich improvisiert, wird dann aber ganz solide gespielt. „Voodoo Child (Slight Return)“ entpuppt sich als das Monster, das es schon immer war. Da fehlt „Stone Free“ im direkten Anschluss etwas der Druck, aber auch hier ist das Solo derart ruppig, dass man Angst um die Finger des guten Jimi haben musste. „Star Sprangled Banner“ durfte damals natürlich nicht fehlen, bevor es mit „Straight Ahead“ fast schon funky wird. Es wird sich dem Ende entgegen getanzt.

 

Fazit: „Freedom: Atlanta Pop Festival“ gibt nun auf zwei CDs den Auftritt der Jimi Hendrix Experience beim Second Atlanta Pop Festival wieder. Das Konzert ist alles andere als perfekt und neben Texthängern, gibt es auch einige Verspieler zu hören. Genau das macht aber auch den Charme dieser Aufnahme aus. Abgesehen davon ist das ein wichtiges Tondokument einer sehr speziellen Veranstaltung, die weitreichende Folgen hatte. Gehört natürlich in jede Hendrix-Sammlung!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Curtis Knight & The Squires: You Can´t Use My Name

Curtis Knight & The Squires: You Can´t Use My Name

Sony

VÖ: 20.03.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

Mit „You Can´t Use My Name“ wird jetzt ein Album veröffentlicht, welches Jimi Hendrix-Fans schon seit Jahrzehnten mit gemischten Gefühlen aufgenommen haben - auf der anderen Seite bisher aber auch bereit waren Höchstpreise dafür zu bezahlen. Zwar ist der Plattentitel neu gewählt worden, die Songs erblickten aber eben schon auf anderen Veröffentlichungen das Licht der Welt. Die Teile wurden in der Vergangenheit schon mit 400 Euro gehandelt! Die Abzocke für diese vierzehn Songs gehört somit der Vergangenheit an. Es ist natürlich verständlich, dass diese ersten Aufnahmen von Hendrix sehr begehrt sind.

 

Die 14 Songs entstanden während der Aufnahmesessions in den Jahren 1965 und 1966. Hendrix war da noch ein beliebter Sessionmusiker. Ed Chalpin war ein Unternehmer und Plattenproduzent, der im Jahr 1960 die Firma PPX International Inc. gründete. Besagter Chalpin sollte Jimi Hendrix zeitlebens beschäftigen und auch seine Nachlassverwalter und Familie wurde noch bis hinein in das Jahr 2003 mit ihm auf unschöne Art und Weise konfrontiert. Chalpin brachte nämlich immer wieder die auf der vorliegende CD enthaltenen Nummern unter die Leute, abgesehen davon beanspruchte er den Erfolg von Hendrix zunächst für sich, weil er der Meinung war, dass der Ausnahmegitarrist bei ihm exklusiv unter Vertrag stand. Hendrix unterzeichnete zunächst bei Chalpin für drei Jahre und bekam dafür einen Dollar(!) und 1% Tantiemen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Ein unschöne noch dazu.

 

Es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Experience Hendrix L.L.C. und Legacy Recordings/Sony Music die Tracks in – was für einer Art und Weise auch immer – unter die Leute bringt. Damit lassen sich eben eine Menge Taler verdienen. Alles andere wäre aber auch sträflich und der Fan kann die Aufnahmen so zumindest zu einem ganz normalen Kurs erwerben. Und selbstverständlich ist diese Zusammenstellung essenziell für jede Sammlung. Die Instrumentalstücke „Hornets Nest” und „Knock Yourself Out [Flying On Instruments]” sind echte Hendrix-Kompositionen – seine ersten offiziellen Schritte als Songwriter. „How Would You Feel” ist teilweise von Bob Dylans „Like a Rolling Stone” inspiriert. Thematisch beschäftigt sich das Stück mit der Rassenproblematik. Die B-Seite „Welcome Home” ist ebenfalls auf dieser Compilation zu finden. Hendrix wird hier zum ersten Mal (damals noch als “Jimmy” Hendrix) in den Credits als Arrangeur genannt.

 

You Can´t Use My Name“ kann jetzt natürlich nicht mit dem eigentlichen Hendrix-Backkatalog verglichen werden. Dies liegt ja auf der Hand und dürfte sich von selber erklären. Hendrix stand ja hier auch nicht federführend im Rampenlicht, sondern war als Mietmusiker angestellt, gleichwohl er auch schon kompositorisch mitwirkte. Und wer vor „Gloomy Monday“ ganz genau hinhört wird auch schnell darauf kommen, warum diese Zusammenstellung „You Can´t Use My Name“ betitelt wurde.

 

Das lässige „Gotta Have A New Dress“ lässt schon erahnen, wer da die Gitarre spielt. Dies gilt nicht unbedingt für „Don´t Accuse Me“ und die Ballade „Fool For You Baby“ welches deutlich vom Klavier dominiert wird. Wer eine besondere Vorliebe für die 60ies hat sollte die Songs übrigens auch mal antesten, denn selbige funktionieren auch ohne besondere Hendrix-Vorliebe. Der Gesang von Knight ist zudem richtig gut. „No Such Animal“ lässt dann endgültig keine Zweifel mehr daran, wer da an den sechs Saiten zu hören ist. Die Gitarrenmotive hat Hendrix auch später wieder verwendet. Insgesamt hört sich das an, als wäre der gute Jimi bei The Doors eingestiegen. Interessante Mischung. Das schmissige „Simon Says“ war auch schon ein ganz kleiner Fingerzeig in die Hendrix-Zukunft. Wohlgemerkt: das Gitarrenspiel ist gemeint. Und eine Nummer wie „You Don´t Want Me“ spiegelt musikalisch einfach wunderbar das Jahrzehnt wieder.

 

Fazit: „You Can´t Use My Name“ von Curtis Knight & The Squires spiegelt eine der ersten offiziellen Momente von Jimi Hendrix im Musikgeschäft wieder. Hier ist er noch als Sessionmusiker zu hören, gleichwohl er auch schon auf dieser Zusammenstellung erste Duftmarken als Songschreiber und Arrangeur hinterlassen hat. Für Fans ist das eine essenzielle Songsammlung! „You Can´t Use My Name“ ist aber auch eine prima Geschichte für all jene, die die 60ies lieben!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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Jimi Hendrix: The Cry Of Love

Jimi Hendrix: The Cry Of Love

Sony

VÖ: 17.10.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

„The Cry Of Love“ von Jimi Hendrix wird erneut veröffentlicht und erstrahlt in neuem Glanz. Bernie Grundman hat das Album von den originalen analogen Masterbändern remastert. Abgesehen davon kommt die Platte nun im Original-Artwork und mit der ursprünglichen Reihenfolge der Songs. „The Cry Of Love“ war seinerzeit das erste posthume Album von Jimi Hendrix und konnte in den USA wie auch UK kleine Erfolge feiern. Kritiker bemängelten stets, dass Hendrix die Platte so nicht herausgebracht hätte. Die Songs hätten aber so oder so eine Veröffentlichung verdient und somit kann man den Nachlassverwaltern sicher nicht vorwerfen, dass diese nun im optimierten Sound wieder zu haben sind. Zumindest machen sie einiges besser wie die ganzen Leuten kurz nach seinem Tod.

 

Es war damals schon ein ziemlicher Krampf, was da alles auf den Markt geschmissen wurde. Im Grunde hat man da alles verbraten, was sich irgendwie finden ließ. Besonders die obskuren Live-Alben und Bootlegs verdarben einem doch mehr oder weniger den Spaß an Hendrix, da deren Qualität einfach nur grottenschlecht war. Letztlich ist „The Cry Of Love“ in diesen ganzen Strudel geraten und hat nie den Stellenwert bekommen, den diese Scheibe eigentlich verdient gehabt hätte. Vielleicht kann die neuerliche Veröffentlichung dies nun noch mal gerade rücken, denn verdient hätten es die Songs auf jeden Fall – und dies unabhängig davon ob der gute Jimi das tatsächlich so veröffentlicht hätte oder nicht.

 

„The Cry Of Love“ wird nicht unbedingt von einem roten Faden zusammengehalten. Hier gibt es verschiedene Stilrichtungen und doch ist deutlich erkennbar, dass Hendrix auf ausschweifende Experimente verzichtete und seine Songs wieder kompakter anlegte. So gibt es hier einige Rockkracher auf die Ohren, aber auch Blues, Funk und die Überballade „Angel“. Die Platte ist aber nicht nur die große Hendrix-Show, denn „Freedom“ wird durch den pumpenden Bass von Billy Cox wunderbar vorangetrieben. Er ist es auch, der diesem Rockstück den Funk einhaucht.

 

„Drifting“ ist danach völlig anders. Das Stück fließt sphärisch dahin und die übereinander gelagerten Gitarrenlinien sorgen dafür, dass diese Blues-Nummer spacig wird. Hendrix singt dazu mit einer samtweichen Stimme, wie man es von ihm so noch nicht gehört hatte. „Ezy Ryder“ zählt sowieso zu den Sternstunden von Hendrix – und damit ist durchaus der gesamte Backkatalog gemeint. Cox hat hier Buddy Miles an der Schießbude hinter sich und Chris Wood und ein gewisser Steve Winwood sind für den Backinggesang verantwortlich. Hendrix malt hier verschiedene Gitarrenmotive, lässt sich aber auch zu einem verzerrten Solo hinreißen.

 

„Night Bird Flying“ hört sich derart luftig an, dass man meinen könnte, dass Hendrix das Ding live eingespielt hat. Hat er aber nicht. Angeblich wurde das sogar aus 32 Takes zusammengesetzt. Befasst man sich etwas eingehender mit dem Stück, dann dürfte auch klar sein, dass es dafür gute Gründe gab. Das mag zwar einer bestimmten Linie folgen und das ist auch immer songorientiert, aber hier werden derart viele Stile und Rhythmuswechsel kombiniert, dass andere gleich ein ganzes Album daraus stricken würden. Hendrix war seiner Zeit einfach meilenweit voraus. So sieht es nämlich aus. „My Friend“ ist ebenso ungewöhnlich. Hendrix spielt hier Bass. Das Stück mit Barcharakter ist ein Jam von 1968 mit seinen Freunden aus dem Greenwich Village. Die E-Gitarrenspuren fügte Hendrix erst später ein. Die Mundharmonika wurde kongenial von Paul Caruso gespielt. „Straight Ahead“ ist danach fast schon ein gewöhnlicher Rocksong, den Hendrix immer mal aus dem Ärmel schütteln konnte. „Astro Man“ ist da wesentlich verspielter und „In From The Storm“ ist gar Heavy Rock-Blues. Auffallend ist auch der kraftvolle Gesang von Hendrix. Beendet wird die Platte mit „Belly Button Window“, einer Blues-Nummer, die nicht gänzlich fertiggestellt wurde. Ein ruhiger Ausklang.

 

Fazit: Es ist schon tragisch, dass „The Cry Of Love“ ein fast vergessenes Kapitel von Jimi Hendrix ist. Das posthume veröffentlichte Album enthält Songs, die ihrer Zeit weit voraus waren. Es ist schon ein Wahnsinn, wie innovativ Hendrix war und mit wie vielen Stilen und Rhythmen er arbeitete. Vielleicht kann diese neuerliche Veröffentlichung nun dazu beitragen, dass die Platte endlich den Status verliehen bekommt, den sie eigentlich verdienen würde!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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Jimi Hendrix: Rainbow Bridge

Jimi Hendrix: Rainbow Bridge

Sony

VÖ: 17.10.2014

 

Wertung: 8/12

 

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Jetzt endlich hat man sich dazu entschlossen „Rainbow Bridge“ von Jimi Hendrix auf CD zu veröffentlichen. Eigentlich ist das schier unglaublich, da man in der Vergangenheit von dem Ausnahmegitarristen so ziemlich alles auf den Markt geschmissen hat was sich irgendwie verwerten ließ. „Rainbow Bridge“ hat es bisher aber offiziell eben nur als Platte gegeben. Jetzt kommt das Teil zusammen mit „The Cry Of Love“ also doch noch in die Läden. Gerade für Sammler ist das natürlich ein Fest!

 

Ursprünglich wurde dieses kurze Album von Eddie Kramer und Mitch Mitchell zusammengestellt und gemischt. „Electric Lady Studios“-Tontechniker John Jansen griff den beiden dabei tatkräftig unter die Arme. Die meisten Songs wurden während derselben Sessions aufgenommen in denen auch „The Cry Of Love“ entstand. Damit dürfte dann auch endlich mal der Quatsch aufhören, dass man „Rainbow Bridge“ als Live-Album einordnet. Die Platte mag vieles sein, aber genau das eben nicht! Der Film, der Live-Aufnahmen von Hendrix auf Maui enthält, ist sowieso totaler Nonsens und ist sicher nicht die Idee von Hendrix gewesen. Insofern ist es zu verschmerzen, dass „Rainbow Bridge“ eben kein Live-Album ist, gleichwohl der Soundtrack zum Film.

 

Es gibt übrigens einen Live-Song auf diesem Album: den bekannten Hendrix-Klassiker „Hear My Train A-Comin´“, allerdings von einem Auftritt im Berkeley Community Theatre im Mai 1970 – hat mit dem Film also auch nichts zu tun. Mitunter ist das über elf(!) Minuten eine gute Live-Fassung des Songs! Dazu gibt es mit dem Opener „Dolly Dagger“ einen groovigen Track, der zwischen Blues und Funk einen wunderbaren Bogen spannt und dann doch wieder beim Rock landet. Hendrix tobt sich zudem ordentlich an den sechs Saiten aus. „Earth Blues“ wird durch die Ronettes bei den Backing Vocals verstärkt. Das Stück ist ein Rockritt par excellence. „Pail Gap“ ist auch eine nette, schnelle Blues-Nummer. „Room Full Of Mirrors“ ist spaciger Rock, der nach hinten dann langsam auswabert.

 

Die Studioversion von „Star Sprangled Banner“ kann mit der bekannten und fulminanten Live-Version in keinster Weise mithalten und die hätte es auch hier nicht gebraucht. „Look Over Yonder“ ist eine Sternstunde der Platte, vielleicht liegt es auch daran, dass sich hier überall Referenzen aus seiner eigenen Vergangenheit finden lassen. Gutes Ding. „Hey Baby“ ist ein Grover, keine Frage, wirkt aber auch noch etwas unrund und unausgereift – danach ist nach acht Stücken dann auch Schluss.

 

Fazit: Schön, dass man „Rainbow Bridge“ von Jimi Hendrix nun auch endlich auf CD veröffentlicht. Das Album kann zwar nicht ganz mit „The Cry Of Love“ mithalten, hat aber durchaus seine Berechtigung und zeigt Hendrix von seiner rockigen Seite. Der Mann kommt hier meist schnell auf den Punkt. Für Fans ein Pflichtkauf, aber auch für alle anderen Musikliebhaber mit Rock-Affinität ist das höchst interessant!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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The Jimi Hendrix Experience: Miami Pop Festival

The Jimi Hendrix Experience: Miami Pop Festival

Sony

VÖ: 01.11.2013

 

Wertung: 8/12

 

Das Christkind und der Weihnachtsmann sind aus den Ferien zurück und arbeiten schon auf Hochtouren. Und was kriegen sie jedes Jahr in den Sack gelegt? Irgendwas von den Altvorderen ist schon immer dabei. Dieses Jahr gibt es mit Hendrix und den Beatles natürlich eine ganz erlesene Auswahl. Erstmals wird nun das „Miami Pop Festival“ veröffentlicht, welches Fans schon sehr lange in guter Qualität suchen. Aufgenommen wurde das von Hendrix´ langjährigem Sound Engineer Eddie Kramer. Das ist aber noch lange nicht alles. Man kann den Nachlassverwaltern und der Hendrix-Familie sicher viel vorwerfen, aber nicht, dass man sich bei den posthumen Veröffentlichungen keine Mühe geben würde.

 

Die Aufmachung im Digipack ist ja mittlerweile altbekannt, aber bei Hendrix nicht immer Standard. Das Booklet hält viele Fotos des Gitarrenvirtuosen bereit, die allesamt rund um dieses Festival aufgenommen wurden. Man sieht Hendrix also bei der Ankunft, der Abfahrt, auf der Bühne oder Backstage. Dazu gibt es noch ein Essay des preisgekrönten Musikjournalisten und Geschäftsführers des „Grammy-Museums“ Bob Santelli. Ohne Übertreibung muss man da einfach mal festhalten, dass dies optisch einfach sehr schön in Szene gesetzt wurde.

 

Das Konzert selber ist überaus faszinierend, neben viel Licht gibt es allerdings auch ein bisschen Schatten. Was die Musiker da abliefern ist nicht immer stimmig. Manchmal weht ein Hauch von Jam-Charakter durch die Szenerie. „I Don´t Live Today“ ist zwar ungemein rockig und geht ordentlich nach vorne, wirkt aber auch erstaunlich unfertig. Abgesehen davon ist der Sound nicht immer das gelbe vom Ei. Hierbei darf und sollte man aber nicht vergessen wie alt das Material eigentlich ist! Insofern passt das schon. Wann hat man auch schon mal die Gelegenheit zu hören, wie die Band auf die Bühne kommt und irgendwas zwischen Soundcheck und Stimmen der Instrumente abliefert? In der heutigen Showwelt ist das einfach undenkbar, damals aber durchaus üblich gewesen. Bis „Hey Joe“ tatsächlich startet gibt es vorher noch ordentlich Feedback. Nirvana beendeten einst so die Konzerte - bei Hendrix ist es der fulminante Beginn.

 

„Foxey Lady“ kommt ungemein rockig und schnell daher. Das Stück hat in dieser Version ordentlich Hummeln im Hintern. Selbiges gilt auch für „Fire“. Es gibt übrigens auch die erste Bühnenaufnahme von „Tax Free“ hier zu hören. Handwerklich ist das natürlich toll, aber irgendwie auch ziemlich zerschossen und eher ein Fragment von einem Song. Jam-Charakter deluxe. Auch das bluesige „Hear My Train A Comin´“ kommt erstmals zu Bühnenehren. Das ist natürlich alles nichts gegen die epische Version von „Red House“. Zwölf Minuten und der Freestylepart wird ordentlich ausgedehnt. Für Fans dürfte dies ein Fest sein! „Purple Haze“ hat man freilich schon inspirierter gehört, macht aber immer wieder Spaß. Als Bonus gibt es noch „Fire“ und „Foxey Lady“ der Afternoon Show obendrauf. Für Jäger und Sammler ein gefundenes Fressen, neue Erkenntnisse gibt es da freilich nicht zu hören.

 

Fazit: Für die Anhänger ist es eine schöne Geschichte, dass nun auch das „Miami Pop Festival“ der Jimi Hendrix Experience endlich veröffentlicht wird. Interessant ist das allemal, aber nicht perfekt. Der Zeitgeist wird hier wunderbar eingefangen und die Band spielt sich durch ein aufwühlendes und ruppiges Set. Es gibt bessere Live-Aufnahmen von Hendrix, aber diese hier fügt dem Backkatalog eine sehr interessante und intensive Fußnote hinzu.

 

http://www.jimihendrix.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Jimi Hendrix: People, Hell and Angels

Jimi Hendrix: People, Hell and Angels

Sony

VÖ: 01.03.2013

 

Wertung: 9/12

 

Im Fanlager von Jimi Hendrix herrscht mal wieder helle Aufregung. Der Untergang der Welt, aber mindestens der Musikindustrie ist mal wieder das Thema. Die wollen doch alle nur Geld scheffeln und kriegen den Hals nicht voll sind noch die nettesten Umschreibungen, wenn es um das neue Album „People, Hell and Angels“ geht. Ach wirklich, mit Musik soll Geld verdient werden? Die Erkenntnis ist doch nicht neu! So oder so ähnlich könnte man den ganzen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Im vorliegenden Fall ist die Sachlage allerdings ein bisschen anders, denn ein bitterer Beigeschmack bleibt bei jeder posthumen Veröffentlichung aus dem Hause Hendrix. Ob Hendrix einer Veröffentlichung tatsächlich zugestimmt hätte, sei mal dahingestellt. Warum eigentlich nicht? Nach und nach öffnen doch sämtliche Künstler ihre Archive und hauen den alte Kram raus. Oftmals sind das nur Songfragmente und doch darf man den dokumentarischen Charakter nicht unterschätzen.

 

Im Falle von „People, Hell and Angels“ gibt es noch einen weiteren Kritikpunkt, der sicher nicht von der Hand zu weisen ist. Neu ist das Material über weite Strecken ja nun keineswegs und somit kriegt der Zusatz „unveröffentlichtes Studiomaterial“ natürlich noch mal eine ganz andere Wendung. Auf der anderen Seite ist ein Großteil der Songs auf anderen Alben eben nur in einer anderen Version zu hören! Hendrix hat einen Track aber immer anders gespielt und somit gibt es auf diesem Album schon sehr viel Neues zu entdecken! Insgesamt gibt es zwölf Stück zu hören, die für Hendrix auch viele untypische Instrumente wie Bläser, Keyboards, Percussion und sogar eine zweite Gitarre enthalten. Experimentierfreudigkeit wird hier ganz groß geschrieben.

 

Mit an Bord ist hier Stephen Stills von Buffalo Springfield, der Drummer Buddy Miles und Billy Cox als Bassist. Ob Hendrix auf der Suche nach einer neuen Begleitband war, kann natürlich nur spekuliert werden – interessant ist diese Besetzung allemal. Mit Eddie Kramer ist übrigens ein Mann als Koproduzent mit dabei, der schon zu Lebzeiten zu den engen Vertrauten von Hendrix gehörte und sämtliche Alben abmischte. Insofern darf man davon ausgehen, dass Kramer „People, Hell and Angels“ durchaus im Sinne des Künstlers produziert hat.

 

„People, Hell and Angels“ ist vermutlich sogar ein Fingerzeig wie es mit Hendrix und seiner Musik nach „Electric Ladyland“ weitergegangen wäre. Sein Stil ist natürlich markant und somit einmalig und doch beschreitet er hier ganz neue Wege und zeigt sich ausgesprochen experimentierfreudig. Das Songwriting unterscheidet sich ebenfalls von bekannten Material. Insofern ist dieses Album nicht zu unterschätzen was den dokumentarischen Charakter betrifft. Abgesehen davon ist das vorliegende Material auch alles andere als Ausschussware und hat mit einer Verwertung von der Resterampe nichts am Hut!

 

Schon die funkige Version von „Earth Blues“ unterscheidet sich von den bisher bekannten Versionen des Songs. Neben dem Funk brodelt der Rotz unter der Oberfläche – in den 90ern wurde dafür gerne das Wörtchen Grunge verwendet. Die Version von „Somewhere“ ist gar ein frischer Archivfund – mit Stephen Stills am Bass. Der puristische Ansatz – der immer wieder von Hendrix Sololäufen unterbrochen wird – macht das Stück immens interessant. Jam-Charakter der Güteklasse A! „Hear My Train A Comin´“ ist ja altbekannt, diese Aufnahme stammt aus den ersten Sessions mit Billy Cox und Buddy Mills. An „Bleeding Heart“ von Elmore James hatte Hendrix ja immer einen Narren gefressen und jedes Mal interpretierte er den Song anders – so auch hier. „Let Me Love You“ rockt wie Sau, im Mittelpunkt steht aber nicht die Gitarre sondern das Saxofon von Lonnie Youngblood, der auch den Gesang beisteuerte. „Izsabella“ ist ebenfalls längst bekannt, aber diese Interpretation hier ist doch gänzlich anders wie das schon veröffentlichte oder bekannte Material.

 

„Easy Blues“ gibt es auf diesem Album endlich in der Langversion zu hören und gerade das Zusammenspiel der beide Gitarristen ist höchst interessant und intensiv. Die Originalaufnahme von „Crash Landing“ gab es bisher nicht zu hören, insofern ist „People, Hell and Angels“ auch unter diesem Aspekt eine feine Angelegenheit. „Inside Out“ ist für Beinhartfans sicher eine nette Geschichte, ansonsten zieht sich das Ding aber wie Kaugummi und ist nur leidlich spannend. Selbiges gilt leider auch für „Hey Gypsy Boy“ - plätschert leider so dahin. Daran merkt man dann schon, dass die Stücke noch nicht bis in letzte Detail ausgereift sind. Die rockige R&B Nummer „Mojo Man“ ist allerdings wieder über jeden Zweifel erhaben und komplett anders, wie alles andere was Hendrix bis dahin gemacht hat. Für den Gesang ist Albert Allen verantwortlich. Wer Bass, Percussion, Drums und Bläser gespielt hat, lässt sich übrigens interessanterweise nicht mehr nachvollziehen. „Villano Junction Blues“ beendet diese Album schließlich. Der Track stammt übrigens aus derselben Session wie „Hear My Train A Comin´“ und „Bleeding Heart“. Leider ist dies nicht mehr als ein Fragment und alles andere als fertig. Für Fans dürfte aber auch dies von Interesse sein!

 

Fazit: Die ganze Aufregung im Vorfeld war mal wieder komplett für die Tonne! Natürlich will die Plattenfirma und die Familie noch Kapital aus den Veröffentlichungen des Jimi Hendrix Archivs schlagen. Und klar, die Songs sind fast durch die Bank schon bekannt. „People, Hell and Angels“ hat aber trotzdem seine Berechtigung, da sich die Versionen der zwölf Songs doch sehr stark von den schon veröffentlichten unterscheiden. Abgesehen davon kann man wunderbar nachvollziehen, dass Hendrix extrem experimentierfreudig war und in seiner musikalischen Zukunft neue Wege beschritten hätte. Die Aufmachung des Booklets und der Klang der Aufnahmen sind zudem erste Sahne!

 

http://www.jimihendrix.com/de

 

Text: Torsten Schlimbach

Jimi Hendrix Experience: Smash Hits (Reclam Musik Edition)

Jimi Hendrix Experience: Smash Hits (Reclam Musik Edition)
Sony
VÖ: 02.03.2012

 

Wertung: 8/12


Millionen Schüler haben sie gehasst, diese kleinen gelben Büchlein. Beim Namen Reclam rinnt so manch einem noch Jahre später der pure Angstschweiß über das Gesicht. Der Verlag mit dem markanten gelben Hintergrund dürfte sich bei Musiknerds nun aber rehabilitieren. Die – mehr oder weniger – großen Künstler der Musikgeschichte werden nun in Zusammenarbeit mit Sony auch in gelb geehrt. Jimi Hendrix darf da natürlich nicht fehlen.

Front- und Backcover der CD sind natürlich im allseits bekannten Reclam-Stil gehalten. Was sofort schmerzlich ins Auge sticht ist die Schreibweise „Foxey Lady“. Gerade vor dem Hintergrund, dass hier eine Kooperation mit dem Traditionsverlag eingegangen wurde verwundert das doch etwas. Aber nun gut, auf der anderen Seite hat das ja auch einen gewissen Charme. Andere Dinge sind sowieso viel wichtiger.

Da wäre beispielsweise die für eine derartige Veröffentlichung recht ausführliche Beschreibung der Karrierestationen von Hendrix, die der Journalist Ernst Hofacker im Booklet verfasst hat. Unter diesem Gesichtspunkt ist es eine feine Sache, dass der Verlag der gelben Heftchen seine Finger im Spiel hat. Der eigentliche Anlass, nämlich die Musik, wird so sehr gut unterstützt.

Die Reclam-Editions für andere Künstler sind alle „All Time Best“ benannt worden. Kurioserweise hat man für Hendrix „Smash Hits“ gewählt. Das trifft natürlich den Nagel auf den Kopf. Die fünfzehn Titel gehören nämlich allesamt zum musikhistorischen Erbe der Menschheit und die sollte von „Purple Haze“ und „Fire“ bis hin zu „Hey Joe“, dem Dylan Cover „All Along The Watchtower“ und „Foxy Lady“ jeder sein eigen nennen.

Fazit: Natürlich gab es diese CD mit anderem Titel, aber eben auch der fast identischen Reihenfolge schon, aber bei einem Preis von knapp 10 Euro und der kultigen Aufmachung lohnt sich der Kauf dann doch wieder. Schweiß auf der Stirn steht einem bei dieser Reclam-Veröffentlichung nur aufgrund des wahnsinnigen Spiels von Hendrix. Es dürfte klar sein, dass dies kein umfassender Blick in das Schaffen von Hendrix ist – als erster Einstieg aber sicher perfekt!

http://www.jimihendrix.com/de

Text: Torsten Schlimbach

Jimi Hendrix: Winterland (Box-Set/4 CDs)

Jimi Hendrix: Winterland (Box-Set/4 CDs)

Sony

VÖ: 09.09.2011

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Die Hendrix-Festpsielwochen gehen in die nächste Runde. Sind wir mal ehrlich, das kann man drehen und wenden wie man will, man kann von Ausverkauf sprechen und mal wieder davon, dass sich hier eine Menge Leute an dem Namen Hendrix bereichern wollen. Natürlich wird es auch wieder jene geben, die die Meinung vertreten, dass Hendrix einer derartigen Veröffentlichung nie zugestimmt hätte. Mag alles sein, aber wie gesagt, sind wir mal ehrlich: für Fans ist das eine tolle Geschichte und so kommt man teilweise an rares Material, welches zudem noch in erstaunlicher Klangqualität vorliegt.

 

Das „Winterland“ Box-Set dürfte die Herzen der zahlreichen Anhänger mal wieder ein Stückchen schneller schlagen lassen. Es kursieren von den sechs Konzerten, die vom 10. bis zum 12. Oktober 1968 im Winterland Ballroom in San Francisco mitgeschnitten wurden, einige Bootlegs von minderer Qualität. Es gab auch in den 80ern eine (halb-)legale Zusammenstellung, die sich diesen Konzerten widmete, aber unvollständig war und mit dem Klang der vier CDs des Box-Sets nicht mithalten können. Insofern ist das für Hendrix-Fans ein wirklich feine Geschichte.

 

Der warme Klang fällt bei den vier CDs extrem auf. Die Abmischung ist gar sensationell. Man höre sich nur die Aufnahme vom 11.10. von „Are You Experienced?“ an. Die minutenlangen Soli von Hendrix sind die eine Sache, aber auch der Bass kommt klar und deutlich daher. Über Kopfhörer ist das ein Traum. So macht es richtig Spaß, diesen Höllenritt über zwölf Minuten mitzugehen. Die Macher haben sich merklich Mühe gegeben um auch das Rauschen so weit wie möglich zu unterbinden. In Anbetracht des Alters dieser Aufnahmen ist das schon erstaunlich.

 

Natürlich gibt es hier Doppelungen, aber Hendrix wäre ja nicht Hendrix, wenn sich die einzelnen Song-Versionen nicht deutlich unterscheiden würden. Der Hang zum Jam und zu Improvisationen kommt dabei deutlich zum Vorschein. Die Freude, dass nach den Konzerten die neue Platte „Electric Ladyland“ bevorstand und die Band ihr zweijähriges Jubiläum feierte, trug sicher zur euphorischen Spielfreude bei. Neben den üblichen Verdächtigen wie „Hey Joe“, „Purple Haze“, „Tax Free“ oder auch „Hear My Train A Comin´“ sind es die Coverversionen, die besonders hervorstechen. „Wild Thing“ ist da noch offensichtlich und altbekannt, aber wie die Gruppe hier „Sunshine Of Your Love“ und ganz besonders „Like A Rolling Stone“ raus rotzt ist schon höchst beachtlich.

 

Das Bonusmaterial auf dem vierten Silberling ist dann das Sahnehäubchen. Hier darf man nicht nur „Voodoo Child (Slight Return)“ lauschen, sondern auch einem knapp 20-minütigen Interview. Hendrix gewährt hier einen kleinen Einblick in sein Seelenleben und auch einen Ausblick in die Zukunft und wohin es mit der Band noch gehen sollte. Das liebevoll gestaltete Innenleben des in Buchform vorliegenden Box-Sets rundet die Sache mit unveröffentlichten Fotos und erhellenden Liner Notes sehr schön ab!

 

Fazit: Das „Winterland“ Box-Set von Hendrix ist ein Fest für jeden Fan und eine kleine Fundgrube an Raritäten. Auf jeder der vier CDs findet sich Material wieder, welches man so noch nicht kennt – jedenfalls nicht in dieser Qualität. Der Klang und die Abmischung muss man dabei deutlich herausstellen, denn was aus diesen alten Aufnahmen rausgeholt wurde, ist schon erstaunlich! Die schöne Aufmachung ist dann das i-Tüpfelchen.

 

http://www.jimihendrix.com/de

 

Text: Torsten Schlimbach

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