Jeff Beck: Live+

Jeff Beck: Live+

Warner

VÖ: 15.05.2015

 

Wertung: 9/12

 

Die ZZ Top/Jeff Beck-Doppelpaket-Tour war letztes Jahr für die US-Konzertgänger ein musikalisches Freudenfest. Dieses Jahr wird das Doppel noch fortgesetzt, da Dusty Hill aufgrund einer Verletzung pausieren musste - Nachholtermine 2015. Bis dahin können sich die Fans einstweilen mit der vorliegenden CD von Jeff Beck vergnügen, die 16 Songs bietet, darunter 14 von eben der letztjährigen Tour. Die Tracks wurden in verschiedenen Venues aufgezeichnet und sind als kleiner Streifzug durch die Karriere von Beck zu betrachten, denn manche haben immerhin fünf Jahrzehnte auf dem Buckel. Als Sahnehäubchen gibt es noch zwei neue Studiotracks obendrauf, die einen ersten Vorgeschmack auf das neue Album liefern, welches noch dieses Jahr erscheinen soll.

 

Einen Live-Eindruck von Jeff Beck vermittelte auch die Blu-ray/DVD „Live In Tokyo“ die erst kürzlich erschienen ist. Ganz überzeugend war das aber nicht, da es vorwiegend eine reine Leistungsschau von Herrn Beck war und die Songs fast ausnahmslos ohne Gesang dargeboten wurden. Das Konzert hatte durchaus einige Längen. Umso interessanter ist da nun „Live+“, da es hier wiederum einen gänzlich anderen Ansatz gibt. Dies spricht mitunter ja auch für den Künstler, denn er zeigt sich beweglich und wandlungsfähig. „Live+“ umschifft die Längen durch den Gesang nämlich jetzt ganz gekonnt.

 

Über „Loaded“ kann es keine zwei Meinungen geben. Das ist mal ein Instrumentaltrack, der tatsächlich jeden vom Hocker reißen sollte. Die Nummer groovt wie Sau und ist ein Brett. So hätte Jimi Hendrix das Stück wohl auch gespielt. „Morning Dew“ ist anschließend zunächst schön bluesig, lebt aber eben von dem druckvollen Gesang. Die Wendung des Songs ist auch interessant, denn irgendwann landet man glatt beim Hardrock. „You Know You Know“ mag technisch zwar astrein gespielt werden, klingt aber eben nach einem überlangen Jam. Dagegen ist „Why Give It Away“ - inklusive Rapeinlage – eine Wohltat. Hart, groovy bis funky – so soll es doch sein und dann macht auch ein Jeff Beck Konzert aus der Konserve eine Menge Laune.

 

„A Change Is Gonna Come“ kommt direkt aus den tiefsten Sümpfen. Das Hardrockgewand, welches Herr Beck der Nummer verpasst, kann den Hörer nicht täuschen: das ist der Blues der alten Schule, nur eben anders verpackt. Ob man „A Day In The Life“ der Beatles auf den sechs Saiten unbedingt verunstalten muss, sei mal dahingestellt, aber „Superstition“ ist anschließend schon ein Klassiker, der einfach immer funktioniert. Es wird funky. „Hammerhead“ wurde ja auch schon mit einem Grammy belohnt. Aber letztlich ist das nichts anderes als Griffbrettwichserei – allerdings von einem anderen Stern.

 

Mit „Little Wing“ wagt sich Beck an einen Klassiker von Hendrix heran. Wenn nicht er, wer dann? Bei „Danny Boy“ hat er sogar in die Kiste mit der Aufschrift „Traditional“ gegriffen. Interessante Version, die diesen Klassiker regelrecht frisch erscheinen lässt. „Rollin And Tumblin“ kommt richtig fett, während „Going Down“ frei von der Leber weg rockt, inklusive Mundharmonika. Das ist in der Summe alles wesentlich besser und ausgefeilter als die Darbietung aus Tokyo. Jeff Beck sollte nie mehr auf einen Sänger verzichten.

 

Für „Tribal“ und „My Tiled White Floor“ hat Beck die Sängerinnen Ruth Lorenzo bzw. Veronica Bellino ins Studio gebeten. Was ist denn „Tribal“ bitte für eine Raserei? Mein lieber Herr Gesangsverein, da wird sich die versammelte Alternativriege aber vor dem alten Herrn verbeugen müssen. Da kriegt man die Gehirnwindungen ja noch mal völlig neu justiert. „My Tiled White Floor“ ist gar noch psychedelisch angehaucht. Man darf also auf das Album gespannt sein.

 

Fazit: „Live+“ von Jeff Beck macht richtig Spaß. Nach dem eher durchwachsenen Vergnügen der Tokyo-Aufnahme, kann dieser Zusammenschnitt der letztjährigen Tour mit ZZ Top überzeugen. Was Gesang doch manchmal bewirken kann! Die hier enthaltenen Songs sind zu großen Teilen sehr rockig, lassen aber immer wieder auch Blues und Funk erkennen. Die beiden neuen Studiotracks machen richtig Lust auf mehr. Jeff Beck gehört in dieser Form definitiv noch nicht zum alten Eisen!

 

http://www.jeffbeckofficial.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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