In Extremo: Kunstraub

In Extremo: Kunstraub

Universal

VÖ: 27.09.2013

 

Wertung: 7/12

 

Die Spielmänner sind wieder auf großer Fahrt. Oder sind sie auf der Flucht? Immerhin haben sie einen „Kunstraub“ begangen. Die zwölf Stücke sind aber nicht weg, nein, die werden von In Extremo jetzt der Welt geschenkt. Inspiriert wurde die Band aber durch einen echten Meisterdieb – oder waren es Diebe! Bei der Zeitungslektüre fiel Dr. Pymonte folgende Meldung auf: „Spektakulärer Kunstraub in Rotterdam: sieben Meisterwerke wurden gestohlen - darunter Bilder von Picasso, Monet und Matisse. Der Wert der geraubten Gemälde ist unschätzbar, auf dem freien Markt sind sie kaum verkäuflich.“ Damit war der Titel des neuen In Extremo Werks geboren. Das Septett hätte keinen besseren finden können.

 

Wo In Extremo drauf steht, ist auch immer noch In Extremo drin. „Der die Sonne schlafen schickt“ hätte auch auf „Sängerkrieg“ oder „Sterneneisen“ gepasst. Die Instrumentierung, die die Band gemeinhin wählt, kann manchmal auch ganz schön limitierend sein und so wirkt dieser Auftakt dann auch etwas gewöhnlich. Typisch In Extremo möchte man da sagen, so wie man sie eben kennt. „Wege Ohne Namen“ nimmt sich danach aber Zeit, gönnt sich Ruhe und einen Blick über den Tellerrand. Zum Refrain hin kommen dann die typischen mittelalterlichen Elemente dazu. Diesmal passt es aber, da das Stück ein Ohrwurm vor dem Herrn ist.

 

Das sind die beiden Pole, aus denen sich „Kunstraub“ speist. Auf der einen Seite gibt es die klassischen In Extremo Tracks und dann sind hier auch Songs zu finden, die eben nicht nur auf die bewährte Kost setzen und auch mal nach links und rechts gucken. So bleibt es wenigstens spannend. „Lebemann“ rockt dazu auch noch direkt auf den Punkt. Die Nummer dürfte live sehr gut funktionieren und lässt sich wunderbar mitgrölen. „Himmel und Hölle“ bewegt sich gar in Richtung Neue Deutsche Härte, aber auch das kennt man ja von In Extremo. Klassisch im Mittelalter ist „Gaukler“ angesiedelt. Thematisch sowieso, aber auch die sehnsuchtsvollen Klänge lassen keinen anderen Schluss zu - darüber können auch die härteren Gitarrenklänge nicht hinwegtäuschen.

 

Selbstverständlich gibt es auch ein Lied mit dem Titel „Kunstraub“. Schnell fegen In Extremo durch die Strophen, während der Refrain abermals Mitsingcharakter hat. „Feuertaufe“ darf danach wieder mit dem Trademarksound aufwarten, welcher die Band so erfolgreich werden ließ – hat selbstverständlich Hitpotenzial. „Du und Ich“ ist wie eine Achterbahnfahrt – mal hoch, mal runter. Das Stück hat durchaus seinen Reiz. „Doof“ tritt einem anschließend noch mal voll in die Weichteile – mit Anlauf. In Richtung Pop wird mit „Alles schon gesehen“ abgebogen und wenn die Gitarren nicht so bratzen würden, dann könnte man das glatt in eine Schlagerecke stellen. „Belladonna“ will das mit Härte wieder wettmachen, ist aber nach Schema F aus dem Baukasten entnommen worden. Den besten Song hat sich die Kapelle mit „Die Beute“ bis zum Schluss aufgehoben – warum das so ist? Hören, staunen und genießen!

 

Fazit: In Extremo liefern einfach keine schlechte Alben ab. Das ist auch mit „Kunstraub“ nicht der Fall. Zwischen klassischem Material, wie es die Band eben haufenweise im Repertoire hat und einer Portion gesunder Härte ist auch noch Platz für ein paar ruhige Klänge. Es ist nicht alles Gold was glänzt und manchmal hat die Band sich als Kunsträuber versucht, indem sie bei sich selbst gewildert hat. Alle Instrumente unterzubringen limitiert eben auch. In seiner Gänze ist dies ein weiteres solides Werk und die Zeichen werden damit mal wieder auf Erfolg stehen.

 

http://www.inextremo.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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