Iggy Pop: Original Album Classics (3 CDs)

Iggy Pop: Original Album Classics (3 CDs)
Sony

VÖ: 22.04.2011

 

Wertung: 8/12


Die Original Album Classics Reihe hat nun auch Iggy Pop im Programm. Für knapp 7(!) € kann man sich nun die drei Alben „New Values", „Soldier" und „Party" in einer zweckmäßigen Box zulegen. Die einzelnen CDs wiederum werden im Pappschuber geliefert. Für diesen Kaufpreis ist das absolut in Ordnung und wer mehr Informationen zu den einzelnen Alben benötigt, guckt sich - wie immer - auf den entsprechenden Seiten von Sony und Legacy um.


Die hier präsentierten Alben befassen sich mit einer Iggy Pop-Phase, die mittlerweile weitestgehend vergessen ist und auch nicht unzählige Hits abgeworfen hat, geschweige denn zu seinen besten Songs zu zählen ist. „Lust For Life" und „The Idiot" waren Geschichte und auch David Bowie war zunächst nicht mehr mit an Bord. Iggy Pop musste sich neu orientieren und suchte sich eine neue Nische. Beinhartfans haben diese Alben selbstverständlich längst im Schrank stehen. Es gibt aber auch immer wieder neue Generationen, die Iggy Pop gerade erst entdecken. Neben seinen wirklich herausragenden Alben und Songs und seinen Werken mit den Stooges, die Musikgeschichte geschrieben haben, bietet diese Box nun aber auch einen Einblick in eine andere Schaffensphase.


„New Values" markiert eine neue Iggy Pop Ära. Der Übergang von Punk zu New Wave ist in der Nachbetrachtung auch auf diesem Album schon präsent. Es wurde sich gesammelt und nach neuen musikalischen Wegen gesucht. Die Songs klingen zunächst recht handzahm und die Produktion nimmt selbigen auch einiges an Druck raus. Die Stimme steht im Vordergrund und wer behauptet, dass Mr. Osterberg nicht singen könnte, wird durch die warme Stimme eines Besseren belehrt. Mit „I´m Bored" befindet sich dann sogar doch eine Art Klassiker auf „New Values" wieder. Überhaupt kommt dieses Album oftmals viel zu schlecht weg. Das poppige „Tell Me A Story" hat gar Ohrwurmqualitäten, was unbestritten am Backgroundgesang liegt. Ein Hauch von den Rolling Stones dieser Zeit weht durch diesen Track. Auch das vom Bass getriebene „Five Foot One" kann überzeugen und knüpft gar an große Iggy-Momente an. Mit „Curiosity" gibt es gar ein Stück welches Honky Tonk Piano, Bowie und die Stooges verbindet. So ein entspanntes Ding wie „Don´t Look Down" mit Backgroundgesang hätte mit der entsprechenden Produktion sogar Hitqualitäten. Die beiden Bonustracks „Chains" und „Pretty Flamingo" sind nett, mehr aber auch nicht.


Bei den Aufnahmen zu „Soldier" lief nicht alles rund und in letzter Konsequenz hört man dies dem Album auch an. Reichlich zerschossen wirkt dieses und eine Richtung ist nicht klar erkennbar. Eigentlich sollte auch Bowie wieder dabei sein, aber Williamson hatte etwas dagegen, der wiederum von Iggy vor die Tür gesetzt wurde. Bei „Play It Safe" ist dann Bowie doch noch dabei. Ansonsten gibt es hier viel Licht und Schatten. Wenn man Glen Matloch glauben darf, dann waren die Songs ursprünglich wesentlich druckvoller und die Gitarren mehr im Vordergrund. Iggy entfernte vieles von den Leadgitarren, da er auch noch von Steve New sitzen gelassen wurde. „Soldier" stand also von Anfang an unter keinem guten Stern. Dabei ist das Material alles andere als schlecht. Das fängt beim Wolfsgeheul von „Loco Mosquito" an und zieht sich über das düstere „Ambition", den Rocker „Knocking ´Em Down (In The City)" und „Play It Safe", wo Herr Bowie im Hintergrund hörbar vertreten ist. Es gibt zwar auch viel Leeflauf, auf der anderen Seite entdeckt man Iggy Pop hier auch völlig neu. Eine Nummer wie „Mr. Dynamite" ist schon eine Show für sich. Die düstere Atmosphäre hebt das noch mal auf eine neue Stufe und das Pianospiel darf man sich auch nicht entgehen lassen. Die beiden Bonustracks „Low Life" und „Drop A Hook" gehen voll und ganz in Ordnung. Unter dem Strich hat „Soldier" durchaus seine Momente und unterstreicht die Vielseitigkeit von Iggy Pop. Der Mann hat nämlich mehr drauf, als mit nacktem Oberkörper über die Bühne zu toben!


Den Abschluss bildet hier das Album „Party". Dieses Werk ist mittlerweile komplett vergessen und dürfte nur noch bei den Hardcore-Fans hoch im Kurs stehen. Warum eigentlich? Von Produktionsseite ist diese Scheibe sogar die Beste der Box. Endlich stimmt die Abmischung wieder und die Instrumente sind nicht nur seltsam kraftlos im Hintergrund zu hören. Als „Party" erschien gehörte Iggy Pop auch irgendwie zum ausrangierten alten Eisen. Neue Klänge beherrschten die Szenerie und eine jüngere Generation übernahm das Ruder. Iggy Pop lies zwar einige Klänge der 80er auch in "Party" einfließen, insgesamt ist das Album aber doch sehr bissig, laut und punkig ausgefallen. „Eggs On Plate" ist doch ein schöner Schlag mitten voll auf die Zwölf. Die Gitarre sägt wie zu den besten Zeiten. Auch so ein Stampfer wie „Houston Is Hot Tonight" lässt sich doch gut an. Mit „Pumpin´ For Jill" und „Bang Bang" finden sich gar zwei Songs mit Klassikerpotenzial auf dem Album wieder. Die Bonusnummern sind letztlich Albumfüller, aber gut, dass man sie mal gehört hat.


Fazit: Jeder, der nur ansatzweise etwas für die Musik von Iggy Pop übrig hat, sollte sich diese Album Classics Box zulegen. Die drei enthaltenen Alben sind wesentlich besser wie ihr Ruf und zeigen teilweise eine gänzlich andere Seite von Iggy Pop. Die Produktion ist gerade bei den ersten beiden Scheiben zwar Käse, aber die Songs selber können streckenweise voll und ganz überzeugen. Wie immer bei Herrn Pop, lohnt es auch mal, genauer auf die Texte zu achten. Sollte letztlich in keiner Iggy Pop Sammlung fehlen!


http://www.iggypop.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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