Hollywood Vampires: Rise

Hollywood Vampires: Rise

earMUSIC/Edel

VÖ: 21.06.2019

 

Wertung: 7/12

 

Eine Band, die aus lauter Superstars besteht, wird ja sowieso schon mal eine ganz andere Aufmerksamkeit zuteil, wie einer noch unbekannten Kapelle. Im Falle der Hollywood Vampires hat man es dann auch wirklich mit Protagonisten aus dem obersten Regal zu tun. Joe Perry, Alice Cooper und Johnny Depp sind bei der A-Kategorie einzusortieren. Mit „Rise“ hat das Trio, unter tatkräftiger Unterstützung von Tommy Henriksen, nun das zweite Album auf den Weg gebracht.

 

Im Gegensatz zum Debüt findet sich auf „Rise“ sehr viel eigenes Material wieder. Das darf man durchaus unter "roher Rock" verbuchen. Wenn man aber mal ganz ehrlich ist, würde kein Hahn danach krähen, wenn die Protagonisten nicht so berühmt wären. Das Songwriting ist an der einen oder anderen Stelle schon sehr behäbig und einfallslos. Der Opener „O Want My Now“ ist noch ein ziemliches Brett und walzt, ohne Rücksicht auf Verluste, alles nieder. Ein bisschen erinnert das sogar an die Stooges.

 

Tja, danach ist das Pulver aber fast schon wieder verschossen. „Who´s Laughing Now” fängt ordentlich an. Der Bass steht zunächst im Zentrum und dann kribbelt es auch so schön in der Magengegend. Dann verflacht die Nummer aber zusehends und der Refrain – sofern man das überhaupt so nennen darf – wird bis zum Erbrechen wiederholt.

 

Übrigens sind die ständigen Interludes zwischen den Songs auch sehr nervig. „The Boogieman Surprise“ mäandert auch recht ziellos durch die Prärie und hat derart viel Staub angesetzt wie die allerletzte Glamband der 70er. Danach gibt es wirklich ein bisschen Boogie und „Welcome To Bushwackers“ lädt dazu ein, das Tanzbein zu schwingen. Übrigens ist Jeff Beck hier mit von der Partie. Was ist eigentlich mit Balladen? Kommt! “You Can’t Put Your Arms Around A Memory” von Johnny Thunders wird im etwas windschiefen Vortrag von Joe Perry gesungen.

 

Anschließend gibt es wieder das volle Rockbrett. „Git From Round Me“ ist nichts Anderes als Garagenrock – also großartig. Wenn die Hollywood Vympires so richtig böse, dreckig und gemein agieren, sind sie einfach am besten. Sollte man „Heroes“ covern? Johnny Depp beantwortet das offensichtlich mit einem JA. Eigentlich gibt es ja nun wirklich genug Interpretation von dieser Nummer und an das Original reicht sowieso nichts heran. Immerhin macht der gute Johnny eine recht passable Figur bei seiner Version. „New Threat“ ist ein ganz cooler Track, aber auch ein typischer Cooper-Song - was selbigen ja nicht schlechter macht. „Mr. Spider“ bringt dann noch jede Menge psychedelisches Flair in das letzte Drittel hinein. Stark! „We Gotta Rise“ – Mr. Cooper ist der neue Präsident der USA – ist leider reichlich misslungen. Das erinnert an Schützen- und Volksfeste und Bierbänke auf denen die Menschen stehen, sich einhaken und schunkeln. Mit „People Who Died“ gibt es einen weiteren Coversong zu hören. Die Nummer hat Biss und Chuzpe. Punkrock auf den Punkt. Mit dem Spoken Word-Beitrag „Congratulations“ wird „Rise“ nicht gerade mit einem Knall beendet.

 

Fazit: Wer rohen Rock ohne Schnörkel und ohne Innovationsgeist schätzt, kriegt bei den Hollywood Vampires und deren zweitem Album „Rise“ die Vollbedienung geliefert. Teilweise klingt das wie frisch aus der Garage. Das ist gut. Weniger gut sind die Interludes und das schludrige Songwriting und der Ideenmangel. Wären hier nicht zwei Schwergewichte der Musikgeschichte und ein Hollywoodstar die Protagonisten hinter dieser Band, dürfte das Interesse an der Musik ganze Hochhaussiedlungen kleiner ausfallen.

 

www.hollywoodvampires.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch