H-Blockx: HBLX

H-Blockx: HBLX

Embassy Of Music/Warner

VÖ: 25.05.2012

 

Wertung: 7,5/12

 

Für einen kurzen Augenblick war die Münsteraner Band H-Blockx die größte Combo der Republik. Keine Party kam ohne „Move“ oder „Risin´ High“ aus. Im Zuge der internationalen Crossover-Welle eroberten auch die H-Blockx die Bühnen der Clubs und ganz besonders der Festivals. Selbst im Radio fand die Band statt. In den 90ern war eben alles möglich. Wie das so ist mit dem Party-Rausch, kommt dann irgendwann auch der Kater. Plötzlich wollte keiner auch nur das Wort Crossover in den Mund nehmen und die Mannen um Henning Wehland sahen sich zusätzlich auch noch Hohn und Spott ausgesetzt. Die Geister, die sie einst riefen, wurden sie nicht mehr los.

 

Die H-Blockx gibt es freilich immer noch – oder wieder. Ist ja auch immer eine Frage der Sichtweise. Ein Auftritt bei Rock Am Ring 2010 sorgte für neues Selbstbewusstsein. Das neue Album „HBLX“ ist nun der Ausfluss dieser Geschichte. Mit Steffen Wilmking ist überraschenderweise auch nur ein neues Gesicht im Bandgefüge dabei. Henning Wehland, Tim Humpe und Stephan Hinz haben auch schon die großen Tage der Band mitgemacht.

 

Der Titel „HBLX“ ist übrigens nicht der verzweifelte Versuch dem Zeitgeist Rechnung zu tragen. Man könnte zwar auf diese Idee kommen, aber diese Abkürzung stand früher auf den Zwei Zoll Tonbändern, mit denen in den Analog-Jahren aufgenommen wurde. In gewissem Sinne geht es also zu den eigenen Wurzeln zurück. Trotzdem kann das auch falsch verstanden werden und dann wirkt das leider auch einigermaßen unglücklich.

 

Musikalisch ist das Ding eine mittelschwere Überraschung. Man fragt sich nun mehr denn je, was Henning Wehland eigentlich bei den Söhnen Mannheims zu suchen hat!? Vermutlich schlagen zwei musikalische Herzen in seiner Brust und der Kühlschrank will schließlich auch gefüllt werden. Aber zurück zu „HBLX“! Man sollte mal den Versuch starten und diese Platte den Leuten ohne weitere Infos vorspielen. Man dürfte in einige verwunderte und begeisterte Gesichter blicken.

 

Der straighte Opener „Hi Hello“ ist genau der richtige Einstieg in die Platte. Mit „Gazoline“ gibt es anschließend ja gleich ein Brett, welches in Richtung „Beatsteaks“ geht. Holla die Waldfee. Gut, Hip Hop-Elemente gibt es auch wieder, aber so lange die so lässige aus der Hüfte wie bei „Can´t Get Enough“ kommen, ist die Welt doch in Ordnung. Klar, hier blitzt natürlich auch die Vergangenheit auf, aber eben die gute Seite!

 

„Footsteps On The Moon“ ist die nächste faustdicke Überraschung. Das Stück ist eine Mischung aus The Clash(!) und abermals den Beatsteaks. Selbst die Ballade „Love Can´t Say“ kommt ohne Pathos und Kitsch ganz geschmeidig daher. „In Your Head“ ist allerdings auch ein Rückfall in die schlimmsten Zeiten. Und der Disco-Stampfer „I Want My Disco“ mag nett gemeint sein, geht aber trotzdem in die Hose. Das feine „DOIOU“ reißt es ja wieder raus. Hat übrigens Ohrwurmqualitäten. „I Want You“ lässt auch noch mal Reminiszenzen an die Vergangenheit aufblitzen. Kann man machen, muss man aber nicht. Dann lieber „The Bitch Is Back“, welches der kleine Bruder von „Footsteps On The Moon“ sein könnte. Die abermals überraschend gelungene Ballade „Headache Remains“ beendet „HBLX“ tatsächlich sehr gelungen – und schön!

 

Fazit: Die H-Blockx melden sich mit „HBLX“ mehr als solide zurück. Ein paar klitzekleine Rückfälle in die alten Crossover-Zeiten gibt es zwar, aber insgesamt ist die Platte doch zwischen Poppunk britischer Prägung und guten Balladen eine dicke Überraschung. Überraschung ist auch das Zauberwort dieser Platte und schwebt über fast jedem Song. Bleibt zu hoffen, dass dieses Album auf offene Ohren stößt und sämtliche Vorurteile über Bord geschmissen werden!

 

http://www.hblx.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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