Gloria: DA

Gloria: DA

Grönland/Rough Trade

VÖ: 13.10.2017

 

Wertung: 8,5/12

 

Wer hätte gedacht, dass Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol gemeinsam kontinuierlich als Gloria Alben aufnehmen und veröffentlichen? Und dies auch noch alle zwei Jahre. Nach dem gleichnamigen Debüt von 2013, dem Nachfolger „Geister“ von 2015 folgt nun „DA“. Ein kurzer und prägnanter Titel. Neun Songs haben es nach anderthalb Jahren Arbeit mit Proben und Aufnahmen auf das Album geschafft. Gloria schwimmen damit gegen den Strom und überzeugen lieber mit Qualität als mit Quantität. Lieber mal einen Song weglassen. „DA“ wird dadurch aufgewertet, denn so gibt es wieder kein Füllmaterial zu hören, welches das Album mitunter nach unten zieht!

 

„Da“ ist vom Sound nun vielseitiger! Die beiden Herren haben sich geöffnet. Geöffnet für Streicher, Trompeten und Synthesizer. Keine Sorge, Gloria haben sich jetzt nicht verändert, nur das musikalische Spektrum erweitert. „Narben“ klingt ja beispielsweise vom Titel eher schon nach Schwermut. Die Nummer kommt aber fast leichtfüßig daher. Auch textlich werden zwar die bleibenden Narben besungen, aber gleichzeitig auch für die Zeit, die der andere investiert hat, gedankt. Das Positive sehen.

 

Der Auftakt mit „Der Sturm“ ist melancholisch, aber auch treibend. Die Melancholie holt einen sowieso sofort ab. „Immer Noch Da“ - übrigens der heimliche Titeltrack – zieht das Tempo noch ein bisschen an und lässt dann auch den Synthesizer von der Leine. Es bleibt aber eine Gitarrenhymne. „Erste Wahl“ ist bisweilen sogar tanzbar. Natürlich sind Gloria jetzt keine Band der guten Laune. Weitestgehend sind da schon sehr viele melancholische Zwischentöne dabei. „Süchtig“ wird nach hinten raus durch die Streicher sogar noch zum Trändendrüsendrücker.

 

Bei „Einer Von Den Anderen“ traut sich der gute Klaas auch mal seine Stimme ganz nach vorne zu stellen. Cooles Ding, auch aufgrund der vielseitigen und vielschichtigen Instrumentierung. „Hochhaus“ scheint auch eine Art Selbstreflexion zu sein. „Alles was gut war, war mir nie gut genug. Ich kann den ganzen Tag schon in der Nacht verfluchen.“ Die Nummer geht schnörkellos nach vorne und kann mit einer Hookline punkten, die einen so schnell nicht mehr loslässt. „Nie Mehr“ lässt auf leisen Sohlen durch die Hintertür sehr viele Soundspielereien herein, ist im Grunde aber klassisches Singer/Songwritertum. Das schwelgerische „Stille“ beendet „DA“ wieder nachdenklich und mit der großen Melancholiekeule.

 

Fazit: Auch das dritte Album von Gloria ist gut geworden. Das Duo hat den Sound und das musikalische Spektrum erweitert. Die Songs sind somit zum Teil opulenter ausgestattet und ausgearbeitet. Natürlich haben sich die beiden die melancholische Note erhalten, gleichwohl hin und wieder auch eine Leichtigkeit Einzug hält, für die Gloria bisher nicht unbedingt standen. Jetzt können Gloria schon auf einen beachtlichen Songfundus zurückgreifen.

 

http://gloriamusik.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Gloria: Geister

Gloria: Geister

Grönland/Rough Trade

VÖ: 07.08.2015

 

Werrtung: 10/12

Tipp!

 

Das Überraschungsmoment ist zwar weg, aber es immer noch außergewöhnlich, dass die Musik von Gloria so ganz anders klingt, als man es vermuten würde. Mit Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf hat sich ein ganz besonderes Duo gefunden. Im Falle von Tavassol hat das hier nur ganz wenig bis nichts mit seiner ehemaligen Band Wir Sind Helden zu tun. Im Falle von Klass Heufer-Umlauf kann man sogar sagen, dass das in einem ganz anderen Universum als sein sonstiges Schaffen stattfindet. Als im September 2013 das erste Album von Gloria erschien, dürfte einigen Zeitgenossen die Kinnlade auf den Tisch geklappt sein. Es war ein ganz großartiges, deutschsprachiges Werk. Jetzt weiß man, dass dies kein einmaliges Projekt war, denn mit „Geister“ folgt nun das Zweitlingswerk. Es ist abermals eine sehr gute Platte!

 

Über „Geister“ liegt wieder diese wunderbare Großstadtmelancholie. Es ist erneut ein nachdenkliches Werk. Freilich gibt es hier keinen erhobenen Zeigefinger, aber jede Menge Denkanstöße für all die gestressten Menschen. Liebe, Leid, Tragödien – das Leben eben. Natürlich ist nicht alles schlecht – im Gegenteil – aber manchmal läuft eben alles in die verkehrte Richtung. Es ist nicht immer leicht in diesem Hamsterrad. Man kann ja auch mal ausbrechen. Ausbrechen aus dem „Kreis“. Der Song ist nämlich auch musikalisch so aufgebaut. Auf die (zunächst) dezente Instrumentierung folgt dann die Opulenz. Ein bisschen Pathos, ein bisschen Bombast. Snow Patrol machen das in dieser Form auch ganz gerne. Ein schönes Stück unter vielen schönen. Musik die Gänsehaut verursacht.

 

„Der Pilot“ geht in eine ähnliche Richtung. Zunächst lauscht man ein paar sanften Pianoklängen, dann steigen die Streicher ein und ehe man sich versieht, öffnet sich der Song zum alles umspannenden Pop mit einigen schönen Indieklängen. Musik die zu schweben scheint. Die ganze Traurigkeit der Großstadt, die Einsamkeit, die Anonymität trifft einen zu Beginn des Albums mit der Melancholiekeule des Titeltracks „Geister“. Jeder zerrt an einem, jeder will was. „Neu Beginnen“ stellt die Frage, was man denn nehmen würde, wenn man tauschen könnte. Da kann sich ja jetzt jeder mal so seine Gedanken während des Refrains machen. „Würdest du tauschen?/Was würdest du nehmen?“

 

Es ist immer noch erstaunlich, wie gut sich die Stimme von Klaas Heufer-Umlauf in den Sound einfügt. Es passt einfach. Wenn im Hintergrund die Bläser bei „Schwaches Gift“ sanft jubilieren oder zum treibenden „Das, Was Passiert“ ein paar Indieklänge Einzug halten, dann ist seine raue, alles andere als perfekte Singstimme derart passend, dass man sich fragen muss, warum es Gloria nicht schon viel, viel länger gibt. Und dann scheuen die beiden auch nicht davor zurück eine Ballade wie „Heilige Und Hunde“ aufzunehmen. Auch diese Nummer erinnert vom Aufbau ein wenig an Snow Patrol. Es darf aber auch mitgewippt werden, zu „Ohne Träume“ beispielsweise. Das ist ja regelrecht funky. Zu „Haut“ möchte man am Ende der Nacht auf einem dieser Hochhäuser stehen, das letzte Bier trinken und die Hände in die Höhe reißen und der erwachenden Stadt zuschreien, dass das Leben einfach wunderbar ist. „Stolpersteine“ ist ein etwas seltsamer Albumausklang, aber Gloria sind eben anders.

 

Fazit: Das zweite Album von Gloria knüpft nahtlos an das erste an. „Geister“ ist aber kein Abklatsch, sondern völlig eigenständig. Das Duo stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass sie ihren Sound und ihre Art, wie man Geschichten erzählt, gefunden haben. Über allem schwingt und schwebt eine große Portion Melancholie. Musikalisch ist das klassisches Storytelling mit Pop- und Idieelementen. „Geister“ ist abermals ein sehr gutes Album!

 

http://gloriamusik.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Gloria: dito

Gloria: dito

Grönland/Rough Trade

VÖ: 27.09.2013

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Fangen wir mal mit den Dingen an, die sowieso auf der Hand liegen. Zunächst wäre da die Frage, wie denn Circus Halligalli und Wir Sind Helden zusammenpassen? Überhaupt nicht? Oder ist es doch wiederum so naheliegend, dass dies wie gemalt füreinander ist? Aber sind wir doch mal ehrlich, man würde doch im Leben nicht auf die Idee kommen, dass Klaas Heufer-Umlauf - dem man ständig dabei zuschauen kann wie er im Fernsehen seinen Kindergeburtstag feiert - und Mark Tavassol von Wir Sind Helden mal zusammen in einer Band spielen. Noch besser sogar, eine eigene Band gründen. Das Leben schreibt aber bekanntlich die besten Geschichten und somit gibt es mit Gloria eben genau jene Band, die es eigentlich nie geben dürfte?! Warum eigentlich nicht? Es gibt sie schließlich und wer sich das Debüt anhört, wird diese Fragen auch allesamt nicht mehr stellen.

 

Eigentlich haben die beiden Herren ja selbst nicht daran geglaubt, dass sie eines Tages zusammen eine Platte veröffentlichen. Man traf sich, trank ein Bier zusammen, war sich sympathisch und begann auf engstem Raum zu musizieren. Ein Hobby. Wie es jeder Mensch hat. Es entstanden daraus Songfragmente, ein paar Skizzen und jede Menge Kram. Aber hey, warum nicht ein Album aufnehmen? Warum nicht etwas wagen und aus dem Verborgenen an das Tageslicht treten und allen, die dazu bereit sind, Gloria präsentieren? Genau! Mark Tavassol produzierte die ganze Sause und eine Heimat war mit Grönland auch schnell gefunden. Das Leben schreibt, ach, das hatten wir ja schon.

 

„Gloria“ ist in jeglicher Hinsicht beachtlich. Man weiß nicht so genau was man aus der musikalischen Schnittmenge dieser beiden Herren erwartet hat, aber das war es bestimmt nicht. Ernst ist die Platte. Hätte man das Klaas Heufer-Umlauf zugetraut? Ist es nicht er, der diesem Joko Winterscheidt immer mit einem etwas traurigen Blick anguckt? Steht ihm nicht dieses „Junge, jetzt werde mal erwachsen“ auf der Stirn geschrieben, wenn er sein Gegenüber anguckt? Und Mark Tavassol? Gloria ist weit von Wir Sind Helden entfernt! Weiter noch als der 1.FC Köln vom Gewinn der Champions League? Dürfte Patt ausgehen. Insgesamt ein bisschen viele Fragezeichen, dabei ist die Antwort so einfach. "Gloria" – also die Platte – setzt musikalisch einfach mal ein dickes Ausrufezeichen. Dicker als dick!

 

Man kann dabei nicht mal erklären, warum das so ist. Machen wir uns nichts vor, Klaas Heufer-Umlauf ist sicher nicht der beste Sänger der Welt. Musikalisch passiert hier auch nichts, was man nicht so schon gehört hätte. Es muss die Chemie sein die stimmt. Besonders zwischen den beiden Herren. Atmosphärisch ist die Platte unglaublich dicht. Und dazu diese Melodien. Da können die Gitarren auch noch so dengeln oder im Hintergrund aufgerissen werden („Mein Tag“), das ist ganz großer Indiepop. Nicht spektakulär, aber nachvollziehbar und nachhaltig. Schon bei den ersten Tönen von „Warten“ wird man mitgenommen. Mitgenommen in die Welt von Gloria. Darüber breitet sich immer ein Stück Melancholie aus und ab und an werden dazu ein paar Indieklänge gereicht, wie es Pavement in den 90ern auch schon gemacht haben. Das spärlich instrumentierte „Gute Nacht, Bis Morgen“ erinnert in seiner Art an Grönemeyer – nur in gut. Oftmals liegt über dem Album eine textliche und musikalische Schwere, die durchaus begeistern kann, auch wenn sich das zunächst wie ein Widerspruch anhört. „Wie Sehr Wir Leuchten“ kommt da fast luftig um die Ecke und hat mit seiner Hibbeligkeit gar etwas Frohsinn im Gepäck. Würde Herr Poisel nicht immer so nuscheln, dann könnte er glatt so toll wie bei „Heute Du“ oder „Eigenes Berlin“ klingen. Töne für den Herbst. Decke bereit legen. Und Taschentücher. Spätestens wenn die Bläser jubilieren brechen alle Dämme.

 

Man denkt ja, dass jetzt auch mal eine Schwächephase kommen muss, aber weit gefehlt. Das tieftraurige „Regen“ holt einen ebenso ab, wie das schmissige „Endlich Kombinieren“. „Mein Tag“ ist nicht ganz so gut wie der Rest, aber selbst das Stück hat Potenzial und mit der Neil Young Gitarre im Hintergrund wird es auch nach hinten raus noch was. „Zu Vage“ schwingt sich gemächlich auf die Zielgerade, als toller Popsong. „Solange Du Mich Lässt“ legt dann am Ende auch noch einen Beat obendrauf. Hätte es doch nicht gebraucht Jungs!

 

Fazit: Gloria ist eine Band der ernsten und schönen Töne. Eine Band für Erwachsene, die den Indiepopschuhen aber noch nicht entwachsen sind. Es sind tolle, kleine Songs auf diesem Album. Würde es Gloria nicht geben, man müsste sie glatt erfinden. Man wusste bisher ja nicht, was man in der deutschen Musiklandschaft vermisst hat - jetzt ist man schlauer: Gloria! Das Leben schreibt aber auch...

 

http://gl.willemoen.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch