Get Well Soon: The Scarlet Beast O'Seven Heads

Get Well Soon: The Scarlet Beast O'Seven Heads

City Slang/Universal

VÖ: 24.08.2012

 

Wertung: 8,5/12

 

Was ist denn mit Kontantin Gropper los? Der geborene Wintermelancholiker veröffentlicht eine Platte zur Sommerzeit? Tanzt er jetzt mit Stock und Melone durch Berlin und lässt sich die Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen? Keine Sorge, Konstantin Gropper driftet jetzt nicht in den belanglosen Pop ab und Berlin war gestern, jetzt ist wieder die Einöde von Mannheim sein bevorzugter Ort für seine Kompositionen. Die pulsierende Metropole wäre für sein neues Epos vermutlich auch kontraproduktiv gewesen und so zog er die geerdete Stadt vor.

 

Ja, Konstantin Gropper ist wieder in die Rolle von Get Well Soon geschlüpft und das neuste Baby hört auf den mysteriösen Namen „The Scarlet Beast O´Seven Heads“. Eine Sommerplatte ist es nicht geworden. Eine bombastische Show allerdings schon. Selbst die ruhigen Momente von „Disney“ können darüber nicht hinwegtäuschen. „The Scarlet Beast O´Seven Heads“ ist alles: Kammerspiel, The Beach Boys, Oper, Rufus Wainwright, The Beatles, Musical, Dolce Vita, Filmscore, Pop, Pomp und groß in allen erdenklichen Schattierungen.

 

„A Gallows“ folgt gar herkömmlichen Songstrukturen. Na gut, nur fast. Ein Glöckchen hier, das große Orchester dort und trotzdem erinnert das mal wieder an die famosen The Divine Comedy. Aber auch die waren ja schon die etwas andere Britpopband. Konstantin Gropper kann gar nicht anders als in großen Dimensionen denken. Die Melancholie schwingt natürlich auch an jeder Ecke mit, das wird schon gleich zum Auftakt mit dem "Prologue" klar. „Oh My! Good Heart“ rollt auch düster auf den Zuhörer zu. In diesen Momenten scheint die Stimme mit der Musik zu verschwimmen und gleicht einem zarten Hauchen. Manchmal ist er aber auch ein kleiner Zyniker wie „The Last Day Of Rome“ ganz dick unterstreicht. Willkommen in der No-Future-Generation! „Let Me Check My Mayan Calendar“ nimmt die ganze Weltuntergangsstimmung geschickt auf´s Korn.

 

Auf diesem Get Well Soon Album gibt es nun auch die 80er Jahre zu hören. Gropper wäre aber nicht Gropper, wenn das bei ihm nicht zur ganz eigenen Show würde und er ein ganzes Jahrzehnt nicht neu definieren könnte. „The Kids Today“ lässt die Synthesizer fast ein bisschen monoton wirken, während der Unterbau die große Bombastkeule schwingt. Ist „Roland I Feel You“ nun E-, U- oder F-Musik? Von allem ein bisschen und doch auch wieder nicht. Get Well Soon ist eben ein Universum für sich. Allerdings fragt man sich auch manchmal, wie sich denn wohl ein gemeinsames Album von Gropper und Wainwright anhören würde. Die Zeit ist definitiv reif dafür!

 

Instrumentals gibt es übrigens auch, zwei nämlich, die zwischen Easy Listening und Ennio Morricone zu schwirren scheinen. Das ist ja sowieso oftmals der Fall auf einem Get Well Soon Album, so konsequent wie hier wurde es aber noch nie umgesetzt. Einfach ist das für den Zuhörer nicht und man muss sich immer ein bisschen in dieser scheinbar fremden Welt zurechtfinden!

 

Fazit: Der Titel des neuen Get Well Soon Albums „The Scarlet Beast O'Seven Heads“ ist genau so mysteriös wie die Songs selber. In der Welt von Konstantin Gropper scheint alles möglich zu sein. Wer sich abermals auf diese wahnwitzige Reise einlassen kann, wird musikalisch ganz neue Welten betreten. Nur wenige Künstler der Populärmusik sind zuvor durch diese Tore geschritten.

 

http://www.youwillgetwellsoon.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Get Well Soon: Vexations

Get Well Soon: Vexations

City Slang/Universal

VÖ: 22.01.2010

 

Wertung: 8/12

 

Da ist es also, das zweite Album vom deutschen Wunderkind Konstantin Gropper. Mit dem Titel muss er wohl leben, denn gerade die internationale Presse verneigte sich fast ehrfürchtig vor seinem Debütalbum „Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon“. Die Fangemeinde wuchs auch stetig an und auch die deutsche Presselandschaft zeigte sich außerordentlich erfreut darüber, dass man endlich wieder einen Künstler vorweisen konnte, der dieses Attribut auch wirklich verdient. Hocherfreut zeigten sich auch viele aufgrund der Tatsache, dass das Album in den heimischen vier Wänden entstanden ist und kein großes Studio und keine große Produktion vonnöten war. Jetzt ist alles anders.

 

In der Zwischenzeit nahm Konstantin Gropper auch Auftragsarbeiten an und setzte sich unter anderem mit Filmmusik auseinander. Eine Tour wollte selbstverständlich auch absolviert werden. Bevor er sich umsah, war er fast zu einer Art Hoffnungsträger zur Rettung der deutschen Musikerehre auserkoren worden. Eine schwere Last und eine schwere Bürde. Kann er dem überhaupt gerecht werden? Will er das überhaupt? Muss er das überhaupt? Hinzu kommt noch die Tatsache, dass er diesmal auch noch in einem Studio arbeiten konnte um seine musikalischen Visionen zu verfolgen. Man sieht sie natürlich schon wieder förmlich vor dem geistigen Auge, die ganzen Artikel, die jetzt alles bemängeln, was beim ersten Album noch gut und teuer war.

 

Konstantin Gropper gibt gerne zu, dass er diesmal vor der Veröffentlichung auch immens nervös ist. Auch erzählt er frei von der Leber weg, dass er sich im Vorfeld der Platte über die Erwartungshaltungen schon den Kopf zerbrochen hat. Da ist es also, das schwierige zweite Album. Klischees wollen ja bedient werden. Der Künstler bedient diese aber viel weniger denn wir von der schreibenden Zunft. Im Grunde war bei „Vexations“ gar nicht so viel anders wie beim vorherigen Werk. Zunächst hat er sich wieder in den heimischen vier Wänden vergraben und schon eine ganze Menge am Rechner ausformuliert. Letztendlich hat die Zeit im Studio dann nur noch zehn Tage in Anspruch genommen.

Nervös muss er überhaupt nicht sein, denn „Vexations“ ist ein gutes bis sehr gutes Album. Vergleiche mit dem ersten Album sparen wir uns schlicht und ergreifend an dieser Stelle, da das vorliegende Werk eigenständig betrachtet werden kann, gar muss und es müßig ist zu gucken, was nun anders, besser oder schlechter ist.

 

Viel konnte man im Vorfeld mal wieder über die Thematik des Albums lesen. Von Stoikern und Stoizismus ist da die Rede und von einem Konzeptalbum in diese Richtung. Konstantin Gropper bringt dahingehend ein wenig Licht ins Dunkel und sagt selber, dass dies mitnichten ein Album über diesen Themenschwerpunkt sei, sondern er sich viel mehr daran orientiert und in letzter Konsequenz auch ein bisschen daran lang gehangelt hat. Inhaltliche Interpretationen kann man sich im Grunde auch sparen, denn er hat schlicht und ergreifend über die Themen geschrieben, die ihn privat eben interessieren. Wäre dieses Hobby Volleyball, dann würden wir jetzt eben eine Scheibe über diese Sportart in den Händen halten. Das Leben kann manchmal doch so wunderbar einfach sein.

 

Musikalisch ist „Vexations“ wunderbar produziert, arrangiert und austariert. Die vierzehn Songs bilden stilistisch eine Einheit und das Albumkonzept geht hier voll und ganz auf. Dies ist keine schlichte Aneinanderreihung von Songs, sondern ein Songgebilde, welches wunderbar als Ganzes funktioniert. Klanglich senkt sich wieder eine ganze Wagenladung Schwermut auf den Hörer. Gropper schlägt hier die melancholischen und hymnenhaften Indie-Töne an. Musik als Konsumgut? Funktioniert bei „Vexations“ sicher nicht. Nein, dies ist musikalisch wieder höchst ambitioniert und ist schon eher als musikalischer Hochgenuss einzuordnen. Wie das mit wahren Genüssen manchmal so ist, erkennt man selbige nicht direkt. So dürfte es sich auch mit diesem Album verhalten. Wer sich selbigem nur flüchtig widmet, wird vermutlich schnell aufgeben. Die Songs wollen erarbeitet werden, wollen entdeckt werden und sind von einer morbiden Schönheit durchzogen. Bisweilen ist dies auch mal schwere Kost, die man nicht so leicht verdauen kann. Als Hörer sollte man schon gefestigt sein, denn die Grundstimmung ist düster, verzweifelt, melancholisch und nachdenklich. Chöre, Streicher und Bläser verdunkeln den Klang noch zusätzlich. Erhaben senken sich die Klänge auf den Hörer nieder.

 

Kritiker werden sicher bemängeln, dass dieses Album zu eintönig ist und die Stimmungskurve immer in eine Richtung ausschlägt. Stimmt! Ich für meinen Teil bewerte das aber äußerst positiv, denn dies ist der berühmte rote Faden und der Spannungsbogen wird wunderbar gehalten. Hin und wieder übertreibt es Gropper allerdings auch ein wenig und verzettelt sich ein bisschen, da wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

 

Es ist schwierig bei diesem Album einzelne Songs hervorzuheben, denn dann wird man den anderen nicht gerecht. Referenzen? Gibt es viele. „A Voice In The Louvre” oder „We Are Free” erinnern an Divine Comedy, „That Love“ an Nick Cave und Warren Ellis, „Aureate!“ an Radiohead und wieder andere an Scott Walker, Bight Eyes oder gar an die Beach Boys. Der vielleicht beste Song des Album „We Are Ghosts“ entpuppt sich als opulente Hymne, die das Gesamtwerk auf den Punkt bringt und für alles steht, was die Scheibe ausmacht. Insgesamt ist das Album um die eine oder andere Minute zu lang und ob es ein abdriften in Operettengefilde gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. In letzter Konsequenz ist dies aber ein fantastisches Album, für das man viel, viel Zeit benötigt um es komplett zu erfassen. Konstantin Gropper hat sich hin und wieder etwas verhoben, aber mit ein paar Schrammen kommen er und die Zuhörer davon und die Wunden sind aufgrund so viel anderer Schönheit schnell geleckt und getrocknet.

 

Fazit: Schön, schwierig, düster, dunkel, anspruchsvoll, künstlerisch besonders wertvoll, erhaben, hymnenhaft, toll arrangiert, zu lang, pathetisch, verschachtelt, fein austariert, anstrengend (Liste bitte selbstständig fortsetzen) – einfach Get Well Soon und das ist doch mal eine verdammt gute Nachricht!

 

http://www.youwillgetwellsoon.com



Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch