George Harrison: Dark Horse (Vinyl)

George Harrison: Dark Horse (Vinyl)

Apple/Universal

VÖ: 24.02.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

George Harrsion würde dieses Jahr zwar kein rundes Wiegenfest feiern, aber auch der 74. Geburtstag kann natürlich zum Anlass genommen werden ein Boxset zu veröffentlichen. „The Vinyl Collection“ enthält alle zwölf Studioalben mit den Original-Titellisten und exakten Kopien des Originalartworks. Zusätzlich gibt es noch das Livealbum „Live In Japan“ und zwei 12“-Picture Vinyl Singles obendrauf. Selbstverständlich sind alle Alben auf 180g-Vinyl gepresst worden. Die Platten wurden zudem von den Originalbändern neu gemastert. Für den Schnitt ging man in die Capitol Studios. Alle Alben werden übrigens auch einzeln erhältlich sein. Zur Besprechung aus der Box liegt nun „Dark Horse“ aus dem Jahre 1974 vor.

 

Zunächst sticht die überragende Haptik hervor. Das ist sehr wertig verarbeitet. Die dicke Hülle macht schon ordentlich was her. Optisch erzielt das Klappcover auch noch mal eine ganz andere Wirkung. Sowohl das eigentliche Covermotiv, wie auch das Bild der Rückseite mit George Harrison auf der Bank, kommen in diesem Großformat erst so richtig zur Geltung. Das Vinyl befindet sich zudem in einer gepolsterten Schutzhülle. Da man sich bei dieser Veröffentlichung aber an der ursprünglichen Version orientiert hat, liegt erfreulicherweise ein Replik der Schutzhülle bei, in der seinerzeit die LP aufbewahrt wurde. Dort sind dann auch die Informationen zu den jeweiligen Songs und den daran beteiligten Künstler enthalten. Ein Textblatt ist selbstverständlich obligatorisch.

 

Nimmt man das 180g-Vinyl genauer in Augenschein, dann lassen sich keine Wellen oder Verformungen erkennen. Das Teil liegt selbstredend gut in der Hand. Auch auf dem Teller bestätigt sich der gute Eindruck. Ob 140g oder 180g – es löst immer wieder Diskussionen aus. Oftmals wird an den Wiederveröffentlichung die Qualität bemängelt. An der vorliegenden Platte gibt es aber nichts auszusetzen. Die Nadel freut sich über die tiefe Rinne und das feine Teil dreht ganz ruhig seine Runden auf dem Teller. „Dark Horse“ zählt ja nicht gerade zu den ganz großen Favoriten und somit wurde das Album erst recht spät als CD-Remastering erneut veröffentlicht. Mangels Möglichkeiten ist ein Vergleich mit dieser Vinyl-Veröffentlichung hier nicht vorhanden. Trotzdem muss an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass der Klang schon sehr gut ist. Da wurde ganze Arbeit geleistet. Der Sound schält sich sehr warm und authentisch aus den Boxen und ist alles andere als dumpf.

 

„Dark Horse“ selber ist wesentlich besser wie sein Ruf. Die Songs des dritten Solo-Albums nach dem Ende der Beatles sind nicht so opulent ausgestattet und wesentlich spartanischer instrumentiert als auf den Vorgängern. Es war damals auch eine schwierige Zeit für Harrison, denn die Aufnahmen fielen auch in die Trennungsphase von seiner Ehefrau. Abgesehen davon plagte er sich mit einer Kehlkopfentzündung herum, die sicher nicht dafür sorgte, dass er gesanglich voll auf der Höhe war. „Dark Horse“ kriegt so aber auch eine ganz besondere Note verliehen. Die Melodien sind bluesig bis jazzig. Harrsion kann hier nicht als Sänger, aber als Gitarrist brillieren. Das traurig „Simply Shady“ bringt den ganzen Trennungsschmerz von Harrison zum Vorschein. Die angeschlagene Stimme passt perfekt dazu. „So Sad“ geht in eine ähnliche Richtung und ist kompositorisch erstklassig. „Bye Bye, Love“ greift das Thema natürlich auch erneut auf. Allerdings kann die Coverversion des Everly Brothers Hits nur leidlich überzeugen. Im Grunde ist das die Nummer, auf die man am ehesten verzichten könnte. Das bluesige „Maya Love“ entschädigt dafür umso mehr. „Ding Dong, Ding Dong“ ist eher etwas für die Weihnachtszeit, während der Titeltrack „Dark Horse“ ein weiterer, großer Ohrwurm von Harrsion ist. „Far East Man“ schrieb er zusammen mit Ron Wood, der die Nummer seinerseits wiederum schon veröffentlicht hatte. „It Is 'He' (Jai Sri Krishna)“ nervt zum Schluss wieder mit einem seiner Lieblingsthemen, welches sich ansonsten auf diesem Album glücklicherweise nicht wiederfindet.

 

Fazit: Wer nicht direkt die komplette „The Vinyl Collection“ von George Harrison erwerben möchte oder wem das nötige Kleingeld dazu fehlt – das Ding ist nämlich schweineteuer – kann sich ausgesuchte Platten daraus auch einzeln kaufen. „Dark Horse“ ist eine davon. Die überragende Haptik und das sehr gute Remastering sind sicherlich schon Kaufanreiz genug. Das Songwriting zeigt Harrison aber auch auf einem Höhepunkt seiner Karriere und die angeschlagene Stimme sorgt für die besondere Note. Das wurde stets an diesem Album kritisiert, ist letztlich aber sicher nicht so gewichtend, dass man „Dark Horse“ als Totalausfall bezeichnen muss. Diese Veröffentlichung als 180g-Vinyl kann jedenfalls vollends überzeugen!

 

http://www.georgeharrison.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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