George Ezra: Wanted On Voyage (Deluxe Edition)

George Ezra: Wanted On Voyage (Deluxe Edition)

Sony

VÖ: 27.06.2014

 

Wertung: 9/12

 

Der Name George Ezra mag einem noch nicht so geläufig sein und doch kann man davon ausgehen, dass so ziemlich jeder Radiohörer den jungen Singer/Songwriter und seine Musik schon sehr deutlich wahrgenommen hat. Sein Song „Budapest“ wird ja seit Wochen im Radio hoch- und runtergespielt. Jetzt steht nach zwei EPs sein Debütalbum in den Startlöchern und aufgrund besagter Single hat man schon ein recht ungutes Gefühl in der Magengegend. Bitte nicht noch so einen James Blunt-Verschnitt und Jammerlappen. Die gute Nachricht: „Budapest“ ist der schlimmste und nervigste Song der gesamten Platte! „Wanted On Voyage“ ist tatsächlich eine dicke Überraschung und jetzt weiß man auch, warum dieses junge Talent in der BBC-Prognose „Sound Of 2014“ auf dem fünften Platz landete.

 

Die Stimme von Ezra lässt einen ein bisschen ungläubig zurück. Man kann es kaum glauben, dass diese dunkle und bluesige Klangfarbe zu einem Mann mit Geburtsjahr 1993 gehört! Das optische Erscheinungsbild will auch nicht so recht dazu passen. „Wanted On Voyage“ ist in dieser Hinsicht eine faustdicke Überraschung und auch hier muss man glücklicherweise feststellen, dass „Budapest“ da kein Gradmesser ist! Städtenamen in Songtiteln allerdings schon. Da hätten wir dann noch „Barcelone“ und „Blind Man In Amsterdam“ und von Australien ist im weiteren Albumverlauf auch noch die Rede. Der Mann aus Bristol, der in Hertford aufwuchs, reist eben gerne und tourt dementsprechend auch kreuz und quer durch die Weltgeschichte.

 

Musikalisch ist „Wanted On Voyage“ gar nicht so einfach zu kategorisieren. Hitqualitäten hat so ziemlich jeder Song – allerdings nicht auf diese unangenehme und beliebige Art und Weise des Wegwerfpops dieser Tage. Die Songs von George Ezra gehen wesentlich tiefer. „It´s Just My Skin“ - einer der Bonustracks der Deluxe Edition – ist tief im Blues verankert und berührt einen mit seinem minimalistischen aber sehr nachhaltigen Vortrag ganz tief im Inneren. Das forsche „Da Vinci Riot Police“ ist da schon luftiger und vollends im Popfach zu finden. „Wanted On Voyage“ ist aber auch Folk – man höre dazu bitte das hinreißende und ganz und gar großartige „Blind Man in Amsterdam“ - Country, Americana, Indierock und Pop. „Blame It On Me“ - der einzige Song mit Cello – legt auf der akustischen Gitarre los wie einst Bob Dylan. Dazu wird diese dunkle Stimme gereicht, dass einem Hören und Sehen vergeht. Guter Auftakt. „Cassy O´“ knüpft nahtlos daran an und schon jetzt dürfte klar sein, dass der Mann seine musikalischen Wurzeln eher auf amerikanischem Boden hat.

 

Die feinsinnige Ballade „Barcelona“ schafft zwischen Melancholie und feinstem akustischem Klanggewand und einem bezauberndem Arrangement, genau den richtigen Ton. Und wem das beschwingte „Listen To The Man“ etwas zu seicht ist, kriegt mit „Did You Hear The Rain?“ ein Klagelied aus den tiefsten Sümpfen geboten. Da kann man schon mal einen Kloß im Hals haben. Die Stimme von George Ezra ist ein Pfund, mit dem nicht viele wuchern können. Er trägt diesen Song knapp anderthalb Minuten zwischen Blues und Gospel ganz alleine, erst dann setzt die Musik ein und entwickelt sich in die Indie-Richtung. Der beste Moment der ganze Platten. „Stand By Your Gun“ ist die leichte Sommerpopnummer für zwischendurch – und dies ist bitte als Kompliment zu verstehen. „Spectacular Rival“ ist zwischen Western, Tarantino und Nick Cave in seiner Brillanz ein unfassbar guter Albumabschluss. Man sollte allerdings zur Deluxe Edition greifen, da die besagten Bonussongs keine Spur schlechter sind und einen echten Mehrwert darstellen.

 

Fazit: „Wanted On Voyage“ von George Ezra ist ein tolles Album. Wer von „Budapest“ genervt ist, sollte sich aber nicht täuschen lassen und dieses vielseitige und toll arrangierte Werk zwischen Folk, Country, Blues, Gospel, Indie und Pop auf jeden Fall mal antesten. Wer die Single mag wird schnell merken, dass dieses Werk wesentlich mehr zu bieten hat. Der junge Künstler ist zudem mit einer Stimme gesegnet, um die ihn seine Kollegen beneiden werden. Mit 21 Jahren stehen für den Mann ab jetzt alle Türen der Musikwelt offen.

 

http://www.georgeezra.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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