Gentleman: MTV Unplugged

Gentleman: MTV Unplugged

Universal

VÖ: 07.11.2014

 

Wertung: 8/12

 

Wie? Es hat tatsächlich noch kein Reggae-Künstler in der MTV Unplugged-Reihe ein komplettes Konzert gespielt? Die gesamten 25 Jahre hat man das unberücksichtigt gelassen? Das ist ja fast schon ein unhaltbarer Zustand. Dies wurde nun endlich geändert und ein Kölner durfte dieses Genre in dieser Reihe präsentieren. Mit Gentleman hat man genau den Richtigen dafür gefunden. Sechs Studioalbum und eine 20-jährige Bühnenerfahrung sind Argumente genug. Gentleman könnte „MTV Unplugged“ würdig gestalten - dies war im Vorfeld schon klar. Dafür liegt dem Mann das Reggae-Umfeld auch viel zu sehr am Herzen und seine extrem große Liebe zu dieser Musik ist ja hinlänglich bekannt. Gentleman ist ja sowieso tief verwurzelt mit der Kultur Jamaikas, nicht zuletzt durch seine vielen Besuch der Karibikinsel.

 

Hat man sein Herz einmal an Köln verloren, dann wird einen diese Stadt aber auch nie mehr loslassen. So ist es auch im Falle von Gentleman und was lag da also näher, als genau dort aufzutreten? Eben! Für die vorliegenden Aufnahme stand ein Heimspiel im Stadtgarten in Köln auf dem Plan. Und der Plan ging auf! Durch die Unterstützung seiner achtköpfigen Band The Evolution, weiteren hochkarätigen Musikern aus Deutschland und Jamaika, seinen eingeladenen Gästen und dem Publikum entstand etwas Magisches, soviel verrät die vorliegenden Einzel-CD jedenfalls schon. Man sollte vermutlich aber gleich zur Doppel-CD greifen. Am 5. Dezember gibt es dann auch die visuelle Umsetzung zu sehen. Schade, dass man nicht direkt alle Format komplett veröffentlicht, so kriegt das eine leicht unschöne Note, denn die Fans wollen sicher direkt wissen wie sich Gentleman unplugged schlägt und werden somit – mehr oder weniger – gleich mehrfach zur Kasse gebeten, nicht schön.

 

Roots-Reggae, Dancehall und Pop sind die drei Säulen, auf denen der Sänger mit der markanten Stimme seine Songs aufbaut. Das Ergebnis ist auch in diesem Format extrem aufregend – oder besonders in diesem Format. Die ganzen unnötigen Klimmzüge für die Charts fallen so nämlich weg und „Superior“ entfaltet dann gleich noch mal eine ganz andere Wirkung. Das traurige „Tranquility“ trifft einen direkt im Herzen und „It No Pretty“ hat jetzt eine Dringlichkeit, die dem Track bisher vollkommen abging.

 

„Warn Dem“ mit Shaggy(!) ist ein richtiger Partykracher. Die beiden Herren harmonieren vorzüglich und die Nummer hat richtig Pfeffer im Hintern. Mit Ky-Mani Marley singt er „No Solidarity“, ein Song, der durch den Steichereinsatz leider etwas zu kitschig wird, aber aufgrund dieser Konstellation ja schon ganz groß ist. Zusammen mit Marlon Roudette wagt sich Gentleman dann an „Big City Life“. Der Song wäre allerdings verzichtbar gewesen, zu keiner Zeit schaffen es die Protagonisten da eine magische Verbindung herzustellen und das Stück wirkt sogar regelrecht langweilig und uninspiriert. „Dem Gone“ kommt dafür richtig gut und ist ein dankbarer Song für das Publikum – ein Selbstläufer. „Leave Us Alone“ sorgt auch für ordentlich Betrieb. Ganz zum Schluss gibt es noch „Redemption Song“ mit KY-Mani Marley und Campino(!) zu hören. Funktioniert leider nicht und der Sänger der Toten Hosen ist für diese Art von Songs einfach eine Fehlbesetzung. Die Nummer hat in dieser Form einfach keine Seele.

 

Fazit: Gentleman und „MTV Unplugged“ passen zzusammen wie die Faust aufs Auge und wie Arsch auf Eimer. Seine Reggae-Songs und Interpretationen sind wie geschaffen für dieses Format. Ein paar Dinge funktionieren nicht immer, dafür ist das Herz aber immer am richtigen Fleck und oftmals kommt eben auch etwas Magisches dabei heraus. Die Einzel-CD gewährt im Grunde nur einen Überblick. Man darf auf die Blu-ray gespannt sein!

 

http://mtv-unplugged.gentleman-music.com/de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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