Genesis: R-Kive (3-CD Best Of)

Genesis: R-Kive (3-CD Best Of)

Virgin/Universal

VÖ: 03.10.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Herzlich Willkommen in der Weihnachtszeit. Das Musikgeschäft hat seine Motoren wieder angeworfen und ab jetzt darf man wieder jede Menge sinnvolle oder sinnlose Zusammenstellungen nach Hause tragen. Wer garnicht weiß, was er denn den Lieben schenken soll, legt ein solches Ding unter die Tanne. Die vermutlich seltsamste Veröffentlichung dieser Sorte gibt es nun von Genesis. Es ist nicht die erste ihrer Art, aber was man hier nach 42. Schaffensjahren zusammengetragen hat lässt einen schon etwas ratlos zurück. Keine Sorge, „R-Kive“ hat natürlich alles zu bieten, was der geneigte Mainstreamhörer braucht – aber eben auch noch einiges mehr.

 

Immerhin scheinen alle wichtigen (Ex-)Bandmitglieder mit diesem Werk einverstanden zu sein, denn anders kann man das recht aktuelle Bild von Collins, Banks, Hackett, Gabriel und Rutherford im Innenteil nicht deuten. Da stehen die älteren Herren alle noch mal zusammen und freuen sich gemeinsam über das Erreichte. Fans wird es freuen, zumal die 5er-Konstellation ja fast noch mal gemeinsam auf Tour gegangen wäre, dies aber aufgrund der Verpflichtungen von Gabriel scheiterte und es somit auf Banks/Collins/Rutherford hinauslief.

 

Man muss an dieser Stelle sowieso mal die Aufmachung lobend erwähnen. Im ausklappbaren und stabilen Digipack werden die drei CDs sicher aufbewahrt. Meist glänzen derartige Veröffentlichungen ja durch ein eher liebloses Booklet, welches schnell zusammengeschustert wurde. Dies ist hier nicht der Fall. Zu Beginn gibt es ausführliche Liner Notes von Craig McLean. Daran schließen sich die Cover der einzelnen Alben an. Da kommt schon einiges zusammen. Leider hat man es versäumt noch einige Informationen zu den Genesis-Songs aufzulisten, die gibt es allerdings über die Solo-Sachen!

 

Und damit ist man dann auch schon bei dem entscheidenden Punkt, der „R-Kive“ zu einer obskuren Zusammenstellung werden lässt: zwischen den Genesis-Tracks finden sich nämlich auch einige ausgewählte Solosongs aller fünf Bandmitglieder wieder. Und dann ist man auch noch hingegangen und hat die ganze Geschichte chronologisch angeordnet. Was sich komisch liest, ist es in letzter Konsequenz dann auch.

 

Die erste CD ist dann noch am ehesten als stringent zu bezeichnen. Auch, wenn die einzelnen Tracks aus dem Albumkontext gerissen wurden, lässt sich in dieser Frühphase immerhin noch ein roter Faden verfolgen. Es wurde da – wie bei allen Songs – auf die remasterten Versionen aus der zweiten Hälfte der 00er Jahre zurückgegriffen. Ein Überarbeitung war das auch nicht erforderlich, da der Sound schon sehr gut ist. Die Progphase der Band erlebt dann hier ihren Höhepunkt mit der zehn Minuten Version von „The Musical Box“ und dem Monster „The Cinema Show“, welches sich über 23 Minuten streckt. Hört man sich diese Songs an und dann den 80er Kram, kann man fast nicht glauben, dass man es mit ein und derselben Band zu tun hat. Das Meisterwerk „The Lamb Lies Down On Broadway“ wird immerhin mit drei Songs gewürdigt. Und dann folgt als Abschluss der ersten CD „Ace Of Wands“ von Steve Hackett. Kann man machen.

 

Und dann geht es los. Auf „Ripples“ und „Afterglow“ folgt das luftige „Solsbury Hill“ von Peter Gabriel. Dazwischen gibt es das schwülstige „For A While“ von Tony Banks, gefolgt von „Every Day“ des Herrn Hackett. Das großartige „Biko“ von Gabriel darf natürlich auch nicht fehlen. So geht es dann munter weiter. „In The Air Tonight“ und „Silent Running“ von Mike + The Mechanics passen so überhaupt nicht zu „Mama“, dem einzigen Track, auf dem Phil Collins mal richtig keift. Die dritte CD ist dann tatsächlich die Hitsammlung. „Inivisible Touch“, „Land Of Confusion“ und das unvermeidliche „Tonight Tonight Tonight“ werden durch den Schmalz von „The Living Years“ oder „Over My Shoulder“ - zwei große Hits von Rutherford und seinen Mechanikern – unterstützt. Dazu wird ein bisschen Gabriel gereicht, allerdings „Signal To Noise“ aus dem Jahre 2002 und auch Hackett und Banks kommen mit jüngeren Werken noch mal zu ganz neuen Ehren. Gerade im Hinblick auf Peter Gabriel macht das überhaupt keinen Sinn, der Mann hat derart viele große Songs geschrieben und aufgenommen, dass das hier nicht mal als Stückwerk durchgeht.

 

Fazit: Für knapp 20 Euro kann man jetzt von Genesis eine Art „Best Of“ kaufen, die optisch vergleichbare Produkte um Längen schlägt. Dazu werden noch einige ausgesuchte Solo-Sachen der fünf Hauptakteure von Genesis gereicht. Macht das Sinn? Fragen wir mal besser nicht. Da die ganze Geschichte auch noch chronologisch angeordnet wurde, ist das manchmal schon alles sehr merkwürdig, weil es nicht so richtig zusammenpasst. Wer aber schon immer mal was Genesis im Schrank stehen haben wollte und sich nicht zwischen den einzelnen Alben entscheiden konnte, kriegt mit „R-Kive“ die passende Compilation geliefert. Es ist natürlich nicht die erste ihrer Art, aber immerhin wird hier die komplette Karriere von Genesis – und noch ein bisschen mehr – auf den drei CDs abgefrühstückt.

 

http://www.genesis-music.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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