Gary Moore: Blues And Beyond

Gary Moore: Blues And Beyond (2 CDs)

BMG

VÖ: 24.11.2017

 

Wertung: 9/12

 

Mit „Blues And Beyond“ wird von Gary Moore nun eine höchst beachtliche Zusammenstellung herausgegeben. Dies ist natürlich eine Art „Best Of“, aber eben mit einer klaren Ausrichtung. Hier wird ein ganz bestimmtes Genre bedient und eben nicht die bekannten Hits verbraten. Es geht um die Musik, die dem Meister ab den 90ern komplett am Herzen lag und das war eben der Blues. Intensiv und mit sehr viel Herz hat er diese Musik gespielt. „Blues And Beyond“ wird als Doppel-CD, als 4 LP-Kollektion und als 4 CD-Box-Set erscheinen. Die Box enthält dann noch zwei weitere CDs mit digital aufbereiteten Konzertmitschnitten - inklusive zweier bis dato unbekannter Songversionen.

 

Das Set startet mit dem energischen „Enough Of The Blues“ fulminant. Auch, wenn Gary Moore in erster Linie als Gitarrist in die Musikbücher eingegangen ist, muss man hier auch mal seinen rauen und kratzigen Gesang erwähnen, der dieses Stück alleine trägt. Natürlich ist auch das Gitarrenspiel wieder formidabel, aber das ist bei Moore ja schon eine Selbstverständlichkeit. Die Nummer zählt zudem zu den schnelleren und härteren Blues-Songs von Moore. „Tell Me Woman“ ist langsamer, aber auch hier heult die Elektrische als würde der Teufel höchstpersönlich die sechs Saiten bearbeiten.

 

„Stormy Monday“ von 2001 ist dann Blues in seiner eher ursprünglichen Form. Langsam stampft sich Moore und seine Band durch fast sieben Minuten. Was der Meister da an der Gitarre macht, kann man nicht lernen, das hat man im Blut und geschieht intuitiv. Das ist auch keine Angeberei von Moore, denn das hat Herz und Seele. „That´s Why I Play The Blues“ lebt abermals von der Stimme. Der Gesang, aber auch die Langsamkeit der Musik erinnern an Eric Clapton. Der Titel „Power Of The Blues“ ist natürlich auch gleichzeitig Programm. Kraftvoll wird da gerockt, das Tempo variiert, ein Solo der alten Schule vom Stapel gelassen, aber auch rhythmisch ganz klassisch agiert. Klassisch ist auch das Stichwort für „Ball And Chain“. Hier arbeiten sich die Musiker an sämtlichen Stilen des Blues ab – über 12 Minuten. An dem Stück lässt sich auch sehr gut ablesen, dass Hardrock und Heavy Metal mitunter auf dem Fundament des Blues aufgebaut worden sind. Ein Manifest. Schon alleine dafür lohnt sich der Kauf dieses Sets, sofern man das Stück noch nicht im Schrank stehen hat. Und natürlich sind Referenzen an Hendrix deutlich hörbar. Dies darf man aber durchaus als Hommage verstehen.

 

„Looking Back“ ist Standard-Repertoire. Die schöne Ballade „Surrender“ wird von einem sehr schönen und filigranen Gitarrenspiel getragen. Augen schließen und für mehr als neun Minuten mit Moore in eine andere Zeitzone entschweben! Zum Träumen schön! „Cold Black Night“ und „There´s A Hole“ holen den Rock in den Blues und „Getaway Blues“ ist ein Brett, welches auch zum Hardrock eine Brücke schlägt. Auch das ist die alte Hendrix-Schule. „We Want Love“ holt den Gospel noch dazu, während „Memory Plain“ relativ unspektakulär ist. Das träumerische „The Prophet“ ist zum Abschluss der ersten CD allerdings ein Gedicht!

 

Die zweite CD startet mit „You Upset Me Baby“ inklusive einer Bläsersektion. Moore bemüht sich redlich und man hört deutlich, dass ihm das Stück sehr am Herzen liegt, allerdings spielt King das im Original mit mehr Leichtigkeit. „Bring My Baby Back“ aus den 90ern ist derart vielfältig, dass einem die Kinnlade auf den Tisch knallt. Da ist ja alles drin: von Australien bis hin zu den tiefsten Sümpfen in den USA, von Country bis zum Blues hat Moore eine Bogen gesponnen. „I Can´t Quit You Baby“ wurde ja schon zigfach gecovert – die Version von Moore gehört zu den Besseren, weil sie etwas härter gespielt wird. „World Of Confusion“ ist zwar nett, aber da hat sich Moore abermals bei Hendrix bedient und bei der Nummer ist das schon keine Hommage mehr.

 

Die wunderschöne Ballade „Picture Of The Moon“ und der klassische Blues von „Can´t Find My Baby“ überzeugen da wesentlich mehr. „Drowning In Tears“ sorgt für eine dicke Gänsehaut und kann sogar zu Tränen rühren. „Evil“ von Willie Dixon wird schön dreckig gespielt, dagegen kann „My Baby (She´s So Good To Me)“ nur verlieren. „Ain´t Got You“ wurde ja auch schon von vielen Künstlern gecovert, Moore macht das ordentlich, aber es haut einen jetzt auch nicht aus den Latschen. Die Ballade „Just Can´t Let You Go“ von Moore holte einen da schon mehr ab. Das gilt auch für „Torn Inside“, jener Nummer, die auf das unspektakuläre „How Many Lies“ folgt. Mit „Parisienne Walkways“ gibt es zum Schluss einen epischen Live-Track, der sich über neun Minuten ausbreitet. Da darf man sich noch mal auf eine Gänsehaut einstellen!

 

Fazit: „Blues And Beyond“ von Gary Moore ist eine feine Zusammenstellung für alle jene, die den herausragenden Gitarristen für seine Blues-Phase lieben. Auf zwei CDs verteilen sich seine eigenen Songs, aber auch einige Coverversionen. Das ist ehrliche und berührende Musik, die Moore mit sehr viel Seele und Herzblut füllt. Auf die Gesamtlänge gesehen, ist das Niveau extrem hoch - ein bis zwei eher langweilige Tracks mal ausgenommen. Wer das auch noch live hören möchte, greift bitte zur Box mit 4 CDs! Lediglich das Booklet ist mau, da hätte man sich ruhig etwas mehr Mühe geben dürfen!

 

http://www.gary-moore.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Gary Moore: Live At Bush Hall 2007

Gary Moore: Live At Bush Hall 2007

Eaglerock/Universal

VÖ: 19.09.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Gary Moore gilt bei den einen als einer der besten Gitarristen seiner Generation, während wiederum andere ihm jegliches Gefühl absprechen und ihn eher in der Ecke der Sportgitarristen sehen, die zwar flink mit den den Fingern sind, die aber bei ihrem Spiel die Seele vermissen lassen. Man kann es drehen und wenden wie mal will, Gary Moore hat definitiv seine Spuren hinterlassen und sein Name wird auf ewig in den Musikgeschichtsbüchern stehen. 2011 verstarb der Mann im Schlaf an einem Herzinfarkt. Gary Moore wurde nur 58 Jahre alt. Jetzt gibt es noch mal ein Livevermächtnis mit „Live At Bush Hall 2007“.

 

Eigentlich wollte Moore noch eine Bluesplatte aufnehmen, damit er seinen Verpflichtungen mit Eaglerock nachkommen konnte und dann wollte er eine gänzlich neue Richtung einschlagen. Es kam nicht mehr dazu. „Live At Bush Hall 2007“ ist jetzt auch nicht gänzlich unveröffentlicht, denn ursprünglich wurde dies über Planet Radio Rock ausgestrahlt. Jetzt werden diese Aufnahmen erstmals auch offiziell auf einem Tonträger veröffentlicht. Die Hardcore-Fans haben das Teil natürlich längst als Bootleg im Schrank stehen, aber die Geschichte hier ist dann doch noch mal etwas anderes.

 

Das Booklet selbst hat keine Fotos zu bieten, dafür gibt es ein paar Liner-Notes von Liz Barnes. Informationen zu den Songs sucht man leider auch vergeblich, lediglich die Trackliste ist abgebildet. Immerhin kann man da nachlesen, aus welcher Feder der jeweilige Song stammt. Insgesamt ist das aber etwas dürftig, da hätte diese Veröffentlichung schon etwas mehr Liebe zum Detail verdient gehabt. So hat das den Anschein, als hätte man mal eben ohne viel Mühe die Radioshow auf CD gebrannt.

 

Musikalisch ist dies das volle Bluesbrett. Die Sause startet mit „If The Devil Made Whiskey“ und ist mit „Hard Times“ noch lange nicht beendet. Gerade das letztgenannte Stück lässt in dieser Liveversion deutlich erkennen, dass Moore eine Hardrockvergangenheit hat. Auch „Eyesight To The Blind“ lässt in dieser Hinsicht keine Fragen offen und gerade das aggressive Solo sorgt da für ordentlich Schmiss. „Gary´s Blues“ ist technisch einwandfrei, aber dies dürfte Wasser auf die Mühlen der Kritiker sein. Gary Moore spielt eben ganz anders wie seine großen Vorbilder. Und wenn man da heute einen der jungen Wilden als Vergleich heranzieht, wie beispielsweise Gary Clarke Jr, dann sind die Unterschiede schon sehr offensichtlich: Moore spielte härter, während eine Vielzahl seiner Kollegen - die den Blues mit der Muttermilch aufgesogen haben - da eine ganze Menge Gefühl in ihr Spiel hineinlegen.

 

Natürlich gibt es auch den alten Gassenhauer „Still Got The Blues“ in einer epsichen Version, die fast die sieben Minuten erreicht, auf die Ohren. Mit diesem Klassiker hat sich Gary Moore auf ewig in die Geschichtsbücher eingetragen. Am Sound gibt es übrigens – wie bei allen Songs – nichts auszusetzen. Mit „The Blues Is Alright“ von Milton Campbell Jr. groovt sich Moore an die zehn Minuten Marke heran. Das ruhige „Sundown“ beendet das Set dann vorzüglich.

 

Fazit: „Live At Bush Hall 2007“ von Gary Moore ist ein nettes Live-Dokument seiner Blues-Phase. Seine Hardrockwurzeln kommen dabei immer wieder zum Vorschein. Für Fans ist das sowieso ein Pflichtkauf, aber auch alle, die auf gut abgehangene Livemusik stehen, sollten die Scheibe mal antesten. Bei der Aufmachung hätte man sich etwas mehr Mühe geben können, denn diese ist doch sehr dürftig.

 

http://www.gary-moore.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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