Franz Ferdinand: Always Ascending

Franz Ferdinand: Always Ascending

Domino Records/Goodtogo

VÖ: 09.02.2018

 

Wertung: 6/12

 

Franz Ferdinand standen nach dem Ausstieg von Nicholas McCarthy am Scheideweg. Weitermachen? Aufhören? McCarthy war für Franz Ferdinand eine treibende Kraft und für viele Dinge, die den Sound betreffen, verantwortlich. Das haben wohl auch Alex Kapranos, Paul Thomson und Robert Hardy gemerkt und den Posten gleich mit zwei neue Leuten besetzt. Dino Bardot spielt nun die Gitarre und Julian Corrie die Keyboards. Mittlerweile hat das letzte Studioalbum ja auch schon fünf Jahre auf dem Buckel. Dazwischen gab es zwar noch das Album von FFS, aber das ist ja nun auch – mehr oder weniger – in Vergessenheit geraten. „Always Ascending“ wurde übrigens in den Londoner RAK Studios mit Produzent Philippe Zdar aufgenommen.

 

Alex Kapranos weiß im Vorfeld dieser Veröffentlichung zu berichten, dass Franz Ferdinand nun eine neue Band, einen neuen Sound und ein neues Universum gestartet hätten. Aha. Ziemlich nichtssagend und kryptisch. Vielleicht gibt es aber auch gar nicht viel über „Always Ascending“ zu berichten. Das Album ist letztlich, wenn man mal bedenkt, dass die Band einst die Sperrspitze einer Bewegung war, eine große Enttäuschung. Hängen bleibt davon recht wenig. Es packt einen nicht und die Songs reißen einen kaum mit. Man erkennt schon noch, dass es sich hier um Franz Ferdinand handelt, aber es klingt alles ziemlich uninspiriert.

 

„Lois Lane“ geht im Keyboard-Sumpf vollkommen unter. Wo früher noch die Gitarre die Szenerie durchschnitt, passiert nun rein gar nichts mehr. Der Refrain ist müde. Da nützt es auch nicht mehr viel, dass hinten raus noch eine kleine Variation kommt. Das Dilemma zeigt sich aber schon beim Opener und Titeltrack „Always Ascending“. Das fängt noch recht interessant an. Ein schönes Klavierthema und ein paar sphärische Spielereien läuten den Track ein - so wie man es vielleicht von Bowie kennt. Dann kommt ein Stampfbeat und soll den typischen Franz Ferdinand-Sound mit anderen Mitteln wiedergeben. Warum? Das hört sich ja an, als hätte David Guetta einen Remix angefertigt. Immerhin ist der Song tanzbar. Das ist aber auch schon alles.

 

„Lazy Boy“ kann immerhin mit einigen der interessanteren Ansätze punkten. Der Bass treibt und auch die Keyboardfarbtupfer passen da ganz schön. Die Gitarre übernimmt zeitweise auch sehr schön die Führung der Nummer. „Paper Cages“ rauscht an einem vorbei, bevor „Finally“ mit Kirmeskeyboard nervt. „The Academy Award“ ist eine Ballade mit Musicalzügen. „Huck And Jim“ hat allerdings sehr viel zu bieten. Die Experimente der gesamten Platte wurden alle hier verbraten. Macht Spaß, denn es gibt sehr viel zu entdecken. „Glimpes Of Love“ hört sich wie der klägliche Versuch an, noch mal an alte Zeiten anzuknüpfen. Die Magie, die einst von der Musik der Band ausging, ist hier aber völlig verflogen. „Feel The Love Go“ versucht abermals einen auf Bowie zu machen, scheitert aber auf ganzer Linie, weil der Meister nie im Leben diesen Stampfbeat verwendet hätte. Mit „Slow Don´t Kill Me Slow“ dengelt das Album dann seinem Ende entgegen.

 

Fazit: Das neue Album von Franz Ferdinand - „Always Ascending“ - ist leider recht langweilig und belanglos. Ein paar Anleihen bei Bowie, ein paar Bollerbeats und ziemlich viel Keyboard und recht wenig Gitarre zeigen, dass der Einfluss von McCarthy für die bisherigen Werke nicht zu unterschätzen war. Das Album hätte mit ihm sicher einen anderen Anstrich erhalten. Es ist zwar schön, dass Franz Ferdinand weitermachen und neue Wege gehen wollen, aber leider ist dabei ein ziemlich egales Album herausgekommen.

 

http://franzferdinand.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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