Frank Ocean: Channel Orange

Frank Ocean: Channel Orange

Universal

VÖ: 20.07.2012

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

Mit „Channel Orange“ veröffentlicht Frank Ocean nun sein Debütalbum. Heiß ersehnt wurde diese Platte. Genaugenommen ist das ja nicht sein erstes musikalisches Lebenszeichen und Frank Ocean ist nun beileibe kein unbeschriebenes Blatt mehr. Als Ghostwriter hat er sich schon einen guten Namen gemacht und mit seinen Zusammenarbeiten für Beyoncé, Kanye West und Jay-Z ist er sowieso längst etabliert. Und dann wäre da ja noch sein Coming-Out, welches im Hip Hop Genre wie eine Bombe einschlug. Gerade für „Bad Religion“ hagelte es Anerkennung aus vielen berufenen Mündern. Für das doch in Teilen recht prüde Amerika gleicht dies ja einem Quantensprung.

 

Für „Channel Orange“ ist das aber eigentlich völlig egal, denn die Platte ist derart gut, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt! Mit Hip Hop hat das sowieso nur noch am Rande zu tun. Textlich kommt Ocean zwar immer wieder auf sein Coming-Out zurück und gerade „Thinkin Bout You“ dürfte keine weiteren Fragen offen lassen, aber das ist bei dieser Stimme, diesen tollen Arrangements und dieser immens großen Bandbreite fast schon wieder egal. Frank Ocean pflügt sich einmal komplett durch die Black Music. Er lotet dabei alle Seiten und Grenzen aus, reißt Mauern ein, stößt neue Türen auf und baut dahinter neue musikalische Welten wieder auf.

 

Frank Ocean verneigt sich mit diesem Album ganz tief vor den alten Helden des Soul, Jazz und R&B. Er vergisst dabei den Funk nicht und natürlich packt er auch irgendwie Hip Hop noch obendrauf. Man sollte mit Superlativen sparsam umgehen, aber hört man hier vielleicht sogar dem neuen Prince zu? Die Frage ist durchaus berechtigt! Ocean schafft dabei aber noch das Kunststück, dass sich bei ihm alles so verdammt leicht anhört. Was er so beiläufig aus dem Ärmel schüttelt klingt nie angestrengt. Das hat er dem kleinen Meister sogar noch voraus! Oder man geht noch eine Dekade weiter zurück und landet dann bei Marvin Gaye oder Otis Redding. Vergleiche hin, Schubladen her, Frank Ocean ist momentan seine ganz eigene Liga!

 

Es ist gar höchst erstaunlich, dass diese komplexe Produktion im Ergebnis derart leichtfüßig klingt. „Channel Orange“ hat Seele! Verdammt viel sogar! Das ist man von dem zur Plastikware verkommenen Genre gar nicht mehr gewohnt! Die Stimme von Ocean ist unglaublich wandlungsfähig. Der Weg von Stevie Wonder zu Lenny Kravitz ist dabei recht kurz. Stücke wie „Pyramids“ (fast zehn Minuten lang!), „Lost“, „Monks“ und „Forrest Gump“  bestechen mit einem unglaublich guten Flow. Unglaublich ist sowieso eines der zentralen Wörter für dieses Album. Herausragend ein weiteres!

 

Selbst die Gitarrenloops sitzen bei „Sierra Leone“ perfekt. Und die Kreuzung zwischen Hip Hop und Soul haut bei „Super Rich Kids“ auch voll hin. Macht der Mann eigentlich irgendwas verkehrt? Selbst die vielen Skits zwischen den Stücken passen und geben dem Album noch eine zerschossene, mysteriöse Note. Frank Ocean ist ebenso ein hervorragender Crooner und dass er es schafft sogar Synthesizer noch mal gut klingen zu lassen, kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen.

 

Fazit: „Channel Orange“ ist das erwartete Meisterwerk von Frank Ocean. Nach dem ganzen Rauschen im Blätterwald der letzten Wochen ist es mehr als erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit diese Platte das alles wegfegt. Ocean zeigt mal eben einem ganzen Genre, dass alle beteiligten Protagonisten die letzten Jahre nur Plastikmüll fabriziert haben. „Channel Orange“ hat Klasse und Seele! Ein modernes Meisterwerk des R&B!

 

http://frankocean.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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