Foreigner: With The 21st Century Symphony Orchestra & Chords

Foreigner: With The 21st Century Symphony Orchestra & Chords

earMusic/Edel

VÖ: 27.04.2018

 

Wertung: 6,5/12

 

Wenn eine Band auf die Idee kommt, die größten Hits der Bandgeschichte mit einem Symphonieorchester und einem Chor live aufzuführen, ist immer Vorsicht geboten. Das war bisher immer ein Krampf – von Metallica bis Deep Purple. Foreigner haben sich nun auch an ein solches Projekt gewagt. Ein 58-köpfiges Orchester und 60-köpfiger Chor begleiteten die Band. Genaugenommen hat diese Band hier aber auch nichts mit Foreigner zu tun. Die Kapelle, die so manchen Welthit zu verantworten hat, war doch eine gänzlich andere! Mick Jones ist das einzige verbliebene Gründungsmitglied. Das Besetzungskarussell rotierte ja sowieso ordentlich und speziell auf den Positionen des Schlagzeugers und Keyboarders kehrte nie Ruhe ein.

 

Mick Jones war dann natürlich auch die treibende Kraft hinter dem Projekt und nahm sich zusammen mit dem Grammy-nominierten Komponisten-Team Dave Eggar & Chuck Palm der Sache an. Im Mai 2017 war es dann soweit und Foreigner spielten zwei ausverkaufte Shows in Luzern, Schweiz. Die Band trat zusammen mit dem von Ernst van Tiel dirigierten 21st Century Symphony Orchestra & Chorus auf. Im Gepäck waren natürlich sämtliche Hits, die der Band immerhin mehr als 75(!) Millionen verkaufter Tonträger bescherten.

 

Foreigner haben ja quasi das AOR-Genre gegründet. Dafür haben sie nicht immer nur positive Reaktionen erhalten. Das war ja nun teilweise auch nicht ganz unbegründet. Die besten Zeiten hatte die Band ja sowieso von Ende der 70er bis Ende der 80er. Lange ist es her. Und trotzdem kennt auch heute fast noch jedes Kind Songs wie „Say You Will“ oder „I Want To Know What Love Is“. Ob man nun will oder nicht, aber man sollte schon anerkennen, dass Foreigner so manchen Klassiker der Musikgeschichte zustande gebracht haben.

 

Wie das immer bei solchen Geschichten ist, haut das mal besser und mal weniger gut hin. Das Zusammenspiel zwischen dem Orchester und der Band harmoniert bei „That Was Yesterday“ - einem weiteren Hit von Foreigner – vorzüglich. Auch das rockige „Feels Like The First Time“ wird zum Refrain hin durch das Orchester sogar noch aufgewertet. Es gibt allerdings auch Passagen, die dann deutlich in die Klassikecke gehen und dann sitzt der Anzug eben weniger gut.

 

Eine dramatische „Overture“ aus Chor und Orchester kündigt das Ereignis an. Dann steigen Foreigner mit „Blue Morning, Blue Day“ ein. Hier sind Rock und Klassik noch zwei völlig verschiedene Welten. Zudem agiert die eigentliche Band ziemlich zahnlos. Das hat dann so ein bisschen den Geruch einer Coverband. „Cold As Ice“ ist ja ein weiterer Bandklassiker, der in dieser Version aber viel zu brav klingt – Altherrenmusik. Dafür haut die Ballade „Waiting For A Girl Like You“ alles wieder raus. Glücklicherweise ist man nicht auf die Idee gekommen das Orchester zu laut einzubinden. So ist die Balance sehr stimmig. Abgesehen davon führt einem dieses Album hier noch mal sehr eindringlich vor Augen, dass Foreigner wirklich unfassbar viele Hits im Repertoire haben!

 

„Say You Will“ wird mit Akutikgitarre vorgetragen. Der Chor und die Geigen jubilieren, aber irgendwie fehlt der Nummer so der Drive. „Starrider“ klingt wie eine Mischung aus Jethro Tull und Led Zeppelin. Kann man mal machen. „Double Vision“ erfreut dann eher alle Klassikfans mit einem Hang zum Dramatischen. Heimlicher Höhepunkt ist das groovige „Fool For You Anyway“. Die Bläsersektion fügt sich ganz wundervoll in das Klangbild ein. „Urgent“ dürfte ja auch so ziemlich jeder Musikhörer kennen. Die Version hier ist aber viel zu lang und wurde nur so ausgearbeitet, damit das Orchester auch was zu tun hat. Das gilt auch für die Hardrocknummer „Just Box Hero“. Das sind eben die unschönen Seiten eines solchen Projekts. Und ja, zum Schluss gibt es dann auch noch „I Want To Know What Love Is“ - was auch sonst? - zu hören.

 

Fazit: Das vorliegende Projekt ist keineswegs in die Hose gegangen, da hat man in solchen Konstellationen schon wesentlich Schlimmeres gehört. Trotzdem sind da auch einige Längen dabei und man hört schon ziemlich deutlich, dass da einiges für das Orchester gestreckt werden musste. Anderes klingt eher nach zahnloser Coverband. Das sind aber ja auch nicht mehr die Foreigner von einst - darf man ja nicht vergessen. Als CD/DVD-Bundle macht das vielleicht sogar mehr Sinn, denn so als CD macht das wenig her und man greift dann doch lieber zu einer „Best Of“.

 

http://www.foreigneronline.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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