Foals: Holy Fire

Foals: Holy Fire

Warner

08.02.2013

 

Wertung: 9/12

 

Jetzt aber! Das dritte Album der Foals soll die Herren nun endlich in den Olymp der Großen katapultieren! Soll? Oder muss? Weder noch, aber die Voraussetzungen könnten mit „Holy Fire“ nicht besser sein. Natürlich ist es heutzutage schwer überhaupt noch einen eigenständigen Sound zu kreieren und in Zeiten, da jeder ein Star ist, wird es umso schwerer sich Gehör zu verschaffen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese Frage drängt sich förmlich auf. „Holy Fire“ wird daran vermutlich trotzdem nichts ändern. Die Songs sind zu sperrig und selbstverständlich nichts für den Mainstream.

 

Aufgenommen haben die Foals „Holy Fire“ im Londoner Studio der Produzenten Flood & Moulder und die einzig festgelegte Konstante dürfte `keine Kompromisse` gewesen sein! Nichts auf „Holy Fire“ ist auch nur im Ansatz eine Anbiederung an irgendwelche Trends, Strömungen oder Marketingstrategien. Die Tracks sind dafür auch zu lang, denn nur ein einziger Song bleibt unter der vier Minuten Marke. Natürlich kann man das alles auch noch per Radio-Edit den Radiostationen vor die Füße schmeißen, aber damit würde man den Songs ihrer Seele berauben, da alles derart fein austariert ist und sich jede Kürzung verbietet. Die Gefahr besteht aber sowieso kaum.

 

Keine Regel ohne Ausnahme! Natürlich nicht! „My Number“ ist nämlich ein astreiner Dancetrack, an dem auch der Gelegenheitshörer nichts auszusetzen haben dürfte. Das fluffige Stück geht gut ins Ohr, hat höchstes Wiedererkennungspotenzial und breitet sich mit seinem funky Grundton sogar in der 70er Jahre Disko aus. „Bad Habit“ hätte unter Umständen auch noch das Potenzial, ist dann aber doch zu sperrig und zu verspielt und selbst wenn man denken könnten, da lugt doch gerade so ein Snow Patrol Sound - also dann eigentlich Coldplay - um die Ecke, kommt im nächsten Augenblick dieser Joy Division Moment der alles ändert. Oder kann sich jetzt einer daran erinnern, dass Joy Division rund um die Uhr im Radio liefen? Eben!

 

Der alles überstrahlende Song von „Holy Fire“ ist sowieso „Inhaler“! Dazu muss man auch „Prelude“ davor rechnen, denn dies ist Ein- und Überleitung zugleich. Pink Floyd treffen auf die Queens Of The Stone Age – mit anderen Worten: genialer Song. Es geht von der Wüste auf direktem Weg in die Weiten des Weltalls nur um im nächsten Moment mit einem lauten Knall wieder auf dem staubigen Boden zu landen. Wenn man den Foals etwas vorwerfen kann, dann ist es vielleicht die Angst vor der eigenen Courage! Kompromisse gibt es zwar keine, aber so zielstrebig und ausufernd wie mit „Inhaler“ wird es eben nicht mehr. Das traurige „Everytime“ ist die Ballade, die Muse nicht mehr schreiben können, weil sie immer noch irgendwie in die Bombast-Queen-Ecke abdriften müssen.

 

Dann ist aber auch gut. „Late Night“ beginnt als Soundcollage mit einem Gesang, der aus der Ferne zu einem dringt. Dann bricht alles ab und die Nummer groovt tatsächlich ohne ein wirklicher Dancetrack zu sein. Nach vier Minuten setzt ein Gitarrenlick ein und es geht ab in Pink Floyd Sphären. Übrigens darf sich die eine Hälfte der Boxen weiter an den Sounds abarbeiten während es auf der anderen Seite diesen magischen Gitarrenmoment gibt. „Out Of The Woods“ verarbeitet anschließend sogar noch ein bisschen The Cure. Es sind die vielen und kleinen Details, die dieses Werk zu etwas Besonderem machen. „Milk & Black Spiders“ ist ein typischer Kopfhörersong. Überhaupt sollte man dieses Album auf diese Art erleben, erfahren und verstehen lernen. „Providence“ ist ein vertracktes Monster, während das sphärische „Stepson“ zu schweben scheint und eine sakrale Stimmung verbreitet. Mit „Moon“ dringt die Band zum Schluss nicht nur in in die Dimensionen von Sigur Ros vor, sondern entlässt einen auch nahe der Depression. Weltuntergangsstimmung kann doch so schön sein!

 

Fazit: „Holy Fire“ von den Foals ist ein tolles Album bei dem „Inhaler“ gar noch herausragt. Sämtliches Schubladendenken wird hier auf den Kopf gestellt und der Hörer endlich mal wieder gefordert. Dieses Album erschließt sich in seiner ganzen Schönheit nicht sofort und die vielen Details offenbaren sich erst nach und nach. Eine Kopfhörerplatte - aber eben auch keine verkopfte. „Holy Fire“ ist ein Album ohne Kompromisse und Zugeständnisse, hat man sich aber einmal in diese Platte verliebt, dann wird man diese immer wieder gerne aus dem Regal ziehen und in einer ruhigen Stunde auflegen!

 

http://www.foals.co.uk/ 

 

Text: Torsten Schlimbach

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