Feist: Metals

Feist: Metals

Universal

VÖ: 30.09.2011

 

Wertung: 9/12

 

Und plötzlich war sie weg. Einfach so. Komplett von der Bildfläche verschwunden und wie vom Erdboden verschluckt. Leslie Feist hat sich einfach mal eine Auszeit genommen. Die Entscheidung war sicher völlig richtig, denn der Feist Overkill war fast schon vorprogrammiert. Ihr letztes Album „The Reminder“ wurden in den höchsten Tönen gelobt, die Kritiker sahen in ihr die Rettung der weiblichen Musik und die Zahl der Anhänger wurde auch von Tag zu Tag größer. Die Kanadierin wurde für so ziemlich jeden Preis nominiert und tauchte plötzlich sogar in der Yellow Press auf. Die ganzen Nebenprojekte mit Beck, Wilco, Jamie Lidell und wie sie alle heißen nicht zu vergessen. Mit Broken Social Scene rückte sie lange vor „The Reminder“ schon in das Bewusstsein der Indiefraktion. Leslie Feist war plötzlich einfach allgegenwärtig.

 

Nun sind vier Jahre vergangen. Natürlich sind vier Jahre in diesem schnelllebigen Geschäft eine lange Zeit, aber jetzt, wo ihr neues Album „Metals“ in den Startlöchern steht, kommen auch alle anderen wieder ans Tageslicht. Feist wurde in diesen vier Jahren definitiv nicht vergessen! Die Fans sind in freudiger Erwartung und auch die Kritiker setzen die Messlatte ganz sicher nicht unten an. Eine Frage stellen sich aber alle: wie klingt Feist im Jahre 2011? Welche Veränderungen machte sie und ihre Musik durch?

 

Geschrieben wurde ihr Album im vergangenen Jahr – in ihrer Garage und dies auch noch im Herbst. Ihre ewigen Weggefährten Gonazles und Mocky kamen dann im Januar 2011 nach Toronto und wollten mit Feist die Platte fertigstellen. Wie das Leben so spielt, kam es dann nach einem Monat ganz anders und es verschlug sie an die schroffe Küstenregion um Big Sur von Kalifornien. Es mag Zufall sein, aber das scheint sich auch in und auf „Metals“ widerzuspiegeln. Die Platte ist nämlich auch teilweise recht roh und schroff. Leslie Feist wollte diesmal auch so wenig Fehler wie möglich ausmerzen, was dem Album natürlich auch eine ganz neue Richtung gegeben hat.

 

Die Dame hat ja auch eine Punk- und Rockvergangenheit und diese musikalische Seite kann ja nicht gänzlich verschwunden sein. Ist sie auch nicht! Ebenso wenig ist die ruhige und zerbrechliche Ader von Feist nicht aus dem Fokus gerückt. Sie schafft es auf „Metals“ diese beiden Pole perfekt miteinander zu verbinden. Das ist jetzt kein lautes Album, aber laute Elemente dürfen es durchaus auch mal sein. Punk ist das nicht. Feist ist im tiefsten Inneren ihres Herzens immer noch eine wunderbare Geschichtenerzählerin und somit fischen die zwölf Songs auch oftmals wieder im Singer/Songwriterbecken. Diesmal wird aber auch dem Indiepop noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die versponnen Melodien und Harmonien erinnern bisweilen gar an die verdrehte Schönheit eines Pavement Songs!

 

Der verschleppte Beat bei „The Bad In Each Other“ lässt gleich aufhorchen. Düster und gleichzeitig wunderschön gräbt sich der Song in die Gehörgänge. Der Refrain dürfte mal wieder die Schneeschmelze einläuten. Zerbrechlich und gleichzeitig kraftvoll klingt die Stimme von Feist. Die dezente Männerstimme im Hintergrund nimmt man nicht sofort wahr, erweist sich aber nach und nach als Kunstgriff und perfekter Gegenpart. „Graveyard“ kann man durchaus im Folkpop verorten, allerdings muss man da dann die Schublade aufmachen, wo sich gemeinhin auch die Bright Eyes tummeln. Auch dieses Stück hat etwas ungeschliffenes und das Piano stolpert hin und wieder, fängt sich und setzt dann zu neuen Großtaten an. Die Bläser sorgen für einen kunstvollen Ansatz. Im krassen Gegensatz dazu steht schließlich der Refrain, der anscheinend von einem ganzen Chor in die Stadien getragen wird.

 

Mit „Caught A Long Wind“ wird es danach ganz minimalistisch und ruhig. Aber wie so oft, täuscht der Eindruck auch. Im Hintergrund passiert nämlich derart viel, dass man ein paar Anläufe braucht, um die vielen kleinen Details zu entdecken. Die zerbrechliche Stimme von Feist, die über allem schwebt, macht es einem aber auch nicht leicht sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Dieses Stück sollte man sich definitiv per Kopfhörer anhören! Mit „How Come You Never Go There“ nähert sie sich einer Aimee Mann an. Überhaupt scheinen die beiden Damen viele musikalische Gemeinsamkeiten zu haben. „A Commotion“ lässt danach nur noch erahnen, dass die Kanadierin eigentlich zu den netten Sängerinnen gehört. Wie eine läufige Katze in der Nacht krächzt sie zum polternden Indiepop. Keine Sorge, danach ist die alte Feist bei „The Circle Married The Line“ oder „Bittersweet Melodies“ zu hören. Das ist nett, allerdings auch ein bisschen austauschbar. Da gefällt der angedeutete Blues von „Anti-Pioneer“ schon besser. Bei „Undiscovered First“ rutscht man zunächst ganz nahe an die Boxen ran, um überhaupt die geflüsterten Worte zu verstehen. Dann gebärdet sich Feist gar wie ein Schamane, der die Geister anruft. Der Song öffnet sich immer mehr, bis die Bläser sich wie ein Adler in die Luft schwingen. Von den Arrangements und dem Spannungsaufbau ist das schon eine sensationell gute Nummer. Drei Gänge zurück werden dann mit „Cicadas And Gulls“ geschaltet. „Comfort Me“ ist kurz vor Schluss noch mal der minimalistische Aufgalopp, der sich in einem Jarmusch Film gut machen würde. Mit „Get It Wrong Get It Right“ pluckert die Platte dem Sonnenuntergang entgegen und setzt gerade vom Gesang her noch mal ein dickes Ausrufezeichen.

 

Fazit: Mit „Metals“ meldet sich Leslie Feist eindrucksvoll zurück. Über weite Strecken handelt es sich hierbei um ein ruhiges Album, aber gleichzeitig ist es roh und ungeschliffen. Indiepop und selbst die Rock- und Punkwurzeln schimmern immer wieder durch. Das breite Feld des Singer/Songwriter Genres verlässt sie natürlich nicht und auch so manche Folkeinflüsse tummeln sich auf diesem Werk und selbst dezent angedeuteter Blues untermalt die Szenerie. Dann wiederum zeigt sich Leslie Feist so zerbrechlich wie noch nie in ihrer Karriere und trotzdem ist „Metals“ ein sehr geschlossenes Album, da nimmt man auch gerne den ganz kleinen Hänger zwischendurch in Kauf. Die Pause hat der Dame jedenfalls hörbar gut getan!

 

http://www.listentofeist.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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