Eurythmics: Touch (Vinyl)

Eurythmics: Touch (Vinyl)

Sony

VÖ: 13.04.2018

 

Wertung: 9,5/12

 

Fälschlicherweise erliegen heute viele Menschen dem Irrglauben, dass die Eurythmics in den 80ern eine Studioband waren, die lange an ihren Songs und Sounds getüftelt hat. Hört man sich die Alben an, dann könnte man tatsächlich auf die Idee kommen. Das genaue Gegenteil ist allerdings der Fall. Annie Lennox und Dave Stewart waren unglaublich viel auf Tour und viele Auftritte begleiteten damals ihren Werdegang. Umso erstaunlicher ist es, dass innerhalb von einem Jahr zwei Studioalben veröffentlicht wurden. Damals war die Schlagzahl Veröffentlichungen betreffend aber sowieso wesentlich höher. Trotzdem dauerten die Aufnahmesessions für das dritte Album „Touch“ nur drei(!) Wochen. Auch hier stand ein Leben „on the road“ einem längeren Aufenthalt im Studio entgegen. Jetzt wird das Album erneut auf Vinyl veröffentlicht.

 

Das Cover muss man heutzutage durchaus als ikonisch bezeichnen. Das Bild prägte auch damals die Eurythmics. Das Erscheinungsbild von Annie Lennox war durchaus polarisierend. Im CD-Format verfehlt das natürlich komplett seine Wirkung und da kommt so gut wie nichts rüber. Das war ja auch voll und ganz auf das LP-Format zugeschnitten. Jetzt, durch die Wiederveröffentlichung, kommt das Motiv noch mal zu ganz neuen Ehren! Es ist ein Spiegelbild seiner Zeit, aber auch der Eurythmics.

 

Vinyl ist selbst bei diesem Duo die bessere Wahl! Der Klang ist – im Gegensatz zur alten CD – überragend! Da macht sich durchaus bemerkbar, dass man hier auf die Original-Halbzoll-Masterbänder mit einem phantastischen Sound zurückgegriffen hat. Die Eurythmics waren hier auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Die Gitarrenklänge von Dave Stewart stellen eine absolute Bereicherung dar. Im Zusammenspiel mit der Stimme von Annie Lennox breitet sich da durchaus ein warmer Klang aus. Hört man sich die Orchesterarrangements an, dann ist es umso erstaunlicher, dass für „Touch“ nur so wenig Studiozeit draufging. Da könnten sich so manche Etablierte eine große Scheibe abschneiden. Vielleicht sollte man das U2 mal stecken, die ewig an ihren Songs herum tüfteln oder tüfteln lassen.

 

„Here Comes The Rain Again“ ist ein weiterer Klassiker der 80er, aber auch der Eurythmics. Spätestens damit etablierte sich Lennox in der Riege der ganz Großen. „Who´s That Girl?“ ist ein weiterer Titel, der die 80er wieder aufleben lässt, aber auch längst zu einem Klassiker der britischen Musikgeschichte avanciert ist. „Right By Your Side“ dürften zumindest all jene auf dem Schirm haben, die in diesem bunten Jahrzehnt aufgewachsen sind. Nicht wenigen Fans ist „No Fear, No Hate, No Pain (No Broken Hearts)“ der liebste Track des Albums. Alles in allem ist das Electropop in Reinkultur und Bestform. Annie Lennox hat übrigens Teile der Keyboardpassagen eingespielt. In den USA gab es für „Touch“ siebenfach Platin!

 

Fazit: „Touch“ der Eurythmics ist in jeglicher Hinsicht ein herausragendes Album des Duos. Der Sound wurde mit Gitarren und Orchesterarrangements angereichert und Annie Lennox erklomm die Spitze ihrer Gesangskunst. Dabei fielen dann auch noch mindestens zwei Welthits ab. Der Klang der nunmehr erneuten Vinyl-Veröffentlichung ist wesentlich besser als das Pendant auf CD! Download-Code liegt bei!

 

http://www.eurythmics.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Eurythmics: Sweet Dreams (Vinyl)

Eurythmics: Sweet Dreams (Vinyl)

Sony

VÖ: 13.04.2018

 

Wertung: 9/12

 

„Sweet Dreams“ markierte den Durchbruch für Annie Lennox und Dave Stewart. Das Debüt wurde zwar wohlwollend aufgenommen, war aber noch nicht der ganz große Wurf. Kommerziell war das Album sogar, für die damaligen Verhältnisse, unter Flop zu verbuchen. Jetzt darf man sich über die erneute Vinyl-Veröffentlichung des Nachfolgers freuen. Dies ist alleine schon eine gute Sache, weil die ursprüngliche CD-Version einen grottigen Sound zu bieten hatte. Später hat man da zwar nachgebessert, aber die Songs waren ja sowieso für eine Veröffentlichung auf Vinyl gedacht. Das Duo hat sich schon sehr intensiv mit der Anordnung und der Reihenfolge der Songs auseinandergesetzt. Umso erfreuter ist Dave Stewart nun, dass die Käufer das Albums „Sweet Dreams“ über eine Anlage hören und sich dafür ganz bewusst entschieden haben. Aufstehen, Seite wechseln, wieder bewusst genießen.

 

Das Cover, welches damals für Streit zwischen der europäischen und amerikanischen Vertretung des Labels gesorgt hatte, kommt in diesem Format natürlich wesentlich besser zur Geltung. Nicht nur ihren Sound, auch das Artwork betreffend haben die Eurythmics mit „Sweet Dreams“ ihren Stil gefunden. Ein Download-Code liegt übrigens dieser Veröffentlichung bei. Das ist insgesamt schon eine wertige Angelegenheit und das schwere Vinyl – wie heutzutage üblich 180g – macht nicht nur optisch einen guten Eindruck. Auch hier hat das Presswerk einen guten Job erledigt und das Teil glänzt durch seine gute Verarbeitung. Die Nadel kann ruhig ihre Runden drehen. Der Klang ist schlichtweg ein Quantensprung – jedenfalls gegenüber meiner CD. Der Electro-Pop kommt so wesentlich dynamischer und wärmer rüber. Ja, richtig gelesen. Die Stimme von Annie Lennox ist ja quasi eine Art Kontrast zu den Gebilden, die Stewart da gezaubert hat, und gerade der Gesang strahlt eine unglaubliche Wärme aus.

 

26 ASCAP Awards konnte das Duo für ihren größten Hit „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ als meist gespielten Song des Jahres einheimsen – muss man mehr sagen? Die Nummer dürfte nun wirklich jeder kennen. Das ist einer dieser Nummern, die man als unsterblich bezeichnen muss. Es gibt da durchaus auch anständige Coverversionen, aber das Original ist einfach unschlagbar. Für das Album selber schrieben Lennox/Stewart mehr als 40(!) Titel. Noch während der Tournee zum Debüt begannen die Aufnahmen zum Zweitlingswerk. Im Vorfeld wurden diverse Singles veröffentlicht, der Erfolg wollte sich aber partout nicht einstellen. Lennox nahm sich darum eine Auszeit von den Eurythmics. Erst die dritte Single „Love Is A Stranger“ brachte es zu einem klitzekleinen Achtungserfolg. Heute kennt den Songs so gut wie jeder. Es liegt ja die Vermutung nahe, dass die Songs der Eurythmics erfolgsmäßig sofort abgingen wie eine Rakete – das war aber überhaupt nicht der Fall.

 

Das Budget für die Aufnahmen lag bei unglaublichen 4.800 britischen Pfund. Geld, welches man sich bei einem Banker geliehen hatte um das Equipment für die Aufnahmen zu besorgen. Das gesamte Budget belief sich auf 15.000 Pfund, was ja ebenfalls äußerst gering ist. Wer hätte ahnen können, dass damit das Meisterwerk der Eurythmics und ein Klassiker entsteht?!

 

Die Stimme von Annie Lennox kommt insgesamt auf „Sweet Dreams“ erstmals so richtig zur Geltung. Entsprechend positiv bis euphorisch wurde dieses Werk von den Kritikern aufgenommen. Die elektronische Musik und der New Wave kriegen durch Lennox eine ganz besondere Note verliehen. Bevor Techno überhaupt im kollektiven Gedächtnis angekommen war, machten die beiden quasi eine Art Techno-Pop. Hinzu kommen die Beobachtungen. Wurde die Einsamkeit in einer Großstadt je treffender als in „This City Never Sleeps“ beschrieben? „Somebody Told Me“ verleiht der kühlen Ästhetik der 80er Jahre musikalisch und textlich sehr viel Ausdruck. „Jennifer“ ist ein tolles Stück und „Wrap It Up“ Motown im Synthesizer-Gewand.

 

Fazit: „Sweet Dreams“ hat sehr viel mehr als den Song, der zum größten Erfolg des Duos wurde, zu bieten. Natürlich hört man den Nummern ihr Entstehungsjahrzehnt an. Trotzdem ist dieses vielfältige Electropop-Album auch heute noch nicht angestaubt. Ein Klassiker. Vorsicht! Hier gibt es keine Hitsammlung, da wird man mit einer „Best Of“ sicher besser bedient werden. Gesanglich ist Annie Lennox hier erstmals die Ausnahmeerscheinung, für die sie bekannt ist. Der Klang auf dieser Vinyl-Veröffentlichung ist wesentlich besser als jener der CD-Variante. Auch die Optik kommt so natürlich wesentlich besser zur Geltung. Ein (Vinyl-)Klassiker, der in keiner Sammlung fehlen sollte!

 

www.eurythmics.com

 

Text: Torsten Schlimbach

Eurythmics: In The Garden (Vinyl)

Eurythmics: In The Garden (Vinyl)

Sony

VÖ: 13.04.2018

 

Wertung: 7/12

 

Dem Vinyl-Boom verdanken wird nun die erfreuliche Tatsache, dass alle acht Alben der Euythmics erneut aufgelegt und veröffentlicht werden. Selbstverständlich werden die Alben alle mit dem Original-Artwork, Illustrationen und Liner Notes geliefert. Glücklicherweise geht man da chronologisch vor, splittet das aber auf drei Termine dieses Jahr. Der Klang wurde nun optimiert. Dave Stewart zeigt sich von dem Ergebnis begeistert. In den bandeigenen Archiven lagen ja auch die Original-Halbzoll-Masterbänder und der Sound dürfte wesentlich besser als die digitalen Remaster sein, denn das liegt ja naturgemäß nur in komprimierter Form vor. Das Debüt „In The Garden“ nimmt sicherlich eine ganz besondere Stellung im Backkatalog der Eurythmics ein.

 

Das Cover von „In The Garden“ wurde seinerzeit natürlich für dieses Format entworfen. Die CD-Version kann da von der Optik nicht mal im Ansatz mithalten. Hält man nun das Artwork in Händen, dann entfaltet dies eine ganz andere Wirkung. Abgesehen davon nimmt das Cover schon eine ganz besondere Stellung im Backkatalog ein. Vorder- und Rückseite sind mit den verwaschenen und doppelten Bildern von Lennox und Stewart und den grünen Farben psychedelisch angehaucht. Das hat nichts mit den androgynen Fotos von Lennox der beiden LPs, die da folgen sollten, zu tun.

 

Die LP selber gibt es als 180g Vinyl. Das Teil wurde schon vorzüglich gepresst: keine Wellen, keine Verformungen. Die Nadel freut sich über die schöne tiefe Rille und dreht genüsslich ihre Runden. Die Anlage wiederum freut sich über den ganz famosen Sound. Wer den klinischen Klang der späteren digitalen Verwurstelungen kennt, darf sich über die neuerliche Ausgabe freuen. Es dürfte klar sein, dass sich an der grundsätzlichen Ausrichtung und der Musik des Duos nichts geändert hat. Die Eurythmics sind ja sicher nicht für einen warmen Sound zwischen Blues, Rock und Soul bekannt. Nichtsdestotrotz ist der Klang der vorliegenden Vinyl-Ausgabe hervorragend und eine Verbesserung zur ollen CD die im Regal steht. Ein Download-Code gibt es übrigens auch!

 

Die Musik des Debüts lässt vielleicht schon erahnen, was in diesem Duo steckt, hat mit den späteren Pophits, die längst zu Klassikern avanciert sind, aber nicht viel zu tun. Die Stimme von Annie Lennox ist weitestgehend monoton und eher zurückhaltend. Entstanden mit Conny Plank in Köln ist „In The Garden“ kein zugängliches Album. Schon die schrägen Zwischenspiele bei „English Summer“ sind nichts für den Popfeinkosttisch. Dave Stewart hat auf dem gesamten Album weniger sein brillantes Gitarrenspiel – da wird der Mann durchaus sträflich unterschätzt – ausgestellt, sondern vielmehr mit jeder Menge verschrobener Sounds experimentiert. „Belinda“ ist ein Spiegelbild der 80er, aber auch schwer verdaulich. Man hört dem Album durchaus an, dass Holger Czukay und Jaki Liebezeit daran beteiligt waren.

 

„Take Me To Your Heart“ fällt noch eher durch herkömmliche Popstrukturen auf. Es ist schon eine Wahnsinn, was das bei „Caveman Head“ oder „Never Gonna Cray Again“ für abgefahrene Sounds auf den Hörer warten. Der Schlusssong - „Revenge“ - wurde übrigens später noch mal von den Eurythmics aufgegriffen. Wenn man so will, dann gibt es hier nicht nur eine A- und B-Seite, sondern eine rote und blaue. Stewart freut sich – so eine aktuelle Aussage von ihm – dass die Leute das Album nun wieder bewusst auf einer Anlage hören können und dabei auch der Songanordnung folgen (müssen), da die beiden damals wohl sehr viel Zeit in die – für sie – richtige Anordnung investiert haben.

 

Fazit: „In The Garden“ der Eurythmics wird nun auf 180g Vinyl veröffentlicht. Der Sound stellt eine deutliche Verbesserung dar. Optisch macht das in diesem Format natürlich auch wesentlich mehr her. Das Album ist sicher nichts für den Mainstreamhörer oder Leute, die dieses Duo nur aufgrund der großen (späteren) Pophits kennt. Das ist schon schräg und verschroben und die Stimmgewalt von Annie Lennox eher zu erahnen, dafür tobt sich Dave Stewart mit allerlei eigentümlichem Kram aus. Zudem sind die Songs natürlich auch Spiegelbilder ihrer Zeit.

 

http://www.eurythmics.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch