Europe: Walk The Earth

Europe: Walk The Earth

Silver Lining/ADA/Warner

VÖ: 20.10.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Die schwedischen Melodic Hardrocker von Europe erleben gerade ihren dritten Frühling. Mindestens! Nach dem guten Album „War Of Kings“ ging es auf eine ausgedehnte Tour und das Jubiläum von „The Final Countdown“ wurde dann auch noch gefeiert und mit einer kompletten Albumshow bedacht. Die ehemaligen Fans wandten sich der Band wieder zu und aktuell wird man die Band dann auch im Vorprogramm von Alice Cooper bewundern dürfen. Es ist zwar alles eine Nummer kleiner als es mal war, aber das macht ja nichts. Produktiv sind die Herren auch wieder, denn jetzt wird mit „Walk The Earth“ nach zwei Jahren schon ein neues Album veröffentlicht.

 

Produzent ist der Grammy Gewinner Dave Cobb und das ist schon einigermaßen überraschend. Cobb ist ja eher auf dem Alternativsektor unterwegs und hat beispielsweise Arbeiten mit und für Chris Cornell oder Rival Sons in seinem Portfolio stehen. Die Aufnahmen selber fanden in den berühmten Abbey Road Studios statt. Europe wollen es offensichtlich noch mal wissen. Zehn Songs sind auf dem eigentlichen Album gelandet.

 

Man sollte an „Walk The Earth“ dranbleiben, auch wenn einen die Platte zunächst ziemlich kalt lässt. Mit dem hymnischen Titeltrack „Walk The Earth“, gleichzeitig auch die Albumeröffnung, hört sich die Kapelle nämlich verdächtig nach Musical an. Dafür ist „Haze“ ein absolutes Brett. Schwere Riffs rollen da auf einen zu. Zwischendurch hat man das Gefühl, dass die ganze Nummer auseinanderfällt. Und dann groovt das auch noch wie Hölle. Viele Songs sind – für Europe-Verhältnisse - extrem kurz. Zwei bleiben gar unter der drei Minuten Marke. „Whenever You´re Ready“ ist dann auch ein kleiner Geschwindigkeitsrausch. Es ist trotzdem noch Zeit für ein Solo von John Norum. Das melodiöse „Kingdom United“ ist ebenfalls recht kurz. Mic Micheali sorgt dafür, dass das Stück einen sakralen, gar mittelalterlichen Anstrich erhält.

 

„The Siege“ kommt ein bisschen progressiv daher, gleichwohl das Gitarrenspiel auch mal einen härteren Gang einlegt. Übrigens ist der Bass von John Leven ziemlich stark und hält den Laden zusammen. „Pictures“ klingt schon eher nach Europe. Herrschaftszeiten ist das kitschig. Und der Versuch irgendwie ein bisschen auf Led Zeppelin zu machen kann nur scheitern. „Election Day“ ist von Herrn Tempest etwas zu theatralisch. Das erinnert dann an Meat Loaf. Und der Refrain ist nun wirklich schlimm. „Wolves“ ist dafür ziemlich cool, aber auch reichlich zusammengeklaut – macht aber trotzdem Spaß. „GTO“ ist ein weiteres schnelles Rockbrett. Den vielleicht typischsten Europe-Track gibt es mit „Turn To Dust“ - nicht umsonst mehr als sechs Minuten lang. Abgesehen davon ist auch das Stück musicalhaft angehaucht.

 

Fazit: Was ist denn mit Europe los? Die Schweden wollen es wohl noch mal richtig wissen! Nachdem das letzte Album schon mehr als nur ordentlich war, kann auch „Walk The Earth“ über weite Strecken als sehr solides Hardrockalbum überzeugen. Wer Europe immer nur mit den bekannten Klischees in Verbindung bringt, tut der Band unrecht! Wer Musik der härteren(!) Hardrockgangart schätzt, ist hier definitiv gut aufgehoben!

 

http://europetheband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Europe: The Final Countdown - 30th Anniversary Show (live at the Roundhouse)

Europe: The Final Countdown - 30th Anniversary Show (live at the Roundhouse)

ADA/Warner

VÖ: 21.07.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

Europe schufen einst mit dem Album „The Final Countdown“ ihr ulitmatives Meisterwerk. Dank des gleichnamigen Tracks wurden die Schweden damit in den Olymp katapultiert. An diesen Erfolg konnte die Band kommerziell nie wieder anknüpfen und es schrumpfte wieder auf ein Normalmaß. Die Fangemeinde blieb den Musikern aber treu ergeben und somit dürfen die Herren immer noch durch die Weltgeschichte touren und sich dabei immer noch in recht ordentlichen Häusern einfinden. So auch am 12. November 2016, als Europe im Londoner Roundhouse gastierten. Und da die Band nun mal weiß, dass sie einen Klassiker im Gepäck hat, spielte sie „The Final Countdown“ komplett und in der Albumreihenfolge. Europe leben aber nicht nur in der Vergangenheit, denn auch das aktuelle Album „War Of Kings“ wurde vorher komplett gespielt.

 

Um das Ereignis auch gebührend für die Nachwelt festzuhalten, wurden ein paar Kameras aufgefahren. Man sieht die Musiker – aber auch die Zuschauer – nun aus allen möglichen Perspektiven. Leider wirkt sich das auch auf die Qualität innerhalb eines Songs aus, denn der Blickwinkel aus dem Graben ist komplett für die Tonne. Das ist derart unscharf, dass sich der Mehrwert überhaupt nicht erschließt. Überhaupt ist die Bildqualität eher schwach. Gerade das erste Drittel wirkt seltsam milchig und unnatürlich. Die Bühnenausleuchtung scheint da für einige Problem gesorgt zu haben. Der Schnitt ist manchmal auch etwas sehr abenteuerlich geraten und zu schnel in der Bildabfolgel. Und dann scheinen die Herren auch sehr eitel zu sein, dann so richtige Aufnahmen aus der Nähe gibt es auch nicht zu sehen. Da wird doch sehr viel geschummelt. Alles in allem sind Bild und Schnitt schon sehr enttäuschend!

 

Der Sound ist sauber abgemischt und auch der Gesang der Zuschauer – beispielsweise bei „The Final Countdown“ oder „Carrie“ - kommt sehr gut zur Geltung. Man kann von Europe halten was man will, aber die Band ist schon gut aufeinander abgestimmt und die Herren beherrschen ihr Handwerk – nicht nur alleine, sondern auch im Kollektiv. Auch Joey Tempest macht als Sänger immer noch einen guten Eindruck und trifft auch noch die höheren Tonlagen. Insgesamt macht das Soundbild einen guten Eindruck.

 

Joey Tempest schultert die Show dann auch fast alleine. Overacting wird da auch ganz groß geschrieben. Was er alles bei „The Second Day“ (er)leidet, bleibt wohl sein Geheimnis. Mic Michaeli und Ian Haugland sind natürlich aufgrund ihrer Instrumente schon eingeschränkt, aber auch John Norum und John Levén fallen nicht gerade durch einen großen Aktionsradius auf, sondern eher als konzentrierte Musiker und teilweise eben auch als Backgroundsänger.

 

Zu den Songs selber muss man ja nicht viel sagen. Das aktuelle Album ist grundsolide Hardrockkost und das poppige „The Final Countdown“ hinlänglich bekannt. Zwei Bildschirme im Hintergrund glänzen mit einigen Projektionen, wobei zum Album „The Final Countdown“ Bilder der Band aus den erfolgreichen Tagen zu sehen sind. Kann man so machen.

 

Fazit: Für Fans von Europe ist „The Final Countdown - 30th Anniversary Show (live at the Roundhouse)“ sicherlich eine tolle Geschichte, da hier das aktuelle Album und der Klassiker der Band bei feinstem Sound kredenzt werden. Die Schweden waren an diesem Abend auch bestens aufgelegt. Leider können der Schnitt und das Bild nur bedingt überzeugen. Die Aufmachung des Sets ist aber sehr gelungen und das feine Digipack hält natürlich auch noch zwei Audio-CDs bereit – fein säuberlich nach Alben getrennt. Macht Sinn. Für Fans ist das Pflicht, für alle anderen zumindest eine Überlegung wert!

 

http://europetheband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Europe: War Of Kings (Special Edition)

Europe: War Of Kings (Special Edition)

UDR/Warner

VÖ: 04.12.2015

 

Wertung: 8/12

 

„War Of Kings“ von Europe ist auch mit etwas Abstand immer noch ein gutes Hardrockalbum. Wer die Band auf den einen Hit reduziert – und hier wissen wir ja alle wovon die Rede ist – tut der Kapelle ziemlich Unrecht. Abgesehen davon wäre so manch anderer Kollege froh, er hätte einen solchen Hit im Repertoire, der zudem noch für die Altersvorsorge zuständig ist. Jetzt erscheint von „War Of Kings“ eine Special Edition, die den kompletten Auftritt von Europe aus Wacken enthält.

 

Die Frage im Vorfeld war natürlich, ob Europe auf diesem Festival überhaupt bestehen können und werden. Zwischen dem ganzen Krach und den Kultikonen wirken die Schweden zunächst reichlich deplatziert. Schaut man sich den Auftritt aber genauer an, dann passt das ins Bild von „War Of Kings“. Europe sind definitiv eine Band, die zwischen gesunder Härte und sanften Tönen, durchaus immer noch rocken kann. Mit „War Of Kings“ - mit ordentlich Wind und Dampf – rockt die Kapelle dann auch amtlich los. Weiter geht es mit „Hole In My Pocket“. Beide Songs stammen von dem aktuellen Album. „Superstitious“ sollte seinerzeit wohl der legitime Nachfolger von „The Final Countdown“ werden, ging aber ziemlich baden, wie auch das Album. In Wacken spielen Europe das Ding ziemlich entschlackt und rockig.

 

Es ist jetzt nicht so, als wären die Zuschauer vor Ort komplett aus dem Häuschen, aber es geht auch keiner. Die Band müht sich redlich und spielt ein gutes Set. Da wird natürlich keine Pose, kein Klischee ausgelassen und gerade der gute Joey Tempest, der übrigens immer noch gut bei Stimme ist, holt alles hervor, was im großen Poserbuch der 80er steht - aber das macht er auf eine sehr charmante Art. John Norum agiert eher konzentriert und liefert eine astreine Vorstellung an den sechs Saiten ab. Mic Michaeli wirkt mit Hut und Sonnebrille unnahbar, während Jon Levén zurückhaltend spielt und eher der stille Beobachter ist. Ian Haugland trommelt sowieso in seiner eigenen Welt. Letztlich obliegt es Tempest den Laden zu schmeißen. „Ready Or Not“ oder „Nothin´ To Ya“ sind ja auch ordentliche Bretter an denen er sich abarbeiten kann. Bei „Let The Good Times Rock“ schwingt er dann sogar den Mikrofonständer als hätten wir 1988. „Rock The Night“ geht sowieso immer. Der Titel ist da Programm und auch die Zuschauer machen mit. Und ganz zum Schluss gibt es ihn dann, den „Final Countdown“. Was sie sich alle in Wacken freuen. Dabei ist die Nummer doch so verpönt.

 

Das Bild geht in Ordnung, aber der Schnitt und die Kameraführung sind mal wieder unter aller Wackenkatastrophe. Hat man eigentlich schon mal eine anständige Aufnahme aus Wacken bekommen!? Wo das Gezeigte nicht verwackelt, verwaschen, völlig hektisch oder die Musiker oftmals irgendwie nur ab Augen abwärts zu sehen sind? Dafür kriegt man immerhin einen Eindruck von der Stimmung vor Ort, da die Zuschauer auch immer wieder im Bild zu sehen sind Die Aufmachung des Ecolbooks ist ganz nett und das kann sich durchaus sehen lassen.

 

Fazit: Europe haben mit „War Of Kings“ ein sehr ordentliches und rockiges Album hingelegt. Auch mit etwas Abstand ist die Scheibe immer noch gut. Jetzt erscheint davon eine Special Edition, die noch den kompletten Wacken Auftritt auf DVD oder Blu-ray enthält. Auch hier geben die Schweden eine gute Figur ab, lassen aber auch kaum ein Klischee aus – aber das auf sehr charmante Art und Weise. Kameraführung und Schnitt sind in der gewohnten Wacken-Qualität zu bewundern – also eher wackelig. Alles in allem ist das aber eine schöne Veröffentlichung, da die Aufmachung auch ganz gelungen ist und da kann man über die paar Wackler dann hinwegsehen.

 

http://www.europetheband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Europe: War Of Kings

Europe: War Of Kings

UDR/Warner

VÖ: 06.03.2015

 

Wertung: 8/12

 

Europe sind immer noch unterwegs und halten die schwedischen Hardrockfanen in den Wind. Die Band findet zwar nicht mehr im Mainstream statt und manch einer wird bei dem Namen alleine schon verächtlich abwinken, aber ja, Europe haben im Jahre 2015 durchaus noch eine Daseinsberechtigung. Wer die Band immer nur auf das eine Album und den großen Hit reduziert, hat sich sowieso nie richtig mit der Kapelle beschäftigt. Das Album wurde im brandneuen PanGaia Studio in Stockholm, Schweden aufgenommen. Dave Cobb (Rival Sons) fungierte als Produzent und als Engineer saß John Netti an den Reglern. Das Ergebnis von elf Songs kann sich hören lassen.

 

Wer nur das Hitalbum kennt, braucht jetzt nicht wieder mit den alten Kamellen anfangen und was von den berühmten Fremdschämmomenten erzählen. Das ist längst Vergangenheit und fast dreißig Jahre her. Es ist ja nicht so, dass man einmal ins Klo greift und dann die Hand nie wieder da rausbekommt. Abgesehen davon war damals auch nicht alles schlecht und andere Bands wären froh so etwas im Backkatalog zu haben. Im Jahre 2015 ist aber „War Of Kings“ das Maß der Dinge im Europe-Universum.

 

Dieses Album orientiert sich an den 70ern und das auf eine sehr angenehme Art und Weise. Schon alleine der Opener ist ein Fest. Toni Iommi grüßt da nett von der Black Sabbath-Kanzel. Tonnenschwer breitet sich die Düsternis aus. „Hole In My Pocket“ setzt noch einen drauf und tritt allen Zweiflern ordentlich in den Arsch. John Norum an der Axt ist schon eine Show, aber auch Joey Tempest gehört immer noch zu einem Ausnahmesänger. Seine Stimme ist düsterer und auch etwas kratziger und genau das macht den Reiz aus. So ein Ding wie „Second Day“ hätten Europe in der Vergangenheit komplett versemmelt und mir reichlich Schmalz versehen. Jetzt ist das einfach eine straighte Classic Rock-Ballade.

 

„Praise You“ gehört vermutlich zu den besten Songs, die Europe je aufgenommen haben: schön düster und bluesig. „Nothin´ to Ya“ wühlt sich noch mal durch die 70er, bevor „California 405“ auf dem Highway etwas zu glatt gleitet. Der poppige Refrain ist sogar recht unschön. „Days Of Rock ´n´ Roll“ macht es etwas besser, aber erst mit „Children Of The Mind“ legt die Band hier ihr 70er Meisterstück ab, welches sich hinter den Genregrößen nicht zu verstecken braucht – ehrlich! „Rainbow Bridge“ lässt danach noch ein paar orientalische Klänge einfließen. „Angels (With Broken Hearts)“ ist eine weitere, unpeinliche Ballade, bevor „Light Me Up“ die Platte schön im 70er-Fahrwasser beendet.

 

Fazit: Das Schöne an Europe im Jahre 2015 ist, dass sie um ihren Ruf wissen. Es ist ihnen schlicht egal. Das hört man „War Of Kings“ deutlich an. Wer eben nicht bereit ist mal ein Ohr zu riskieren, hat Pech gehabt. Europe machen einfach mal ihr Ding und das hat nichts mit den Superstars von vor dreißig Jahren zu tun. Die Schweden liefern ein astreines Rockalbum mit sehr vielen 70er-Anleihen ab. So paradox es sich anhören mag: die Scheibe ist zeitlos. Es ist nicht alles Gold, aber vieles glänzt hier dann doch sehr hell. Eine faustdicke Überraschung ist dieses „War Of Kings“.

 

http://www.europetheband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Europe: Original Album Classics (5 CD Box)

Europe: Original Album Classics (5 CD Box)

Sony

VÖ: 20.03.2015

 

Wertung: 7/12

 

Die bewährte „Original Album Classics“ Reihe von Sony geht mal wieder in die nächste Runde. Die neuerliche Veröffentlichungsreihe hat wieder die Boxen in der gewohnten Optik zu bieten. Von Wham gibt es 3-CDs, während Pretty Maids und Gunter Gabriel mit der 5-CD-Ausgabe bedacht wurden. Selbiges gilt auch für die schwedischen Hardrocker von Europe, die sich ebenfalls mit 5 CDs in dieser Reihe wiederfinden. Die Pappbox hält dann die fünf „Cardboard-Sleeves“ als Mini Vinyl Replicas bereit. Und natürlich gibt es die ganze Geschichte wieder zu einem guten Kurs zu erwerben. Man muss dafür gerade mal 13 Euro auf den Tisch legen.

 

1983 kam das selbstbetitelte Debütalbum der Schweden auf den Markt. Damals war die Band noch beim schwedischen Plattenlaben Hot Records unter Vertrag. Man hört dem Album natürlich an, dass da noch kein großes Label dahintersteht. Die finanziellen Möglichkeiten dürften dementsprechend überschaubar ausgefallen sein. Der Sound der Platte ist dann auch etwas dünn und die Produktion noch nicht so ausgereift. Die Songs sind teilweise etwas härter und eine Nummer wie „In The Future To Come“ trägt auch noch deutlich die Spuren des 70er Progrocks in sich. Auf der anderen Seite ist „The King Will Return“ ganz sicher auch schon ein Fingerzeig in die Zukunft. Die Ballade lässt schon erahnen, dass Europe eben auch für eine Menge Schmalz und Kitsch gut sind. Dem gegenüber steht „Boyazont“, eine weitere Nummer, die mit schweren Gitarrenriffs aufwartet. Zwischen Black Sabbath und Progrock richten es sich Europe da ganz gemütlich ein. „Children Of This Time“ oder „Paradize Bay“ sind hingegen fast klassischer 80er Jahre Mainstreammetal.

 

Mit „Wings Of Tomorrow“ folgte schon ein Jahr später das nächste Album. Europe konnten sich in Japan damit eine stattliche Fanbasis erspielen. Nicht jeder war diesem Erfolg gewachsen und so wurde Tony Reno hinter der Schießbude gegen Ian Haugland ausgetauscht. Diese Platte stellte mehr oder weniger den internationalen Durchbruch der Schweden dar. Dies ist schon einigermaßen überraschend, denn der Sound ist für die Tonne. „Stormwind“ mag ja handwerklich ein annehmbarer Song sein, allerdings ist der Klang derart schwach auf der Brust, dass davon kaum etwas zu hören ist. Dumpf, dumpfer, „Wings Of Tomorrow“. Leider zieht sich das durch die gesamte Platte. Schade, denn „Scream Of Anger“ ist eigentlich ein schönes Metal-Brett, gerade der Bass treibt das Stück unaufhörlich an. Die Ballade „Open Your Heart“ steht dann wieder exemplarisch für die weiche Seite von Europe und den schlechten Ruf, den sie in manchen Kreisen genießt. „Treated Bad Again“ oder „Aphasia“ stehen in krassem Gegensatz dazu. Schade, schade, dass der Sound so hundsmiserabel ist. Dem Titeltsück „Wings Of Tomorrow“ fehlt so auch jeglicher Druck. Leider wird das auch nicht mehr bis zum Nackenbrecher „Dance The Night Away“ besser. Straighter Hardrocksong mit einem fürchterlichen Klangbild.

 

Zu „The Final Countdown“ muss man ja nicht mehr viel sagen. Die Platte katapultierte Europe einstweilen in die Riege der Superstars. Der gleichnamige Song lief damals rauf und runter. Heute schämt sich jeder dafür und lange Zeit waren Keyboards absolut verpönt. Warum eigentlich? Andere Bands wären froh ein solches Ding im Backkatalog zu haben. Den Herren von Europe dürfte die Nummer jedenfalls einen schönen Lebensabend beschert haben. „The Final Countdown“ verkaufte sich in den ersten beiden Jahren immerhin knapp acht Millionen mal. Die Single wohlgemerkt. Joey Tempest hatte mittlerweile die Führung der Band ganz alleine übernommen, weshalb John Norum ausstieg. Die Hardrockbasis war aufgrund des Popansatzes allerdings erschüttert und spätestens „Carrie“ war der Sargnagel für dieses Kapitel. Dafür fanden Europe jetzt in der Bravo statt. „The Final Countdown“ hat aber doch ganz ordentliche Rock-Hymnen zu bieten. „Dancer On The Track“ knallt doch ganz gut. Wer Bon Jovi liebt, ist eben auch hier goldrichtig. Selbiges gilt für „Ninja“. Mit „Cherokee“ folgt dann sogar der heimliche Lieblingshit vieler Albumkäufer. Klar, „Time Has Come“ ist grausam und „Heart Of Stone“ klingt heute ziemlich altbacken. Fremdschämen ist da angesagt. „On The Loose“ reißt das aber wieder raus, während „Love Chaser“ ein Abklatsch des Openers ist.

 

Dann kam von ganz oben der tiefe Fall. Mit „Out Of This World“ konnten Europe nicht mehr an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen. Das Gegenteil war der Fall. Heute würden sich Bands über zwei Millionen verkaufter Einheiten freuen, aber damals war das ein Flop. Das war der Preis dafür, dass man nun eine Teenieband war und sich die Hardrockfans längst abgewandt hatten. Außerdem wurde seinerzeit bemängelt, dass dem Album einfach ein Hit wie „The Final Countdown“ fehlen würde. Es ist ja nicht so, als hätte man es nicht versucht. „Superstitious“ versucht ja schon sein Bestes. Der Poprock von „Open Your Heart“ hätte sicher auch Hitpotenzial gehabt, ging aber ebenso baden wie der Pseudorock von „Let The Good Times Rock“. Die Zeit von Europe war definitiv vorbei. Und so ein Schlagerschunkler wie „Coast To Coast“ gehört sicher zu den schwerwiegendsten Fehlern der Bandgeschichte. „Ready Or Not“ konnte die Kohlen dann auch nicht mehr aus dem Feuer holen. Die Ballade „Tomorrow“ klingt dann zum Schluss auch wie der Abgesang.

 

Es folgte aber noch ein letztes Aufbäumen mit „Prisoners Paradise“. Nach Europe krähte da aber kaum noch ein Hahn und die Tour zur Platte wurde zum Desaster. Fröhliche Popsongs mit Gitarre vom Schlage „All Or Nothing“ oder „Halfway To Heaven“ waren zu Beginn der 90er aber auch sowas von out. Und dann Songs mit Titeln wie „I´ll Cry For You“, wo man schon weiß wie das klingt – ohne überhaupt einen Ton gehört zu haben. „Talk To Me“ versucht sich dann noch mal ein bisschen im Hardrockfach. Heute hört sich das übrigens alles recht manierlich an, wurde nur zum völlig falschen Zeitpunkt geschrieben – der Markt war einfach nicht mehr da. Ausfälle wie den Titelsong hatten Europe freilich immer im Gepäck. Himmel, da fallen einem ja alle Haare aus. Kompensiert wurde das mit Rocknummern wie „Bad Blood“ oder „´Til My Hearts Beat Down Your Door“. Danach löste sich die Band auf und kehrte erst in den 00er Jahren zurück und liefert seitdem recht ordentliche und unbeschwerte Alben ab.

 

Fazit: In der „Original Album Classics“ Reihe darf Europe natürlich nicht fehlen. Die ersten fünf Alben gibt es hier in der bewährten Aufmachung. Hier kann man wunderbar den Aufstieg und Fall der schwedischen Hardrocker, die nach und nach zu Poppern wurden, nachvollziehen. Der Sound auf den ersten CDs ist nicht sonderlich gut, aber spätestens mit „The Final Countdown“ merkt man, dass eine große Firma dahinter steht. Manches ist besser als sein Ruf, nur kam die Musik zu Beginn der 90er zum falschen Zeitpunkt. Da diese Veröffentlichung mit dreizehn Euro zu Buche schlägt, kann man hier natürlich nichts falsch machen.

 

http://www.europetheband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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