Eric Clapton: Forever Man (3 CDs)

Eric Clapton: Forever Man (3 CDs)

Warner

VÖ: 08.05.2015

 

Wertung: 8/12

 

Die Altvorderen sind alle nicht mehr taufrisch. Seit dem 30. März ist auch Eric Clapton im Club der 70jährigen angekommen. Mr. Slowhand kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Musikalisch nimmt er dabei mehr als nur eine Fußnote in den Geschichtsbüchern ein. Der Mann hat sich nicht nur als Solokünstler einen Platz in den Ruhmeshallen verdient, auch als Mitglied der Yardbirds, Derek & The Dominos und natürlich mit Cream schrieb er nachhaltig an der Rockmusikgeschichte mit. Anlässlich seines Jubliäums wurden nun noch mal einige Konzerte im Madison Square Garden und in der altehrwürdigen Royal Alber Hall in London mit Clapton und seiner Band angesetzt. Und wie das bei solchen Gelegenheit eben so ist, wird im Vorfeld nun noch mal eine „Best Of“ unter dem Titel „Forever Man“ veröffentlicht. Auf den drei CDs kann man sicher noch mal überprüfen warum der Mann 19 Grammys auf dem Kaminsims stehen hat.

 

Es liegt ja in der Natur der Sache, dass „Forever Man“ diese lange und großartige Karriere nur im Ansatz abbilden kann. Es gibt ja auch schon ähnlich gelagerte Veröffentlichungen von Clapton, besonders hervorzuheben sind die beiden „Crossroads“-Boxen. Auch einfache Zusammenstellungen hat es in der Vergangenheit von Mr. Slowhand schon gegeben. Für „Forever Man“ hat man sich daher etwas ganz Spezielles ausgedacht und die einzelnen Alben thematisch in „Studio“, „Live“ und „Blues“ unterteilt. Es dürfte klar sein wohin die jeweilige Reise geht. Die Grenzen sind bei „Studio“ und „Blues“ oftmals fließend und „Riding With The King“ mit B.B. King hätte sicher auch eine gute Figur auf „Blues“ abgegeben. Selbiges gilt für „Revolution“, gleichwohl der Reggae-Anteil dort auch sehr groß ist.

 

Dieses Set spiegelt die Reprise/Warner-Jahre wieder. Nicht alles auf diesem Set ist Gold. „I´ve Got A Rock ´n ´ Roll Heart“ mag zwar eine luftige Nummer sein und thematisch passt das zu Clapton, aber das ist derart harm- und belanglos, dass damit eigentlich einem guten Song der Platz geklaut wurde. Das treibende „Run Back To Your Side“ ist da wesentlich dringlicher. „Tears In Heaven“ darf natürlich auch nicht fehlen. Auch die Studioversion rührt einen zu Tränen. „My Father´s Eyes“ wurde seinerzeit mit gemischten Gefühlen aufgenommen, da Clapton dort auch ein paar künstliche Sounds verwendete. Nach und nach entwickelte sich das Ding aber zum Hit. „Anyway The Wind Blows“ mit J.J. Cale ist natürlich ein Brett und „Change The World“ ist eine Wohltat für die Ohren. Kein Ton zu viel, alles sitzt und hat Luft zum Atmen. Dies gilt auch für das spanisch angehauchte „Circus“ welches mit seinem verträumten und sehnsuchtsvollen Gitarrenspiel überzeugt.

 

Die „Live“-Seite kann aber trotzdem mehr überzeugen. „Badge“ - ein Song aus der Feder von Harrison und Clapton – kann mit Honky Tonk-Zwischeneinlage überzeugen und „Sunshine Of Your Love“ ist ja sowieso ein Rockklassiker. Diese Version von 1991 zeigt Clapton auch gesanglich auf der Höhe. Der Mann hatte selber ja immer Zweifel, ob er überhaupt als Sänger etwas taugt. Ja, tut er. Mit „White Room“ folgt gleich der nächste Höhepunkt von The Cream, den Clapton allerdings nicht mitgeschrieben hat und der aus der Feder von Bruce/Brown stammt. Sein Gitarrenspiel ist bei dem Song trotzdem unvergleichlich. „Wonderful Tonight“ hat schon Millionen Liebespaare in den siebten Himmel befördert. Diese sehr langsame Live-Version dürfte die Intensität noch verstärken. Diese Songs stammen alle – wie auch „Worried Life Blues – aus dem Album „24 Nights“ und sind in der Royal Albert Hall aufgenommen worden. Insofern ist das natürlich eine perfekte Vorbereitung für 2015. „Cocaine“ ist immer eine Bank, egal wann und wo. Danach kommt die hinlänglich bekannte Unplugged-Geschichte, hier mit „Layla“, „Nobody Knows You When You´re Down And Out“ und „Walkin´ Blues“. Steve Winwood und Eric Clapton harmonieren hervorragend, wie man auf dem sehr funky „Them Changes“ und dem langsamen „Presence Of The Road“ überprüfen kann. „Hoochie Coochie Man“ ist zwar toll, da ein Klassiker von Willie Dixon, allerdings fehlt dieser Version hier die Ursprünglichkeit und es wird einfach zu dick aufgetragen. „Over The Rainbow“ ist nett, aber auch etwas lahm und das liegt nicht am Ausgangsmaterial, sondern an der Interpretation von Herrn Clapton.

 

Die „Blues“-Abteilung ist eine schmissige Angelegenheit. „Before You Accuse Me“ ist durch Clapton zu ganz neuen Ehren gekommen. „Last Fair Deal Gone Down“ klingt nach New Orleans. An Robert Johnson hat er ja sowieso einen Narren gefressen und so finden sich gleich mehrere Stücke aus „Me And Mr. Johnson“ hier wieder. Auf der „Studio“-Seite war ja schon bereits ein Track von „Riding With The King“ zu finden, mit „Hold On I´m Coming“ gibt es den Nächsten. Mit J.J. Cale bildete Clapton immer ein unschlagbares Team. Das lässige „Sportin´ Life Blues“ legt ein weiteres Zeugnis dieser herausragenden Verbindung ab. „Sweet Home Chicago“ stammt zwar auch aus der Feder von Robert Johnson, Clapton hat aber das Kunststück geschafft die Nummer zu seiner zu machen. „Hard Time Blues“ ist wie gemalt, ein Gedicht. Clapton steht da den ganz Großen des Blues in nichts, aber auch gar nichts nach. Bei „Milkcow´s Calf Blues“ singt er auch noch entsprechend dreckig – großartig. „Key To The Highway“ entlässt einen entspannt aus diesen drei CDs. Ein toller Schlusspunkt.

 

Die Aufmachung des Sets ist etwas dürftig. Zunächst macht das zwar einen guten Eindruck, aber letztlich hat dieses dicke Paket im Inneren zwei Jewel Cases am Start, mehr nicht. Jedes Case hat noch ein Booklet zu bieten, bei dem man aber auch eher etwas sparsam aus der Wäsche guckt. Wer jetzt auf ausführliche Liner Notes, viele Fotos und sonstigen Informationen hofft, kann das gleich begraben – gibt es nämlich nicht. Da findet man dann doch weitaus liebevollere Zusammenstellungen.

 

Fazit: Eric Clapton feiert seinen siebzigsten Geburtstag, was nun als Anlass genommen wird mit „Forever Man“ eine weitere Werkschau auf den Markt zu schmeißen. Die Unterteilung in „Studio“, „Live“ und „Blues“ ist interessant und durchaus sehr sinnvoll. Es gibt von Clapton zwar bessere Packages – in erster Linie sind da die beiden „Crossroads“ Boxen zu nennen - aber für Einsteiger ist das durchaus eine lohnende Sache, da das Material doch weit über den üblichen „Best Of/Greatest Hits“-Klimbim hinausgeht.

 

http://www.ericclapton.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Eric Clapton: Unplugged (Deluxe + DVD)

Eric Clapton: Unplugged (Deluxe + DVD)

Warner

VÖ: 11.10.2013

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Das „Unplugged“ Format des ehemaligen Musiksenders MTV ist unweigerlich mit dem Namen Eric Clapton verbunden. Oder gibt es tatsächlich noch einen Fan handgemachter Musik, der das Teil nicht in seiner Sammlung stehen hat? Lässt man die puren Fakten sprechen, dann gibt es kaum ein erfolgreicheres Album, bei dessen musikalischen Umsetzung der Stecker gezogen wurde. Sechs Grammys (drei davon alleine für „Tears In Heaven) heimste die Platte ein und mehr als 19 Millionen Käufer trugen das Ding nach Hause. Zahlen, von denen Musiker aufgrund der Marktgesetze heute nur noch träumen dürfen. „Unplugged“ ist aber so oder so eine Klasse für sich. Das fünfte Livealbum von Clapton wurde im Januar 92 in London eingespielt und im Sommer des selben Jahres veröffentlicht. Jetzt erscheint es noch mal in neuem Glanz und mit jeder Menge Bonusmaterial.

 

Das Material soll in dieser Neuauflage überarbeitet worden sein. Inwieweit es sich nun tatsächlich verbessert hat, müsste man anhand eines direkten Parallelvergleichs überprüfen. Das Bild ist natürlich immer noch nicht perfekt. Ein Graining ist deutlich sichtbar und der Schwarzwert ist auch weit davon entfernt perfekt zu sein. Zieht die Kamera auf und zeigt das ganze Geschehen auf der Bühne, dann wirkt das Bild gar leicht verschwommen. Ein deutliches Rauschen macht sich ebenfalls bemerkbar. Kompressionsfehler scheinen soweit alle begradigt worden zu sein. Natürlich ist das weit davon entfernt in irgendeiner Form besonders miserabel zu sein. Erwähnt werden müssen die kleinen Schwächen aber schon alleine für die Perfektionsfreunde, die sich mitunter Quantensprünge erhofften oder für all die Spätgeborenen, die nur noch die Hightech-Produktionen von heute kennen. Die Kameraführung und der Schnitt sind immer noch erste Sahne. Man hat als Zuschauer das Gefühl, dass man bei Clapton mit auf dem Schoß sitzt. Der Sound verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Jedes Klopfen – und sei es nur auf die Oberschenkel seiner Mitmusiker – jede Triangel und jedes Percussion-Instrument ist klar und deutlich zu hören. Die Gitarren sind nichts anderes als eine Offenbarung für die Ohren!

 

Die heimlichen Höhepunkte des Sets sind jeweils die Bonusmaterialien. Sowohl die zweite CD wie eben auch das Rehearsal auf der DVD sind großartig. Der Zuschauer darf hier einen Blick hinter die Kulissen werfen. Clapton und seinen Musikern bei den Proben über die Schulter zu gucken ist schon höchst interessant. Blindes Verständnis wird hier auf eine neue Stufe gehoben. Da wird nicht viel geredet, Blicke reichen völlig aus. Da wird im Hintergrund auch noch wild gewerkelt und Leute wuseln hin und her und vorne sitzt Clapton und spielt hochkonzentriert den Blues. Auch hier darf man keine Wunderdinge von der bildlichen Umsetzung erwarten, so ist beispielsweise bei „Hey Hey“ ein dicker Patzer drin. Darum geht es aber ja auch nicht, sondern um den dokumentarischen Charakter und dieser ist nicht hoch genug zu bewerten. Das stört es auch nicht, dass bei „Tears In Heaven“ kurzzeitig das Licht ausgeht. Die intime Atmosphäre übt einen ganz besonderen Reiz aus. Durch das Fehlen des Publikums sogar noch mehr als der eigentlich schon sehr kleine Konzertrahmen. Der Sound ist übrigens zudem noch mal ganz anders als mit Zuschauern.

 

Dieses bisher unveröffentlichte Bonus-Footage wertet – soweit dies überhaupt möglich ist - „Unplugged“ noch mal auf. Wann darf man als unbeteiligter Dritter derart dicht dabei sein, wenn Musiker ihr Material erarbeiten? Von Fans wurde es immer wieder schmerzlich vermisst, jetzt liegt es endlich vor, jenes sagenumwobene „Circus“. Dies gilt auch für „My Father´s Eyes“ welches seinerzeit in der Ausstrahlung ebenfalls nicht enthalten war. Guckt man sich die Rehearsals an, dann hat man den Eindruck, dass man einen Blick in die Seele von Clapton wirft. Wie er da in seinem Schlabberanzug sitzt und den Blues spielt (und hat) ist schon sensationell. Überhaupt ist das Material ganz groß, hier wird das Set durchgespielt, hin und wieder gibt es eine Anweisung vom Rand oder die Musiker tauschen sich kurz aus, aber alles in allem weiß jeder was er zu tun hat. Dies ist aber kein Dienst nach Vorschrift, die Musik wird gelebt.

 

Der unwahrscheinliche Fall tritt ein und was man kaum für möglich hielt wird Realität: das eigentliche Unplugged-Konzert wird durch diese intimen Proben übertroffen! Musikalisch ist das perfekt und wie der Künstler sich da in die Musik reinfühlt und die Hosen komplett runterlässt geht zu Herzen und berührt. Ohne da zu viel hineinzuinterpretieren, aber bei „Tears In Heaven“ und „My Father´s Eyes“ scheint Clapton selbst ergriffen zu sein. Wie könnte es bei den tragischen Geschichten auch anders sein?

 

Fazit: Eigentlich ist jedes Wort über „Unplugged“ von Eric Clapton zu viel. Selten war ein Künstler so sehr bei sich und seiner Musik. Da sitzt der weiße Mann und spielt den Blues wie die ganz Großen. Kein Netz, kein doppelter Boden – nur Musik aus tiefstem Herzen und Überzeugung. Das ganze Ereignis wird nun runderneuert und mit reichlich Bonusmaterial erneut veröffentlicht. Man kann allen nur nahe legen, sich die Deluxe Ausgabe mit der beiliegenden DVD zu kaufen! Die Aufnahmen von den Proben kommen einer Offenbarung gleich und sind glattweg besser wie das eigentliche Konzert – was schwer genug ist! Näher kann man an einem Musiker – und dabei liegt die Betonung ausdrücklich auf Musiker – nicht mehr dran sein. Essenziell – und dies nicht nur für Clapton-Fans!

 

http://www.ericclapton.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch