Emerson Lake & Palmer: Love Beach

Emerson Lake & Palmer: Love Beach

BMG/ADA

VÖ: 26.05.2017

 

Wertung: 7,5/12

 

1978 waren Emerson Lake & Palmer längst in ganz anderen Sphären angelangt. Das Covermotiv von „Love Beach“ spricht da sicher Bände. In Zusammenhang mit dem Albumtitel wirkt das schon wie eine Karikatur. Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer veröffentlichten mit diesem Album das letzte Album der klassischen Ära der 70er. Über die Jahre wurde das Werk in vielen Neuauflagen immer mal wieder in den Handel gebracht. Jetzt gibt es mal wieder eine neue Edition.

 

Auch im Jahre 2017 wird das Cover nicht besser. Dies gilt auch für das 16-seitige Booklet. Dort kann man nämlich noch mehr Fotos dieser Art bewundern. Und siehe da: es geht sogar noch schlimmer. Immerhin gibt es auch noch Liner Notes und ein neues Interview mit dem Rock-Journalisten Chris Welch. Für die Motive kann ja keiner was, von daher muss man schon festhalten, dass diese Ausgabe sehr nett aufgemacht ist.

 

Ursprünglich wurde „Love Beach“ in Nassau/Bahamas eingespielt. Andy Pearce hat die Songs nun von den Originalbändern in 24-Bit-/High-Density.Formaten neu remastered. Der Sound ist schon erstklassig und selbst die feinsten Nuancen sind da zu hören. Toll sind die bisher unveröffentlichten, alternativen Mixe. Das gewinnt da noch mal an Intensität. Das Stück ragt da schon heraus. „The Gambler“ ist recht belangloser Pop, egal in welcher Version. Die Ballade „For You“ ist eine weitere Sternstunde. Gesanglich ist das schon herausragend. Egal in welchem Mix. Glücklicherweise gibt es nur einen Longtrack. „Memoris Of An Officer And A Gentleman“ ist in jeder Beziehung schon recht gruselig. Der Songaufbau ist zudem auch nicht sehr gelungen und so zieht sich das über 20 verzichtbare Minuten.

 

„Canario“ ist auch wirklich schlimm. „All I Want Is You“ wird ja gerne nachgesagt, dass das Stück schludrig komponiert wurde. Der Poprock kommt aber doch ganz gut und hat die Jahrzehnte erstaunlich gut überstanden. „Love Beach“ rockt auf seine Weise ebenfalls recht straight und auch „Taste Of My Love“ geht schnell in die Ohren. Die getragenen Keyboardpassagen kommen ebenfalls ganz gut und sind endlich mal schnörkellos. Die neuen Mixe von „All I Want Is You“ und „Taste Of My Love“ können ebenfalls überzeugen. Zum Schluss gibt es dann noch drei unveröffentlichte Rehearsals von 1978. „Canario“ scheppert dabei recht ordentlich. Eine faustdicke Überraschung.

 

Fazit: „Love Beach“ ist besser als sein Ruf und gerade die Poprocksongs zu Beginn haben die Zeit recht gut überstanden. Vielleicht waren die drei Herren damals genervt vom Musikgeschäft, vielleicht waren sie auch schludrig. Den Songs hat es auf jeden Fall nicht geschadet. Der Longtrack ist allerdings gruselig. Das Cover, nun gut, Schwamm drüber. Der Sound dieser Neuauflage ist schon ziemlich toll und auch die unveröffentlichten Mixe und Rehearsals können überzeugen. Für Sammler eine nette Geschichte.

 

http://www.emersonlakepalmer.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Emerson, Lake & Palmer: „Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends“

Emerson, Lake & Palmer: „Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends“

BMG

VÖ: 30.09.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Der Veröffentlichungswahn von Emerson, Lake & Palmer geht weiter. Oder anders ausgedrückt: nimmt eine neue Dimension an. Warum jetzt schon wieder Alben veröffentlicht werden müssen, die ja gerade erst noch letztes Jahr auf den Markt geschmissen wurden, erschließt sich dann nicht so ganz. Mit „Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends“ ist immerhin eine Deluxe-Reissue des ersten Live-Triple-Rockalbum der Musikhistorie dabei. Selbstverständlich gab es auch hiervon in der jüngeren Vergangenheit die eine oder andere Wiederveröffentlichung. Wer das Ding also schon in der Sammlung hat, wird nun nicht unbedingt erneut zuschlagen müssen. Es gibt ja durchaus schon ein sehr annehmbares Remaster.

 

Immerhin erscheinen die Alben nun im Originalen Artwork. Andy Pearce ist für das 24 Bit/HD-Remaster verantwortlich.  Im CD-Booklet gibt es zudem aktuelle Interviews mit Greg Lake und dem kürzlich verstorbenen Keith Emerson als Sahnehäubchen obendrauf. Hier hat man sich dann doch etwas mehr Mühe als in der Vergangenheit gegeben, denn da war die Aufmachung bisweilen schon eine große Enttäuschung. Schön, dass da nachgebessert wurde.

 

„Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends“ wurde 1974 veröffentlicht. Das Live-Album enthält Aufnahmen der ELP Welttournee der Jahre 1973 und 1974. Für ein Triple-Live-Album war dies zum Zeitpunkt des Erscheinens sehr erfolgreich und konnte sich sowohl in den USA, wie auch UK auf den vorderen Chartsplätzen einreihen. Unter Fans genießt die Platte sowieso einen legendären Ruf.

 

Es ist ja kein Geheimnis, dass Emerson, Lake & Palmer Virtuosen sind. Gerade live kam das in den 70ern voll und ganz zur Geltung. Von den schönsten Melodien geht es auf direktem Weg zur Raserei. Mit dem wilden Classic Rock Instrumental „Hoedown“ geht es schwungvoll los. „Jerusalem“ besticht immer noch durch eine der schönsten Gesangslinien des Genres. Musikalisch ist das schon sehr erhaben und pompös. Der Sound ist übrigens erstklassig. Danach geht es mit „Toccata“ in die vertrackte Kunstrock-Ecke der besonderen Art. Das Stück wechselt von eingängig zu komplett verschroben und ist nicht direkt zugänglich. Die perkussiven Elemente ab Minute drei bauten The Grateful Dead auch immer mal wieder in deren Set ein. Den Fans von Emerson, Lake & Palmer entlockte das auf der Tour 73/74 jedenfalls so manchen Jubelsturm.

 

Fast eine halbe Stunde zieht sich „Tarkus“ hin. Unterteilt ist das in sieben Einzelteile. Da ist alles dabei von Virtuosität über Angeberei bis hin zum schönsten Wohlklang. Das Bassspiel nach acht Minuten dürfte so manchen Musiker vor ein großes Problem stellen. Das Gegniedel auf den Tasteninstrumenten nervt bisweilen aber schon. Dafür wird man mit einigen Passagen der Stille ab Minute 16 entschädigt. Danach geht es orchestral weiter und entwickelt sich zu einer Jazz-Improvisation. Das ist anstrengend, aber eben auch sensationell. „Take A Pebble“ erstreckt sich über elf Minuten. Zunächst fällt das durch eine wirklich schöne Gesangsstruktur auf. Die wird auch weitestgehend beibehalten und nach „Still....You Turn Me On“ gibt es noch „Lucky Man“ - alles eingebettet in „Take A Pebble“. Emerson, Lake & Palmer konnten eben auch mal akustisch und songorientiert spielen.

 

Die zweite CD beginnt mit „Piano Improvisations“ - der Titel ist hier Programm. Das reicht von der puren Klassik bis zum Barjazz. „Take A Pebble (Conclusion)“ ist in der gestrafften drei Minuten Variante auch mal ganz nett. Selbiges gilt auch für das Medley aus „Jeremy Bender“ und „The Sheriff“. Letzteres erinnert an die Beatles und kommt dementsprechend auch mal poppiger daher. Die Stilmittel sind natürlich andere, denn die Tasteninstrumente bestimmen selbstverständlich das Klangbild. „Karn Evil 9“ rockt sogar richtig. Nach neun Minuten biegt das in Richtung Hard Rock ab, nur um dann auch wieder bei der Improvisation zu landen. Da sind durchaus Elemente dabei, die sich eine Band wie die Einstürzenden Neubauten angeeignet hat. Der Jazz ist dabei immer allgegenwärtig. Ein 35-minütiges Progmonster.

 

Fazit: „Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends“ kommt als 2016 Remaster klanglich richtig gut rüber. Das war in der Vergangenheit ja oftmals die Achillesverse dieser Veröffentlichung. Die Aufmachung ist recht nett. Die Live-Versionen liebt man entweder oder hasst selbige. Dazwischen scheint es nichts zu geben. Die vielen Improvisationen sind schon anstrengend. Das geht von Rock nahtlos in Jazz oder Pop über. Da perlt mit jedem Ton die pure Virtuosität aus den Boxen. Dies dürfte sehr viele Bands inspiriert haben – von Radiohead bis zu den Einstürzenden Neubauten, wenn auch nicht unbedingt bewusst.

 

http://www.emersonlakepalmer.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Emerson, Lake & Palmer: The Anthology

Emerson, Lake & Palmer: The Anthology

BMG

VÖ: 22.07.2016

 

Wertung: 8/12

 

Emerson Lake & Palmer haben einen neuen Deal in der Tasche. Mit BMG wurde ein Vertrag über die Rechte an 17 Alben aus dem Katalog der Band geschlossen. Für die Band ist das Risiko da eher von untergeordneter Bedeutung, aber ob sich das für das Label auszahlen wird? Eine neue Käuferschicht dürfte nicht damit angelockt werden, denn die jüngeren Leute werden Emerson Lake & Palmer kaum auf dem Schirm haben und die Fans haben sowieso schon alles im Schrank stehen. Die ersten drei Alben erscheinen nun immerhin als Deluxe Editions und zudem können die auch noch in verschiedenen Formaten erworben werden. Mit „The Anthology“ wird dann auch noch eine Retrospektive auf den Markt geschmissen, die den Zeitraum von 1970 bis 1998 abdeckt. Hierbei handelt es sich um ein umfangreiches 3-CD-Set!

 

Das Set wird in der CD-Variante als kleines Büchlein aufgelegt. Die Aufmachung ist ganz nett, aber nicht überragend. Ein paar Fotos kann man im Inneren bewundern, dann werden die einzelnen Album-Cover abgebildet, es gibt die rudimentären Informationen zu den Songs, Interviews mit den Bandmitgliedern und Liner Notes des Rockjournalisten Chris Welch. Das liest sich jetzt üppig, ist es in der Realität aber eher weniger. Ganz nett eben. Da dürfte die Tatsache interessanter sein, dass Toningenieur Andy Pearce die Songs neu remastert hat.

 

Geschafft. Mehr als 3 ½ Stunden Emerson Lake & Palmer an einem Stück zu hören ist schon eine Herausforderung. Es ist schon erstaunlich, dass dieses Trio mit dieser Musik mehr als 40 Millionen Tonträger verkaufen konnte. Vielleicht liegt es auch an der Crossover-Mentalität, denn damit wird ja Jazz und die Klassik über alle Maßen abgebildet, aber eben auch Rock und Blues. Hört man sich „A Time And A Place“ an, dann weiß man auch, dass eine Band wie The Mars Volta hier auch mal genauer hingehört hat. Die Keyboardflächen auf den 39 Tracks sind schon beeindruckend, aber eben auch sehr anstrengend. Das ist natürlich von großer Virtuosität durchzogen. „Piano Concerto No. 1“ zeigt aber auch, dass die Herren eben ganz tief in der Klassik verwurzelt waren. Hört man sich die Live-Songs wie „The Sage“, „The Great Gates Of Kiev“ oder auch „The Pirates“ an – um nur mal drei Beispiele zu nennen, die allesamt auf diesem Set enthalten sind - , dann wird erst richtig deutlich, dass man es mit ganz famosen Musikern zu tun hat, die das auch alles für die Bühne reproduzieren konnten und das auch noch auf ganz hohem Niveau.

 

Natürlich darf auch die Übersingle  „Lucky Man“ nicht fehlen. Da wird auch den Fans der Beatles das Herz aufgehen. Selbstverständlich ist das ein Welthit und eine Sternstunde, aber diese eingängige Nummer ist keinesfalls repräsentativ für Emerson Lake & Palmer. Auch „Fanfare For The Common Man“ wurde als Single ausgekoppelt. Der Bass ist in diesem Stück schon sehr präsent, letztlich aber auch nicht gerade typisch für das Trio. Der Frickelanteil ist hier aber unwesentlich höher und von daher kommt das dem eigentlichen Schaffen schon eher nahe.

 

Von den drei CDs ist die dritte sicher die zugänglichste. „I Believe In Father Christmas“ darf durchaus als schön bezeichnet werden. U2 coverten das Stück in der jüngeren Vergangenheit auch schon und die Iren sind sicher nicht unbedingt mit dem Sound von Emerson Lake & Palmer in Verbindung zu bringen. „Romeo And Juliet“ dürften viele – und sei es nur aus dem TV – ebenfalls kennen und somit zählt auch diese Nummer zu den eher eingängigen Songs, da sich selbiger bei den Hörern im Gedächtnis fest verankert hat. „Paper Blood“ mit der Mundharmonika und dem rockigen Unterbau fetzt und auch „Tiger And Spotlight“ wird den Mainstreamhörer nicht verschrecken – im Gegensatz zu vielen anderen Songs von „The Anthology“.

 

Fazit: Wie immer bei solchen Geschichten, dürfte sich „The Anthology“ an all jene richtigen, die schon immer auf das bekannteste Material von Emerson Lake & Palmer scharf waren, sich aber nicht direkt den ganzen Backkatalog kaufen wollten. Es sei daher auch allen Nicht-Hardcore-Fans empfohlen, zuerst zu dieser Zusammenstellung zu greifen, denn hier kriegt man schon einen ganz guten Eindruck über das Schaffen des Trios und abseits der bekannten Hits ist das nicht nur immens anspruchsvoll und virtuos, sondern sehr oft auch sehr anstrengend. Die mehr als 3 ½ Stunden können einen da schnell überfordern und anstrengend werden. Geliefert wird das alles in einem kleinen Büchlein mit recht netter Aufmachung!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Emerson, Lake & Palmer: Trilogy (2CD + DVD Audio)

Emerson, Lake & Palmer: Trilogy (2 CD + DVD Audio)

Sony/Legacy

VÖ: 24.04.2015

 

Wertung: 7/12

 

Das vierte Album „Trilogy“ von Emerson, Lake & Palmer wird nun auch – ähnlich wie „Brain Salad Sugery“ - in neuem Licht erstrahlen. Man hat sich das Werk nun noch mal zur Brust genommen und mit einigen Gimmicks aufgepeppt, die der Hardcorefan aber mit eher gemischten Gefühlen aufnehmen wird. Die ausführlichen Liner Notes und Archiv-Fotos lassen zunächst das Herzchen etwas höher hüpfen. Die Aufmachung ist, wie man es von Legacy eben jetzt schon seit vielen Jahren gewohnt ist, sehr gelungen. Optisch erstrahlt dieses Werk nun tatsächlich in ganz neuem Glanz. „Trilogy“ hat ja auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Dieser Prog-Meilenstein erschien immerhin schon 1972 und konnte in England auf Platz 2 der Charts landen und in den USA auf einen überraschenden 5. Platz stürmen. Seit diesen Tagen wird die Platte aber auch etwas stiefmütterlich und andere bevorzugt behandelt.

 

Greg Lake erklärt „Trilogy“ zu seiner Lieblingsplatte von Emerson, Lake & Palmer. Er findet, dass das Album zu einer Zeit entstand, als die Inspiration und Motivation der Band ihren Höhepunkt hatte. Dies hört man diesem Projekt mitunter auch an. Aus heutiger Sicht ist das aber teilweise trotzdem schwer verdauliche Kost und klingt entweder zu altbacken oder – paradoxerweise – zu futuristisch. Es war eben eine sehr experimentelle Zeit und Emerson, Lake & Palmer loteten dies auf diesem Album in viele Richtungen aus: Die Klassik gibt dem Rock die Klinke in die Hand.

 

„Trilogy“ wurde in vielerlei Hinsicht kontrovers aufgenommen. Den berühmten Longtrack gibt es nämlich nicht und eine richtige Klassik-Adaption sucht man dann auch vergeblich. „Hoedown“ stammt immerhin aus dem Ballett(!) „Rodeo" und Ravels „Bolero“ wird mit „Abaddon´s Bolero“ verarbeitet. Insgesamt hat das Trio hier ein sehr konsistentes Album aufgenommen. Das Referenzstück der Platte lieferte die Band gleich zu Beginn mit „The Endless River“ ab. Dieses Opus ist dreigeteilt und mitunter das Beste, was dieses Trio je konzipiert hat. Dagegen fällt der Rest der Platte aber auch etwas ab und das Tasteninstrument fängt über die gesamte Länge an zu nerven. Handwerklich ist das natürlich allererste Liga, gar keine Frage. Im Grunde das Pendant zu den Gitarrenvirtuosen, die sich auch gerne mal einen abgniedeln. Aber noch mal: die musikalischen Fähigkeiten von Emerson, Lake & Palmer sind herausragend, auch auf dem oftmals unterschätzten „Trilogy“.

 

Auf der ersten CD ist nun das Originalbum enthalten, auf der zweiten ein neuer Stereo-Mix, wo sich allerdings nur marginal Unterschiede ausmachen lassen. Highlight ist hier die alternative Version von „From The Beginning“. Zwischen Folk, Blues und ja, auch Pop, ist das eine wunderbare Prognummer. Die DVD enthält das komplette Originalalbum und verschiedenen 5.1 und Stereomixe die von King Crimson Musiker Jakko Jakszyk abgemischt wurden. Der Mann hat ja auch gerade bei Jethro Tull „Minstrel In The Gallery - The 40th Anniversary La Grandé Edition“ mitgearbeitet. An die Steven Wilson Mixe kommt das allerdings nicht heran. Die räumliche Abmischung hätte mitunter durchaus noch ein bisschen Luft nach oben gehabt, aber alles in allem ist das klanglich ein Hochgenuss.

 

Fazit: „Trilogy“ von Emerson, Lake & Palmer wird nun erneut veröffentlicht. Die Aufmachung ist hier der heimliche Star und macht einen enorm guten Eindruck. Da wurde mit der entsprechenden Sorgfalt und Liebe zum Detail gearbeitet. Zum Originalalbum gibt es noch einen neuen Stereo-Mix und die ganze Sause dann auch noch mal auf DVD und im 5.1 Mix. Das ist klanglich sehr gut, auch wenn da glatt noch ein bisschen mehr drin gewesen wäre. Das Album ist handwerklich die ganz hohe Musikkunst. Trotzdem, wie es bei der Progmusik häufig der Fall ist, hat man immer wieder das Gefühl, dass da mehr der Verstand und die Leistungsschau, denn Herz und Seele im Vordergrund stehen.

 

http://www.emersonlakepalmer.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Emerson, Lake & Palmer: Brain Salad Sugery (2CD + DVD Audio)

Emerson, Lake & Palmer: Brain Salad Sugery (2CD + DVD Audio)

Sony/Legacy

VÖ: 30.05.2014

 

Wertung: 8/12

 

„Brain Salad Sugery“ ist vermutlich das Meisterwerk von Emerson, Lake & Palmer schlechthin. Darüber gibt es eigentlich kaum Diskussionsbedarf. Die Herrschaften loteten auf diesem Album alles auf, was die Prog- und U-Musik zu bieten hatte und setzten dabei die Messlatte für alle anderen, die sich in diesem Genre austoben, extrem hoch. Das fünfte Album ist auch gleichzeitig das wichtigste von Emerson, Lake & Palmer. Dieser Meilenstein feiert nun seinen 41. Geburtstag und dies wird in angemessener Form gewürdigt. Eigentlich werden ja die runden Feste gefeiert, aber bei dieser Band und diesem Genre ist alles etwas anders.

 

„Brain Salad Sugery“ ist soundtechnisch noch mal aufgepeppt worden, kann aber die hohen Erwartungen, gerade auch der Fans, nicht erfüllen. Besonderes Augenmerk dürfte in den Anhängerkreisen sicher auf der mitgelieferten DVD liegen. Im Vorfeld wurde da ja immer wieder ein 5.1 Mix angekündigt, aber den sucht man auf der 2CD/DVD Audio-Version leider vergeblich! Die Anhängerschaft wird da ordentlich zur Kasse gebeten, denn wer die 5.1 Abmischung erleben möchte, muss auf das ganz teure Set zurückgreifen. Nerds sollten somit von dieser Version die Finger lassen, denn die Enttäuschung dürfte da entsprechend groß sein.

 

Auch der auf der DVD enthaltene Original Mix ist nicht neu, der war Anfang der 00er Jahre auch schon auf einer Emersonn Lake and Palmer Box enthalten. Das eigentliche Album lag ja auch schon bereits als Remaster vor. Die klanglichen Anreize sind für die Hardcorefans somit fast zu vernachlässigen und bieten kaum nennenswerte Verbesserungen. Unter dem Strich verbleiben acht neue Stereo Mixe, aber mal ehrlich, das ist so schlecht nicht, zumal die ganze Geschichte für den Preis einer Einzel-CD erworben werden kann! Man sollte da auch etwas die Kirche im Dorf lassen! Die Aufmachung im Digipack ist auch nicht gerade von schlechten Eltern und das Artwork von H.R. Giger kommt dabei besonders gut zur Geltung! Und der Sound im 24bit/96khz-Master hat ja nun auch einiges zu bieten und dann hat man das ganze Material der DVD auch noch als Flac Files mit draufgepackt. An die Steven Wilson Geschichten kommt das zwar nicht heran, aber insgesamt ist das klanglich durchaus sehr wertig. Es bleibt allerdings ein etwas bitterer Beigeschmack, da im Vorfeld eben der 5.1 Mix kommuniziert wurde und der fehlt hier eben.

 

Vergleicht man den Sound von „Brain Salad Sugery“, dann ist das gegenüber aktuellen Veröffentlichungen und in Zeiten des Loudness-Wahnsinns wie Musik aus einem anderen Klanguniversum. Moog oder die Tasteninstrumente von Keith Emerson gleichen einer Offenbarung. Die Dynamik ist schon atemberaubend und auch die vielen Tempowechsel, vertrackten Breaks und Rhythmen kommen voll und ganz zur Geltung. Das ist alles derart fein austariert, dass es für die Ohren wie eine Frischzellenkur wirkt. Die Songs selbst sind mitunter natürlich keine leichte Kost. Nach dem schönen „Jerusalem“ geht es mit „Toccata“ an das Eingemachte und „Still...You Turn Me On“ justiert einem die Synapsen noch mal völlig neu. Die Gitarrenballade von Greg Lake beinhaltet alles, was die sechs Saiten hergeben. Kernstück der ganzen Platte ist „Korn Evil 9“. Über 30 Minuten wird hier diese geniale Welt beschrieben, die wie Science Fiction wirkt, aber doch im Jahre 2014 erstaunlich real erscheint. Ein Meilenstein.

 

Fazit: „Brain Salad Sugery“ kommt in der Jubiläumsedition im Digipack optisch sehr gut rüber. Auch das Zusatzmaterial bietet einiges an Mehrwert und man kann hier sehr schön noch tiefer in diesen Meilenstein eintauchen. Die Audio-DVD hat allerdings nicht den versprochenen 5.1 Mix an Bord und dies erweist sich als echter Minuspunkt. Der Stereo-Mix ist teilweise schon bekannt, gleicht aber trotzdem – unter Berücksichtigung der heutigen Hörgewohnheiten – einem Quantensprung. Das Album selbst ist ein Genre-Meisterwerk und sollte in keiner Sammlung fehlen.

 

http://www.emersonlakepalmer.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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