Element Of Crime: Lieblingsfarben Und Tiere

Element Of Crime: Lieblingsfarben Und Tiere

Universal

VÖ: 26.09.2014

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Man muss ja ein bisschen aufpassen, wenn man als Rezensent mit Superlativen hantiert. Ist Element Of Crime die beste deutschsprachige Band? Beste, was ist das überhaupt? Wie definiert man das? Das liegt ja immer im Auge des Betrachters. Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Element Of Crime schon immer eine ganz und gar außergewöhnliche Band war. Irgendwie füllte diese herzige Kapelle schon immer ihre ganz eigene Schublade. Das macht ja sonst keiner. Element Of Crime haben diese Art von Musik nie gemacht, weil es sonst keiner macht, sondern weil die Herren es wollen. Und können. Irgendwann ist aber auch mal gut. Oder etwa doch nicht? „Lieblingsfarben Und Tiere“ bringt einen um den Verstand. Da muss man dann doch wieder die Superlative bemühen. Ist das nun die beste Platte von Element Of Crime? Vielleicht! Es ist aber definitiv die beste deutschsprachige Platte die dieses Jahr veröffentlicht wird. Da muss man auch nicht vorsichtig sein, das ist einfach Fakt. So.

 

Na gut, es soll Menschen geben, die verstehen Element Of Crime nicht. Es gibt sogar Stimmen, die behaupten, dass die Band zu schlagermäßig unterwegs wäre. Schlager, das muss man sich nur mal vorstellen. Manch einem ist die Musik auch einfach zu langsam. Hinzu kommt die verstörende und offene Sprache. Und die Romantik. Man kann es den Menschen nicht mal verdenken, wenn sie Element Of Crime nicht verstehen. Diese armen Leutchen, die verpassen doch so viel Schönes. „Lieblingsfarben Und Tiere“ ist doch wieder voll davon. Von dieser Schönheit.

 

„Lieblingsfarben Und Tiere“ ist natürlich wieder typisch Element Of Crime und doch ist dieses Album auch irgendwie anders. Es rumpelt mehr. Es ist schräger. Sprachlich ist das natürlich wieder direkt, romantisch und bissig, Sven Regener eben und doch scheint sich sein zweites Standbein als Romanautor bezahlt zu machen, denn seine Sprache ist auch mal bildgewaltig und scharf wie ein frisch gewetztes Messer. Sein berühmter Wortwitz ist ja nicht abhanden gekommen - es bleibt einem aber auch mal das Lachen im Halse stecken. Poesie, die in Musik verpackt wurde.

 

Die Verpackung ist dann auch anders. Also natürlich nicht anders in dem Sinne, dass man hier nichts mehr erkennen würde. Es wird nur mehr getrötet, beispielsweise in dem formvollendeten „Müssen Alle Schafe Ruhen“ (diese Songtitel!) und es wird mal die Gitarre aufgerissen, verzerrt und allgemein etwas unsteter gespielt. Man muss es gehört haben, wie bei dem wunderschönen Americana-Stück die Trompete ins Zentrum gestellt wird – welche Rockband macht das in dieser Konsequenz eigentlich noch? - die Mundharmonika sehnsuchtsvoll von Richard Pappik gespielt wird und dann gibt es auch noch ein Akkordeon zu hören. Ein Akkordeon! Ist das schön und es passt so wunderbar.

 

Beim Titelsong „Lieblingsfarben Und Tiere“ dengeln die Gitarren, spielt David Young stoisch den Bass und dann gibt es das wohl beste Gitarrensolo in einem Element Of Crime Song. Es ist kurz und genaugenommen sind es zwei parallele Solos, aber sie sind gar wunderbar. Und dann dieser Text. Man möchte Sven Regener einfach mal dafür drücken. Nein, man will die ganze Band umarmen, so schön ist das alles hier. Es wird aber noch besser. Ups, jetzt nur nicht wieder die Schublade mit den Superlativen aufziehen. Aber was soll man machen!? „Schade Dass Ich Das Nicht War“ ist pure Romantik. Und dann weht hier auch noch der Geist von Neil Young durch den Song. Oder ist es gar Neil Young höchstselbst, der da die Gitarre jaulen lässt?

 

Mal ehrlich, nur Element Of Crime schaffen es einen so unaufgeregten Song wie „Rette Mich (Vor Mir Selber)“ aufregend klingen zu lassen. Ein Song mitten aus dem Leben. „Liebe Ist Kälter Als Der Tod“ bedient sich noch mal bei den ganzen Americana-Weisheiten – mit Posaune, Altsaxofon, Tenorsaxofon und Trompete.„Schwert, Schild Und Fahrrad“ erfreut das Herz mit einer Einfachheit. Und Romantik, wie sie nur Sven Regener zu Papier bringen kann. Was ist eigentlich mit Streichern? Gibt es doch. „Immer So Weiter“ ist ja voll davon. Cello, Violine und Viola sind da und doch rumpelt das herrlich daher, als hätte Tom Waits jetzt einen Song für Element Of Crime geschrieben. „Dunkle Wolken“ ist etwas unverschämt. Man kann das Booklet absuchen wie man will, man findet keinen Hinweis darauf, dass die Musik von Bob Dylan stammt und der Text nur eingedeutscht wurde. Mehr Bob Dylan geht nicht! Auch nicht bei Bob Dylan. „Dieselben Sterne“ ist der vielleicht schönste Song, den Element Of Crime jemals vertont haben. Moment, hatten wir das nicht gerade eben? Es ist aber auch ein Kreuz mit dieser Band, die einfach alles richtig macht.

 

Fazit: Was soll man da auch nun schon wieder schreiben? Man würde ja gerne mal etwas Kritik über Element Of Crime ausschütten. Geht aber nicht. „Lieblingsfarben Und Tiere“ ist ein Meisterwerk. Natürlich. Mal wieder. So ist das eben mit dieser Band. Die Musik geht nicht mehr den direkten Weg, ist verschachtelter, schräger und auch mal rumpelnd. Es ist trotzdem durch und durch ein Element Of Crime-Album. Es mag Leute geben, die diese Art von Musik nicht verstehen und man kann das sogar nachvollziehen, aber hey, diese Leute verpassen doch so viel schöne Musik - man könnte glatt ausrasten!

 

http://www.element-of-crime.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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