DIO: Magica (Deluxe Edition)

DIO: Magica (Deluxe Edition)

Niji Entertainment/Tonpool

VÖ: 14.06.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

In den 90ern hatte sich Ronnie James Dio ziemlich verzettelt und ein paar Alben aufgenommen, die den Bach runtergingen. Gesanglich war der Mann zwar stets in der ersten Liga anzusiedeln, aber so manches Experiment hätte er besser nicht gewagt. Mit „Magica“ sollte es dann 2000 wieder zurück zu den Wurzeln gehen. Craig Goldy war wieder mit an Bord und somit konnte die alte Magie wieder hergestellt werden. Dieses Album erscheint nun erneut. Eigentlich unüblich, da weder ein Jubiläum ansteht, noch hat die Platte derart viel Staub angesetzt, dass man sie nun erneut veröffentlichen müsste. „Magica“ wurde nun allerdings um eine weitere CD erweitert und dürfte nun auch für den Fan noch mal ein paar Anreize bieten, sich das Ding erneut in den DIO-Schrein zu stellen.

 

Die Deluxe Edition kommt nun im schicken Digipack daher, enthält ein Booklet, die‚Magica‘ Tourdaten, die Setlist und dann liegt auch noch ein Ronnie James DIO Foto bei. Für eine Postkarte hat es da wohl nicht ganz gereicht. Alles in allem geht die Aufmachung aber schwer in Ordnung und erfreut das Sammlerherz. Musikalisch wurde das Teil ja nun auch um die eine oder andere Nuance aufgewertet. Und wer das Konzept von „Magica“ bisher nicht verstanden hat, der kann sich das nun vom Meister höchstpersönlich erklären und vorlesen lassen. Die zweite CD starte nämlich mit 18 Minuten, die einem „Magica“ näher bringen sollen. Das ganze wird dann mit der entsprechenden wabernden Musik unterlegt und ist ziemlich albern. Das mag auf Hörspielen funktionieren, aber spätestens im Erwachsenenalter ist diese mystische Grundnote doch nah an der Peinlichkeitsgrenze.

 

Das eigentliche Album hat nicht nur ein paar Songs zu bieten, sondern eine durchgängige Geschichte. Diese erreicht zwar nicht „Herr Der Ringe“ Format, aber die Erzählung über einen Planeten, der seine zwei Sonnen verloren hat und nun von einer Eisschicht bedeckt ist und auf dem das Buch „Magica“ gefunden wird welches von einer großen Kultur, aber auch dunklen Mächten berichtet, ist ganz nett. So gestaltet sich dann auch der Auftakt mit „Discovery“. Hier finden die Archäologen „Magica“ und somit schließt sich das „Magica Theme“ an. Genau hieran krankt das Album allerdings auch, denn zu viel Mummenschanz tut der Platte auch nicht gut. Die schweren Riffs von „Lord Of The Day“ reißen es dann wieder raus. Zum Schluss gibt es mit „Magica (Reprise)“ und „Lord Of The Last Day (Reprise)“ wieder zwei recht kurze Tracks, die die Geschichte zwar wie ein Musical beenden, aber die Songs nicht wirklich weiter bringen. Ganz anders „Fever Dreams“, gerade das Stakkato-Gitarrenriff und die herausragende Gesangsleistung von DIO – der hier immerhin auch schon nicht mehr ganz jung war – sind eine Sternstunde des Albums. „Turn To Stone“ ist nach ähnlichem Muster gestrickt und somit dann auch nur noch halb so spannend. Aufgewärmte Suppe schmeckt eben nur noch bedingt. Auch „Eriel“ und „Challis“ variieren dieses Muster mehr schlecht als recht. Immerhin können die Refrains überzeugen. Mit der Ballade „As Long As It´s Not About Love“ gibt es dann endlich mal etwas Abwechslung. Das Stück ist sicher streitbar und die Musicalnote lässt sich nicht wegdiskutieren, passt aber eben auch gut. „Losing My Insanity“ beginnt mit mittelalterlichen Klängen (Laute!) und dann rollt die Band doch noch einen tonnenschweren Klangteppich aus. Die Düsternis von „Otherworld“ weiß als letzter richtiger Song auch zu gefallen.

 

Nachdem uns der gute Ronnie seine Geschichte vorgelesen hat, folgt mit „Annica“ ein Song, der bisher nur in Japan als Bonus Track veröffentlicht wurde. Das Instrumentalstück nimmt musikalisch aber nur das Thema der ersten CD auf. „Electra“ kommt ganz gefällig daher, bevor das ganze Thema mit vier Songs auch live vorgestellt wird. Hier fällt abermals die enorme Stimmgewalt von Dio auf.

 

Fazit: Man hat nicht gerade darauf gewartet, dass „Magica“ noch mal veröffentlicht wird. Jetzt, wo das Ding in der Deluxe Edition da ist, kann man sich durchaus über das Bonusmaterial freuen. Das eigentliche Album mit seiner Geschichte ist sicher nett, kann musikalisch aber nicht immer überzeugen, da dies eben zu sehr in seinem Konzept gefangen ist. Der eine oder andere Knaller ist natürlich trotzdem drauf. Alles in allem ein nettes Spätwerk von DIO!

 

http://www.ronniejamesdio.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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