Die Nerven: Fun

Die Nerven: Fun

This Charming Man/Cargo Records

VÖ: 07.02.2014

 

Wertung: 7,5/12

 

Die Welt da draußen versinkt gerade in der großen Depression. Politisch sowieso, aber jetzt regnet es auch noch als würde eine Sintflut die Menschheit hinwegspülen. Die Nerven sind der passende Soundtrack dazu. Hoffnung scheint es keine mehr zu geben. Scheiße und zwar alles - aber mal so richtig! Natürlich ist es die pure Ironie von Julian Knoth, Kevin Kuhn und Max Rieger das zweite Album „Fun“ zu nennen. Die Nerven wissen jedenfalls was sie wollen und das ist in erster Linie Dekonstruktion. Da war doch mal was! „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. So ähnlich schlägt diese Kapelle hier mit Hedonismus um sich. Wobei das ja auch schon wieder ambivalent ist. Streben nach Lust und Freude? „Fun“? Die Nerven – ganz einfach.

 

„Es ist mehr Albtraum als Traum“/“Ich stehe morgens auf und gehe abends schlafen“/“Ich erwarte nichts mehr, fühle mich nur noch verfolgt“ sind Textzeilen, die die ganze Hoffnungslosigkeit abbilden. Verdammtes Hamsterrad, jeden Tag müssen wir dieselbe Scheiße ertragen. Fickt euch doch! Wäre ja sicher auch ein passender, unironischer Albumtitel gewesen. „Es geht mir besser als ich ausseh´“ heißt es da weiter in „Und Ja“. Das ist ja schon nahe am Zynismus. Die Nerven heilen keine Wunden, sie reißen sie auf – mit voller Wucht und ohne Pardon.

 

Musikalisch macht sich da oftmals eine Atmosphäre bemerkbar, die nicht schön ist. Wie die vertonte Klaustrophobie breitet sich der Sound aus und zieht einen in einen Strudel, dem man sich kaum entziehen kann. Die Platte verlangt einem alles ab, lässt einen aber garantiert nicht kalt. Müsste man die völlig Tristesse des Ruhrgebiets der 80er vertonen, es würde wie „Fun“ klingen. Messer kommen einem da in den Sinn. Oder EA80. In seltenen Momenten, wie in „Angst“, werden auch Erinnerungen an die jugen Tocotronic wach. Punk und Wave mit einem Post davor. Wenn alles eingerissen wird und es mit „Ich Erwarte Nichts Mehr“ nur so bedrohlich scheppert, knallt und lärmt, dann können einem sogar die Einstürzenden Neubauten der Frühphase in den Sinn kommen. Hart an der Grenze, manchmal drüber, aber eben auch immer auf eine ganz besondere Art und Weise faszinierend!

 

Fazit: Die Nerven können einem schon auf diese gehen. Das wissen sie und wollen sie ja auch. Die drei jungen Musiker wollen ganz sicher keine Wohlfühlmusik auf die Menschheit loslassen. Mit dem zweiten Album knüpfen sie nahtlos an das Debüt an und suhlen sich mit „Fun“ irgendwo im Punk und Wave der 80er und ziehen den Hörer unweigerlich mit in den Abgrund. Das ist kein Spaß, aber verdammt nachhaltig! Eine extrem interessante Band, die sich da nach und nach immer weiter in die Hirne einer breiteren Öffentlichkeit fräst.

 

http://dienerven.tumblr.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch