Die Fantastischen Vier: Rekord

Die Fantastischen Vier: Rekord

Sony

VÖ: 25.10.2014

 

Wertung: 8/12

 

Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass diese Lausbuben im Jahre 2014 immer noch im Geschäft sindß! Die jungen Herren, die sich einst durch den Deutsch-Rap tobten, gehören aber längst zu den ganz Großen in diesem Land. Quer durch alle Genres zeugt man ihnen Respekt. Willkommen in der Welt von Die Fantastischen Vier. Sie mögen erwachsener geworden sein, der Schalk sitzt ihnen aber natürlich immer noch im Nacken. Und natürlich sind sie extrem geschäftstüchtig. Michi Beck und Smudo haben die zwei verwaisten Plätze bei The Voice Of Germany eingenommen. Dieses Format wird von der Öffentlichkeit ja überaus positiv aufgenommen und somit ist das eine sehr nette und zusätzliche Werbung für die Band und das neue Album „Rekord“. Oder glaubt noch wirklich einer, dass es da um irgendwelche Talente geht? Dies ist einzig und alleine die Sendung der Jury und ein jeder hat auch immer gerade etwas zum Start einer neuen Staffel zu promoten und unter die Leute zu bringen. Im Falle von Die Fantastischen Vier ist das sogar gut, denn „Rekord“ verdient es gehört zu werden.

 

Die letzten Alben der Schwaben hatten durchaus ihre Momente, aber wenn man ehrlich ist, war das teilweise auch zu entspannt. Der Biss schien einfach abhanden gekommen zu sein. „Rekord“ ist wieder bissig. Und angriffslustig. Die Fantastischen Vier haben sich hier richtig ins Zeug gelegt. Vielleicht spielt auch das Jubiläum eine besondere Rolle, vielleicht hat die Chemie dieser vier unterschiedlichen Typen und Charaktere diesmal wieder mehr gestimmt. Vielleicht hin oder her, letztlich ist „Rekord“ ein gutes Album geworden und die vier Herren können teilweise an die alte Klasse anknüpfen. Hier wurde mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet. Dazu gehört auch die Aufmachung - hier hat man sich sehr viel Mühe gegeben. Die CD wird als kleines Hardcover-Buch geliefert. Die visuelle Umsetzung ist schon sehr nett und das haptische Erlebnis kommt da nicht zu kurz. Die Gestaltung des Booklets darf durchaus als sehr gelungen bezeichnet werden. Selbstverständlich werden auch die Texte komplett abgebildet. „Rekord“ ist somit ein Gesamterlebnis.

 

Die poppige Single „Und Los“ kennt man ja schon. Geht gut in die Ohren und Beine. Das Stück steht aber nicht exemplarisch für „Rekord“. Auch „25“ mit einem Feature von Don Snow aka Jonn Savannah ist ja hinlänglich bekannt. Die Nummer st schon eine ganze Spur härter und hat diesen unwiderstehlichen Disco-Beat und Falsett gibt es beim Refrain obendrauf. Die Party wird mit „Heute“ dann so richtig in Gang gebracht. „Irgendwie ist immer Heute“ lassen einen die Herren wissen. Die qualitative Konstante bleiben natürlich die Fanta 4, egal in welchem Heute man sich gerade befindet – so die Kernaussage. Dazu wird ordentlich Alarm gemacht und auf den Beat und den Putz gehauen.

 

Und wer behauptet, dass Smudo mittlerweile drei Gänge zurückgeschaltet hat, der höre sich bitte „Lass Sehen“ an. Der Mann geht hier ab als würde er in seinem Rennauto mit Vollgas durch die Kurven brettern. Die Hookline hat man schnell verinnerlicht und diese setzt sich unweigerlich in den Gehörgängen fest. Die Thematik der sozialen Netzwerke ist zwar langsam auch ausgelutscht, aber die Vier verpacken das dann doch wieder zu gut und somit möchte man dann doch nicht drauf verzichten. „Gegen Jede Vernunft“ ist Soul, Rap, R&B und rockt. Ja genau, das Stück rockt. „Typisch Ich“ wird danach wesentlich elektronischer, von dieser Machart haben die Schwaben allerdings schon ein paar im Gepäck. Dafür sind die Skillz schon ganz fett! Ein Höhepunkt der Platte, die an Höehpunkten nicht gerade arm ist.

 

Und dann gibt es Streicher. „Wie Geliebt“ lebt von den typischen und düsteren Thomas D Elementen, während der Refrain von Michi Beck zuckersüß getragen wird. „Single“ ist thematisch schön aufgearbeitet – hat natürlich nichts mit einem Beziehungsstatus zu tun – bleibt musikalisch aber etwas im Niemandsland stecken. „Disco“ wird von der wundervollen Miss Platnum aufgewertet, ist aber auch eher zu den ruhigen Songs zu zählen. „Der Mann Den Nichts Bewegt“ kann auch kaum Akzente setzen. „Frieden Wie Denn“ erinnert dann aber an das großartige „Lauschgift“. „Türen sind nur da wo Mauern sind“. Recht haben sie! „Gott Ist Mein Zeuge“ ist ein kitschiges, aber schönes Liebesgedicht. Typisch Thomas D, da ist er wieder der Reflektor. Und was ist denn bitte „Das Spiel Ist Aus“ zum Schluss für ein Brett. Gitarren? Drums? Groovemonster und Crossover, aber von der guten Sorte. Die Fantastischen Vier sind definitiv zurück!

 

Fazit: 25 Jahre Fanta 4. 25 Jahre, in denen die deutsche Rap- und HipHop-Kultur verändert wurde. Die vier Schwaben sind die Vorreiter für all dies. Mit „Rekord“ hauen sie nun noch mal ein sehr vielfältiges Album raus. Die Platte hievt die Könige wieder auf ihren rechtmäßigen Thron zurück. Bissig und angriffslustig, aber auch mal sehr poppig – auf „Rekord“ sind die Grenzen fließend. Es ist gut zu wissen, dass Die Fantastischen Vier auch nach 25 Jahren hungrig sind und immer noch interessante Alben veröffentlichen!

 

https://diefantastischenvier.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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