Deichkind: Niveau Weshalb Warum

Deichkind: Niveau Weshalb Warum

Sultan Günther Music/Universal

VÖ: 30.01.2015

 

Wertung: 6,5/12

 

Entweder man liebt oder hasst sie. Dazwischen gibt es scheinbar nichts. Deichkind melden sich mit dem programmatischen Titel „Niveau Weshalb Warum“ zurück. Jetzt allerdings auch mit eigenem Label. Sultan Günther Music macht die Herren also auch noch zu Unternehmern. So ganz alleine geht es aber natürlich nicht – selbst im Jahre 2015 nicht. Folglich ist mit Universal einer der letzten verbliebenen Riesen mit im Schlauchboot. Macht ja für beide Seiten durchaus sehr viel Sinn. Und wer lehnt schon einen so dicken Fisch wie Deichkind ab? Es wird der Band nämlich durchaus sehr viel Liebe entgegen gebracht und die Massen liegen ihnen zu Füßen. Das Musikgeschäft hängt ja längst am Tropf, da kann man einen Act, der gute Absatzzahlen quasi garantiert, natürlich auch mal als Vertrieb unterstützen. Deichkind profitieren dadurch selbstverständlich. „Niveau Weshalb Warum“? Darum, weil sie es können. Auch ohne Niveau. Wie alle anderen auch.

 

Mittlerweile kommt man als Schreiberling dieser Zeilen nicht mehr umhin sich mit Deichkind auf persönlicher Ebene auseinanderzusetzen. Warum finden derart viele Leute, deren Meinung man schätzt, Deichkind nur so gut? Warum findet man selbst da keinen Zugang? Warum legt man das genervt unter Balla-Balla-Trash ab? Weil es genau das ist? Weil sich Deichkind so auch sehen? Mit jedem neuen Album stellen sich all diese Frage – und noch ein paar mehr – auf ein Neues. Bei „Niveau Weshalb Warum“ ist das – wie könnte es auch anders sein? - natürlich nicht anders.

 

Dreizehn Songs, die mal wieder das volle Deichkind-Brett zu bieten haben. Dreizehn Songs, die textlich der Gesellschaft mal wieder den Spiegel vor die Nase halten. Natürlich geschieht dies wieder um drei Ecke und mit einer gehörigen Portion Ironie bis hin zum Zynismus. Die Deichkinder machen das wieder derart charmant, dass der in den Songs angesprochene Personenkreis es selbst gar nicht bemerkt und lustig dazu mitwippen wird. „Like Mich Am Arsch“ - der Titel wurde natürlich wieder so gewählt, dass er voll auf die Fresse geht. Deichkind eben.

 

Musikalisch ist das der mittlerweile typische Deichkind-Electro-Trash-Punk-Pop. Alles wie gehabt? Nicht ganz, denn teilweise hören sie sich jetzt wie Fischmob an. Und dies ist bitteschön als Kompliment zu verstehen, denn die Hamburger waren nun wirklich ganz groß! Aber zurück zu Deichkind. „Bück Dich Hoch“ heißt nun „Denken Sie Groß“, kann allerdings längst nicht mit einer solchen Hookline glänzen. Deichkind wärmen da eher die Suppe noch mal auf. Man weiß ja wie das schmeckt. Das sloganhafte „Powered By Emotion“ kommt da schon fluffiger, kocht musikalisch aber eher auf der Electrosparflamme. Würde es sich hier nicht um Deichkind handeln, dann wäre dieses 80er Gedöns komplett belanglos. „Porzellan Und Elefanten“ ist es dann. Eine Ballade der Durchgeknallten mit dem Sound der 90er Eurodance-Welle. Herrschaftszeiten. „Was Habt Ihr“ knallt da schon besser, wobei das letztlich auch nur Boller-Dance-Soße ist.

 

„Der Flohmarkt Ruft“ ist sogar bei Laid Back und „Bakerman“ abgekupfert – könnte ja glatt eine Coverversion mit etwas aufgepepptem Sound sein. „Naschfuchs“ bringt alle Hitqualitäten für die Festivalsaison mit. Das wird eine Party! Autotune gefällig? „Die Welt Ist Fertig“ kann da aushelfen. Eurodance von Deichkind. Eigentlich wird der gute Text so unter Wert verkauft. „Hauptsache Nichts Mit Menschen“ lässt das Album gar dem Ende entgegen wabern, wäre da nicht mit „Oma Gib Handtasche“ noch mal ein ordentlicher Weckruf von Deichkind. Alles wie immer also? Ja!

 

Fazit: Deichkind hauen auch auf „Niveau Weshalb Warum“ wieder die allseits bekannten Plastik-Boller-Beats mit 80er Trash raus und begeben sich dann sogar auch noch auf das unschöne Feld des Eurodance. Das kennt man ja von den Herren. Man kennt auch die lyrischen Ergüsse und da haben sie weitaus mehr zu bieten. Sogar weitaus mehr als die meisten ihrer Kollegen. Sie halten uns allen einfach mal den Spiegel vor die Nase. Mit Humor, bisweilen auch etwas flachem Humor, aber auf eine charmante Art. Werbe-Claims, soziale Medien und Erste-Welt-Probleme werden da thematisiert. Man könnte auch sagen „Niveau Weshalb Warum“ ist ein dicker Mittelfinger für unsere Gesellschaft. Live wird die Musik dann auch noch für eine große Party sorgen. Deichkind haben mal wieder alles richtig gemacht - muss ja nicht jeder verstehen!

 

http://www.deichkind.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Deichkind: Befehl Von Ganz Unten

Deichkind: Befehl Von Ganz Unten
Universal
VÖ: 10.02.2012

 

Wertung: 5/12

 

Deichkind schaffen es zumindest mit jeder Platte immer wieder auf ein Neues und man fragt sich, ob die Kirmestruppe einen nicht gehörig auf den Arm nehmen will oder ob die das tatsächlich ernst meinen?! Vielleicht ist dies auch der Grund, dass „Befehl Von Ganz Unten“ jetzt genau zur Karnevalszeit erscheint. Hat das noch was mit Musik zu tun? Man kann zumindest drüber streiten und die Diskussionen dürfen gerne kontrovers geführt werden.

Deichkind kennen anscheinend die eigenen Stärken. "Die Platte von Deichkind war nich' so mein Ding / Doch ihre Shows sind leider geil" aus „Leider Geil (Leider Geil)“ bringt es dann auf den Punkt. Wer schon mal eine Show der Chaostruppe besucht hat berichtet jedenfalls von unglaublichen Dingen. Nun denn, das erklärt mit Sicherheit auch die großen Hallen, die sie bespielen und die Massen, die sie zum Ausrasten bringen. Musikalisch knüpft das dann auch leider nahtlos an „Arbeit Nervt“ an. Kirmesklimbim der schlimmsten Sorte. „Illegale Fans“ mag von textlicher Seite ja noch in Ordnung sein, aber die Synthies nerven einfach nur. Immerhin haben sie sich konsequent von der ehemaligen HipHop-Combo, die sie waren, weiterentwickelt. Man fragt sich allerdings immer noch wie da Ferris MC reinpasst.

Die Monotonie von „Partnerlook“ raubt einem jedenfalls den letzten Nerv. „Der Mond“ auch, aber auf eine anderen - viel subtileren - Ebene. Auf erschreckende Art und Weise ist das derart glattgebügelt und poppig aufbereitet, dass es auch ebenso von Polarkreis 18 sein könnte. Dass „99 Bierkanister“ live funktionieren wird ist klar. Die Nummer knallt – gar keine Frage. Und die Basslinie von „Befehl Von Ganz Unten“ ist natürlich die geborene Einladung zum Durchdrehen. Die Single „Bück Dich Hoch“ ist selbstverständlich in jeglicher Hinsicht ein Knallbonbon. Hier dürfte sich so ziemlich jeder Arbeitnehmer wiederfinden. Das Ding ist ganz nett gemacht und selbstverständlich ist das ein verdammter Ohrwurm.

Die Frage nach Ferris wird spätestens mit „Egolution“ beantwortet. Der Junge feuert messerscharfe Skillz ab und man fragt sich, warum man ihn nicht öfters in den Vordergrund lässt. Den fiependen und nervigen Beat kriegt aber selbst er nicht übertönt. "Was ich nicht will was man mir tut, das füg' ich gerne andern zu. Die Welt dreht sich nicht um die Sonne, sondern nur um mich". Noch Fragen? Das Discogeboller von „Der Strahl“ ist dafür an Stumpfsinn nicht zu überbieten. Den besten Track haben sie sich dann bis zum Schluss aufgehoben und dabei war „Die Rote Kiste“ sicher als Spaß gedacht. Hier treten übrigens Slime ordentlich Arsch.

Fazit: Das Fazit zu „Arbeit Nervt“ kann man fast wortwörtlich übernehmen. „Befehl Von Ganz Unten“ macht alle glücklich, die mit dem letzten Album von Deichkind schon eine Menge Spaß hatten. Alle anderen sollten tunlichst ihre Finger von der Scheibe lassen. Was beim flüchtigen, ersten Durchlauf noch als Witz verstanden werden kann, nervt spätestens bei der zweiten Runde. Vielleicht muss man einfach anders gepolt sein um dieses Werk zu verstehen. Hört die Signale? Bei mir sind sie jedenfalls nicht angekommen…Eins muss man Deichkind neben den Bühnenqualitäten aber lassen, sie sind immer für eine Knaller-Single gut: „Bück Dich Hoch“. Nein, machen wir aber nicht! Ist aber trotzdem gut! Ihr Konzept ziehen Deichkind gnadenlos durch – also auf zu den Konzerten und im Kollektiv am Rad drehen. Oftmals heißt es: Die Platte verspricht ganz viel, hält aber letztlich nur wenig. Auch das trifft auf Deichkind nicht zu, denn hier wird alles gehalten was man sich davon versprochen hat. Der Erscheinungstermin ist jedenfalls perfekt gewählt: Alaaf!

http://www.deichkind.de/landingpages/bueck-dich-hoch/index.php

Text: Torsten Schlimbach

Deichkind: Arbeit Nervt

Deichkind: Arbeit Nervt

Universal

VÖ: 17.10.2008

 

Wertung: 4/12

 

Deichkind haben irgendwann mal als HipHop-Band angefangen. Mittlerweile hat die Truppe ein fast gänzlich anderes Gesicht. Es hat sich einiges getan seit dem Bundesvision Song Contest aus dem Jahre 2005 und dem letzten Werk „Aufstand im Schlaraffenland“. Malte ist weg und Buddy Inflagranti suchte ebenfalls das Weite. Dafür ist nun Ferris MC mit an Bord. „Arbeit Nervt“ ist nun also das neue Lebenszeichen der kunterbunten Truppe. Das Video zur Single zeigt ja im Groben schon, wohin die Reise gehen wird.

 

Wem das Niveau von der letzten Scheibe zugesagt hat, der wird auch mit „Arbeit Nervt“ sehr glücklich werden. Dies trifft nicht nur auf die Texte, sondern auch auf den Sound zu. Willkommen auf dem Deichind-Rave. Es werden wieder jede Menge Synthies ins Rennen geschickt und selbstverständlich gibt es auch wieder die obligatorischen Stimmverzerrer. Wer gehofft hatte, dass Deichkind wieder zurück zum HipHop finden, der sollte die Finger von der Scheibe lassen. Hin und wieder erinnert das Gehörte hier sogar an die schlimmsten Kirmestechnozeiten.

 

Die Single „Arbeit Nervt“ dürfte ja mittlerweile hinlänglich bekannt sein und ein gewisses Hitpotenzial kann man der Nummer sicher nicht absprechen. Auf Albumlänge ist der Witz allerdings ermüdend und nur halb so spannend. Vielleicht verstehe ich den ironischen Unterton nicht oder kann den lyrischen Ergüssen hier nicht folgen, aber schon bei „Hört Ihr Die Signale“ ist mir die Lust auf ein gesamtes Deichkind-Album deutlich vergangen. Prolllyrik und eine musikalische Reise in die 80er sind dann nicht mehr so ganz meine Tasse Tee. Vielleicht sind die Slogans ja wie gemacht für die Schulhöfe dieser Welt, aber eine Formation, die nun auch schon mehr als  zehn Jahre im Geschäft ist, sollte dann doch schon eine Stufe weiter sein.

 

Die Texte sind bemüht komisch und bisweilen recht grenzwertig. „Ich und mein Computer“ ist dann beim ersten Durchgang sogar noch recht witzig, nervt aber spätestens in der zweiten Runde mit einer furchtbaren Mischung aus Captain Future-Titelmelodie und Kraftwerk-Anleihen. Tja, so rauschen große Teile des Albums an mir vorbei. Da, wo die letzte Scheibe noch irgendwie als innovativ durchging, klingt „Arbeit Nervt“ nur nach Wiederholung und einem lauen Aufguss. Ausgerechnet die Songs, die eben nicht so bemüht auf witzig getrimmt sind und mit einer Art Gesangslinie aufwarten, wissen zu gefallen. „Luftbahn“ wäre auch schon von Peter Schilling nur leidlich spannend gewesen, aber hier ist dies eine wohltuende Auflockerung und Abwechslung. Danach geht es dann allerdings mit „Metro“ wieder auf die Tanzfläche und in den Technotempel. „Gut dabei“ basiert auf einem Sample von Gary Glitter, ist insgesamt aber nur leidlich spannend und spätestens hier fragt man sich dann doch, was uns der Künstler hier sagen möchte.

 

Fazit: „Arbeit Nervt“ macht alle glücklich, die mit dem letzten Album von Deichkind schon eine Menge Spaß hatten. Alle anderen sollten tunlichst ihre Finger von der Scheibe lassen. Was beim flüchtigen, ersten Durchlauf noch als Witz verstanden werden kann, nervt spätestens bei der zweiten Runde. Vielleicht muss man einfach anders gepolt sein um dieses Werk zu verstehen. Hört die Signale? Bei mir sind sie jedenfalls nicht angekommen…

 

http://www.deichkind.de



Text: Torsten Schlimbach

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