Deftones: Koi No Yokan

Deftones: Koi No Yokan

Warner

VÖ: 09.11.2012

 

Wertung: 9/12

 

Zwei Jahre sind vergangen seit die Deftones das gute „Diamond Eyes“ auf die Menschheit losließen. Leider haben das weit weniger Leute mitbekommen als es die Band verdient hätte. Die Hochphase der Band war seinerzeit mit „White Pony“ erreicht und von da an waren die Deftones plötzlich Superstars. Warum wussten sie wohl selber nicht so genau. Es gab Zeiten, da waren Linkin Park noch die Vorband der Jungs aus Sacramento. Fälschlicherweise wurden die Deftones schnell in die Nu Metal Schublade gesteckt. Auch die Emo-Keule schwang man schnell, dabei machte die Band doch schon immer ihr ganz eigenes Ding.

 

„Koi No Yokan“ heißt frei übersetzt Liebe auf den ersten Blick und genau das trifft auf diese Platte auch zu. Fans werden die Scheibe sofort in ihr Herz schließen und heiß und innig lieben. Natürlich gibt es auf diesem Album nichts zu hören, was es nicht auch schon in der Vergangenheit von dieser Band musikalisch zu entdecken gab. Für „Koi No Yokan“ haben sie sich mit ihrem bewährten Produzenten Nick Raskulinecz in dessen Studio in Los Angeles eingefunden. Der Mann weiß ja, wie man die Band richtig in Szene setzt, er hat ja schließlich schon für den Sound auf dem letzten Album gesorgt.

 

Das siebte Album ist zudem eine richtige Gemeinschaftsarbeit. Die Truppe hat sieben bis acht Stunden während der Zeit des Aufnahmeprozesses gemeinsam an diesem Werk herum geschraubt und eben nicht jeder für sich im stillen Kämmerlein. Chino Moreno merkte dazu im Vorfeld an, dass es Zeiten gab, da hatte die Band komplett verlernt miteinander zu kommunizieren. „Diesmal begannen die Arbeiten zu jedem einzelnen Song damit, dass wir alle im gleichen Raum, zur gleichen Zeit waren und einfach angefangen haben, zu spielen!“ Und genau das hört man dem Album nun auch an.

 

Unter den elf Songs befinden sich mit „Entombed“, „Romantic Dreams“ oder „Rosemary“ auch solche, die balladenhaft, ruhiger und nicht so sehr nach vorne gehen. Durch die teilweise vielen Schichten und natürlich durch den emotionalen Gesang beziehen diese Tracks ihre Schönheit. „Rosemary“ ist gar einer der wundervollsten Nummern der Bandgeschichte. Der Grad zwischen Härte und Leichtigkeit ist sowieso fließend. „Swerve City“ zwirbelt sich derart druckvoll in die Gehirnwindungen, dass Sepultura jetzt eigentlich die Karriere an den Nagel hängen könnten. „Gauze“ fräst sich ebenfalls sehr dynamisch durch das Klanggewitter. Das Stück bezieht seine Stärke durch die Rhythmuswechsel der treibenden Drums. Mit „Good Squad“ und „Poltergeist“ finden sich natürlich auch solche Songs hier wieder, die im Grunde auf jedes Werk passen würden. Wenn es auf diesem Album einen Schwachpunkt gibt, dann könnte man die mangelnden Variationen ins Feld führen. Auf der anderen Seite lebt dieses Album natürlich auch von einer durchgängig vorhandenen Atmosphäre und einer Art roten Faden. Alles gut also!

 

Fazit: „Koi No Yokan“ der Deftones zeigt die Jungs aus Sacramento in Höchstform. Breitwandsound und Härte, aber auch Schönheit und Leichtigkeit geben sich die Klinke in die Hand. Das siebte Werk schält sich sehr druckvoll aus den Boxen und knüpft nahtlos an die großen Taten der Band an. Sound und Atmosphäre sind zudem durchgängig auf einem hohen Niveau. Wer braucht da noch Variationen um jeden Preis? Die Deftones unterstreichen mal wieder, dass sie zur absoluten Spitze der Alternativszene zählen!

 

http://www.deftones.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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