Deep Purple: Infinite

Deep Purple: Infinite

earMusic

VÖ: 07.04.2017

 

Wertung: 9/12

 

War es das? Angeblich wollen sich Deep Purple mit „The Long Goodbye“-Tour für immer verabschieden. Klar, der Namensgeber der Konzertreise lässt keine weiteren Fragen offen. Hört man sich aber das neue Album „Infinite“ an, dann kann man das nur schwerlich  glauben. So vital und frisch wie die Songs klingen, kann man sich nämlich nicht vorstellen, dass die älteren Herrschaften ohne diese Band überhaupt leben können. „Infinite“ ist durchaus eine Überraschung. Das ist beileibe auch keine Pflichterfüllung, weil man eben ein Album machen musste um noch mal auf Tour gehen zu können. Das Songwriting ist gut und handwerklich macht der Band auch so schnell keiner was vor.

 

Fangen wir damit an, was „Infinite“ alles nicht ist. Die Songs sind sicherlich nicht zeitgenössisch. Warum auch? So sind diese mit Sicherheit zeitloser als der ganze Mist, der heutzutage so veröffentlicht wird. „Infinite“ ist auch keines jener Werke, die die Musikwelt in ihren Grundfesten erschüttern wird. Kann es aber auch nicht sein, denn dafür sind die Herren – bei allem gebotenen Respekt – auch zu alt. Die Revolution sollten die Jüngeren in die Hand nehmen. Warum sie es nicht tun? Vermutlich, weil Musik zum Konsumgut verkommen ist und recht wenig mit einer ausdrucksstarken Kunstform zu tun hat. Wie es gehen könnte, zeigen uns Deep Purple hier auf eindrucksvolle Art und Weise. Klar, Jugendliche werden das nicht cool finden, weil dahinter keine hippe Band steht, sondern eben ältere Herren. Aber das spielt im Grunde ja nun wirklich keine Rolle! Die Songs auf „Infinite“ schlagen auch nicht mehr solche Kapriolen, wie es noch die Nummern auf den Frühwerken taten. Ja und? Das ist alles egal, denn das Album kann was!

 

Deep Purple kommen im Jahre 2017 wesentlich zielgerichteter auf den Punkt. Wo früher immer noch ein Schlenker nach links und rechts unternommen wurde, geht es nun strickt geradeaus. Dies heißt ja nicht, dass die einzelnen Musiker sich nicht auch mal auf ihrem jeweiligen Instrument austoben. Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice sind seit fast 50 Jahren aktiv. Steve Morse und Don Airey vervollständigen seit Jahren die MarkVIII Besetzung. Produzent Bob Ezrin entwickelt sich so langsam auch noch zu einem weiteren Bandmitglied, denn seine druckvolle Produktion tut Deep Purple hörbar gut.

 

Und was kann diese Scheibe nun? „Time For Bedlam“ fängt futuristisch an. Die Stimme wurde verfremdet und die Gitarre ist zunächst in den Hintergrund gemixt worden. Die Hammond-Orgel von Airey ist das dominierende Element, was aber nicht heißt, dass da nicht auch ordentlich auf den sechs Saiten gearbeitet wird. Das Stück hat zudem einen guten Groove. Als störend kann man den teilweise verfremdeten Gesang von Gillan empfinden. Ansonsten ist das schon ein druckvoller, rockiger, gar klassischer Auftakt.

 

So ein lässiges Ding wie "Hip Boots" hätte man Deep Purple gar nicht mehr zugetraut. Das macht schon Laune und wenn das Gitarrensolo aufjault, ist man fast geneigt den alten Tennisschläger aus dem Keller zu holen und vor dem Spiegel mitzumachen.

 

„All I Got Is You“ fängt sakral an. Keyboard und Gitarre sind eine verträumte Einheit. Das Stück steigert sich aber von Sekunde zu Sekunde. Die Nummer hat sogar Ohrwurmqualitäten. Der Moog-Synthesizer wird von einem klassischen und tollen Solo abgelöst – so geht das! „One Night In Vegas“ ist textlich schon mit sehr viel Augenzwinkern versehen. Das Ding rockt, ist aber auch funky. „Get Me Outta Here“ groovt und die Rhythmusabteilung macht einen famosen Job. Ansonsten ist das typische Hardrock-Kost, die auf Dauer eher nervt. „The Surprising“ beginnt als schöne, getragene Ballade. Im Mittelteil entscheiden sich die Herren aber dazu noch mal das Rocktier von der Leine zu lassen. Die Keyboards wirken da eher störend und etwas unrund, als reine Ballade wäre der Song vielleicht etwas nachhaltiger geworden.

 

„Johnny´s Band“ ist auf seine Weise sogar bluesig. Der Refrain ist allerdings schwach und erinnert mehr an die Schunkelatmosphäre eines Schützenfests denn an eine Hardrockband. „On The Top Of The World“ ist dafür vertrackter und kann mit einigen Breaks punkten. „Birds Of Prey“ ist ein Brett! Dafür müssen nicht mal irgendwelche Geschwindigkeitsrekorde gebrochen werden. Der Aufbau zeigt zudem, dass Deep Purple immer noch sehr vielfältig agieren und ein feines Händchen für gutes Songwriting haben. „Roadhouse Blues“ ist natürlich ein Cover des The Doors-Klassikers. Kommt als Albumabschluss ganz gut. Man hört dem Stück durchaus an, dass die Herren Spaß dabei hatten das Ding einzuzimmern.

 

Fazit: Man muss „Infinite“ sicher nicht mit dem Frühwerk von Deep Purple messen! Die Zeiten sind nun mal seit Jahrzehnten vorbei. Trotzdem ist das ein verdammt gutes Hardrock-Album. Die Spielfreude ist immens groß und das Songwriting über weite Strecken sehr überzeugend. Man hört der Scheibe an, dass hier Vollblutmusiker am Werke waren, die dieses Album aus Spaß an der Freude geschrieben und eingespielt haben – nicht weil sie es mussten! „Infinite“ ist definitiv eine musikalische Überraschung des Musikjahres 2017!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Deep Purple: Machine Head (Vinyl)

Deep Purple: Machine Head (Vinyl)

Universal

VÖ: 29.01.2016

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Von Deep Purple erscheint dieser Tage eine schöne Box, die im aktuellen Vinyl-Hype natürlich genau richtig kommt. Enthalten sind sieben von den originalen Mastertapes remasterte LPs auf 180 Gramm Vinyl, die ursprünglich zwischen 1972 – 1987 erschienen. Die wichtigen und wegweisenden Alben davor sind somit nicht Bestandteil dieser Veröffentlichung. Man kann jetzt über Sinn und Unsinn einer solchen Veröffentlichung streiten, zumal die Alben alle schon mehrfach auf Vinyl erschienen sind, sich auch schon als Remaster in den Schränken der Fans und Sammler wiederfinden und es sich zudem bei diesen Ausgaben nun um keine überarbeiteten Versionen handelt. Es gab aber ja auch nichts zu verbessern, insofern machte das ja auch keinen Sinn. Selbstverständlich ist mit „Machine Head“ auch eines der Referenzwerke von Deep Purple enthalten.

 

„Machine Head“ liegt als Remaster von 2012 vor. Für Fans und Sammler ist dies in dieser Hinsicht nichts Neues. Die 180g-Version liegt sehr gut auf dem Teller und dreht ruhig eine Runde nach der anderen, was natürlich an der tieferen Rinne liegt und dadurch wird auch der Sound flächiger und ausgewogener. Auf unserem vorliegenden Exemplar sind keine Wellen und Verformungen zu erkennen, auch in dieser Hinsicht hat man einen sehr guten Job gemacht. Wenn man so will, dann erstrahlt „Machine Head“ hier im richtigen (Sound)Glanz, denn natürlich war das Album als LP und Vinyl gedacht und auch so aufgenommen!

 

Die sechste LP von Deep Purple sollte sowieso in keiner vernünftigen Musiksammlung fehlen – optimalerweise als Vinyl vorliegen. Das ist schon ein echter Meilenstein der Musikgeschichte. Alleine die Entstehungsgeschichte von „Smoke On The Water“ füllt ganze Bücher und das ist selbstverständlich einer der unsterblichen Klassiker der Rockmusik. Jeder Gitarrenanfänger wird sich an dem markanten Intro versuchen. Mehr als zwölf Millionen verkaufter Singles sprechen da eine deutliche Sprache. Die Nummer mag die bekannteste der Platte sein, aber das heißt ja zunächst mal nicht viel. Auf „Machine Head“ gibt es definitiv keinen Ausfall. Dieses Album ist derart ausgewogen und vielfältig, dass es auch heute noch keinen Staub angesetzt hat. Deep Purple befanden sich hier auf einem kreativen Höhenflug.

 

Der rockige Beginn mit „Highway Star“ ist immer noch der beste Beginn einer Deep Purple-Platte. Hart, treibend und kompromisslos. „Maybe I´m A Leo“ ist da um einiges gesetzter, aber eben nicht schlechter. Die schon erwähnte Vielfältigkeit zeichnet dieses Album aus und da kommt der Bluesrock der Marke Deep Purple gerade richtig. „Pictures Of Home“ ist gleich mehrfach geteilt. Zunächst darf Paice hinter der Schießbude glänzen, bevor sich Blackmore und Lord in ihren Solobeiträgen in schwindelerregende Sphären spielen. Roger Glover kann hier ebenso auftrumpfen. Mit „Never Before“ nehmen Deep Purple auf ihre Art sogar das vorweg, was mal als Funk gelten wird.

 

„Lazy“ ist ein weiterer, großartige Klassiker von Deep Purple, bei dem insbesondere Jon Lord eine seiner vielen Sternstunden hat. Und dann kommt ja noch „Space Truckin´“ mit einer unglaublichen Gesangsleistung von Ian Gillan. Ein Sänger wie Mike Patton hat sich da einiges abgeguckt.

 

Fazit: „Machine Head“ ist ein beeindruckendes Meisterwerk von Deep Purple und zählt nicht umsonst zur heiligen Dreifaltigkeit des Heavy Rocks. Die Platte gehört nun wirklich in jede Sammlung. Die 180g-Variante ist schon schick, gerade auch klanglich. Verwendet wurde das Remaster von 2012. Man hat es bei der ursprünglichen Version belassen, sprich ohne die grandiose B-Seite. „Machine Head“ wurde aber ja auch schon alleine als amtliche Box geehrt und ist jetzt ja Teil der Box – auch wenn es alle Alben einzeln zu kaufen gibt. Letztlich essenziell für jede Sammlung! Mit Download-Code.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Deep Purple: In Concert 72

Deep Purple: In Concert ´72

Warner

VÖ: 13.06.2014

 

Wertung: 9/12

 

Deep Purple waren 1972 auf einem ihrer vielen Höhepunkte angekommen. Die Mk.II-Besetzung ist nicht nur legendär, sondern auch die beste dieser Band. Darüber gibt es kaum zwei Meinungen und nicht wenige Fans sprechen da sogar von der einzige wahren Deep Purple Ausgabe. 1972 hatte „Fireball“ eigentlich noch keinen Staub angesetzt und zu diesem Zeitpunkt nicht mal ein Jahr auf dem Buckel, da gab es mit „Machine Head“ im April schon einen amtlichen Nachfolger. Am 9. März wurden die Songs der noch nicht veröffentlichten Platte im Paris Theatre in London vorgestellt. Es waren eben andere Zeiten, so etwas wird heutzutage bevor das jeweilige Album nicht veröffentlicht ist, ja kaum noch gemacht. Das Ereignis wurde damals von der BBC für die Sendung „Sound Of The Seventies“ mitgeschnitten und liegt jetzt als CD vor.

 

Ganz neu ist „In Concert ´72“ allerdings nicht, denn das wurde schon in der Geburtstagsedition für „Machine Head“ veröffentlicht und vor zwei Jahren gab es die ganze Sause auch schon auf Vinyl zu bestaunen. Man hat daran nun auch nichts mehr geändert und auf den Mix von 2012 zurückgegriffen. Kann man machen, denn in den zwei Jahren ist die Technik nun nicht soweit fortgeschritten, dass man da noch mal Quantensprünge beim Sound erwarten könnte. Abgesehen davon ist der Sound durchaus gut bis sehr gut. Der Bass ist sehr druckvoll und das Schlagzeug scheppert sehr schön. Das Gitarrenspiel von Ritchie Blackmore kommt sehr klar herüber und auch das Keyboard von Jon Lord ist bisweilen fein austariert. Ian Gillan ist dabei das Zentrum. Vor zwei Jahren gab es übrigens im Hinblick auf den Klang der Platte auch ein paar kritische Stimmen – Gemotze auf hohem Niveau kann man da nur sagen!

 

Die CD kann nun übrigens für acht Euro erworben werden! Klar, die Hardcore-Fans haben das Teil ja schon mehrfach im Schrein stehen, aber trotzdem wird da bei dem einen oder anderen noch eine Lücke klaffen, die jetzt für kleines Geld geschlossen werden kann. Das 12-seitige Booklet ist sehr informativ und macht auch optisch aufgrund der vielen Fotos einen guten Eindruck. Insgesamt – und unter Berücksichtigung des geringen Preises – ist das tatsächlich eine wertige Angelegenheit geworden.

 

„In Concert ´72“ ist eine sinnvolle Ergänzung zu „Made In Japan“, zumal die Trackliste nicht identisch ist. Zentraler Song des Albums ist „Space Truckin´“. Das ist Progrock in seiner schönsten Form. Die Band lotet hier sämtliche Randgebiete der Populärmusik aus. Ian Paice hält da oftmals stoisch den Beat, während seine Kollegen dem Wahnsinn verfallen. Jon Lord bringt die klassische Komponente mit, wechselt aber auch schnell zur Avantgarde, während Blackmore die Finger flitzen lässt. Paice wiederum darf sich aber auch mal austoben und dann hält Roger Glover den ganzen Laden zusammen. Mit herkömmlichen Melodien und Songstrukturen hat das nur noch wenig zu tun. Auf eine andere Art kultivierten die Einstürzenden Neubauten derartige Zerstörungen. Wer es nicht glaubt, der höre sich bitte noch mal „Space Truckin´“ an. Dies unterstreicht zudem, dass Deep Purple - gerade auch auf der Bühne – extrem vielseitig und wandlungsfähig waren. Der Überhit „Smoke On The Water“ mit seinem bekannten Riff könnte nicht weiter davon entfernt sein. Der Titel liegt hier in einer sehr schönen und druckvollen Version vor.

 

„Highway Star“ zeigt zu Beginn, dass Deep Purple die Chefs im Hardrock-Ring jener Tage waren. „Strange Kind Of Woman“ wird anschließend genüsslich ausgekostet und episch in die Länge gezogen. Die Band scherte sich einen Dreck um die gängigen Formate und war meilenweit davon entfernt. Das Ding rockt, baut aber auch einen sehr schönen Spannungsbogen auf. „Maybe I´m A Leo“ groovt, hat aber auch gleichzeitig den Blues. Von diesem Stück gibt es übrigens auch noch eine Aufnahme vom Soundcheck zu hören, die eine gute Minute kürzer ist, aber ansonsten natürlich nahe an der späteren Live-Version angelehnt wurde – was auch sonst?

 

Fazit: „In Concert ´72“ unterstreicht nachhaltig, dass Deep Purple in der Mk.II Formation zu den besten Livebands ihrer Generation gehörten. Hier wird das Album „Machine Head“ vorgestellt und das auf eine sehr ausgefeilte und druckvolle Art und Weise. Das Material ist zwar nicht unveröffentlicht, kommt jetzt aber zum Freundschaftspreis erstmals als Einzel-CD in den Handel. Wer auf handgemachte Livemusik abfährt und zudem auch noch ein offenes Ohr für die Randgebiete der Rockmusik hat, sollte sich dieses Album unbedingt zulegen!

 

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Text: Torsten Schlimbach

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Deep Purple: Made In Japan

Deep Purple: Made In Japan (Deluxe Edition)

Universal

VÖ: 16.05.2014

 

Wertung: 11/12

Tipp!

 

„Made In Japan“ gehört zu den wegweisenden Live-Alben der Rockgeschichte. Darüber kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben und hier sind sich Kritiker und Fans ausnahmsweise mal einig. Deep Purple wussten seinerzeit wohl selber nicht, was sie da für ein Schätzchen aufgenommen hatten, denn eigentlich war nur eine Veröffentlichung für den japanischen Markt angedacht. Es kam glücklicherweise anders und noch heute entdecken immer wieder unzählige Musikfans dieses Manifest. Das Album kommt nun in einer remasterten Version und in verschiedenen Konfigurationen erneut in den Handel.

 

Die sieben(!) Songs wurden während drei Konzerten zwischen dem 15. und 17. August 1972 in der Festival Hall, Osaka, und im Nippon-Budokan, Tokio aufgezeichnet. Für viele Fans und Kenner ist diese legendäre Mark II Besetzung - namentlich Ian Gillian, Roger Glover, Ian Paice, Jon Lord und Ritchie Blackmore – die einzige wahre Deep Purple Besetzung. Warum das so ist, kann man nun noch mal wunderbar auf „Made In Japan“ nachvollziehen. Gerade live entfaltete die Band eine Kraft, wie es nur ganz wenigen anderen gelingt. Hart, melodisch und doch immer frei von Zwängen und Konventionen. Es handelt sich hierbei um unglaublich versierte Musiker, die einem großen Hang zur Improvisation frönen.

 

Und diese Improvisationen sind es, die dieses Doppel-Album so wertvoll machen. Zunächst liest sich die Trackliste mit sieben Songs ja nicht gerade so, als würde man hier besonders viel geboten bekommen. Das genaue Gegenteil ist der Fall! Mit „Highway Star“ geht es noch in relativ sicheren Gewässern los. Kurioserweise wurde diese Konzerteröffnung in späteren Jahren als Show-Closer verwendet. Mit „Child In Time“ gibt es dann aber kein Halten mehr. Das Stück fängt zwar sehr stark an die Studioversion angelehnt an, im Mittelteil lässt Blackmore aber die Finger flitzen, dass einem der Atem stocken kann. Jon Lord folgt im spielend und Glover und Paice liefern dazu den perfekten Unterbau. An derartigen Improvisationen würde so ziemlich jede andere Band scheitern, Deep Purple fangen da erst an. Auch das – mittlerweile – ausgelutschte „Smoke On The Water“ erfreut sich nämlich höchst interessanter Wendungen.

 

Aber auch Gillian setzt mit seiner Stimme immer wieder Glanzpunkte und fungiert diese als weiteres Instrument um, wie man beim grandiosen „Speed King“ auf der zweiten CD nachhören kann. Auch hier nimmt sich die Band alle Freiheiten und lotet alle Möglichkeiten aus, nur um im nächsten Moment wieder zum eigentlichen Song zurückzukommen. Wie die ganze Band das immer wieder als Einheit schafft ist schon beeindruckend und dies auch noch bei dem Tempo, welches durchaus schneller wie die Studioversion ist. In jeglicher Hinsicht beeindruckend! Und ja, damals war auch die Zeit für ein Drumsolo. Paice hatte es aber auch wirklich drauf und so ist „The Mule“ in dieser Hinsicht eine weitere Sternstunde. „Strange Kind Of Woman“ und „Lazy“ sind Lichtjahre von der Studioversion entfernt, weil die beiden Songs in der Live-Version so viel besser sind. Erst hier scheint die Band zur Essenz der Songs zu kommen und besonders Blackmore fühlt sich hörbar wohl.

 

CD 2 enthält übrigens die Zugaben der Konzerte vom 15. und 16. August 1972 in Osaka und vom 17. August des Jahres in Tokio. Dies bedeutet dann gleich dreifach „Black Night“ und zweifach „Speed King“. „Lucille“ vom 18. August komplettiert diesen Teil sehr schön. Von „Black Night“ und „Speed King“ kann man aber nicht genug bekommen. Bessere Aufnahmen dürften von diesen beiden Stücken wohl nicht mehr auftauchen. Die Härte und die Geschwindigkeit sind schon überraschend. Insofern ist diese zweite CD nicht nur nettes Beiwerk, sondern tatsächlich eine echte Bereicherung.

 

In der Vergangenheit gab es um „Made In Japan“ ein regelrechtes Veröffentlichungschaos und derart viele Versionen auf dem Markt, dass man da kaum durchblicken kann. Diese remasterte Ausgabe ist klanglich jedenfalls brillant und besser wie so mancher Vorgänger. Da kann man sich schon mal gepflegt die Frisur neu legen lassen. Das Ding macht auch in dieser Hinsicht sehr viel Spaß! Das feine Booklet rundet die Geschichte sehr schön ab!

 

Fazit: Deep Purple waren in der Mark II Besetzung eine der besten Livebands ihrer Generation. „Made In Japan“ verdeutlicht dies einmal mehr. Die Kraft, der Hang zur Improvisation, Geschwindigkeit und Härte lassen die Studioversionen da schon recht blass aussehen. Die remasterte Ausgabe ist klanglich schon sehr amtlich. Wer „Made In Japan“ bis zum heutigen Tage noch nicht in seiner Sammlung stehen hat, sollte diese Lücke nun schleunigst schließen, denn diese beiden CDs lassen abermals keine Zweifel daran aufkommen, dass dies eine der besten Live-Veröffentlichungen der Rockgeschichte ist!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Deep Purple: The BBC Sessions 1968 – 1970 (Doppel-CD)

Deep Purple: The BBC Sessions 1968 – 1970 (Doppel-CD)

EMI

VÖ: 04.11.2011

 

Wertung: 9/12

 

Gut, dass es die BBC Sessions gibt! So manche Fangemeinde durfte sich an Aufnahmen des jeweiligen Lieblingskünstlers erfreuen, die von besonderem Wert waren. Von Led Zeppelin bis Jimi Hendrix ist so manche Größe der 60er und 70er vertreten. Mit Deep Purple kommt nun eine weitere Gruppe hinzu, die im Zeitraum von knapp zwei Jahren ganz beachtliche Versionen aufgenommen hat. Danach lechzen schon viele Fans seit Jahrzehnten, jetzt ist es endlich soweit!

 

„The BBC Sessions 1968 – 1970“ von Deep Purple zählt zu den begehrtesten unveröffentlichten Aufnahmen von Deep Purple. Die beiden CDs lassen einen als Zuhörer zudem an der Entwicklung dieser Band teilhaben. Diese ist schon höchst beachtlich und erstaunlich. Gerade die Anfänge im Jahre 68 und der Schluss im Jahre 70 klingen, als hätte man es mit zwei völlig verschiedenen Bands zu tun. Die erste Session aus dem Juni 68 hat mit „Hush“ zwar schon einen Klassiker mit an Bord, aber gerade „One More Rainy Day“ und die Coverversion des Beatles Klassikers „Help!“ sind doch sehr gemäßigt und lassen nicht unbedingt darauf schließen, dass man es hier mit dem späteren Hardock-Urgestein schlechthin zu tun hat.

 

Die Qualität ist zu Beginn übrigens nicht sonderlich gut und kommt teilweise über Bootleg-Charakter nicht hinaus. Technische Schwierigkeiten und das Alter der Aufnahmen lassen natürlich auch nicht zu, dass sich das auf heutigem Standard bewegt. Darum geht es aber auch nicht, denn Chronisten werden ihre helle Freude daran haben. Schon im Februar 69 schien die Band deutlich härter geworden zu sein, wovon man sich bei „Hey Boa A Re Bop“ überzeugen kann. Das ist übrigens auch die Session, wo Deep Purple eine lässige Version des Hendrix Klassikers „Hey Joe“ aus dem Ärmel schütteln. Mit „Hush“ ging es los und mit der vierten Version vom Juli 69 wird die erste CD auch schließlich beendet – kürzer, aber auch druckvoller.

 

Die zweite CD dürfte für noch mehr Freude bei den Anhängern sorgen. Der Klang ist deutlich besser und so manches Schmankerl ist hier zu finden. „Ricochet“ lässt dann auch keine Zweifel mehr offen, dass Deep Purple nicht mehr in seichten Gewässern fischen. Im November 69 zauberten sie mit „Speed King“ einen weiteren Klassiker aus dem Hut, der technisch und klanglich kaum Wünsche offen lässt. Hier fängt die ganze Geschichte auch vom Sound her an richtig Spaß zu machen. „Hard Lovin´ Man“ oder „Black Night“ unterstreichen schließlich, dass die Band endlich angekommen war und ihre Identität gefunden hatte. Den Abschluss bildet die epische Version von „Child In Time“, die vielen Fans sogar lieber ist wie die Studio-Version.

 

Fazit: Schön, dass nun auch die „BBC Sessions“ von Deep Purple der Jahre 68 – 70 veröffentlicht werden. Klanglich sind zwar die ersten Aufnahmen nicht sonderlich gut, aber das steigert sich im weiteren Verlaufe der beiden CDs ganz gewaltig. Man kann anhand der chronologischen Anordnung sehr schön die enorme Entwicklung der Band verfolgen. Hier sind zudem einige Raritäten und Schätzchen zu finden. Für Fans fallen mit dieser Veröffentlichung wohl Weihnachten und Ostern auf einen Tag!

 

http://www.deep-purple.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch