Death Cab for Cutie: Codes and Keys

Death Cab for Cutie: Codes and Keys

Warner

VÖ: 27.05.2011

 

Wertung: 10,5/12

Tipp!

 

Vor dem siebten Studioalbum von Death Cab for Cutie konnte einem Angst und Bange werden. Das letzte Werk war nämlich derart gut, dass die neue Scheibe dagegen nur verlieren konnte. Welchen Weg würden sie gehen? Altes aufwärmen? Welche Ansprüche hat die Band überhaupt selber noch? Fragen über Fragen und wenn man sich an einer Antwort versuchte, dann waren sich viele schnell einig, dass das alles nur in die Hose gehen würde. Pustekuchen! Die Band dürfte mit „Codes And Keys“ alle überraschen. Wenn man so will, dann sind diese Songs schallende Ohrfeigen für all´ jene, die schon vorab resigniert abgewunken haben. Aua!

 

Aufgenommen wurde „Codes and Keys“ in verschiedenen Studios der US-Westküste. Angeblich ging das alles schnell und der ganze Prozess zog sich nur über sieben Monate hin. Die Nettozeit, so wird kolportiert, sei aber wesentlich kürzer gewesen. Trotzdem ist das kein Schnellschuss, sondern ein sehr homogenes, ausgereiftes Werk. Es ist anders als „Narrow Stairs“, lässt dessen Klasse aber trotzdem nicht vermissen. Im Gegenteil, denn „Codes And Keys“ gleicht an vielen Stellen einem Meisterwerk. Man kann regelrecht in sphärische Songs und Muster wie bei „Unobstructed Views“ eintauchen.

 

Der Start mit „Home Is A Fire“ ist gar noch bedächtig gewählt. Leichte Elektronik lässt dieses Stück zu einem feinen Popsong der Marke Death Cab for Cutie werden. Das erinnert gar an Radiohead. Wo sich die Briten mittlerweile allerdings oftmals verzetteln, finden Death Cab for Cutie immer wieder den richtigen Ausgang. Der Titelsong „Codes And Keys“ entpuppt sich gar als Pianostampfer, welcher an Ben Folds erinnert. Spätestens mit „Some Boys“ ist man in der Liga von Arcade Fire und deren hochgelobtem letzten Album angekommen.

 

Aber keine Sorge, das Pulver ist dann noch lange nicht verschossen. „Doors Unlocked And Open“ fährt alles auf, was Wilco, die Bright Eyes und Arcade Fire in den letzten Jahren zusammen nicht veranstaltet haben. Zudem groovt das Ding – Entschuldigung – wie Sau! So kann es weitergehen! Tut es aber nicht. Das optimistische „You Are A Tourist“ ist dafür viel zu süßlich und positiv ausgefallen. Ja, „Codes And Keys“ überrascht einen immer dann, wenn man nicht damit rechnet. Wer sich nicht sofort in dieses Album verliebt hat vermutlich einen ganz schlechten Tag.

 

Mit traumwandlerischer Sicherheit hauen sie mal eben ein kleines Popwunder wie „Mondy Morning“ raus. Wer vermisst eigentlich Pavement? Es gibt doch Death Cab for Cutie! Und wenn es schon Pop sein muss, dann bitteschön mit dem Indieeinschlag von „Portable Television“. Hach, ist das schön – und gut! Schön ist ja, dass die Band mit Nummern wie „Underneath The Sycamore“ oder „St. Peter´s Cathedral“ nie in die Belanglosigkeit abdriftet. Die Harmonien und vielen kleinen Spielereien im Hintergrund lassen gar Erinnerungen an die Beach Boys wach werden. Mit dem positiven „Stay Young, Go Dancing“ entlässt einen die Band mit der Erkenntnis, dass sie es geschafft haben, einen mehr als würdigen Nachfolger für „Narrow Stairs“ aufzunehmen!

 

Fazit: „Codes And Keys“ von Death Cab for Cutie ist eine traumwandlerische und schöne Indieplatte geworden. Zwischen Arcade Fire, Radiohead, Wilco und den Bright Eyes besetzt die Band eine Nische, denn derart schöne Songs am Stück können die anderen irgendwie alle nicht. Der erste Anwärter auf den Indiethron für das Jahr 2011 kann nur Death Cab for Cutie heißen!

 

http://www.deathcabforcutie.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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