David Crosby: Sky Trails

David Crosby: Sky Trails

BMG

VÖ: 29.09.2017

 

Wertung: 8/12

 

David Crosby darf und muss man als Musiklegende bezeichnen. Momentan scheint die Folk- und Rockinstitution die Muse wie schon lange nicht mehr zu küssen. Mit „Sky Trails“ erscheint nun schon das dritte Album von Crosby innerhalb von vier Jahren. Wohlgemerkt handelt es sich bei den Songs um eigenes Material! Viele Künstler seines Alters beschränken sich ja gerne auf Coversongs oder nehmen das eigene Material in neuem Gewand erneut auf. Und der Mann hat immer noch was zu sagen und schlägt musikalisch auch gerne noch mal ein paar Haken, die man nicht unbedingt von ihm erwarten würde. „Sky Trails“ groovt hin und wieder nämlich ganz gut, hat aber auch sehr viele leise Momente zu bieten. Der Crosby Spross James Raymond ist übrigens nicht nur als Musiker zu hören, denn er hat für die Platte auch direkt noch die Produktion übernommen.

 

Der Titelsong „Sky Trails“ mag eine Folknummer sein, ist aber auch sehr keltisch angehaucht. Entfernt erinnert das sogar an Clannad. Die feinfühlige Instrumentierung und der fast gehauchte, weibliche Gesang machen das zu einem Kleinod sondergleichen. Das Album ist zudem extrem abwechslungsreich, denn mit „She´s Got To Be Somewhere“ startet Crosby mit einem Song, der eine Mischung aus Jazz und Prog offenbart.

 

„Sell Me A Diamond“ steigert sich sehr schön. Zunächst fängt auch dieser Track beim Folk an, kriegt mit seiner Melancholie aber noch eine erzählerische Note, die die Eagles auch oftmals verwendet haben. David Crosby ist sich seiner Wurzeln stets bewusst und doch gibt es immer wieder ein paar Elemente die aufhorchen lassen, weil man das so vom Meister nicht unbedingt erwartet hätte. „Before Tomorrow Falls On Love“ könnte man sich gut und gerne in einem New Yorker Jazzkeller vorstellen. Der Gesang ist dabei der heimliche Star, denn die Stimme hört sich durchaus zeitlos an. Der Mann ist ja nicht mehr der Jüngste, aber das kann man aufgrund des Gesangs nicht mal erahnen. Auch „Here It´s Almost Sunset“ ist großartig in seiner Instrumentierung, Songstruktur und Arrangement. Mit wenigen Mitteln wird auf filigrane Art etwas Großes geschaffen. Man muss sich allerdings darauf einlassen können, da dies definitiv Songs sind, die eher zum Zuhören gedacht sind.

 

„Capitol“ geht auch in eine jazzige Richtung. Im Vorfeld wurde in Zusammenhang mit diesem Album gerne Steely Dan erwähnt. So verkehrt ist das jedenfalls nicht. „Amelia“ ist vielleicht der typischste Crosby-Song. Bei „Somebody Home“ muss man ganz nahe an die Boxen rücken, damit man nichts verpasst. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde das arrangiert und ist sehr gefühlvoll in der Instrumentierung. „Curved Air“ ist der erste Song, der vielleicht etwas nervt und leider fällt auch „Home Free“ etwas ab, denn Crosby geht da schon etwas die künstlerische Puste aus. Gut, dass „Sky Trails“ danach dann nicht noch mit zwei Songs aus der Füllmaterialecke anagereichert und beendet wurde.

 

Fazit: David Crosby hat mit „Sky Trails“ ein bisweilen gutes und überraschendes Album aufgenommen. Auf den einzelnen Songs finden sich sehr viele Elemente wieder, die man auch vom Jazz kennt. Auch, wenn vieles auf leisen Sohlen daherkommt, hat die ganze Geschichte doch Groove und ist sehr detailverliebt. Zum Ende hin wird es zwar etwas schwächer, aber unter dem Strich hat David Crosby ein gutes Werk – abseits des Zeitgeists – aufgenommen!

 

https://www.davidcrosby.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
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